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Suhrkamp Außenseiter
Vom »Denkparadox« und der zugleich geschichtlichen Realität ausgehend, »daß die Anerkennung von Lebensrecht und Würde der existentiellen Außenseiter am besten in jener Ära gesichert war, da adlige Aufklärer unter dem Ancien Régime die bürgerlichen Forderungen vertraten«, entdeckt Mayer das Scheitern des Bürgertums im Versuch, das Unvereinbare zu verbinden: die Forderung nach Sicherung bourgeoiser Herrschaft mit der nach freier individueller Verwirklichung – wie außenseiterisch sich diese als existentiell veranlagte Normabweichung auch ausnehme. Richtet sich Mayers Blick vom historisch Erfahrenen auch wieder nach vorn, fordert er die Fortsetzung von »ihren bürgerlichen und geschichtlichen Ursprüngen abgelöster« Aufklärung als der »permanenten Revolution«, so doch in erklärter Gegenstellung zu einem abstrakt bemühten Utopismus allgemein-gesellschaftlicher Emphase, in der Hinwendung zum letztlich maßgebenden Bedürfnis und Anspruch des Einzelnen.– Das Buch entwickelt seine Problematik beispielhaft und zentral an der Stellung bürgerlicher Gesellschaft und ihrer Literatur zur Frau, zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Judentum. Es gelingt ihm deren darstellerische Bewältigung aus stupender Belesenheit und in methodischer Schmiegsamkeit.
GRIN Eine Analyse von Rahel Jaeggis alternativer Deutung der politischen Theorie Hannah Arendts
Studienarbeit aus dem Jahr 2021 im Fachbereich Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts, Note: 1,0, Universität Konstanz, Sprache: Deutsch, Abstract: Gegenstand dieser Seminararbeit ist die Analyse einer radikal-demokratischen Deutung Hannah Arendts durch die Philosophin Rahel Jaeggi. Jaeggi vertrat im Jahr 2008 die Auffassung, dass die Entstehung einer neuen gesellschaftlichen Konfliktlinie ¿ die Wiederkehr der sozialen Frage seit den 1990er Jahren ¿ dazu geführt hat, dass die neue Emphase, die die Linke aus Arendts Theorie politischen Handelns schöpfte, nicht von langer Dauer war. Hannah Arendt wurde zu ihren Lebzeiten als äußerst unkonventionelle Denkerin wahrgenommen. Die Unmöglichkeit, ihr vieldeutiges Oeuvre einer der drei Hauptströmungen des politischen Denkens des 20. Jahrhunderts ¿ dem Liberalismus, Konservatismus oder Sozialismus ¿ eindeutig zuordnen zu können, musste in den ideologisch zugespitzten Zeiten des Kalten Krieges irritieren. Margaret Canovan prognostizierte daher bereits kurz nach Arendts Tod im Jahr 1975, dass sie aufgrund des unsystematischen und inkonsistenten Charakters ihres Werkes immer wieder für ganz unterschiedliche und miteinander konkurrierende Theoriemodelle ideenpolitisch vereinnahmt werden könnte.
Ay ist das türkische Wort sowohl für der Mond als auch für die Mondin, denn bei Substantiven kennt das Türkische keine Geschlechter. Aber Ay steht auch für den Schmerzenslaut. Was die Mondin über Istanbul mit den Narben und Wunden der Stadt zu tun hat, erkundete die Dichterin auf ihren poetischen Streifzügen durch Istanbul, auf denen sie nicht nur immer wieder der Mondin begegnet, sondern sich auch auf die Spuren der großen Dichter der Türkei macht. kelebek du brauner schmetterling kommst aus dem häusermeer dem staubmeer dem schuttmeer dem zementmeer dem meer aus kirchen synagogen und moscheen dem straßenmeer dem treppenmeer… „Nur wenige Lyriker der Gegenwart riskieren so vorbehaltlos ein romantisches Setting wie die Dichterin Sabine Schiffner. Um der eigenen Emphase gegenzusteuern, streut sie gelegentlich ernüchternde Konterbande in ihre Gedichte. Aber gegen jede Ernüchterung triumphiert immer wieder die Sehnsucht nach dem poetischen locus amoenus.” Michael Braun, Tagesspiegel Berlin Sabine Schiffner wandert in ihren Gedichten durch die vielen Kulturen und Religionen von Istanbul, erlebt Bombenattentate und erinnert Progrome, begegnet der sapphischen Mondin und lässt die Turteltauben fliegen.
