Dieses Buch ist kostengünstig und schnell und leicht zu lesen, und es gibt demjenigen, der bisher nichts oder sehr wenig über die Beatles weiß, einen gewissen Überblick über ihre Schaffenszeit.
Leider aber scheint das Buch ebenso schnell geschrieben und lektoriert worden zu sein, wie es sich liest.
Der Tonfall der Lektüre kommt auskennerisch daher, und man erwartet - da von einem professionellen Musikkritiker mit akademischen Würden verfasst und in der renommierten 'Reclams Universal-Bibliothek' erschienen - fundiertes Wissen und Einschätzungen lesen zu dürfen.
Leider mußte ich mich an mehreren Stellen über hanebücheneTextstellen und falsche Übersetzungen ärgern, die meines Erachtens einem wirklich sachverständigen Autor nicht hätten unterlaufen dürfen, und die einem Lektor, der sich mit Rockmusik auskennt, hätten auffallen müssen.
Zum Beispiel findet sich auf Seite 80, als angebliches Zitat von John Lennon, (dessen Quelle hier nicht mal genannt wird), der absurd falsch übersetzte Wortlaut, er hätte sich bei dem Lied 'Tomorrow Never Knows' einen 'Gesang wie von tausend Affen' vorgestellt. Richtig müsste es heißen, dass er sich einen 'Gesang wie von tausend Mönchen' vorgestellt hat. Denn auf deutsch bedeutet das englische Wort 'monks', das Lennon tatsächlich benutzt hat, natürlich nicht 'Affen' (das wäre die zutreffende Übersetzung gewesen, wenn Lennon 'monkeys' gesagt hätte).
Das ist ein solch unfassbarer Fehler, der bereits in der ersten Auflage (dort auf Seite 65) auftrat und von Autor und Verlag sogar in die zweite Auflage herübergerettet wurde. Das zeigt, wie oberflächlich von Autor und Lektorat vorgegangen wurde. Interessant übrigens, dass genau diese Bemerkung auch in der von Kemper verfassten Biographie über John Lennon (erschienen bei Suhrkamp) auftaucht. Aber seine eigenen Texte darf man natürlich mehrmals verwenden.
Dazu kommen teilweise falsch geschriebene Songtitel. So wird auf Seite 129 der ersten Auflage das Lied 'Handle Me with Care' von den Traveling Wilburys erwähnt, das jedoch richtig 'Handle with Care' heißt.
Ebenfalls in diesem Kapitel über George Harrison (auf Seite 131 der ersten Auflage) wird geschrieben, dass Harrison seinen Song 'Brainwashed' dem Pink-Floyd Hit 'We don't Need No Education' nachempfunden hätte. Mal davon abgesehen, dass ich das musikalisch nicht nachvollziehen kann, heißt der von Kemper gemeinte Pink-Floyd Song völlig anders, nämlich 'Another Brick in the Wall part 2', wie wahrscheinlich sonst fast jeder Fan der Rockmusik weiß. Ob sich diese Stellen in der zweiten Auflage finden, weiß ich nicht, weil ich keine Lust hatte, diese auch noch zu erwerben, vermute es aber, da ja auch der Fehler mit den 'Affen' nicht korrigiert wurde. Die Gemeinsamkeit zwischen 'Brainwashed' und 'Another Brick in the Wall, Part 2' erschöpft sich im Übrigen darin, dass sich in beiden Lieder negativ über die als uninspirierend empfundenen Schulerfahrungen der Songwriter (hier: Roger Waters und George Harrison) geäußert wird. Songs über Schulfrust gibt es viele, was nicht verwunderlich ist (z.B. 'The Logical Song' von Supertramp), von Nachempfindung also keine Spur.
Dies sind keine Satz-, sondern inhaltliche und redaktionelle Fehler. Regelrechte Tippfehler sind mir nicht aufgefallen. Augenscheinlich wurde hier Korrektur gelesen, aber nicht mit angemessenem Fachwissen lektoriert.
