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Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit
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Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit

Hersteller: Diverse
Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit
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  • Roman "Die Liebesblödigkeit" von Wilhelm Genazino
  • Genre: Bücher & Zeitschriften
  • Autor: Wilhelm Genazino
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Beschreibung
Verlag: Hanser
Roman "Die Liebesblödigkeit" von Wilhelm Genazino
Genre: Bücher & Zeitschriften
Autor: Wilhelm Genazino

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Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit
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20 Meinungen**

Neueste
Auto-Psychoanalyse par excellence
Autor: Amazon.de Kunde
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17.06.2012
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Der Buchtitel könnte treffender nicht sein: Ein Apocalyptiker, der in Unschlüssigkeit und Selbstmitleid zerfließend, kleinste Beobachtungen in seinem Lebensumfeld zum Anlass nimmt, phrasenartig und dialektisch über das Für und Wider derselben nachzudenken. Dabei fesseln weniger die triviale Handlung im Buch, als die humorvolle Selbstironie der Hauptfigur: "Warum brauche ich gar keine wirkliche Not, um mich fast immer in Not zu...mehr befinden?" Wilhelm Genazino belegt, dass tiefe Melancholie witzig sein kann, beispielsweise wenn er "Proseminare über die sonderbare Verschwisterung des Mitleids mit dem Selbstmitleid" plant oder wenn er belustigend feststellt, dass man im Sommer (z.B. mit Grilldüften von Mietwohnungsbalkonen) viel stärker vergesellschaftet wird als im Winter. 3 Punkte für die Handlung, 4 Punkte für die sprachliche Brillanz.weniger
die Absurdität des karussellfahrenden Kopfkinos ...
Autor: Amazon.de Kunde
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15.05.2010
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... so könnte man dieses Buch unter-betiteln. Da versucht ein Mittfünfziger für sich zu postulieren, wie reich er ist, denn er hat Geld, er hat zwei Frauen und das stimmt ihn glücklich. Doch plötzlich keimt die Idee auf, dass er sich von einer seiner Frauen trennen will, ja, trennen muss. Nun beginnt sein Kopfkino. Welche der beiden Frauen ist die Richtige, welche soll er verlassen, auf einmal bedrückt ihn diese Frage und sie zieht ihn ganz...mehr hinab in eine gnadenlose Melancholie. Man möchte ihm zurufen, warum tust du das, siehst du denn nicht, dass du deinen eigenen Schaden selbst inszeniert hast? Am Ende sieht er's und man ist befreit. Man kann auflachen und gleichzeitig erschrocken innehalten: sind nicht alle Probleme auf dieselbe Art selbstgemacht und drehen wir uns nicht endlich, wie der Protagonist auch, mit ihnen im Kreis? -- Eins der wenigen Bücher, die ich angefangen und bis zur letzten Seite verschlungen habe. Genial, nachdenklich, philosophisch und wunderschön geschrieben.weniger
Lakonisches Herumstehen in der öffentlichen Belanglosigkeit
Autor: Amazon.de Kunde
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17.04.2010
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Der Ich-Erzähler, ein von Krampfadern geplagter, freischaffender Apokalyptiker, ist Anfang Fünfzig, lebt in einer Stadt am Rhein. Seiner Lebensphilosophie gemäß (»Ich kann die dauerhafte Liebe zu zwei Frauen nur empfehlen«) lebt er in »Polygamie in drei Wohnungen« mit der 42jährigen unkomplizierten Chefsekretärin einer Firma für Sanitärbedarf Sandra und der 51jährigen, mehr oder weniger gescheiterten Konzertpianistin Judith zusammen. Die Frauen...mehr wissen, natürlich, nichts voneinander. Doch die grauenhafte Vorstellung, dass »ich vielleicht demnächst in einem Krankenhaus liege und gleichzeitig von den beiden Frauen besucht werde« »muß unbedingt verhindert beziehungsweise ausgeschlossen werden: indem ich mich von einer der beiden Frauen trenne«. Diese scheinbar einzig mögliche, aber nicht einfache Lösungsmöglichkeit des lebensimmanenten Problems beschäftigt den Erzähler unverdrossen. Schnell werden wir auf weitere fundamentale Fragestellungen des Protagonisten gestoßen: »Wieder tritt die Frage an mich heran, ob ich mich für das, was um mich herum geschieht, interessieren soll oder nicht.