Katharina (Theresa Scholze) und Steffen (Max Riemelt) sind ein aufstrebendes Berliner Paar. Sie haben gute Jobs, eine liebevolle Beziehung - eine Dachgeschosswohnung auf zwei Etagen. Doch die beiden sehnen sich danach, der wohligen Vorhersehbarkeit ihres Lebens zu entkommen. Eines Nachts entschließen sie sich zu einem radikalen Schritt: Sie werden jegliche Zeichen ihrer Existenz vernichten, um irgendwo anders neu anzufangen. Die beiden richten eine Kamera ein, um ihre Tat zu filmen, in der Hoffnung, dass auch andere ihnen folgen. Sie beginnen ihr Eigentum zu zerstören, lösen die Bankkonten auf und löschen ihre digitalen Spuren. Auch dem besten Freundespaar Robert und Paul wollen sie verschweigen, dass sie für immer verschwinden werden. Während alles in Stücke splittert, nimmt ihr Vorhaben fast unmerklich eine Wendung: Die heimliche Revolution wird zum Kampf um ihre Liebe. -------------------------------------------- In seinem zweiten Spielfilm nach dem hochgelobten Familienporträt "Vier Fenster" inszenierte Christian Moris Müller ein intensives Kammerspiel um den Ausbruch eines jungen Paares aus seinem Leben. Früher hätte man da auf eine Midlife-Crisis getippt, aber so jung, wie Katharina und Steffen sind, verbietet sich das eigentlich. Die beiden haben eine coole Wohnung über zwei Stockwerke, die sie mit Freunden hergerichtet haben, und Jobs, die sie auslasten und genug Geld einbringen. Ein irgendwie perfektes Leben, ein eigentlich glückliches Paar. Doch irgendwie scheinen sie sich wie in einem goldenen Käfig eingesperrt zu fühlen. In ihnen ist der Wunsch gewachsen, alles aufzugeben, noch einmal von vorne anzufangen, ein neues Leben zu beginnen, eine neue Identität aufzubauen. Dieser Film handelt von einem Zwischenzustand, der Entschluss steht fest, und sie fangen an, ihn umzusetzen, keiner weiß, wohin es sie treiben wird, zuallerletzt sie. Lustvoll zersägen sie ihr Mobiliar (und ihre Lieblingsplatten), löschen ihre digitalen Profile, bringen ihr Vermögen unter die Leute, stecken Geldbündel in Handtaschen und Tempo-Päckchen. "Lichtgestalten" nennen sie sich einmal, Menschen, die verschwinden können, wie wenn man eine Taschenlampe ausknipst, soll das bedeuten. Aber es tauchen auch Zweifel auf. Sie besprechen ihren Entschluss mit ihren Freunden, einem schwulen Paar. "Wenn ihr mit eurem Leben glücklich werdet", sagt einer ihrer Freunde, "dann stellt ihr irgendwie auch mein Leben infrage. Wenn ihr scheitert, dann nehmt ihr mir auch die Hoffnung." Und am Ende kommen die beiden darauf, dass ein Neuanfag auch etwas mit der Beziehung zwischen ihnen beiden zu tun hat. "Wir müssen aufhören, aneinander festzuhalten - das ist die Freiheit", sagt Steffen einmal. "Lichtgestalten" ist ein Kammerspiel, selten verlässt die Kamera die Wohnung der beiden. Noch dazu hebt der Film die Distanz auf zwischen den beiden und uns, wenn sie sich mit ihrer Kamera selbst filmen, Grußbotschaften aufsagen, diskutieren oder einfach nur Momente einfangen. Das ist aber nicht realisiert wie eine Mockumentary oder mit der Wackelkamera eines Horrorfilms à la "Rec". Sondern wohlkomponiert. Einmal werfen sie metallene Gegenstände auf den Spiegel, in dem sie selbst sich sehen: Sie wollen nicht mehr sie selbst sein, sie wollen ihr Ebenbild zerstören. Aber immer wieder verlässt die