Wer Asus Boards kauft, muss sich mit Microsoft Windows abfinden
Ich hatte lange recherchiert, bevor ich meine Hardwareliste für den Eigenbau-PC endlich fertig hatte. Mit dem Asus Sabertooth X79 bin ich da ein Risiko eingegangen, hatte aber den vielen guten Reviews und Kundenmeinungen mein Vertrauen geschenkt, ebenso wie dem PC-Händler und dem (vermeintlich) guten Asus-Namen. Das hatte sich letztlich als Fehler erwiesen. Hier eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen:+ Hochwertiges Board mit guten Hardware-Features wie Chipkühlung usw.+ Selbst der optional installierbare 40mm Lüfter über den Heatpipes der Stromversorgung ist superleise, auch nach einem Jahr+ Hervorragende BIOS-Update Lösung über USB+ BIOS Einstellungen sehr vielseitig und flexibel+ Zahlreiche Anschlüsse für Lüfter, selbst für meine zwei CPU-Lüfter waren Anschlüsse da+ Hilfreiche BIOS-Features wie Screenshots, Abspeichern von Konfigurationen usw.- Misserabler Asus Support - die zwingen einen regelrecht, Microsoft zu installieren (mehr dazu unten)- Nachdem bei mir der Marvell SATA Controller nicht funktionierte, blieben mir nur 6 interne SATA Anschlüsse übrig - für mich zu wenig- Schlechte Speicherkompatibilität - war 4 Wochen beim Service, bis endlich 32GB Speicher funktionierten, und das erst nach mehrmaligem Austausch/Herstellerwechsel- Mit dem Einbau weiterer PCIe-Karten gibt es jetzt öfter mal das Problem, dass der PC beim Runterfahren neu startet (d.h. nicht ausschaltet)- Womöglich fehlerhafte BIOS-Software (bez. VT-d Unterstützung)Gleich vorweg: Wer das Board für einen MS-Windows Rechner kauft und nicht vor hat, jemals auf ein anderes Betriebssystem zu wechseln, der kann bei dem Board getrost zugreifen. Diejenigen, die aber mehr Freiheit in der Wahl ihres Betriebssystems suchen, sollten besser die Finger davon lassen.Ich hatte das Asus Sabertooth X79 für seine (nach Herstellerangaben) robuste Hardware und (nach Herstellerangaben) für seine Unterstützung von VT-d (IOMMU) gekauft. Letzteres ist bei meiner Anwendung (Virtualisierung / Xen bzw. KVM) zwingend erforderlich. Hier nun meine Anwendung:Betriebssystem: Linux Mint 14 als dom0 auf Xen HypervisorVM: Windows 7 Pro mit direktem Zugriff auf separate Grafikkarte (VGA passthrough)90% meiner Anwendungen laufen auf Linux - ob Textverarbeitung, Präsentation (beides LibreOffice), Email (Thunderbird) oder aber Musikplayer (gmusicbrowser), DVD-Ripper, Backup- bzw. Synkronisierung von Rechnern. Lediglich für die Bildbearbeitung benötige ich Windows, da Lightroom und Photoshop nicht für Linux erhältlich sind :-(. Daher lasse ich Windows als Virtual Machine auf einem Xen Hypervisor laufen, um damit native Performance und vollen Zugriff auf die Grafikkarte zu bekommen, parallel dazu läuft Linux für alle anderen Anwendungen. Naja, Profis wie Amazon nehmen ja auch Xen für ihren Cloud-Service und nicht Windows.Und hier liegt denn auch das Problem, denn Asus unterstützt NUR Microsoft. Wer wie ich Linux bzw. Xen einsetzt, muss nicht nur auf den Asus-Support verzichten, sondern kann auch damit rechnen, dass eines Tages nach einem BIOS Update nichts mehr funktioniert!!! In anderen Worten, die von Asus angegebenen Leistungsmerkmale des Boards gelten nur bei Einsatz von bestimmten Microsoft Betriebssystemen.Im Asus Forum wurde letztes Jahr von einem Anwender berichtet, dass er nach einem BIOS-Update auf 2002 bzw. 2104 kein VT-d mehr hatte (der Anwender hatte Parallels im Einsatz, eine kommerzielle Virtualisierungssoftware) - siehe hier: [...]Um das gleiche Schicksal zu vermeiden und die Frage nach der VT-d Unterstützung zu klären, wendete ich mich an den technischen Support im Asus Stammhaus. Hier die Antwort: "Dear Valued Customer,Thank you for contacting ASUS Technical Service.1. We don't officially support Linux on desktop motherboard. So, we don't have drivers to provide.2. Maybe you haven't loaded Marvell controller driver.3. We don't broke vt-d in new bios. As long as cpu could support vt-d, you could use vt-d.Sorry for the trouble. Wish you a good day.If you continue to experience issues in the future, please do not hesitate to contact us again.Best Regards,Cherry"Eine