Testurteil: "5.0/10"
Test: Einzeltest: Reign - Conflict of Nations
Zitat: Pro: + Interessantes Szenario
+ Gute grafische Gestaltung
+ Viele Spielmöglichkeiten
Contra: - Zu wenig vermittelte Informationen
- Unzureichendes Tutorial
- Probleme mit der KI
- Verwirrendes Interface
- Keine verschiedenen Kartenarten
Ich mag Spiele wie Reign - Conflict of Nations an sich. Und tatsächlich wartet das Spiel mit einer angenehmen Komplexität auf, die nicht ganz an das Vorbild Europa Universalis heranreicht, aber dennoch zu gefallen weiss. So spielt man in Echtzeit um die Existenz seines Reiches, verbessert die Städte, baut Armeen auf und verliert alsbald den Kopf. Nicht, weil man mit zu vielen Informationen zugeschüttet wird, sondern im Gegenteil nur spärlich über die Entwicklungen des Fürstentums unterrichtet wird. Was machen meine Diplomaten? Welche Bündnisse gibt es aktuell? Welche Religion herrscht in den meisten Ländern vor? Alles, was es braucht, um die Geschicke zu lenken, bleibt verborgen. Die strunzdoofe KI macht da nur noch aggressiv, während man das Gedudel im Hintergrund gerade noch so erträgt. Reign wurde gnadenlos am Markt vorbei konzipiert und entwickelt und ist angesichts der starken Konkurrenz das Schlusslicht eines für die Massen ohnehin nicht gross zugänglichen Genres. Europas Vergangenheit ist geprägt vom Zwiespalt kleiner Fürstentümer und etwas grösserer Königreiche. Das einzige Mal, dass es so etwas wie eine echte europäische Einheit gegeben hätte, ist mittlerweile gut 2.000 Jahre her und war damals auch nur unter der Herrschaft der Römer möglich. Nachdem der Weltgeist im Norden Europas die Biege machte, herrschen Krieg, Armut und fragwürdige Regierungsmethoden. Wer glaubt, im modernen Europa sei ja so etwas gar nicht mehr der Fall, möge einen Blick nach Weissrussland oder auf den Balkan werfen. Wie würde man selbst regieren und reagieren? Hätte man als Herrscher die virtu und fortune (Machiavelli - Il Principe), die zerstrittenen Adelsgeschlechter zu einigen? Und wenn ja, wie würde man das bewerkstelligen? Seit vielen, vielen Jahren versuchen sich einige Strategiespiele/-schwergewichte in der Beantwortung dieser Fragen. Am bekanntesten dürften wohl Europa Universalis III und Hearts of Iron III von Paradox Interactive sein. Und nun schickt sich Reign - Conflict of Nations an, diese machtpolitischen Fragen erneut zu beantworten. In Osteuropa ist die Hölle los! Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch wenn "Nations" im Titel vorkommt, geht es nicht um die Erschaffung eines Nationalstaates - die Errichtung eines solchen ist ein Phänomen des 18. und 19. Jahrhunderts, während Reign im 14. Jahrhundert startet. Und auch ist es kein klassisches Strategiespiel, sondern mehr eine stressige Arbeit, die vor einem liegt. In bester Tradition eines Europa Universalis gilt es nicht, möglichst schnell viele Einheiten aufeinanderzuhetzen, sondern durch besonnene Diplomatie und Schmieden von Bündnissen zunächst den eigenen Status quo zu verteidigen. Dabei hat man die Auswahl aus gut 30 osteuropäischen Fürstentümern zur Zeit des Schwarzen Todes - im Gegensatz zur Konkurrenz aus dem Hause Paradox ist es nicht möglich, sich den ganzen Globus zu unterwerfen, und zudem sind die historischen Wendungen und Charaktere nicht en detail nachgezeichnet. Auf viele Ereignisse hat der Spieler schlicht keinen Einfluss.