Kamera auch die Position, wo die beiden sie hingestellt haben, erkundet die Wohnung, fängt die wogenden roten Vorhänge ein und die Stille, als sie leer ist. Sehr suggestiv wirkt das, unterlegt mit einem Hauch von Gewitter oder Meeresrauschen. Und manchmal gibt es Bilder mit den beiden großartigen Darstellern Theresa Scholze und Max Riemelt im Stile helldunkler Stillleben. Ästhetisch ist "Lichtgestalten" sicherlich der mutigste, experimentellste und visionärste deutsche Spielfilm des letzten Jahres. Oftmals aber hat man auch das Gefühl, alles dreht sich im Kreis. Aber das soll ja so sein. epd-film, Rudolf Worschech Der stilistisch anspruchsvollste und überraschendste Film war "Lichtgestalten
Nach einem Angriff auf ihre Schwester Silke (Gisa Flake) kehrt Moni (Christina Große) nach fast 20 Jahren zu ihr in die alte Heimat zurück. Moni setzt alles daran den Angreifer ausfindig zumachen und ihre Schwester vor ihm zu beschützen. Doch will Silke - die ihrer Schwester schon lange nicht mehr vertraut - das überhaupt? Und wenn ja, wer ist hier in Wahrheit zu beschützen? Und vor allem vor wem? Und welche Rolle spielt der Täter Rene (Marc Ben Puch) dabei, der selbst nicht (mehr) versteht, wieso er es getan hat? SAG DU ES MIR ist ein dramaturgischer Tanz in drei Episoden über Opfer und Täter und die Wahrheit zwischen den Lügen.
"Standesgemäß" portraitiert drei adelige Singlefrauen zwischen traditionellem Anspruch und Alltag, zwischen Schloss und Plattenbau, zerrissen von den Erwartungen der Eltern, die sie nicht mehr erfüllen können und den tief verinnerlichten eigenen Ansprüchen. Wenn sie weiter zum Adel gehören wollen, müssen sie einen adeligen Mann heiraten oder alleine bleiben, denn innerhalb des Adels gilt das "Mannesstammprinzip". Eine mitreißende Geschichte über bizarre, längst überwundengeglaubte Relikte, die Sehnsucht nach Liebe, die Emanzipation vom eigenen Elternhaus und die Suche nach dem Weg in die Moderne. Mit der Neuauflage ist der gefeierte und langvergriffene zweite Film der Erfolgsregisseurin Julia von Heinzendlich wieder auf DVD erhältlich
Ein meisterhaftes Epos über Familie, Liebe und die wundersame Schönheit als Arzt andere zu heilen Äthiopien in den sechziger Jahren: Marion und Shiva Stone, eineiige Zwillingsbrüder, wachsen als Waisenkinder in einem Missionshospital in Addis Abeba auf, der Kaiserstadt Haile Selassies. Ihre Mutter, eine schöne indische Nonne, starb bei ihrer Geburt, ihr Vater, ein britischer Chirurg, verschwand spurlos. Marion und Shiva sind unzertrennlich, und sie verbindet die Faszination für die Medizin, doch als sie zu jungen Männern heranwachsen, treibt die Liebe – ihre Leidenschaft für dieselbe Frau – einen Keil zwischen die beiden. Marion muss aus seinem von politischen Unruhen geschüttelten Heimatland fliehen, kommt nach Amerika und geht in seiner Arbeit in einem New Yorker Krankenhaus auf. Doch dann holt ihn die Vergangenheit ein, und er muss sein Leben ausgerechnet in die Hände der beiden Männer legen, denen er am wenigsten vertraut: seinem Vater, der ihn im Stich gelassen, und seinem Bruder, der ihn betrogen hat. Rückkehr nach Missing erzählt die unvergessliche Geschichte einer großen Liebe: zu den Menschen und zur Medizin. Eine packende Familiensaga über Afrika und Amerika, Ärzte und Patienten, Exil und Heimat.