Eine echte Herausforderung
Mit Vinhos tauchen wir tief in die Welt der komplexen Brettspiele ein. Vinhos ist ein Spiel für Leute, die sich schon mal mit Spielen wie Caylus, Agricola, Le Havre oder ähnlichem beschäftigt haben und eignet sich definitiv nicht für Gelegenheitsspieler. Mal eben an einem verregneten Nachmittag das Spiel rausholen, kurz die Regeln lesen und dann mit Oma und den Kindern eine Runde spielen klappt definitiv nicht. Wenn Sie also schon mit einer Runde Qwirkle ausgelastet sind, können Sie hier gleich aufhören zu lesen, denn dann sind Sie bei Vinhos in der falschen SpielekategorieSpielmaterial:Das Spiel besteht aus einem überdimensional großen 6-fach gefalteten Spielbrett aus sehr kräftiger Pappe, dass in zahlreiche unterschiedliche Sektionen aufgeteilt ist. Das ganze Spiel erinnert vom Design und dem Spielmaterial sehr stark an Vasco da Gama vom selben Verlag (hat aber vom Spielinhalt damit keine Ähnlichkeit) Jeder der 4 Spieler erhält eine kleinere Tafel auf der er seine Spielmaterialien (Weinberge etc.) aufstellen kann, sowie flache Holzscheiben, sehr schöne Holzfässer und einen einfachen Holzspielstein in seiner Farbe. Aus Holz sind auch die aufwändigen Figuren der Önologen und einige kleine Holzwürfel (Bekanntheitswürfel). Das restliche Spielmaterial ist aus sehr kräftiger Pappe. Auch das Spielgeld sind kleine rechteckige Pappplättchen. Dabei wirken Material und Bedruckung aller Spielmaterialien außerordentlich hochwertig, aufwändig und liebevoll.Spielschachtel:Die quadratische Schachtel im typischen Kosmos Format (Spiel ist nicht von Kosmos) ist leider innen ohne jeglichen Einsatz. Es sind nur ein paar Zip-Tüten dabei. Diese Art der Aufbewahrung halte ich für unpraktisch und ist letztlich ja nur eine Maßnahme mit der die Verlage einen passgenauen Einsatz einsparen. Bei Zip-Tüten muss immer der gesamte Inhalt ausgeschüttet werden und nach dem Spiel wieder sortiert und eingeräumt werden. Könnten die Spielmaterialien in der Schachtel sortenrein gelagert werden, könnte man sich direkt aus dem Vorrat bei Bedarf bedienen ohne alles auszukippen.Spielregel:Die Spielanleitung, ja, schlecht geschrieben ist sie eigentlich nicht. Aber 16 Seiten kleingeschriebene, dichtgedrängte Information mit immer neuen, immer spitzfindiger werdenden Regeln, sind auch für einen Vielspieler schon eine harte Prüfung. Zunächst muss man den Unterschied zwischen Weinplättchen, Weinleseplättchen, Weinbergen, Weinkellern, Weinexperten und Weingütern begreifen. Auf der linken Seite der Anleitung werden die Regeln erklärt, auf der rechten Seite befinden sich Beispiele, die mal mehr mal weniger anschaulich darstellen, was der Autor zu erklären versucht. Aber kein Mensch kann sich diese Unmenge an Details alle merken, weshalb man immer wieder in der Anleitung nachsehen muss, wozu sie zu unübersichtlich ist. Und um alles zu begreifen, muss man die Anleitung mehr als einmal lesen. Da können schon ein paar Stunden ins Land gehen. Es empfiehlt sich daher, dass ein Spieler sich vor dem Treffen mit den Regeln vorbereitet, denn es gilt wie so oft: Wer die Regeln verstanden hat, kann auch die Vinhos-Regeln leicht den anderen Spielern erklären.Spielmechanismus:Ich will nicht versuchen, hier die ganze Spielanleitung wiederzugeben, das würde Seiten füllen. Nur soviel zur Grundidee. Vinhos spielt sich in 6 Runden zu je 2 Hauptzügen pro Spieler. Bei den Hauptzügen hat man die Auswahl aus 9 verschiedenen Aktionen, die in einem 3x3-Raster auf der Spielfeldmitte wiedergegeben werden. Diese Aktion muss mit dem Spielstein betreten werden, wobei nur benachbarte leere Felder kostenfrei gespielt werden dürfen. Ansonsten sind recht happige Strafzahlungen fällig. Am Ende der 3., 5. und 6. Runde wird zusätzlich eine Weinausstellung gespielt. Das ist quasi ein Spiel im Spiel nach dessen Abschluss jeweils Siegpunkte in das Hauptspiel übertragen werden. Gerade die Weinausstellung ist von den Spielregeln am schwersten zu verstehen, sie funktioniert aber, was in anderen Rezensionen bestritten wird. Durch das Plazieren von Weinfässern im Managerbereich kann sich ein Spieler zusätzlich zu jeder Hauptaktion eine weitere Aktion erkaufen, wenn er dafür jeweils einen Wein opfert. Wie bei den meisten Spielen ist Bargeld immer knapp. Bei Vinhos gibt es