Ein Urgestein des Survival-Horror auf dem DS
Resident Evil: Deadly Silence In Raccoon City gehen mysteriöse Dinge vor: Immer wieder verschwinden Spaziergänger in den Wäldern und man findet kurz darauf ihre bestialisch verstümmelten Leichen (oder was davon übrig geblieben ist). Die Presse macht wilde Tiere dafür verantwortlich, doch da steckt sehr viel mehr dahinter. Um herauszufinden was genau vor sich geht, wird die Spezialeinheit S.T.A.R.S (Special Tactics And Rescue Squad) auf den Fall angesetzt. Als das Bravo-Team jedoch nicht von ihrer Erkundung zurückkehrt, macht sich das Alpha-Team auf die Suche nach ihnen. Schnell entdecken sie, dass von ihren Kameraden nicht mehr viel übrig ist und sie finden sich schlussendlich inmitten eines uralten Herrenhauses wieder, das von Ausgeburten der Hölle besiedelt wird. Grund dafür ist ein freigesetzter Virus, der alles Leben in der Umgebung auslöschte und als abscheuliche Mutationen und lebende Tote wieder hervor brachte. Die letzten Mitglieder der S.T.A.R.S setzen nun also alles daran, diesen Fall aufzudecken und die Verantwortlichen zu stellen. Doch es gibt etwas, das einen noch höheren Stellenwert hat: Überleben!Die Thematik ist ernst und düster, doch die Dialoge sind alles andere als das. 1996 war das vielleicht noch zu verkraften, aber heutzutage stechen die unglaublich stupiden Gespräche stark hervor. Das ist B-Movie-Flair vom Feinsten. Dialoge ohne Gehalt, bescheuerte Fragen oder merkwürdige Verhaltensweisen, die alles andere als natürlich wirken, sind an der Tagesordnung. Für die DS-Version wurde alles 1:1 übernommen, auch die Videosequenzen, welche allerdings in Punkto Qualität einiges einbüßen mussten.Wiedergeburt oder Klassiker? Resident Evil: Deadly Silence Gleich zu Beginn stellt sich die Frage ob ihr das Spiel so erleben wollt, wie es auf der PSone erschienen ist (Classic-Mode) oder ob ihr euch lieber an den Rebirth-Mode wagt, welcher die spezifischen DS-Features mit einbezieht und mit dem altbekannten Gameplay von damals verknüpft. Sowohl Nostalgiker als auch DS-Anhänger werden also bedient. In Sachen Story, Schauplätze und Gegner sind beide Modi jedoch identisch. Wer auf neue Kreaturen, zusätzliche Areale oder überraschende Änderungen in der Story hofft, wird also leider enttäuscht. "Resident Evil Deadly Silence" ist keins dieser Remakes, das von Grund auf überarbeitet wurde und nur so von neuen Ideen, Gegnern, Schauplätzen usw. strotzt. Man kann es also nicht mit dem Gamecube-Remake vergleichen. Soviel Neues hat man leider nicht hineingesteckt, aber die ein oder andere Überraschung gibt es schon zu entdecken.Aus alt mach neu?Resident Evil: Deadly Silence Das wohl interessanteste Feature dürfte die Messerführung per Touchscreen sein. Es kommt immer wieder vor, dass ihr einen Raum betretet und das Geschehen plötzlich aus der Ego-Perspektive zu sehen ist. Nun gilt es den Stylus zu zücken und los geht die fröhliche Zombieschlitzerei: Durch kurzes Tippen auf den Screen wird zugestochen, mittels schnellen Bewegungen von einer Seite zur anderen wird aufgeschlitzt. Ihr könnt den Zombies zwar keine Körperteile abschneiden, aber dennoch wird mit dem roten Lebenssaft nicht gerade gespart. Soviel Blut hat man auf dem DS bisher noch nie gesehen! Wenn ihr im richtigen Moment euer Messer zückt, könnt ihr sogar kritische Treffer landen, welche sofort zum Tod eures Opfers führen. Diese sind aber auch mit einem Risiko verbunden, denn ihr müsst eure Angreifer genau dann treffen, wenn sie euch fast schon die Zähne in die Schulter gerammt oder euch geschlagen haben. Sind alle Kreaturen besiegt, so geht es ganz normal in der 3rd-Person-Perspektive weiter. Sofern ihr euch mit dem Messer geschickt angestellt habt, erhaltet ihr eine kleine Überraschung (ein paar Kugeln Munition, selten mal eine grüne Pflanze) als Belohnung. Mag nun so klingen, als wäre das ein Vorteil, aber einige dieser Messerkämpfe haben es in sich und man bekommt nicht immer Gegenstände. Außerdem baut das einen dauerhaften Druck auf, denn man weiß nie, ob nicht im nächsten Raum wieder in die Ego-Sicht gewechselt wird. Auch Räume, die man eigentlich von Zombies und Konsorten befreit hatte, können jederzeit wieder mit solchen Messer-Events aufwarten.Resident Evil: Deadly Silence Auch einige Rätsel nutzen den Touchscreen auf interessante Weise: Zu Beginn des Spiels hält sich dies noch in Grenzen, aber im späteren Verlauf müsst ihr immer öfter von den DS-Features Gebrauch machen. Simples Kistenschieben oder Schalterdrücken ist zwar ebenfalls noch in kleinem Maße vorhanden, aber meist müsst ihr sehr viel kreativere Dinge erledigen. Beispielsweise kleine Drähte einzeichnen, die den Stromfluss wieder herstellen sollen und anhand von bestimmten Werten an der korrekten Stelle platziert werden müssen. Ihr bringt außerdem eine