Testurteil: "8 von 10 Punkten"
Test: Einzeltest: Die Akte Whitechapel
Zitat: Ja, also, auf die geistige Verwandtschaft zum Klassiker Scotland Yard muss man wohl wirklich nicht extra hinweisen: Die Akte Whitechapel ist genau die Fuchsjagd, die man erwartet, wenn man ein Detektivspiel mit Stadtplan als Spielfeld vor sich liegen hat. Doch wohl auch der älteste Scotland Yard -Fan (*hüstel*) wird zugeben müssen, dass dort ein Mister X, der nicht komplett lobotomiert spielt, für die Detektive kaum wirklich zu fangen ist. (Varianten wie NY Chase oder Mister X nicht berücksichtigt. Die Tatsache, dass ich sie im Schrank stehen habe, heißt nicht, dass ich sie schon ausreichend oft gespielt hätte….)
Wie aber sieht das nun bei Akte Whitechapel aus?
Nun, anders als sein Kollege aus dem 20. Jahrhundert hat Jack The Ripper alle Hände und Hirnwindungen voll zu tun, seine Wege zu verschleiern und die lästigen Polizisten auf falsche Fährten zu locken. Da muss man schon mal einen ziemlichen Haken schlagen, so manche Kutschenfahrt bewusst im Kreis herumgehen lassen oder die engen Gässchen dazu nützen, die Detektive zu narren und schon mal auf ein Feld ziehen, das man auch ohne Bonus erreicht hätte. Dementsprechend ist Akte Whitechapel wohl sowohl für den Fuchs als auch für die knobelnden Detektive interessant(-er).
Für den Fall, dass den geneigten Detektiven /Serienmördern die Standardfassung nicht mehr genügt, legen unserer Autoren dem Spiel Varianten bei: Neben der Möglichkeiten für den Ripper, falsche Hinweise zu legen, baut eine Variante die berühmten Briefe des Rippers ein. Zwar fragt man sich, wie der „Dear Boss“-Brief, die „Saucy Jack“-Postkarte oder der „From Hell“-Letter die Bewegung der Figuren beeinflussen soll, aber werden wir uns beschweren, wenn es wunderbar thematisch ins Bild passt? Eben. (Zudem heißt das Spiel im Original schließlich Letters From Whitechapel ….)
(Die Theorie, die Briefe seien nur von einem Journalisten geschrieben worden, um die Story zu pushen - was unter anderem auch bedeuten würde, dass sich der Mörder den Namen eben NICHT selbst gegeben hat -, lassen wir dabei jetzt einfach außen vor.)
Gut, WER der Ripper denn nun wirklich war, erfahren wir auch in diesem Spiel nicht. Und das wird den einen oder anderen Ripperologen (und glaubt mir: Ich wünschte, ich hätte dieses Wort erfunden!!!) wohl missfallen.
Nebensache: Die berühmte Schattenfigur durch Londons Straßen zu jagen (oder den nervigen Bobbies zu entkommen), macht mindestens so viel Spaß wie die Identität des Serienmörders herauszufinden. (*hüstel* Mr. Jack *hüstel*)