Im sonnenüberfluteten Europa entflammte im Sommer 1914 eine bis dahin beispiellose Form von Kriegshysterie. Millionen Männer zogen singend an die Front. Dichter standen dabei überall in vorderster Linie. Englische »war poets« und deutsche Expressionisten, französische Dadaisten und russische Futuristen, flämische, ungarische, baltische Akteure kämpften nicht nur mit der Waffe, sondern auch mit dem Wort. Innerhalb der europäischen Nationen und ethnischen Volksgruppen wogten nationales oder befreiungsbewegtes Pathos, Internationalismus und weltrevolutionäre Emphase, Desillusion, Hass und Verzweiflung unrhythmisch auf und nieder. Geert Buelens liefert mit seinem bereits mehrfach ausgezeichneten Buch ein wahrhaft europäisches Panorama, nicht nur der Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch und vor allem der Menschen, die sie schrieben. Er bezieht dabei neben bekannten Protagonisten wie Pessoa, Majakowski, Marinetti, Apollinaire, Trakl, Sassoon auch viele andere, weniger bekannte Dichter mit ein. »Europas Dichter und der Erste Weltkrieg« ist eine beeindruckend umfassende, engagierte Studie über die gesellschaftliche Tragweite von Literatur, ein temperamentvoll und mit literarischer Ambition geschriebenes Stück Mentalitäts-, Kultur-, Kriegs- und politischer Geschichte.
GRIN Eine Analyse von Rahel Jaeggis alternativer Deutung der politischen Theorie Hannah Arendts A1062263761
Studienarbeit aus dem Jahr 2021 im Fachbereich Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts, Note: 1,0, Universität Konstanz, Sprache: Deutsch, Abstract: Gegenstand dieser Seminararbeit ist die Analyse einer radikal-demokratischen Deutung Hannah Arendts durch die Philosophin Rahel Jaeggi. Jaeggi vertrat im Jahr 2008 die Auffassung, dass die Entstehung einer neuen gesellschaftlichen Konfliktlinie ¿ die Wiederkehr der sozialen Frage seit den 1990er Jahren ¿ dazu geführt hat, dass die neue Emphase, die die Linke aus Arendts Theorie politischen Handelns schöpfte, nicht von langer Dauer war. Hannah Arendt wurde zu ihren Lebzeiten als äußerst unkonventionelle Denkerin wahrgenommen. Die Unmöglichkeit, ihr vieldeutiges Oeuvre einer der drei Hauptströmungen des politischen Denkens des 20. Jahrhunderts ¿ dem Liberalismus, Konservatismus oder Sozialismus ¿ eindeutig zuordnen zu können, musste in den ideologisch zugespitzten Zeiten des Kalten Krieges irritieren. Margaret Canovan prognostizierte daher bereits kurz nach Arendts Tod im Jahr 1975, dass sie aufgrund des unsystematischen und inkonsistenten Charakters ihres Werkes immer wieder für ganz unterschiedliche und miteinander konkurrierende Theoriemodelle ideenpolitisch vereinnahmt werden könnte.
