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Chronos Text-Bilder und ihre Kontexte, Fachbücher von Sabine Griese
Das 15. Jahrhundert ist eine Epoche des medialen Umbruchs. Neue Techniken der Vervielfältigung von Text und Bild wie Kupferstich, Holzschnitt, Metallschnitt und Typendruck schaffen neue Möglichkeiten der Distribution und Kommunikation. Vorher unbekannte Werkformen erweitern das Überlieferungsspektrum der literarischen Kultur. Im Zentrum der Untersuchung stehen Bilder, deren konstitutiver Bestandteil Texte sind und die zudem als Holz- oder Metallschnitt vervielfältigt wurden: als Einblattdruck unterschiedlichen Formats, verwendbar im Bereich praktizierter Frömmigkeit und Andacht oder zur Übermittlung von Informationen. Diese Text-Bilder stellen eine neue Werkform von Literatur dar: Dem Mittelalter meist gut bekannte Bildthemen werden oft erstmalig mit lateinischen oder volkssprachigen Kleintexten kombiniert und publiziert. Die neuen Bilder werden nach ihrer spezifischen Medialität befragt sowie auf ihre materialen Eigenheiten hin überprüft, die oftmals auf den literaten Benutzer hinweisen. Dieser integriert die neuen Medien bisweilen ideenreich in einen bewährten Überlieferungsträger: die eigene Handschrift. Um die Text-Bilder als Elemente einer literarischen Kultur sichtbar zu machen, müssen verschiedene Kontexte eröffnet und erläutert werden. Die Kleinformen der literarischen und frömmigkeitsgeschichtlichen Überlieferung sind in einer kulturellen Landschaft zu verorten. Bild-, Text- und Buchgeschichten sind damit gleichermassen Thema der vorliegenden Untersuchung.
Chronos Die Roten und die Schwarzen, Sachbücher von Gabriela Mattmann
Im Kanton Luzern, in der Hochburg der Blasmusik, entstanden in einigen Gemeinden aus politischen Gründen zwei Musikvereine. Am Beispiel von Rain fragt die Volkskundlerin Gabriela Mattmann nach der historischen und der gegenwärtigen Bedeutung dieser Vereine für Mitglieder und Gemeinde. Die facettenreiche Untersuchung beleuchtet die politische Dimension des Phänomens ebenso wie soziale und kulturelle Einzelaspekte des Vereinslebens. Exemplarisch werden Motivationen, Engagement und Generationenverhältnis in einem Schweizer Blasmusikverein im Spannungsfeld zwischen musikalischer Verwirklichung, Geselligkeits- und Integrationswünschen dargestellt.
Chronos Gemeinsam wohnen, Fachbücher von Rebecca Niederhauser
Angesichts des demografischen Wandels muss der Prozess des Alterns neu verhandelt und gedeutet werden. Am Beispiel gemeinschaftlichen Wohnens fängt das Buch die Vielfalt sich verändernder Alterswirklichkeiten ein und entwirft Altern als verhandelbares Konzept. Der ethnografisch-kulturanalytische Zugang entwickelt neue Perspektiven auf das Alter im Umbruch. Jenseits von Erfolgszwängen und normierten Lebensläufen stellt sich die Frage: Wie will ich altern? Es gilt, den demografischen Wandel zu gestalten und Alternativen zu bisherigen Lebensweisen im Alter zu entwickeln. Dazu gehört die Frage: Wie will ich wohnen? Gemeinschaftliches Wohnen ist eine der Antworten auf die Herausforderungen, vor denen alternde Gesellschaften stehen. Denn gemeinschaftlich lassen sich die Aufgaben teilen, die sich jedem Einzelnen im Alter stellen. In dichter Beschreibung zeichnet das Buch gemeinschaftliche Wohnalltage nach und reflektiert sie im Spiegel gegenwärtiger Alterswirklichkeiten. Hierfür besuchte die Autorin Haus- und Wohngemeinschaften und führte mit den darin wohnenden Menschen Gespräche. Entstanden ist dabei ein differenziertes Tableau von Lebenswirklichkeiten voller Zuversicht und Ängsten zugleich.
