Testurteil: "4.6 / 10"
Test: Einzeltest: Coraline
Zitat: Pro: + wunderschöne, lehrreiche Geschichte; liebevoll animierte Figuren mit skurrilem Design; gelungene Synchronisation mit ambitionierten und leidenschaftlichen Sprechern; Deutsches Menü und deutsche Sprachausgabe
Contra: zu viele Zwischensequenzen, die den Spielfluss stören und keine Atmosphäre aufkommen lassen, da sie an fast jeder Stelle bzw. nach jedem Event automatisch ablaufen; z.T. extrem lange Ladezeiten; zu linearer Spielablauf; überall Levelbegrenzungen – keine Erkundungen möglich; die partiell extrem skurrile als auch bösartige Darstellung und Thematik ist u.U. fragwürdig und nicht unbedingt geeignet für Kinder
Braucht Coraline wirklich Hilfe? Nein, braucht sie nicht! Ein vermeintlich wundervolles, mystisches als auch gefährliches Abenteuer, verrückt animierte Figuren und so viele Geheimisse, das schreit förmlich nach herrlichen Spielstunden? Wenn ihr euch da mal nicht täuscht! So traurig es ist, denn das Material gibt wahrlich einiges her, ist das Spiel alles andere als eine Herausforderung. Die ideal abgestimmten Umgebungen, die tolle Synchronisation als auch die hübsch gemachten Figuren schaffen es nicht das dröge Gameplay auch nur im Ansatz abzufangen. Langeweile von der ersten bis zur letzten Minute. Ein Buch oder ein Film und mittlerweile auch Spiele schaffen es, euch von der ersten Minute an gefangen zu nehmen, euch zu animieren weiterzuspielen, um so Geheimnisse, Rätsel und dergleichen mehr zu lösen. Ihr springt rein in das Geschehen, es hält euch gefangen und ihr wollt nichts anderes als das Ende des Spiels erleben, um zu erfahren wie es ausgeht, was hinter all den Vorfällen steckt. „Coraline“ schafft das ganz und gar nicht – zumindest das Spiel nicht! Vorgegebene, strikte Wege, die keinen Raum für Erkundungen lassen, ständige Unterbrechungen in Form von bisweilen viel zu langen Dialogsequenzen, dazu extrem lange Ladezeiten und keine aufkommende Atmosphäre zerstören jegliche Ambition die Eltern retten zu wollen. Das dabei die Steuerung überaus bockig reagiert und so manches Unterfangen zur Geduldsprobe wird, gestaltet das Spielgeschehen nicht besser. Minispielchen, die ein wenig Las Vegas Flair aufkommen lassen (Kartespiele, Hütchenspiele, usw.) sind zwar ganz nett, aber gesamt viel zu einfach gestrickt, so dass selbst kleinste Erst-Karten-Täter flugs die virtuellen Widersacher besiegt haben. Aus tiefstem Herzen muss man einfach sagen: Schade, überaus schade, dass hier so verdammt viel Potential in den Sand gesetzt worden ist. „Coraline“ hat viele geniale Einfälle, wundervolle Figuren und eine interessante sowie auch lehrreiche Geschichte, die es – basierend auch auf den Strukturen ihres geistigen Vaters – einfach nur verdient hätten, ordentlich und fordernd versoftet zu werden. So ist es wieder einmal nur eine Lizenzumsetzung geworden, die sich zudem noch hinter anderen Vertretern dieses Bereiches verstecken muss. „Coraline“, das hast du nicht verdient – aber leider ist das clevere Mädel mit der weisen Katze nur für Hardcore-Fans empfehlenswert. Schade!