Sich einer Bewegung anzuvertrauen, mit dem Unbestimmten und Fließenden, mit einer Welt voller Verschiedenheit Ernst zu machen und gleichzeitig den Gefühls- und Formenreichtum der Vergangenheit spielerisch und gekonnt aufzugreifen, ohne dass irgendeine weltanschauliche Verbindlichkeit daraus abgeleitet wird - so könnte man die Welthaltung der Lyrik Dirk von Petersdorffs beschreiben. In den fünf Kapiteln seines neuen Gedichtbandes widmet sich der Lyriker, Essayist und Literaturwissenschaftler der Erfahrung des Verschwindens, schreibt "Lieder", die zeigen, dass auch unsere nachromantische Welt welche besitzt, folgt in einer Art stoischem Programm den Jahreszeiten und Szenen aus dem Innenhof eines Hauses und zeigt ?Paare?: vom Kennenlernen über Emphase, Zweifel, Abstand bis zum Festhalten oder Loslassen. Eine Gruppe von Liebesgedichten beschließt den Band, die noch einmal die Formenvielfalt der Petersdorffschen Dichtkunst zeigen. "Erzähl die Mythen auch zu Ende" - zwischen Flirren, Gleißen, Kirke und einer Ausziehcouch in Hannover sind diese Gedichte angesiedelt, die aus ihrer Nähe zur Musik leben. Sie erkunden eine Welt der Rätsel und der intensiven Berührungen, eine Postmoderne, die sich durchaus nach Urzeit sehnt, sie im Jetzt sogar erahnt und sich ihr doch nicht mehr ausliefern kann, zum Preis fortdauernder, aber auch produktiver Unsicherheit.
Suhrkamp Europas Dichter und der Erste Weltkrieg A1032767037
Im sonnenüberfluteten Europa entflammte im Sommer 1914 eine bis dahin beispiellose Form von Kriegshysterie. Millionen Männer zogen singend an die Front. Dichter standen dabei überall in vorderster Linie. Englische »war poets« und deutsche Expressionisten, französische Dadaisten und russische Futuristen, flämische, ungarische, baltische Akteure kämpften nicht nur mit der Waffe, sondern auch mit dem Wort. Innerhalb der europäischen Nationen und ethnischen Volksgruppen wogten nationales oder befreiungsbewegtes Pathos, Internationalismus und weltrevolutionäre Emphase, Desillusion, Hass und Verzweiflung unrhythmisch auf und nieder. Geert Buelens liefert mit seinem bereits mehrfach ausgezeichneten Buch ein wahrhaft europäisches Panorama, nicht nur der Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch und vor allem der Menschen, die sie schrieben. Er bezieht dabei neben bekannten Protagonisten wie Pessoa, Majakowski, Marinetti, Apollinaire, Trakl, Sassoon auch viele andere, weniger bekannte Dichter mit ein. »Europas Dichter und der Erste Weltkrieg« ist eine beeindruckend umfassende, engagierte Studie über die gesellschaftliche Tragweite von Literatur, ein temperamentvoll und mit literarischer Ambition geschriebenes Stück Mentalitäts-, Kultur-, Kriegs- und politischer Geschichte.
Sich einer Bewegung anzuvertrauen, mit dem Unbestimmten und Fließenden, mit einer Welt voller Verschiedenheit Ernst zu machen und gleichzeitig den Gefühls- und Formenreichtum der Vergangenheit spielerisch und gekonnt aufzugreifen, ohne dass irgendeine weltanschauliche Verbindlichkeit daraus abgeleitet wird - so könnte man die Welthaltung der Lyrik Dirk von Petersdorffs beschreiben. In den fünf Kapiteln seines neuen Gedichtbandes widmet sich der Lyriker, Essayist und Literaturwissenschaftler der Erfahrung des Verschwindens, schreibt "Lieder", die zeigen, dass auch unsere nachromantische Welt welche besitzt, folgt in einer Art stoischem Programm den Jahreszeiten und Szenen aus dem Innenhof eines Hauses und zeigt ?Paare?: vom Kennenlernen über Emphase, Zweifel, Abstand bis zum Festhalten oder Loslassen. Eine Gruppe von Liebesgedichten beschließt den Band, die noch einmal die Formenvielfalt der Petersdorffschen Dichtkunst zeigen. "Erzähl die Mythen auch zu Ende" - zwischen Flirren, Gleißen, Kirke und einer Ausziehcouch in Hannover sind diese Gedichte angesiedelt, die aus ihrer Nähe zur Musik leben. Sie erkunden eine Welt der Rätsel und der intensiven Berührungen, eine Postmoderne, die sich durchaus nach Urzeit sehnt, sie im Jetzt sogar erahnt und sich ihr doch nicht mehr ausliefern kann, zum Preis fortdauernder, aber auch produktiver Unsicherheit.