Chronos Buchführung für die Ewigkeit, Fachbücher von Rainer Hugener
Wie waren Gedenkpraktiken, Güterverwaltung und Geschichtsschreibung im Mittelalter miteinander verbunden? Die reichhaltige Überlieferung aus dem Gebiet der heutigen Schweiz lässt erkennen, wie verschiedene Formen des liturgischen Gebetsgedenkens zunächst im klösterlichen Umfeld entwickelt, sodann von Dom- und Kollegiatstiften adaptiert und schliesslich auch an städtischen und ländlichen Pfarrkirchen übernommen wurden. Es zeigt sich, dass die entsprechenden Bemühungen nicht nur dem Seelenheil der Verstorbenen dienten, sondern auch der Herrschaftsdurchsetzung und dem Verwaltungsausbau. Mit Schlachtjahrzeiten und anderen Gedenkfeiern wurden Geschichtsbilder verbreitet, die das historische Selbstverständnis im Untersuchungsraum nachhaltig geprägt haben. Anhand von Überlieferungsverbünden und Intertextualitätsbeziehungen zwischen nekrologischem, urbarialem und historiographischem Schriftgut.
Chronos Abschied von den Mythen, Fachbücher von Hoffmann, Tobias
"Abschied von den Mythen" ist ein umfassendes Fachbuch, das sich mit der Entwicklung und der Vielfalt von Festspielen in der Schweiz nach 1950 auseinandersetzt. Der Autor Tobias Hoffmann bietet einen tiefen Einblick in die bisherige Forschung und beleuchtet die oft vernachlässigte Rolle der kommunalen Festspiele. Das Buch analysiert die dramaturgischen und thematischen Aspekte dieser kulturellen Ereignisse und zeigt auf, wie sie zur Identitätsbildung in verschiedenen Gemeinden beitragen. Durch die Betrachtung von Festspielen in Städten wie Basel und Bülach sowie in ländlichen Regionen wird die Diversität der Festspielkultur in der Schweiz deutlich. Mit einem breiten Spektrum an Themen, von politischer Satire bis hin zu historischen Inszenierungen, bietet das Werk eine fundierte Grundlage für das Verständnis der Festspieltraditionen und deren gesellschaftliche Bedeutung.
Chronos Sticken und beten, Fachbücher von Jolanda Spirig
Dieses Buch ist weit mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte: Streng gehütete Tagebücher, Briefe und Familienfotos gewähren intime Einblicke ins Leben und Wirken der Stickereidynastie Jacob Rohner. Die Autorin schildert das katholische Milieu, die Überwachung der Arbeiterinnen in den Mädchenheimen, die Einflüsse der Jesuiten und der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Die Leitlinien des päpstlichen Eliteordens dienten den Fabrikantenfamilien Rohner und Geser als Richtschnur. Um die Firmennachfolge zu optimieren und den konservativen, katholischen Geist zu bewahren, wurden Ehen arrangiert und unbotmässige Nachkommen ausgeschaltet. Die Jacob Rohner AG überwand beide Weltkriege, stand die Stickereikrisen durch und galt 1962 als grösstes Stickereiunternehmen des Landes. Sticken und Beten macht die Turbulenzen der Stickereiindustrie sichtbar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schweizer Exporte anführte und den Ostschweizer Alltag über Jahrzehnte prägte. Die Parallelen zur heutigen Zeit verblüffen: vom ersten Börsencrash über den starken Franken der Dreissigerjahre und vom gefährdeten Werkplatz Schweiz bis hin zum verfolgten Düsseldorfer Banker, der sich in der Rebsteiner Villa Jung-Rhein versteckt hielt. 1988 ging die katholische Traditionsfirma mit Stickereiwerken, Sockenfabrik und Weberei an den freisinnigen Konkurrenten Forster Willi, die heutige Forster Rohner Gruppe. Die Rheintaler Standorte wurden geschlossen. Die Rohner-Socken haben überlebt. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schildern den Wandel.
