Testurteil: "4 von 10 Punkten"
Test: Einzeltest: 011
Zitat: Wie der Spielablauf oben zeigt, gibt es viel zu erklären. Anfänglich wird man durch die vielen Regeln, die lange Anleitung und das viele Spielmaterial erschlagen. Aber das ist halb so wild, da der Spielablauf selbst geradlinig und klar ist. Man kommt sehr schnell in das Spiel hinein. Außerdem sind die Spielregeln mit vielen Bildern und Beispielen bestückt.
Das Spielmaterial und besonders das Thema sind toll: Steampunkelemente und eine mystische Geschichte sprechen viele Spielerherzen an (auch meines). Der Spielautor hat sich besonders viel Mühe gegeben eine stimmige Einleitung zu schreiben. Die Gestaltung des Materials ist eigenwillig, aber interessant und passend. Ein großes Manko steckt im Spielmaterialdetail: Die Spielfiguren sind grau und untereinander oft schlecht unterscheidbar. Noch schlechter erkennbar sind die auf dem Sockel der Spielerfiguren abgebildeten Runen (die noch dazu nur auf einer Seite dieser abgebildet). Das kostet im Spiel unnötige Zeit durch die Suche. Farbige Figuren und Runen auf allen vier Seiten wären wünschenswert gewesen. Ansonsten gibt es am Spielmaterial nichts auszusetzen, es zeigt sich auch robust.
Besonders cool finde ich die Zahnradelemente, welche das Spiel (anstatt einfacher Würfel) aufpeppen uns sich wunderbar in das Steampunksetting einfügen.
So, jetzt kommt leider der weniger angenehme Teil, den ich in dieser Rezension ansprechen muss. Der Spielmechanismus funktioniert und auf den ersten Blick glaubt man ein solides Spiel vor sich liegen zu haben. So flüssig spielt es sich dann aber doch nicht. Man hat lange Wartezeiten und 011 zieht sich wie ein Kaugummi in die Länge, da jeder Spieler erst dann seine Möglichkeiten durchdenken kann, wenn er dran ist. Besonders extrem ist das, wenn man mit der vollen Spielerbesetzung spielt. Ich empfehle maximal drei bis vier Spieler. Ein Strategiespiel ist 011 definitiv nicht, muss es auch nicht sein. Das Suchen des Auserwählten kann schnell erledigt sein, wenn man bei den Mitspielern sofort die Personenkarte aus den Handkarten zieht. Ansonsten entwickelt sich auch das zu einer mühsamen und langen Suchjagd. Die Zahnräder empfinde ich als ein schönes Spielelement, da man sich selbst die besten Möglichkeiten durch das variable Verstellen der Zahnradposition heraussuchen kann. Auch die Spezialfähigkeiten der Personen werten das Spiel auf. Mehr fraglich ist das Sammeln von Hinweismarkern und die dazugehörige Spielphase, welche man auch getrost weglassen hätte können. Die Hinweismarker sind oft praktisch, aber verbessern das Spiel nicht. Schön finde ich aber auch die Bietphase für die Reihenfolge, auch wenn man dieses Element von vielen anderen Brettspielen kennt. Genauso gefällt mir auch die Ereigniskarte, welche schöne kleine Highlights hinein bringt. Trotzdem können all diese kleinen schönen Spieldetails die Spannung nicht anheben.
Ich hatte, als ich 011 in den Händen hielt, sehr große Erwartungen und habe mich auf das Spiel sehr gefreut. Thema passt, Aufmachung passt und Spielmechanismus klingt spannend. Leider konnte der Inhalt meiner Erwartung nicht gerecht werden und es stellten sich viele „mühsame“ Testspielrunden in verschiedenen Spielegruppen ein, die fast immer abgebrochen wurden, weil schnell Langeweile durch die lange Spielzeit aufkam und man sich durch das Spiel quälte. Es tut mir als Rezensent im Herzen weh, dass ich keine bessere Bewertung herausholen konnte, da mich die Idee und Story des Spiels wirklich begeisterte.