Ay ist das türkische Wort sowohl für der Mond als auch für die Mondin, denn bei Substantiven kennt das Türkische keine Geschlechter. Aber Ay steht auch für den Schmerzenslaut. Was die Mondin über Istanbul mit den Narben und Wunden der Stadt zu tun hat, erkundete die Dichterin auf ihren poetischen Streifzügen durch Istanbul, auf denen sie nicht nur immer wieder der Mondin begegnet, sondern sich auch auf die Spuren der großen Dichter der Türkei macht. kelebek du brauner schmetterling kommst aus dem häusermeer dem staubmeer dem schuttmeer dem zementmeer dem meer aus kirchen synagogen und moscheen dem straßenmeer dem treppenmeer… „Nur wenige Lyriker der Gegenwart riskieren so vorbehaltlos ein romantisches Setting wie die Dichterin Sabine Schiffner. Um der eigenen Emphase gegenzusteuern, streut sie gelegentlich ernüchternde Konterbande in ihre Gedichte. Aber gegen jede Ernüchterung triumphiert immer wieder die Sehnsucht nach dem poetischen locus amoenus.” Michael Braun, Tagesspiegel Berlin Sabine Schiffner wandert in ihren Gedichten durch die vielen Kulturen und Religionen von Istanbul, erlebt Bombenattentate und erinnert Progrome, begegnet der sapphischen Mondin und lässt die Turteltauben fliegen.
Harrassowitz Bishops and Jews in the Medieval Latin West. Bischöfe und Juden im lateinischen Mittelalter A1066426881
Bishops played a central role in the relations between Jews and their Christian environment ever since the beginnings of Jewish existence in medieval Latin Europe. To different degrees and with varying emphases over time, they embodied the church’s principles of both tolerating and limiting Jewish life. As territorial rulers they protected, taxed, but also oppressed and eventually expelled Jews. This collection combines detailed case studies on the bishoprics of medieval Germany, Sicily, Spain, France, England, and Silesia. Seit den Anfängen jüdischer Existenz im lateinisch-christlichen Europa spielten Bischöfe eine zentrale Rolle in den Beziehungen der Juden zu ihrer christlichen Umwelt. In unterschiedlichem Maße und mit zeitlich variierenden Akzenten vertraten sie die kirchlichen Prinzipien der Duldung und der Eingrenzung jüdischen Lebens. Als weltliche Herrscher schützten und besteuerten sie Juden, konnten sie aber auch unterdrücken und schließlich vertreiben. Der Sammelband vereint detaillierte Fallstudien zu den Bistümern des mittelalterlichen Reichs, in Sizilien, Spanien, Frankreich, England und Schlesien.
Die These, die diese Arbeit zu erweisen sucht, ist, dass der Surrealismus wie auch die anderen europäischen Avantgarden ihren Ursprung im Geist der modernen Lyrik finden. Die Emphase, die sie auf den Bildbegriff legten, widerspricht dem nicht, wird damit doch in erster Linie das Wortbild oder die verbale Anschauung akzentuiert: es geht um ein Bild, das zunächst nicht gesehen, sondern gehört und gelesen sein will. In diesem Buch wird mit der herrschenden Praxis, sich den Avantgarden von außen zu nähern und die Erkenntnismittel anderen bereits geprägten Zusammenhängen zu entlehnen, gebrochen. Vielmehr werden die von den Werken selbst angebotenen Kategorien analysiert und auf ihre Tauglichkeit für eine Erkenntnis des in Frage stehenden Phänomens geprüft. Einige der hier vereinigten Studien sind eher theoretischer Natur: sie skizzieren das intellektuelle Kräftefeld, innerhalb dessen die Avantgarden in Erscheinung getreten sind. Andere analysieren dagegen sehr genau konkrete ästhetische Einzelphänomene wie acte gratuit, écriture automatique, hasard objectif, humour noir, jeux de mots, machine celibataire, méthode paranoiaque-critique, objet trouvé etc., die sowohl in ihrer Genese, Struktur und Bedeutung erfasst als auch so miteinander konfiguriert werden, dass sie darin zugleich das kategoriale Fundament für ein Verstehen der europäischen Avantgarden bilden.