« Skurrile Begegnungen der Hauptperson mit der Nachbarin Frau Schlesinger, dem 'Postfeind' Bausback, dem 'Ekelreferenten' Dr. Blaul, dem 'Panik-Berater' Dr. Ostwald oder dem Künstler Morgenthaler verblassen beim Erzähler fast spurenlos. Auf dem Weg zu einem Seminar in Interlaken (wo könnte das Seminar sonst stattfinden?) hat sich der Ich-Erzähler im »tiefsten Innern« für Sandra entschieden, aufgrund der »Altersicherung unserer Sexualität«. Das Seminar wird ein voller Erfolg, selbst eine wandernde Rentnergruppe aus Saarbrücken entschließt sich zur spontanen Teilnahme. »Ich bin in hervorragend apokalyptischer Stimmung und schleudere mustergültig gehaltvolle Sätze in den Konferenzraum.« Ja, Genazino versteht es meisterhaft, seine nur scheinbar trivialen Beobachtungen und Beschreibungen der Menschen, ihrer Erinnerungen, ihrer Empfindungen, ihrer Begegnungen in absolut passende oder kreativ entworfene Worte zu kleiden. Er beherrscht die feine (Selbst-)Ironie, beschreibt eine wunderbar heitere Melancholie, betrachtet die Personen in ihrer vitalen Unbeweglichkeit treffend lakonisch, beeindruckt mit eigenwilligen Perspektiven des Alltäglichkeiten, des fast surreal Banalen, der menschlichen Kompliziertheiten und Verschrobenheiten. Genazino erzählt so überzeugend beiläufig von den Verrenkungen und körperlichen Gebrechen beim Beischlaf, dass man sich trotz des lebensängstlichen und schlaffen Helden ein Lächeln nicht verkneifen kann. Rein philosophisch betrachtet natürlich.weniger
Ein Glücksfall für die deutsche Literatur
Autor: Amazon.de Kunde
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18.02.2008
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Wilhelm Genazino, 1943 in Mannheim geboren, polarisiert, wie man aus den Rezensionen leicht ersehen kann. Die eine Hälfte findet ihn öd und sinnlos, die andere Hälfte attestiert ihm den besonderen und wahrhaftigen Blick auf die Tücken von Liebe und Leben. Ich gehöre der zweiten Gruppe an. Genazino, immerhin Büchner- und Kleist-Preisträger, lässt nichts aus: Liebe, Leben, Sexualität und Scheitern. Und das mit einem Ton und Sprachwitz, der ein...mehr Glücksfall in der ach so grabesschweren Übermacht der triefend ernsten deutschen Literatur darstellt. Genazino bringt das Kunststück fertig, ganz schwerwiegende Dinge und Vorkommnisse des Lebens ganz locker und leicht von sich zu geben, ohne platt und seicht zu sein. Das gilt selbst für das hier im Buch so zentrale Thema der Sexualität. - Genazino, zunächst Redakteur bei der Satirezeitschrift "Pardon", fand sich schnell einmal als freischaffender Schriftsteller wieder und bewegt sich seither mit Ironie, Melancholie und partieller Autobiographie übers Papier, das Durcheinander des Lebens "im gedehnten Blick" spiegelnd, inzwischen auch medizinisch, im Präsens und der Ich-Form. Genazino ist in der Darstellung der Bedeutungslosigkeit des modernen und einsamen Menschen (in der Grossstadt) grundehrlich und erschreckend spiegelbildlich. Vielleicht mit ein Grund, warum ihn vorwärts- und zielorientierte Leser beim Innehalten und Betrachten der Mittelmässigkeit so abscheulich (banal) finden. Wahrscheinlich steckt da auch eine gehörige Portion Angst vor dem Stillstand dahinter. Ich jedenfalls, habe mich keine Minute gelangweilt mit dem freiberuflichen Apokalyptiker, der unerkannt, aber nicht weniger leidend, zwischen einer geistig regen Klavier- und Nachhilfelehrerin und einer, eher sinnlich orientierten Chefsekretärin hin und her pendelt. Genazino ist, wie Joyce und Proust, ein intelligenter Beobachter, und ich hoffe, dass er noch manchen flüchtigen Moment in Kleinode verwandelt.weniger
Abgründig-amüsante Verunsicherung oder Kicher-Vergnügen und große Weisheit
Autor: Amazon.de Kunde
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07.05.2007
