Testurteil: "9 von 10 Punkten"
Test: Einzeltest: Orléans
Zitat: Wer sich anfangs vom Umfang der Möglichkeiten erschlagen fühlt, der wird spätestens nach zwei bis drei Runden feststellen, dass alles in Orléans wunderbar ineinandergreift und schnell verinnerlicht ist. Durch eindeutige Kennzeichnungen ist für jeden sofort klar, welche Personen er wo einsetzen kann und welche Vorteile er dadurch hat. Das Zusammenstellen der eigenen Gefolgschaft geht einfach und schnell von der Hand, allerdings birgt das Nachziehen aus dem Beutel gewisse Unwägbarkeiten in der nachfolgenden Einsetzphase. Wer sich beim “Bag-Building“ zu sehr aufbläht, geht ein höheres Risiko ein, die falschen Plättchen zu ziehen. Da gilt es schon frühzeitig, den eigenen Beutel durch Entsendung von Personen ins Rathaus und weiter zu den segensreichen Werken zu entschlacken.
Zu Beginn, wenn nur wenige Personenplättchen zur Verfügung stehen, ist eine Runde ziemlich schnell abgehandelt. Mit fortschreitender Spieldauer wird das Ganze dann schon langatmiger, was auch mit den Ortskarten zu tun hat, die auch erst einmal verinnerlicht sein müssen. Die vielen machbaren Einsetzmöglichkeiten verleiten dazu, dass man immer mehr machen möchte, als man kann und darf. Dafür gibt es aber auch viele Wege, die zum Ziel führen.
Orléans ist ein Highlight der SPIEL 2014 und fand in meinen Spielgruppen viele begeisterte Anhänger. Das Material ist von guter Qualität, wenn auch die Personenplättchen ein wenig fisselig erscheinen, aber ihren Zweck erfüllen. Und dass Reiner Stockhausen ein Ohr für die Kritik der Spieler hat, zeigt seine überaus schnelle Antwort auf die gefühlte Übermächtigkeit der Ortskarte „Badehaus“. Auf der Verlagsseite wurden bereits Vorschläge zur Abschwächung veröffentlicht. Was bleibt ist ein überaus schmackhafter Leckerbissen für Strategiespieler, die sich gut unterhalten fühlen und mit dem „Bag-Building“ ein interessantes neues Spielelement vorfinden.