Die These, die diese Arbeit zu erweisen sucht, ist, dass der Surrealismus wie auch die anderen europäischen Avantgarden ihren Ursprung im Geist der modernen Lyrik finden. Die Emphase, die sie auf den Bildbegriff legten, widerspricht dem nicht, wird damit doch in erster Linie das Wortbild oder die verbale Anschauung akzentuiert: es geht um ein Bild, das zunächst nicht gesehen, sondern gehört und gelesen sein will. In diesem Buch wird mit der herrschenden Praxis, sich den Avantgarden von außen zu nähern und die Erkenntnismittel anderen bereits geprägten Zusammenhängen zu entlehnen, gebrochen. Vielmehr werden die von den Werken selbst angebotenen Kategorien analysiert und auf ihre Tauglichkeit für eine Erkenntnis des in Frage stehenden Phänomens geprüft. Einige der hier vereinigten Studien sind eher theoretischer Natur: sie skizzieren das intellektuelle Kräftefeld, innerhalb dessen die Avantgarden in Erscheinung getreten sind. Andere analysieren dagegen sehr genau konkrete ästhetische Einzelphänomene wie acte gratuit, écriture automatique, hasard objectif, humour noir, jeux de mots, machine celibataire, méthode paranoiaque-critique, objet trouvé etc., die sowohl in ihrer Genese, Struktur und Bedeutung erfasst als auch so miteinander konfiguriert werden, dass sie darin zugleich das kategoriale Fundament für ein Verstehen der europäischen Avantgarden bilden.
Fromm Verlag Martin Luthers Bibelübersetzung - Prinzipien und Praxis
Dieses Buch behandelt Martin Luthers Glauben, Theologie, Prinzipien und Praxis, die ihn zu Bibelübersetzer machten. Sein Neues Testament (1522), seiner Sendbrief von Dolmetschen (1530) und Erasmus' griechische Texte werden untersucht. Eines Tages im Studierstübchen las Luther im Römerbrief: "Der gerechte lebt seines Glaubens." Plötzlich verstand er, dass Gott durch den Glauben an Christus den Menschen gerecht erklärt. Dies Erlebnis gestaltete ihn als Ausleger und Übersetzer der Bibel. Diese Worte waren ihm so wichtig, dass er in seiner Übersetzung den Satz ergänzte, "allein durch den Glauben". Seine Wortwahl bestätigt seine Selbständigkeit als Übersetzer und Reformator. Die Kirche verwarf und der Landesfürst verbot die Verbreitung von Luthers N. Testament. Dank aber Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Typen wurde Luthers N. T. in zwei Jahren in achtzig Auflagen herausgegeben. Vor seinem Tod erschien seine deutsche Bibel in 377 Auflagen. Luthers Sprache vermittelt den theologischen Inhalt mit grammatischer Stringenz und rhetorischer Emphase. Übersetzen ist nicht selten komplex, zuweilen kompliziert, doch fast nie unmöglich, aber auch nicht absolut mögli
Fromm Verlag Martin Luthers Bibelübersetzung - Prinzipien und Praxis A1025312118
Dieses Buch behandelt Martin Luthers Glauben, Theologie, Prinzipien und Praxis, die ihn zu Bibelübersetzer machten. Sein Neues Testament (1522), seiner Sendbrief von Dolmetschen (1530) und Erasmus' griechische Texte werden untersucht. Eines Tages im Studierstübchen las Luther im Römerbrief: "Der gerechte lebt seines Glaubens." Plötzlich verstand er, dass Gott durch den Glauben an Christus den Menschen gerecht erklärt. Dies Erlebnis gestaltete ihn als Ausleger und Übersetzer der Bibel. Diese Worte waren ihm so wichtig, dass er in seiner Übersetzung den Satz ergänzte, "allein durch den Glauben". Seine Wortwahl bestätigt seine Selbständigkeit als Übersetzer und Reformator. Die Kirche verwarf und der Landesfürst verbot die Verbreitung von Luthers N. Testament. Dank aber Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Typen wurde Luthers N. T. in zwei Jahren in achtzig Auflagen herausgegeben. Vor seinem Tod erschien seine deutsche Bibel in 377 Auflagen. Luthers Sprache vermittelt den theologischen Inhalt mit grammatischer Stringenz und rhetorischer Emphase. Übersetzen ist nicht selten komplex, zuweilen kompliziert, doch fast nie unmöglich, aber auch nicht absolut mögli