Chronos Den Süden erzählen, Sachbücher von Patricia Hongler
Die direkte koloniale Machtausübung der europäischen Staaten endete zumeist während der drei Dekaden nach dem Zweiten Weltkrieg - zunächst in Asien und dem Nahen Osten, danach in Afrika und der Karibik. Dieses Buch untersucht, wie in der 1948 gegründeten Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC, ab 1961 Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD) der Prozess der Dekolonisierung gedeutet und beeinflusst wurde. Das Ende der imperialen Weltordnung verunsicherte das Reden über eine europäische beziehungsweise westliche Gemeinschaft nachhaltig. In diesem Kontext wirkte die OECD als Ort der westlichen Selbstvergewisserung und Sinnstiftung. Die Autorin analysiert die Entstehung mehrerer Studien der Organisation in den Jahren 1948-1975. Sie macht sichtbar, wie Relevanz und autoritative Geltung westlicher Expertise konstruiert wurden und wie sich dieses Wissen zu Erzählungen über den Süden verdichtete.
Chronos Gesetze am Himmel, Sachbücher von Christian Schütze
Die Mathematik ist nicht nur unnütz bei der Erforschung der Natur, sondern führt sogar zu falschen Erkenntnissen. Dies glaubten noch in der frühen Neuzeit etliche Gelehrte, obwohl schon die Bibel bezeugte, die Welt sei nach Mass, Zahl und Gewicht eingerichtet. Die damals verbreitete Abneigung gegenüber der Mathematik war offenkundig eine Fehleinschätzung: Denn der Fortschritt der modernen Wissenschaft, die sich auf Formeln und Gesetze beruft, ist unübersehbar. Doch hinter dem Einzug der Mathematik in die Naturforschung steht ein radikaler Anschauungswandel. Weshalb haben sich die Gelehrten ab der frühen Neuzeit verstärkt dem 'modernen' Denken geöffnet? Der Schlüssel hierfür liegt in der damaligen Astronomie. Das seit der Antike bestehende Bild vom Kosmos wird durch Beobachtungen am Himmel erschüttert, die Astronomie steckt in einer Krise, die Forscher suchen nach neuen Antworten. Nicht nur Kopernikus, Galilei und Kepler ersinnen neue Theorien über das Universum. Die Krise mündet schliesslich in eine Erfolgsgeschichte, deren Ausmass bislang übersehen worden ist: Die Astronomie bringt nicht nur ein neues Weltbild hervor, sondern zugleich eine neue Art, diese Welt zu denken - in Form mathematischer Gesetzmässigkeiten.
Chronos Ausgewählte Erzählungen, Sachbücher von Lili Haller
Das Erzählwerk der Schweizer Autorin Lilli Haller (1874-1935) strotzt vor weiblichen Figuren, die ihren eigenen Weg gehen. Das Augenmerk auf diese Frauenfiguren gerichtet, macht die Edition das vergessene novellistische Werk der Autorin wieder zugänglich. Lilli Haller verfasste in der Zeitspanne von 1912 bis 1920 eine Reihe von Kurzerzählungen. Heute sind davon fünfzehn überliefert. Die Edition stellt fünf ausgewählte Novellen vor: „Wie Lehmann ein Mensch sein wollte“, „Die Frau Major“, „Der Mord auf dem Dorfe“, „Die Frau Vorsteherin“ und „Tante Röschens Vermächtnis“. Die fünf Erzählungen springen zwischen Schauplätzen in der Schweiz und in Russland hin und her. Detailreich und mit mundartlichem Charme erzählen die Texte Frauenleben im frühen 20. Jahrhundert - von der ehrgeizigen Vorsteherin eines Mädchengymnasiums in Jalta über eine Gruppe betagter Damen im Berner Burgerspital bis hin zum Mordfall im russischen Gutsdorf Torschok. Dabei werden Gegensätze zum gemeinsamen Nenner der Texte, denn in allen stellt die Autorin einer männlichen Perspektive auf einen bestimmten Sachverhalt eine weibliche Perspektive gegenüber - mit unterschiedlichem Ausgang. Die Texte überzeugen mit einem sympathischen, teils skurrilen Figureninventar und fliessenden Wechseln von narrativen und reflektierenden Elementen. Nicht zuletzt zeichnet sich in den Erzählungen der Blick einer Schweizerin auf das Russland der Jahrhundertwende ab.
