Testurteil: "6 von 10 Punkten"
Test: Einzeltest: Der Hobbit
Zitat: »Ist es ein Knizia, oder ein Herr der Ringe Spiel?« Als ich »Der Hobbit« zum Rezensieren bekommen habe, war das eine der ersten Fragen, die mir ein Mit-Tester gestellt hat. Schauen wir mal, ob wir sie ihm beantworten können.Die Spielregeln sind gut geschrieben, verständlich und mit vielen Beispielen versehen. Man findet schnell ins Geschehen und kann eigentlich sofort loslegen. Das Material – allem voran Bilbo und der Drache – sind, typisch für Kosmos , von guter Qualität. Die Grafiken von John Howe sind, wie immer, ausgezeichnet und total stimmig. Man könnte fast meinen, er hätte schon das eine oder andere Herr der Ringe Spiel illustriert. ;)»Der Hobbit« ist ein Familienspiel. Und so spielt es sich auch. Es ist einfach, der Glücksanteil ist hoch und der Entscheidungsfreiraum begrenzt. Man muss bis zu einem gewissen Grad zusammenarbeiten, spürt in der Abenteuerphase aber auch genügend Konkurrenzdruck der Mitstreiter. Im Großen und Ganzen gibt es nichts zu meckern - es funktioniert.Für die Zielgruppe ist es durchaus ein sehr nettes Spiel, aber für »Herr der Ringe«-Fans ist es leider ein wenig enttäuschend. Das Spielsystem »funktioniert«, aber das Thema wirkt aufgesetzt und es entsteht keine Minute ein »Herr der Ringe«-Gefühl. Der Hobbit ist eigentlich ein abstraktes Wettlauf-, Versteigerungs- und Bluffspiel und die Reisestrapazen von Bilbo, die Geschichten mit den Zwergen, den Trollen und Elfen geht komplett verloren. Und das ist richtig schade.Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: »Der Hobbit« ist ein typisches Knizia-Spiel. Ein gut durchdachtes Spielsystem, das funktioniert und auch Spass macht, aber dazu leider ein aufgesetztes Thema. Das Spiel wirkt zu abstrakt für die starke literarische Vorlage. Da greife ich lieber zu dem kooperativen Spiel Der Herr der Ringe aus dem Jahr 2000. So müssen wir nicht einmal Verlag und Autor wechseln. ;)