Harrassowitz Bishops and Jews in the Medieval Latin West. Bischöfe und Juden im lateinischen Mittelalter
Bishops played a central role in the relations between Jews and their Christian environment ever since the beginnings of Jewish existence in medieval Latin Europe. To different degrees and with varying emphases over time, they embodied the church’s principles of both tolerating and limiting Jewish life. As territorial rulers they protected, taxed, but also oppressed and eventually expelled Jews. This collection combines detailed case studies on the bishoprics of medieval Germany, Sicily, Spain, France, England, and Silesia. Seit den Anfängen jüdischer Existenz im lateinisch-christlichen Europa spielten Bischöfe eine zentrale Rolle in den Beziehungen der Juden zu ihrer christlichen Umwelt. In unterschiedlichem Maße und mit zeitlich variierenden Akzenten vertraten sie die kirchlichen Prinzipien der Duldung und der Eingrenzung jüdischen Lebens. Als weltliche Herrscher schützten und besteuerten sie Juden, konnten sie aber auch unterdrücken und schließlich vertreiben. Der Sammelband vereint detaillierte Fallstudien zu den Bistümern des mittelalterlichen Reichs, in Sizilien, Spanien, Frankreich, England und Schlesien.
Rowohlt Berlin Die jüngsten Tage, Belletristik von Tom Müller
Wie rettet man den Sturm der Jugend über die Zeit? Tom Müller kann davon eindrucksvoll erzählen. Jonathan Buck steht am Bahnsteig nach Berlin, er wartet auf den Zug. Die Mutter seines Jugendfreundes Strippe will ihn dringend sprechen, und es gibt keine Ausflucht mehr. Denn Strippe ist tot, und seine Mutter will von Jonathan hören, was war und was jetzt werden soll. Das Einzige, was Jonathan will, ist neben Elena im Bett liegen, d'Annunzio lesen, rauchen. Kalte Tomatensuppe löffeln, sich an früher erinnern, an die Berliner Nachwende-Jugend, als alles möglich schien. An Strippes Seite. Vor dreissig Jahren, im Vakuum der Wendejahre, haben sie Sinnlichkeit gesucht und neue Idole. Sie wollten Helden sein im Aufstand der Gefühle. Strippes Tod zwingt Jonathan, Gericht zu halten über sich, die Zeit und seine Träume. Tom Müller erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die immer an die Grenzen ging, erzählt von Aufbruch und Übermut, die kein Mass kannten. "Die jüngsten Tage" ist cool und voller Emphase: eine Reise zwischen Hamburg und Berlin, Kindheitsabenteuern und Gegenwartseskapade, italienischen Dichtern und deutschen Zügen. Mehr Schmerz, mehr Witz, mehr Aufruhr war selten. Ein herausragendes Debüt.
Angesichts der neuen Unübersichtlichkeit globaler Entwicklungen flüchtet sich die Wissenschaft, selbst die Philosophie, ins Fachspezialistentum und in Einzelstudien. Dabei bedarf gerade unsere verworrene Zeit einer Theorie, die ihren inneren Zusammenhang aufklärt. Peter Trawny stellt sich diesem intellektuellen Wagnis: In einer dichten, intensiven und unbedingten Denkanstrengung tastet er die Topografie der von ihm Technik.Kapital.Medium (TKM) genannten Weltform ab. Technik – hervorbringendes Vermögen, das alles, was erfunden werden kann, schon erfunden hat –; Kapital – Bewegung selbstverwertenden Wertes – und Medium – soghafte Repräsentation aller Dinge – bilden eine absolute, ineinander verschränkte Einheit selbstbezogener Immanenz, die alles integriert und keine Freiheit in ihr, keine Alternative neben ihr mehr kennt: Unsere Lebensziele konzentrieren sich in einem übersichtlichen Katalog. Dieser bietet Biografien an, die sich aus den Möglichkeiten des Universals TKM ergeben. Entgegen aller revolutionären Emphase früherer Zeiten besteht die süße Tragik jedoch darin, dass TKM eine Welt bildet, in der das Leben möglich ist. Von der Apokalypse sind wir so weit entfernt wie vom Paradies. Doch etwas entzieht sich. Die Philosophie als unmögliche und spurenlose Wissenschaft kann der Verlusterfahrung in der perfekten Einheit von TKM nachgehen. Doch sie erkennt, dass der Ausbruch – das Andere – unmöglich ist.