zusätzlich ein Konto mit Buchgeld und einen interessanten Mechanismus zum Investieren und Desinvestieren, um den häufig auftretenden Liquiditätsengpässen zu begegnen. Am Spielende gewinnt, wer (wie so oft) am meisten Siegpunkte besitzt. Dabei gibt es zahlreiche Optionen Siegpunkte zu erreichen, von denen viele erst am Spielende abgerechnet werden. Während des Spiels ist es kaum abzusehen, welcher Spieler vorn liegt.Komplexität:Vinhos ist nicht nur komplex, sondern vor allem umfangreich. Problemmatisch sind die vielen Sonderregelungen und Zusatzaktionen. Für jedes Weinanbaugebiet gibt es eine Sonderregel und oft vergisst man ein Detail wie z.B. den Bekanntheitswürfel einzusetzen. Für den Anfänger ist es schier unmöglich die Vielfalt der Zugaktionen mit allen möglichen Folgewirkungen zu überschauen. Man braucht schon einige Spiele Erfahrung, um wirklich strategisch spielen zu können. Für Kinder oder als Familienspiel ist Vinhos definitiv ungeeignet.2-Spieler-Eignung:Vinhos lässt sich ohne jede Einschränkung mit 2 Personen spielen. Lediglich die Weinausstellung ist mehreren Spieler interessanter. Das übrige Spiel leidet nicht und bleibt gleich interessant.Interaktion:Vinhos besitzt ein deutliches Maß an Interaktion, obwohl ein Spieler nie den direkten Einfluss auf das Spiel des Mitspielers hat. Trotzdem haben ca. die Hälfte der 9 Grundaktionen einen indirekten Einfluss auf den Mitspieler ebenso wie das Aktionsfeld selbst, weil jeder Spieler, der auf ein besetztes Aktionsfeld geht, eine Gebühr an die dort schon stehenden Spielfiguren zahlen muss. Die größte Interaktion besitzt die Weinausstellung, wo die Spieler direkt beim Bieten mit den Weinexperten gegeneinander spielen.Spieldauer:Obwohl nur 6 Runden zu 2 Zügen pro Spieler zu spielen sind brauchen schon 2 Spieler ca. 90 Minuten. 4 Spieler spielen ca. 120-150 Minuten. Zunächst hat man den Eindruck, dass das Spiel schnell voranschreitet, weil die 3. Runde schnell erreicht ist, doch dann beginnen die Weinausstellungen und ähnlich wie bei Agricola werden die Züge zum Spielende hin immer umfangreicher.Zufall:Vinhos besitzt nur sehr wenige Zufallsfaktoren. Den größten Einfluss hat das Weinleseplättchen, das vor Begin einer jeden Runde gezogen wird. Es beeinflusst Wetter (und damit die Weinqualität), fördert bestimmte Weineigenschaften und bestimmt die Vorlieben der Manager. Alle Ereignisse des Weinleseplättchens betreffen alle Spieler gleich, womit der Zufallseinfluss auf das Spielergebnis marginal ist. Weitere geringfügige Zufallsfaktoren sind die Reihenfolge der Weinexperten- und Weinbergplättchen in ihren Stapeln.Strategie:Vinhos ist ein anspruchsvolles Strategiespiel, wobei es am Anfang schwer fällt überhaupt den Überblick über mögliche Aktionen und deren Wirkungen zu erlangen. Der Anfänger wird immer wieder von den Reaktionen seines Handelns überrascht und stellt fest, was er nicht bedacht hat. Er nach einigen Runden ist man in der Lage strategisch zu spielen, wobei sich bisher keine Strategie als überlegen erwiesen hatGestaltung:Das Spiel gestalterisch sehr gut gelungen. Das Spielbrett ist in die einzelnen Funktionsbereiche sehr gut unterteilt. Überall auf dem Spielbrett finden sich Hinweise, welche Regeln bei welchem Schritt zu beachten sind. Wer die Regeln einmal verstanden hat, wird mit sich Hilfe der zahlreichen Piktogramme gut zurechtfinden. Aktuelle Spielpunkte werden rot, solche die die Spieler am Spielende erhalten beige dargestellt. Auch das Farbkonzept ist verwechselungssicher. Wenig gefallen mir nur die kleinen Plättchen mit denen bei einer Weinausstellung die Anzahl der Weinexperten markiert werden. Diese besitzen einen Rand in der Spielerfarbe, der kaum zu erkennen ist.Zusammenfassend ist Vinhos ein empfehlenswertes komplexes Strategiespiel. Es wendet sich aber klar an Experten. Für Familien und Gelegenheitsspieler ist Vinhos ist falsche Wahl. Der Einstieg in Vinhos fällt schwer, dafür bleibt es über lange Zeit interessant und läuft auch nicht immer gleichartig ab, wie es viele Strategiespiele ohne Zufallsanteil tun. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihnen Vinhos gefällt: Laden Sie sich die Spielanleitung auf der Homepage vom Verlag herunter. Dann geben Sie entweder so um die Seite 10 entnervt auf oder das Spiel passt zu Ihnen.