Chronos 'Eine Kunst für sich', Fachbücher von Sibylle Ryser
Zwischen den beiden Polen Kunst und Populärkultur gedeiht eine weit verbreitete Praxis: die Amateurmalerei. Indem Hobbymaler Tafelbilder malen, bedienen sie sich überlieferter Kodes der Hochkunst. Sind sich die Amateure dieses Referenzrahmens bewusst, wie nehmen sie ihn wahr, was bedeutet er für sie? Die kulturwissenschaftliche Untersuchung geht der Frage nach, wie und wo sich zeitgenössische Freizeitmalerinnen und -maler auf Kunst beziehen. Dabei werden vielfältige Bezüge aufgezeigt: von Techniken und Sujets über Vermittlungsaspekte zu Identifikationsangeboten und Präsentationsritualen - stets orientiert sich die Amateurmalerei an der Kunst. Zugleich wird aber auch deutlich, dass die Sphären von Kunst und Freizeitmalerei letztlich getrennt bleiben. Obwohl das Selbstverständnis der Amateure von der Vorstellung einer fliessenden Grenze zur Kunst geprägt ist, bleibt die Amateurmalerei ein.
Chronos Demokratie und Charisma, Sachbücher von Fabian Brändle
Am 18. März 1733 musste sich der Luzerner Johannes Büelmann vor dem Schwyzer Rat verantworten. Er meinte, der Landammann stinke ärger als ein Pudelhund, und die Herren hätten die Freiheit verkauft. Joseph Anton Stadler aber sei unschuldig hingerichtet worden, es seien deswegen Lilien aus seinem Grab gewachsen, ja man werde noch seinen Besatz halten und entheben wie den heiligen Bruder Klaus. Stadler war 1708 geköpft worden, sein Grab wurde zur Pilgerstätte für Leute, die an Ideale glaubten, die sich von der politischen Praxis der Mächtigen fundamental unterschieden. In der populären Memoria war der Hingerichtete ein Märtyrer der Freiheit, so wie Bruder Klaus als Friedensstifter und politischer Mahner galt. Stadler hatte tatsächlich fundamentale Reformen initiiert. Er revitalisierte die Landsgemeinde, indem er ihr Kompetenzen zusprach, die vom Rat usurpiert worden waren. Der Rothenthur.
Chronos Aktivdienst und Geschlechterordnung, Sachbücher von Christof Dejung
Traditionellerweise herrscht die Vorstellung vor, die Generation, die den Zweiten Weltkrieg in der Schweiz miterlebt hat - die sogenannte Aktivdienstgeneration - sei eine homogene Einheit gewesen: abwehrbereit und geschlossen. Doch war dies wirklich der Fall? Die vorliegende Studie zeigt durch eine Analyse von Interviews, Erinnerungsschriften, militärtheoretischer Literatur, Propagandatexten und Archivquellen, dass das traditionelle Bild der Aktivdienstgeneration im Wesentlichen durch die Propaganda der geistigen Landesverteidigung geprägt war. Die gegen Ende der dreissiger Jahre zunehmend polarisierte Geschlechterordnung spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Bild des Wehrmannes, der mit dem Karabiner in der Hand die daheim gebliebene Familie beschützt, sowie das Bild der Schweizerin als Hausfrau und selbstlose Unterstützerin ihres wehrpflichtigen Mannes wurden zu normativen Leitbildern.
Chronos Radikale Jugend, Sachbücher von Andreas Petersen
Beeinflusst von Lenin, Fritz Brupbacher und Leonhard Ragaz, verantwortlich für die panikartige Angst, die sich des Bürgertums am Ende des Weltkrieges bemächtigte, war die sozialistische Jugend, zuerst Jungburschen, später Freie Jugend und schliesslich Sozialdemokratische Jugendorganisation der Schweiz. Sie war organisatorische Hauptträgerin der revolutionären Stimmung zu Zeiten des Generalstreiks 1918 und glühende Anhängerin der Moskauer Internationale sowie Kernbestand der neuen Kommunistischen Partei der Schweiz. Die Jugendbewegung bot ihren Mitgliedern Gemeinschaft, Identität und sogar einen Lebenssinn und prägte sie oft lebenslang. Viele wurden später wichtige Partei- und Kominternfunktionäre, wie zum Beispiel Willy Münzenberg. Der Autor stellt ausführlich die unterschiedlichen Facetten dieser Jugendbewegung dar und fragt nach der Faszination der Bewegung für ihre Mitglieder. Er untersucht systematisch den Radikalisierungsprozess und erstellt einen differenzierten Faktorenkatalog, mit dem sich Radikalisierungsphänomene von Jugendgruppen untersuchen lassen. Zur Beantwortung der Frage, ob Jugendradikalität eine Generationenfrage ist, wird die sozialwissenschaftliche Diskussion über die Generationentheorie umfassend aufgearbeitet und die wichtigsten Jugendgruppen der damaligen Zeit mit der sozialistischen Jugend verglichen, die damit erstmals umfassend analysiert wird.