dümmere Antwort habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Also Linux wird nicht offiziell unterstützt, soll das heissen, es wird inoffiziell unterstützt? Scheint wohl nicht der Fall zu sein, denn die restlichen Antworten deuten darauf hin, dass die keine Ahnung haben. Bez. des Marvell SATA Controllers musste ich leider feststellen, dass dieser einen Bug hat und nicht unter Virtualisierungssoftware läuft (unter "normalem" Linux aber schon), siehe hier: [...] Ein Workaround scheint noch nicht verfügbar zu sein, die Asus Antwort bez. Treiberinstallation ist natürlich Schwachsinn, da Linux echtes Plug-und-Play unterstützt und SATA Treiber automatisch geladen werden. Antwort 3 bedeutet, dass der Ersteller des Posts im Asus Forum lügt - wem soll ich nun glauben? Die Aussage von Asus "We don't broke vt-d in new bios. As long as cpu could support vt-d, you could use vt-d." ist leider völlig nutzlos, da Asus nicht einmal andeutet, wie und was sie getestet haben. Ehrlich gesagt bezweifle ich sehr, dass Asus sowohl die technische Kompetenz hat, noch überhaupt dazu gewillt ist, einen VT-d Test unter Xen oder irgendeiner anderen Virtualisierungssoftware zu testen, die das VT-d Feature verwendet. Insgesamt hinterlässt die Antwort des Asus Support Mitarbeiters einen sehr schlechten Eindruck.Die mit den BIOS-Upgrades einhergehenden Release-Notes sind auch nicht viel wert: Was soll beispielsweise "Improve system stability" bedeuten? Oder "Enhance compatibility with some USB devices" - welche denn? Auch tauchte bis heute kein Hinweis auf VT-d auf. Ist es nun mittlerweile behoben oder nicht? Aber laut Asus gab es ja nie ein Problem, das bilden sich die Anwender anscheinend nur ein.(In letzter Zeit sind denn auch in einschlägigen Foren Anwenderberichte aufgetaucht, die darauf hinweisen, dass einige (alle?) Asus AMD-Boards fehlerhafte BIOS-Software besitzen und damit IOMMU und Virtualisierung zur Glückssache machen. In einigen Fällen scheint Asus reagiert zu haben und Anwender erhielten denn auf Anfrage auch eine Beta-Version eines neuen BIOS (nachdem diese Anwender den Asus BIOS debugt haben und im Klartext aufzeigten, wo der Fehler liegt und was Asus tun muss, um ihn zu beheben). Dies alles hat aber nichts mit dem vorliegenden Asus Sabertooth X79 zu tun!!!)Kurz und gut, wer unter euch ein Auto kaufen würde, dessen Herstellergarantie nur für deutsche Strassen gilt, der wird hier bedient. Denn genau so verhält sich Asus bez. anderen als den einschlägigen Microsoft-Betriebssystemen. Für die von Asus genannten Features gibt es keine Funktionsgarantie, wenn man etwa Linux bzw. Xen oder VMware einsetzt.Das nächste Mal suche ich mir einen anderen Hersteller, dessen Support wenigstens etwas mehr Kompetenz zeigt (laut Foren scheint ASrock ein Kandidat zu sein, und natürlich Intel bzw. Supermicro und die Hersteller von Serverboards).Da unterschiedliche Anwender verschiedene Entscheidungskriterien haben, hier mein Versuch, meine eigene Enttäuschung mal beiseite zu lassen und Empfehlungen für verschiedene Anwedergruppen zu geben:Das Asus Sabertooth X79 empfielt sich für:* Windows Gamer* Windows Overclocker - hier sind einige gute Features zu finden* Windows Anwender, die eine leistungsstarke und zuverlässige Hardwareplatform suchenFolgende Anwendergruppen sollten meines Erachtens nach die Finger vom Asus Sabertooth X79 lassen:* Linux, BSD usw. Anwender* Virtualisierungsanwender (VMware, Xen, Citrix Xenserver, KVM, Parallels, Virtualbox, evtl. auch Microsoft HyperV Anwender)* IT Manager (spätestens wenn der Chef mal vorschlägt, statt teurer Windowslizenzen den ein oder anderen Rechner auf Opensource umzustellen, möchte ich nicht in der Haut desjenigen stecken, der sagt: "Geht nicht, die Asus Hardware taugt dazu nicht")* Alle, die sich nicht auf eine Single-Vendor Lösung bez. Betriebssystem festlegen wollen oder können* Diejenigen, die einen kompetenten und ehrlichen Support vom Hersteller erwartenIch gebe 3 Sterne in der Bewertung, da die Hardware insgesamt eine der Besseren auf dem Markt ist (mit einigen Einschränkungen bez. Speicherkompatibilität und seltsamen Verhalten bei nahezu Vollbestückung mit PCIe-Karten).