Friedrich Wilhelm Grafs Studien zur protestantischen Universitätstheologie der Zwischenkriegszeit haben seit den 1980er Jahren mancherlei Kontroversen ausgelöst. Kritische Deutungen der antiliberalen Theologien Karl Barths, Friedrich Gogartens und Hans-Joachim Iwands fanden ebenso Widerspruch wie Studien zu dem antidemokratischen Autoritätskult eines konservativen Kulturlutheraners wie Reinhold Seeberg. Dieses Buch bietet eine repräsentative Auswahl aus den theologiehistorischen Studien Grafs zur Weimarer Republik und zu den Anfängen der nationalsozialistischen Diktatur. Am Beispiel des Kreises um Martin Rades "Die Christliche Welt" zeigt der Autor insbesondere die Resistenz einiger prominenter liberaler Protestanten im NS-Staat. Graf setzt für die Theologiegeschichte der Weimarer Republik auf konsequente Historisierung und, inspiriert auch durch moderne Ideengeschichte und Diskursgeschichte, auf die politische Kontextualisierung theologischer Wissensproduktion. So deutet er insbesondere die von den damals Jüngeren geübte Fundamentalkritik am bürgerlichen theologischen Liberalismus des Kaiserreichs als eine Absage auch an den politischen Liberalismus im Umfeld Friedrich Naumanns. Die "antihistoristische Revolution" in den frühen 1920er Jahren förderte einen radikal antibürgerlichen Gestus des Unbedingten. Glaubensernste Emphase und Hunger nach Ganzheit gingen vielfältige Verbindungen mit einem dezisinistischen Zeitgeist ein, der es kaum erlaubte, die Konsensbildungsmechanismen und den Kompromissbedarf einer parlamentarischen Demokratie zu erkennen und ernst zu nehmen.
Friedrich Wilhelm Grafs Studien zur protestantischen Universitätstheologie der Zwischenkriegszeit haben seit den 1980er Jahren mancherlei Kontroversen ausgelöst. Kritische Deutungen der antiliberalen Theologien Karl Barths, Friedrich Gogartens und Hans-Joachim Iwands fanden ebenso Widerspruch wie Studien zu dem antidemokratischen Autoritätskult eines konservativen Kulturlutheraners wie Reinhold Seeberg. Dieses Buch bietet eine repräsentative Auswahl aus den theologiehistorischen Studien Grafs zur Weimarer Republik und zu den Anfängen der nationalsozialistischen Diktatur. Am Beispiel des Kreises um Martin Rades "Die Christliche Welt" zeigt der Autor insbesondere die Resistenz einiger prominenter liberaler Protestanten im NS-Staat. Graf setzt für die Theologiegeschichte der Weimarer Republik auf konsequente Historisierung und, inspiriert auch durch moderne Ideengeschichte und Diskursgeschichte, auf die politische Kontextualisierung theologischer Wissensproduktion. So deutet er insbesondere die von den damals Jüngeren geübte Fundamentalkritik am bürgerlichen theologischen Liberalismus des Kaiserreichs als eine Absage auch an den politischen Liberalismus im Umfeld Friedrich Naumanns. Die "antihistoristische Revolution" in den frühen 1920er Jahren förderte einen radikal antibürgerlichen Gestus des Unbedingten. Glaubensernste Emphase und Hunger nach Ganzheit gingen vielfältige Verbindungen mit einem dezisinistischen Zeitgeist ein, der es kaum erlaubte, die Konsensbildungsmechanismen und den Kompromissbedarf einer parlamentarischen Demokratie zu erkennen und ernst zu nehmen.