Chronos Lebenswelten Sibiriens, Fachbücher von Carsten, Goehrke
Auf Grund seiner gewaltigen Ausdehnung bildet Sibirien einen eigenen Subkontinent mit sehr unterschiedlichen Landschafts- und Wirtschaftszonen sowie einer Vielfalt von Ethnien und Kulturen. Gesamtdarstellungen vermögen daher seine Natur und Geschichte nur in begrenztem Masse adäquat zu erfassen. Das vorliegende Buch beschränkt sich auf einen regionalen Ausschnitt - das in der Mitte Sibiriens gelegene Flussbecken des Jenissei bzw. die Verwaltungsregion von Krasnojarsk, welcher alle Landschaftstypen und historischen Phänomene Sibiriens repräsentativ abdeckt. Diese territoriale Beschränkung macht es möglich, Natur und Geschichte Sibiriens kleinräumiger und detaillierter nachzuzeichnen, denn das eigentliche Wesen und die Besonderheiten dieses faszinierenden Grossraumes erschliessen sich erst bei einem Augenschein einzelner Lebenswelten. Der erste Teil beleuchtet die räumlichen Aspekte.
Chronos Bücher in Frauenhand, Schulbücher von Norbert Furrer
Was lasen Frauen in der Schweiz zur Zeit der Aufklärung und was hätten sie aus Männersicht lesen sollen? Erweiterte das gedruckte Wort ihren Geist oder engte es ihn ein? Der rekonstruierte Buchbesitz von 167 Schweizerinnen ohne besonderen Rang und Namen entspricht wenig dem erdachten Inhalt idealer „Frauenzimmer-Bibliotheken“. Erhaltene Nachlass- und Versteigerungsinventare des 18. Jahrhunderts erlauben es, den Buchbesitz zahlreicher Frauen zu rekonstruieren - von Waadtländerinnen, Bernerinnen, Jurassierinnen und Neuenburgerinnen: Frauen aus Stadt und Land, Standespersonen und Gemeine, „Welsche“ und „Deutsche“, Reformierte und Katholikinnen, Wohlhabende und Unbemittelte. Mit der „idealen“ Frauenbibliothek, wie sie (männlichen) Zeitgenossen vorschwebte, haben diese „realen“ Bibliotheken wenig gemein. In den kleinsten unter ihnen herrschen geistliche Texte vor, Heilige Schrift und Erbauungsliteratur, in den grösseren gesellen sich weltliche dazu - eine Vielfalt von Werken zum Zweck der Bildung und Unterhaltung. Die Studie richtet den Fokus auf Bibliotheksbesitzerinnen und Leserinnen, daneben wirft sie einen Blick sowohl auf Subskribentinnen und Käuferinnen von Büchern als auch auf Verlegerinnen, Händlerinnen und Verleiherinnen von Druckwerken. Sie entwirft eine Typologie der frühmodernen Leserin und erkundet nicht zuletzt die Modalitäten ihres Lesens, die Frage also, ob Frauen lasen, weil sie lesen konnten, wollten, durften oder mussten oder obwohl sie an sich nicht lesen konnten, wollten, durften oder mussten.