Vielleicht ein interessantes Spiel, wenn wirs denn verstanden hätten
Nun, ich muss meinem Vorrezensenten in einigen Punkten zustimmen: Das Spiel ist schön gestaltet, hübsch anzusehen, es enthält viel Material, welches auch einen hochwertigen Eindruck macht.Aber: Es verdient einen Preis für die miserabelste Anleitung aller Zeiten! Ich - als absoluter Vielspieler mit einer Riesensammlung an Brettspielen (50+) - habe das Regelwerk studiert (mehrere Stunden..., 2 mal), mir die Sachen angeschaut, dann haben wir es gemeinsam aufgebaut, gespielt und die Probleme kamen von allein. Ein Großteil hat funktioniert, ein wesentlicher Kern des Spiels, die Weinprämierung aber nicht, trotz erneuten Nachlesens der entsprechenden Passagen verschiedener Spieler an dem Abend, womit dieser Spieleabend den Bach runterging (denn uns wurde schlicht nicht klar, wie es funktionieren soll).Wir werden dem Spiel sicher nochmal eine Chance geben, aber die Anleitung ist dermaßen mies, dass Vinhos erst mal ziemlich Staub ansetzt, bevor ich die Regeln nochmal studieren werde und es nochmal auspacke.Darauf möchte ich eindringlich (!) alle potentiellen Käufer hinweisen! Für Juristen und Sprachwissenschaftler vielleicht uneingeschränkt empfehlenswert, für andere nur mit enormer Geduld, tollem Sprachverständnis oder einer gewissen Flexibilität bezüglich des Spielemechanismus.
Wer die Hürde der Spielregeln schafft, erlebt ein grandioses Meisterwerk.
1.Spielcover?! - eine Flasche Wein, halbvolles Glas und davor Weintrauben.Hmmm irgendwie leer - langweilig.Aber Moment! Sieht irgendwie auch lecker aus durch die Grafik.2.Der Verlag: What's your Game?!Hmmm wer sind die denn? Aaaaach, ja klar da fällt mir das Spiel Vasco da Gama ein. War ein tolles Worker-Placement. Dann kann dieses hier ja auch nur lecker werden ;-). Also, werfen wir mal einen näheren Blick.Vinhos (portugisisch Weine)Wir Spieler sind also alle Winzer. - Nicht gerade ein Thema , welches mich anspricht, aber nach dem öffnen der Spieleschachtel wirds sehr sehr interessant.Die Pappteile , wie Weinberge, Weingüter usw. sind grafisch so schön, das man hier an einen Michael Menzel oder an einen Franz Vohwinkel denkt.Auch qualitativ weiß Vinhos zu überzeugen, mit den vielen Holzfässern und Önologenfiguren, welches diesen Preis von 35 Euro rechtfertigt.Die Spielanleitung (bestehend aus 16 DIN A4 Seiten) ist so aufgebaut, das die linke Hälfte einer Seite die Spielregeln erklärt, während die rechte Hälfte mit bebilderten Beispielen versucht alles so verständlich wie möglich zu machen.Bis Seite 10 ist dieses auch gelungen, jedoch ab Seite 10 haben sich kleine Strukturfehler und Übersetzungsfehler eingeschlichen, die das Spiel komplizierter im Verständnis machen, als es wirklich nachher im spielerischen ist.Wenn man es studiert hat, wird man feststellen, das die Spieler, Weinberge und Weinkeller kaufen müssen, Önologen und Manager engagieren werden um die Wertigkeit ihres Weines zu steigern, die wiederum letztendlich zu verkaufen um an Geld zu kommen oder Exportieren um an die Siegpunkte zu kommen.Gewinner ist, wer in der Kramer-Leiste am weitesten vorn ist.Zum Spiel:Zu Beginn bekommen die Spieler Geld, Weinfässer, 1 Spielertafel ( wo sie später Weinberge etc. platzieren werden), runde Scheiben ( für die einzelnen Punkteleisten) und jeweils einen Aktionsmarker.Das Spielbrett (wunderschön gestaltet), teilt sich in Regionen auf.Links Oben sind die Weinbergregionen ( 8 verschieden Weinberge (mit verschieden Vorteilen) zum Einkauf bereit).darunter Weingüter und Weinkeller (erstere erhöhen die Wertigkeit des Weines um 1 und mit Kombination eines Önologen erhöhen sie Wertigkeit um 3.Mit hilfe der Weinkeller hat der Winzer die Möglichkeit seinen Wein 5 Jahre zu lagern ohne nur 2 Jahre. Jetzt müßte er rechtzeitg den Wein loswerden sonst verdirbt es.und linksunten sind die Exportfelder ( funktioniert wie Verkauf- Unterschied bringt Siegpunkte kein Geld)und daneben die Weinexperten ( helfen bei den 3 Ausstellungen im Spiel um am Ende der Ausstellung mehr Sp zu erhaschen.Mitttig oben sind die Weinleseplättchen ( praktisch Ereignisplättchen - von ihnen wird eins vor Rundenbeginn aufgedeckt und hat Auswirkungen auf die spätere Weinproduktion.Mittig unten sind die Verkaufsfelder (Kunden)Rechts oben Managerbereich, darunter Ausstellungsbereich und unten das Bankkonto mit den jeweiligen runden Scheiben der einzelnen Spieler für die Übersicht.Das wichtigste die Mitte des Spielbretts: Hier ein aus 3x3 Feldern bestehendes Aktionsbereich. Zu Spielbeginn stellen alle Spieler ihren Aktionsmarker genau auf die Mitte.Spielablauf:Immer abwechselnd dürfen die Spieler ihren Aktionsmarker auf eines dieser Felder ziehen, und müssen die vorgegeben Aktion durchführen. Hierbei gilt: die Nachbarfelder sind um sonst, es sei denn dort befindet sich ein Marker von einem anderen Spieler, dann muß er dem Kontrahenten 1000 Bagos bezahlen. Oder bewegt er sich zu einem nicht angrenzendes Feld, dann muß der Spieler 1000 Bagos an die Kasse bezahlen.Gespielt wird sechs Runden ( 6 Jahre)Jede Runde besteht aus: der Aktionsphase, Unterhalt, Produktion und Weinaustellung (3,5 und 6. Jahr)Aktionsphase : Abwechselnd 2 normale Aktionen und 2 optionale Aktionen durch die Manager. ( Manageraktionen können nur durch Abgabe eines Weines erfolgen)Unterhalt: Hier bekommt man entweder Zinsen oder zahlt Zinsen und bezahlt die Önologen.Produktion: Jedes Grundstück auf dem Tableau welches mindestens ein Weinberg enthält produziert exakt ein Wein. Die gelagerten Weine vom Vorjahr werden um ein Feld nach rechts verschoben somit steigt ihre Wertigkeit.Ausstellung: Nach Ende der 3., 5. und 6. Runde kommt die Ausstellung. Hier präsentiert jeder Spieler( wenn vorhanden) einen Wein und versucht durch die Ausstellung an weitere Siegpunkte zu kommen. Nach der 6. Runde und Ende der 3. Ausstellung ist das Spiel vorbei und es werden die Siegpunkte vergeben für die exportierten Ware, für die Bankkonten usw.Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel und gönnt sich ein Glas Rot- oder Weißwein während die anderen einen Glas Wasser bekommen.Fazit: Vinhos ist ne Kategorie für sich: Ein Spiel welches so viel Tiefgang besitzt, dürfte in Sachen Komplexität einige Preise gewinnen. Selten hab ich so ein Spiel gespielt, vielleicht sogar gar nicht. Man spielt 2 Stunden, dann eine weitere Partie und möchte am liebsten eine dritte und eine vierte dranhängen. Es ist ein Spiel welches etliche Stunden brauchen wird um eine Taktik herauszubekommen.Einziger Nachteil ist leider die Spielanaleitung. Hier kommt man immer von Hoppse auf Kloppse. Es ist wirklich ne Hürde und wird bei einigen nen Arbeitstag in Anspruch nehmen.Wenn man es durchgearbeitet hat kann man es jedoch in 30 min. einem dritten erklären.Meine Empfehlung: Fals ihr jemanden kennt, der dieses Spiel vor kurzem gespielt hat, bittet ihn drum es euch zu erklären. Ihr werdet viel Arbeit euch ersparen und das allerwichtigste - ihr werdet einen Riesenspaß erleben.Denn Vinhos gehört jetzt schon zu den Spielen, wo man sagen wird: " Das sollte man schonmal gespielt haben."