Testurteil: "5.5/10"
Test: Einzeltest: Get Even
Zitat: Pro: + Solide Atmosphäre
+ Guter Soundtrack
+ Stimmige Optik
Contra: - Banale und künstlich gestreckte Handlung
- Anstrengende und gefühlt sinnlose Hatz nach Hinweisen
- Unausgewogener Genremix
Eigentlich hätte ich die perfekte Zielgruppe für einen Titel wie Get Even abgeben müssen, denn ich bin Experimenten und Ausbrüchen aus der Konventionalität nie abgeneigt und schaue auch gerne mal über den Tellerrand. Ich bin daher erstaunt, dass das Spiel mich so emotionslos zurückgelassen hat. Obwohl das eigentlich nicht stimmt, denn während der für mich quälend langen zwölf Spielstunden hatte ich sehr wohl Emotionen verspürt, die jedoch leider überwiegend negativen Ursprungs waren. Wie oft habe ich mich geärgert! Geärgert darüber, dass sich das Schleichen nicht gut anfühlt, wenn ich schleichen möchte. Darüber, dass sich die Feuergefechte so statisch spielten, wenn mich das Spiel aufgrund der ungünstigen Spielmechanik regelrecht zwang, in die Offensive zu gehen. Und wie oft habe ich mich darüber geärgert, dass die anfangs spannend anmutende Geschichte in künstlich langgestreckter Banalität ihre doch durchaus vorhandenen Stärken selbst untergrub und Spannungsmomente so leichtfertig verschenkte. Schade! Das aktuellste Projekt des polnischen Entwicklerstudios Farm 51 – bisher bekannt durch Titel wie NecroVisioN und Deadfall Adventures – hatte bereits lange vor der Veröffentlichung großes Interesse von Seiten der Fachpresse und Spielerschaft auf sich ziehen können. Denn Get Even sollte nicht nur einen noch nie dagewesenen Genremix in sich vereinen, sondern zugleich auch mithilfe von Fotogrammetrie grafische Maßstäbe setzen. Und als wäre das noch nicht genug, sollten im Spiel die Grenzen zwischen Einzel- sowie Mehrspielermodus geschickt verwischt werden – und das auch noch in VR! Wie der Versprechens-Cocktail nach mehreren Verschiebungen mundet, erfahrt ihr bei uns im Test. Viel gewollt, recht wenig gekonnt Was für ein Wow-Moment war das damals, als wir vor circa drei Jahren einen ersten Ankündigungs-Trailer zu Get Even vor die Linse bekamen. Das dort gezeigte Lagerhaus strotzte nur so vor Detailreichtum und Einzelheiten mit gestochen scharfen Texturen, sodass wir damals tatsächlich unsicher waren, ob wir da nicht gerade eine Videoaufnahme zu sehen bekamen. Interessiert verfolgten wir die Berichterstattung und erfuhren dabei, dass der Entwickler mithilfe von Drohnenaufnahmen und einer Technik namens Fotogrammetrie reale Schauplätze und Objekte abscannen und dementsprechend realistisch digitalisieren und ins Spiel einbauen wollte. Doch dann wurde es leider lange still um den Titel, und Neuigkeiten über einen geplanten VR-Modus und das Vorhaben, den Einzelspieler- mit dem Mehrspielermodus verzahnen zu wollen, gingen weniger präsent durch die Medien.