Testurteil: "83%"
Test: Einzeltest: Legacy of Kain: Defiance
Zitat: Eins muss man Entwickler Crystal Dynamics lassen: Kaum ein anderes Team versteht es so konsequent, auf die Kritikpunkte ihrer Spiele einzugehen und sie in den Nachfolgern auszubügeln. Entsprechend ist Legacy of Kain: Defiance das bisher beste Abenteuer von Kain und Raziel. Endlich machen die Kämpfe Spaß, und zwar richtig, Leerläufe, bei denen ihr durch leblose Gänge marschiert, gehören dank dichtem Gegnervorkommen auch der Vergangenheit an, Zwischensequenzen lassen sich nun wahlweise abbrechen und die Balance zwischen Spielelementen und den erzählerischen Parts fällt deutlich homogener aus. Mit der bombastischen Grafik und gewohnt hochwertigen Sprachausgabe kann dabei auch der technische Bereich fast restlos überzeugen. Und dennoch reicht es nicht ganz zum Award? Hierfür fehlt es Defiance schlicht an wirklich, neuen Elementen. Das bestehende Konzept wurde zwar weiter verbessert, Fans der Serie sehen sich nun zum fünften Mal mit denselben Rätseln, denselben Gegenden und demselben Spielverlauf konfrontiert. Wieder besucht ihr Dungeons, um euren Reaver mit der Kraft der Elemente zu füllen, wieder hört ihr die Charakterriege über das unvermeidliche Schicksal philosophieren, ohne anfangs wirklich Näheres zu erfahren, und wieder springt ihr als Raziel im Akkord zwischen Geisterwelt und Realität hin und her, um ungeahnte Höhen zu erreichen. Nach dem fünften Aufguss schmeckt selbst der beste Tee etwas fad. Neulinge haben dagegen stark mit der komplexen Hintergrundgeschichte zu kämpfen. Wer nicht von Beginn an bei der Geburt des Vampirlords Kain oder seinen gefallenen Sohn Raziel dabei war, wird noch schwerer dem wirklich epischen Handlungsverlauf folgen können als Fans der ersten Stunde. Anhänger der Serie, die nach Soul Reaver II immer noch nicht genug von Crystal Dynamics Höllenfürsten haben, können dennoch bedenkenlos zugreifen: Defiance ist fesselnd wie kein Legacy of Kain-Titel zuvor, nur echte Neuerungen sollte niemand erwarten.