Waage ins Gleichgewicht, pustet Kerzen aus öffnet Kisten, die mit einem Farbrätsel versiegelt wurden oder beatmet einen Kameraden, der vergiftet wurde und im Sterben liegt. Es gibt schon einiges zu tun, was man 1996 noch nicht zu erledigen hatte, aber das Grundgerüst ist dennoch das gleiche. Ihr habt nie das Gefühl ein neues Resident Evil zu spielen, nur weil ihr an einigen Stellen andere Dinge tun müsst als damals, aber die Ideen sind teilweise schon ganz nett.Resident Evil: Deadly Silence Ebenfalls neu ist der Mehrspielermodus: Hierzu braucht ihr jedoch mehrere Karten, da Single-Card-Play leider nicht angeboten wird. Habt ihr ein paar Freunde, die das Spiel ebenfalls besitzen, könnt ihr euch im Kontra- oder Kooperativ-Modus messen. Bei Kontra geht es darum, die schnellste Zeit bis zum Ziel oder die höchste Punktzahl beim Bekämpfen von Gegnern zu erreichen. In Kooperativ spielt man mit seinen Freunden gemeinsam. Man teilt sich eine Lebensanzeige und ist zusammen auf der Flucht. Mehr als vier Spieler sind allerdings nicht drin. Außerdem seht ihr diese nicht, da sie nur als Sterne angezeigt werden.Andreas Keser AutorTechnisch alles beim Alten Was die Technik angeht, hat man alles so belassen, wie es bereits im Original aufzufinden war. Keine grafischen Aufbesserungen - denn die Hardware des DS lässt da leider keine großen Sprünge zu. Ganz im Gegenteil: Auf der PSone sah Resident Evil sogar einen Tick besser aus, denn einige Texturen sind in der mobilen Variante stärker verpixelt, manche mehr verschwommen. Die Videosequenzen sind deutlich schlechter. Charaktermodelle und Effekte können sich sehen lassen, übertrumpfen den Klassiker aber nicht. Man setzt wieder auf die vorgerenderten Hintergründe und die damit verbundenen Kameraeinstellungen. Für die heutige Zeit ist das ein kontroverses Thema, denn ob starre oder freie Kamera, beide haben ihre Vor- und Nachteile und somit auch ihre Verfechter bzw. Hasser. Ähnlich verhält es sich auch mit der Steuerung: Noch immer muss Jill oder Chris erst in die Richtung blicken, in welche sie gehen wollen. Auf Anhieb nach links oder rechts laufen ist also nicht drin. Ihr müsst euch erst immer (wie bei einem Panzer) richtig hindrehen um schließlich loslaufen zu können. Zum Glück wurde aber die Möglichkeit eingebaut, dass man eine 180° -Wende ausführen kann. Ebenfalls hilfreich ist das Abschütteln von Zombies, was durch Tippen auf den Touchscreen bewerkstelligt wird. Doch auch diese kleinen Neuerungen täuschen nicht über die angestaubte Steuerung hinweg. Es mag zwar sein, dass viele damit gut klar kommen, aber nach heutigem Maßstab sollte man eine solch antiquierte Steuerung in einem aktuellen Videospiel nicht mehr vorfinden. Die musikalische Untermalung ist einwandfrei gelungen. Sämtliche Melodien und jeder einzelne Wortfetzen der Sprachausgabe haben es auf die DS-Karte geschafft. Wenn man vom Gehalt der Gespräche absieht, kann an der Sprachausgabe wirklich rein gar nichts bemängelt werden, denn diese schallt glasklar aus den Lautsprechern. Auch das Stöhnen der Zombies, das Heulen der Hunde oder brechende Scheiben hören sich sehr gut an.- -Autor"Resident Evil Deadly Silence" widmet sich den Wurzeln der kultigen Serie und passt den ersten Teil an die Features des Nintendo DS an. Nehmt den Stylus in die Hand und schwingt ihn wie ein Messer, um Zombies aufzuschlitzen. Eine interessante Option, aber auch viele Rätsel machen Laune, weil sie durch den Einsatz des Touchscreens oder des Mikros gelöst werden müssen. Auf dem oberen Bildschirm sieht man die ganze Zeit über die Karte. Das ist zwar unglaublich praktisch, aber nicht unbedingt lebensnotwendig. Wer es ganz nostalgisch mag, der darf sich am Classic-Mode versuchen. Dieser bietet eine 1:1 Umsetzung der PSone-Variante. Sogar ein Mehrspielermodus ist vorhanden, welcher allerdings eher schmückendes Beiwerk darstellt. Technisch hat man nichts verändert: Die Grafik sieht genau so aus wie früher, ist jedoch hier und da ein wenig schlechter (besonders die Videosequenzen). Der Sound ist dafür einwandfrei gelungen, denn die altbekannten Melodien tragen wesentlich zur gruseligen Stimmung bei und auch die Sprachausgabe ist sehr gut, wenn auch im B-Movie-Stil. Die antiquierte Steuerung wurde ebenfalls übernommen, was heute einfach nicht mehr "up to date" ist. Alles in allem ein gutes Spiel, doch Fans und Kenner des Originals bekommen zu wenig wirklich Neues geboten. Es hat aber auf jeden Fall seinen Reiz den Urvater des Survival-Horrors überall zocken zu können, wo und wann man gerade will.+ gelungene 1:1 Umsetzung des Klassikers+ spaßige Touchscreen Nutzung+ fünf Speicherplätze+ Resident Evil Feeling im mobilen Format+ Messerschwingen per Stylus+ gute Einbindung der DS-Features+ interessante neue Rätsel+ hübsche Grafik+ stimmiger Sound+ gruselige Atmosphäre