Chronos Zürcher 'Needle-Park', Sachbücher von Peter Grob
Autorentext Peter Grob, emeritierter Professor für Medizin, ehemaliger Leiter der klinischen Immunologie am Universitätsspital Zürich, aktiv in vielen Kommissionen im Kampf gegen Hepatitis und AIDS. Gertrud Vogler, geboren 1936, ehemalige Bildredakteurin der WochenZeitung in Zürich, fotografiert und dokumentiert seit Jahren das andere Zürich. Klappentext Zwischen November 1988 und Februar 1992 wurden mehr als 7 Millionen Spritzen und Nadelsets sowie 2 Millionen zusätzliche Nadeln an mehrere hundert Drogenabhängige am Zürcher Platzspitz verteilt; medizinische Hilfe wurde geleistet, darunter 6.700 künstliche Beatmungen. All dies wurde vom Staat und der Polizei toleriert, obwohl 1975 das Schweizer Betäubungsmittelgesetz verschärft wurde und der Besitz und Konsum illegaler Drogen strafbar gemacht wurde. Da der Platzspitz zu dieser Zeit die grösste sichtbare Drogenszene der Welt war und der erste Ort, an dem grossflächige Krankheitsprävention gegen Hepatitis und AIDS stattfand, zog er viel internationale Aufmerksamkeit auf sich und erhielt den Namen „Nadelpark“. Der erste Teil beschreibt, wie die Drogenepidemie auch Zürich erreichte, wie Unruhen ausbrachen, wie die Drogenabhängigen von Ort zu Ort getrieben wurden, bis sie einen prekären Frieden am Platzspitz fanden. Der Hauptteil beschreibt detailliert die Aktivitäten und das Alltagsleben am Platzspitz: die breite Palette von Menschen, die dort verweilten, von Drogenhandel über wissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zu den Reaktionen von Politikern und Medien. Der abschliessende Abschnitt berichtet über den langsamen Abschied von der Repression, die Behandlung von Drogenabhängigen mit dem Ersatzmittel Methadon und sogar mit Heroin, die Verbesserung der Überlebenshilfe, die politischen Auseinandersetzungen und schliesslich die Annahme eines neuen, viel offeneren Betäubungsmittelgesetzes durch das Schweizer Volk im Jahr 2008. Der Text wird durch Fotos von Gertrud Vogler ergänzt.
Chronos Nationaler Ausnahmezustand und individuelle Lebensbewältigung A1073872230
Wie bewältigen Menschen ihren Alltag in Zeiten des Krieges angesichts staatlicher Vorsorge, Einschränkungen und Vorschriften? Unter Verwendung von lokalen Quellen untersucht die Autorin Verhaltensweisen der aargauischen Bevölkerung im Zusammenhang mit der Verdunkelungspflicht, der Rationierung und der Lenkung des landwirtschafltichen Anbaus in der Schweiz zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Kontrast zur bisherigen historischen Darstellung werden der vielfältige zivilgesellschaftliche «Ungehorsam» und die zahlreichen Konfliktsituationen dargestellt, die trotz des staatlichen Zwangssystems mit seinen Sanktionierungsandrohungen und Strafverfolgungen auftraten. Das Buch interpretiert die Eigendynamik individueller Lebenszusammenhänge und -gestaltung in Zeiten nationaler Bedrohtheit und korrigiert das Bild einer geeinten widerständigen Bevölkerung, wie es die Forschung lange überliefert hat.
Chronos Frau Minne und die Zürcher Juden A1071982437
Vor einigen Jahren sind im Haus an der Brunngasse 8 in Zürich Wandmalereien von einzigartiger Bedeutung zum Vorschein gekommen. Sie entstanden um 1330 und schmückten einen grossen, repräsentativen Saal mit Motiven aus der höfischen Welt des Minnesangs. Auftraggeberin und Besitzerin des Hauses war Frau Minne, eine vornehme Zürcher Jüdin. Sie und ihre beiden Söhne Mosche und Mordechai ben Menachem waren im Geldleihgeschäft tätig, Mosche war zudem Rabbi und Autor einer bedeutenden Sammlung von Talmudkommentaren. Im mittelalterlichen Europa waren die Juden zunehmend Verfolgungen ausgesetzt; so auch während der grossen Pestpandemie 1347–1353. In Zürich wurden am 23. Februar 1349 die männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde ermordet, die Frauen und Kinder vertrieben. Zu den Opfern gehörte auch Rabbi Mosche ben Menachem. Die in diesem Buch versammelten Beiträge von dreizehn Autorinnen und Autoren kreisen um die Malereien und ihren Kontext. Wie stehen diese zum biblischen Bilderverbot? Wie war die Stellung der jüdischen Frau in einer von Männern dominierten, christlichen Gesellschaft? Wie kam es zum Geldgeschäft als Gewerbe und zum Zerrbild des «geldgierigen Juden»? Stand ein wütender Mob hinter dem Pogrom von 1349 oder letztlich eine Oberschicht, welche vom Tod der jüdischen Gläubiger profitierte?
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