Auf Seite 39 (1. Auflage) schreibt Kemper über das Lied, 'Love Me Do', der ersten Single der Beatles. Er schreibt: 'Der Song (') schaffte es immerhin auf Platz 17 der englischen Hitparade - nicht zuletzt, weil das Wort 'Love' darin einundzwanzig Mal genannt wird. Die zentrale Botschaft lautet schlicht: I love you forever, so please love me''. Ich finde es einen seltsamen Schluß, den (mit Platz 17 mäßigen, wenn auch für ein Debüt beachtlichen) Erfolg dieser Single auf die Häufigkeit des Wortes 'Love' zurückzuführen. Bisher habe ich derartige Wortzählungen nie vorgenommen, im Bereich der Rockmusik nie davon gehört und halte sie auch für sinnlos. Aber weil Kemper nun mit dem Zählen angefangen hat, habe ich mir den Liedtext auch mal vorgenommen und mitgezählt: Ich komme auf 25 Wiederholungen dieses Wortes. Aber wozu das Ganze? Wenn dann nicht mal die Zahl stimmt? Außerdem: warum wird diesem Lied soviel Raum gegeben? Es gibt meiner Ansicht nach nur wenige schwache Beatles-Songs. Dieses einfache Liedchen aus der Anfangszeit gehört für mich zu diesen und muß nicht besonders hervorgehoben werden. Es war nach kurzer Zeit (bereits Oktober 1963) nicht mal mehr im Live-Repertoire der Band.
Leider sind die genannten Stellen symptomatisch für die Qualität des Buches, das sich nur den Anschein von Kenntisreichtum und Begeisterung für die Beatles gibt. Die auf dem Klappentext beworbene Diskographie im Anhang ist notdürftig, listet lediglich Alben chronologisch auf, (trennt dabei nicht zwischen Originalalben und Compilationen), darüber hinaus aber keine Singles oder EPs, obwohl gerade Singles für die Veröffentlichungspolitik der damaligen Zeit von großer Bedeutung warten. Fast in jedem anderen Beatles-Buch lassen sich bessere Diskografien finden. Im Internet sowieso.
Wäre es bei einem x-beliebigen Verlag erschienen, und würde der Autor nicht als 'ausgewiesener Beatles-Kenner' beschrieben, könnte man dieses Buch einfach unter Unterhaltungsgesichtspunkten lesen und dann weglegen. Aber so entsteht für mich ein so großes Mißverhältnis zwischen Anspruch und Umsetzung, dass ich mich als langjähriger Beatlesverehrer einfach zu Wort melden muß.
Die Beatles und ihre Musik waren ein musikalisches und gesellschaftliches Phänomen, dass sich mit dieser Durchlagskraft sicher so nie wieder wiederholen wird, jedenfalls nicht mit dieser enormen musikalischen Bandbreite und gleichzeitigen gesellschaftlichen Außenwirkung. Ob man ihre Musik mag oder nicht, ihr Werkkatalog ist doch bis heute so etwas wie der heilige Gral der Pop- und Rockmusik und für viele Künstler immer noch ein Quell der Inspiration. Da würde es Reclam gut stehen, statt dieses zweitklassigen Werks einen richtig guten Band zum Thema im Verlagsprogramm zu haben.
Dass der Verlag auch im Bereich der populären Musik anders kann, zeigt er z.B. mit dem erstklassigen und inspirierenden Band von Heinrich Detering über Bob Dylan.
Es sind die meisten bekannten Songs im Buch aufgeführt. Man kann dann voll mitsingen. Gut übersetzt, für alle Beatlesfans ein Muss.
Das Buch ist angekommen und ich kann es nicht mehr aus der Hand legen.
Für Menschen, denen die Beatles nicht so vertraut sind, würde ich allerdings eine ausführlichere Biografie empfehlen.
Einen Fan macht die Reclam-Biografie jedoch glücklich!
Da meine Mutter ein großer Beatles Fan ist, habe ich Ihr dieses Buch geschenkt.
Sie fand es sehr interessant und hat viele neue Details gefunden.
Des weiteren hat sie sich sehr positiv über diese Lektüre geäußert.
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