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Der alternde Ich-Erzähler der "Liebesblödigkeit", der sich seinen Lebensunterhalt mit Vorträgen zur Apokalypse verdient, schafft sich seine höchstpersönliche Weltuntergangsstimmung, als er glaubt, sich aufgrund seines fortschreitenden Alters langsam für eine der beiden Frauen entscheiden zu müssen, mit denen er schon seit einigen Jahren eine parallele Beziehung hat, von der sie jedoch nichts wissen. Beide Frauen bevorzugen...mehr Lebensweisen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, sodass es ihm ermöglicht wird, sein Doppelleben gefahrlos aufrechtzuerhalten. Er beginnt immer wieder damit, sich ihre jeweiligen Vorzüge und Nachteile vor Augen zu rufen; die gleichaltrige Judith - einer gescheiterten Pianistin, die von Nachhilfestunden lebt - ist die Attraktivere, Intellektuellere, während Sandra - die knapp zehn Jahre jüngere Chefsekretärin - warmherzig, mütterlich und fürsorglich ist, ihn im späteren Verlauf der Erzählung sogar heiraten will, um ihm eine Rente zu sichern. Wo die eine überfordert ist, springt die andere ein. Und was dieser nicht gefällt, entlockt jener Jubeltöne. Gleichzeitig beobachtet der Erzähler genauestens seine Umwelt und kommentiert sie mit meist scharfen Worten. Auf diese Weise wird zunehmend das Elend dieser Welt deutlich, das sich oft schon in den kleinen Gesten widerspiegelt. Nebenbei tauchen immer wieder skurrile Gestalten wie Schockforscher und auch Ekelreferenten auf, die mit ihren gewagten Thesen die Welt verbessern wollen. Am Ende des Buches steht schließlich die wichtige Entscheidung über seine Zukunft aus... Wilhelm Genazino schreibt von Alltäglichkeiten, aber schon mit den allerersten Sätzen beweist er ein überragendes Erzähltalent. Er ist in meinen Augen ein genialer Situations-/Menschenbeobachter und -analyst. Jede noch so kleine Nebensächlichkeit findet eine Erwähnung und trägt dabei entscheidend zum Gesamtbild des Romans bei. Genazino zeichnet ohne Scheu und Rücksichtnahme ein ehrliches und teilweise sogar abstoßendes Bild von einem gescheiterten Apokalypseexperten, für den man dennoch Sympathien aufbaut und oftmals irgendwie versteht. In jeder noch so peinlichen und unangenehmen Situation ist der Leser dabei. Kein Fehler, keine Charakterschwäche wird verschwiegen, Personen werden regelrecht seziert. Für mich - eine äußerst gelungene Charakterstudie. Aber auch so etwas wie Spannung liegt über dem Buch. Immer wieder schwankt der Leser hin und her, fiebert mal mit Sandra, mal mit Judith mit. Auch sprachlich weiß Genazino auf ganzer Linie zu überzeugen, seine Sätze - klar und schnörkellos, aber trotzdem unglaublich präzise - klingen ausgereift und überzeugend, seine Geschichte ist einfach nett und sympathisch geschrieben. Man schlendert mit ihm durch die Straßen seiner Stadt und sieht, was man allein nie gesehen hätte, weil praktisch alles durch seine Augen skizzenhaft zu werden beginnt. Es ist Wilhelm Genazinos große Kunst, aus einem Nichts an äußerer Handlung einen Kosmos der Beobachtungen, der Empfindungen, der Einfälle, der Erinnerungen zu schaffen, in dem der Leser sich ganz verliert, oder besser: wiederfindet. Das Buch erzeugt - ähnlich wie Ingo Schulzes Erzählband "Handy" - eine Magie der Banalität. Fazit: "Die Liebesblödigkeit" ist ein kleines aber feines Stück Literatur - kurzweilig und streckenweise urkomisch, ein Buch, das leicht zu lesen, aber bei weitem nicht leicht zu verdauen ist (was offensichtlich die sehr widersprüchlichen Rezensionen beweisen). So schnell der Roman durchgelesen ist, so schnell ist er jedoch nicht konsumiert. Man muss diesem Buch die Chance geben, es wirken zu lassen, damit sich die Gedanken über das eigene Leben und die Gesellschaft entfalten können. Was auf den ersten Blick wie eine nette kleine Geschichte über das Leben und die Liebe anmutet, offenbart schon auf den zweiten Blick deutlich mehr. Im Mittelpunkt steht nicht so sehr die Frage nach der Trennung von einer Frau. Dieser Punkt ist nur einer von vielen, denn im Leben des Erzählers liegt mehr im Argen als nur seine ménage à trois. Was mich sehr beeindruckt ist Genazinos Fähigkeit, menschliche Fehler (sowohl kleine Schwächen als auch ernsthafte Defizite) so zu beschreiben, dass die Personen dennoch ihre Würde behalten. Sein Stil ist zwar ironisch und bissig, aber eben nie zynisch. Ein gelungenes Beispiel für einen intelligenten und dennoch heiteren Roman - in dem es viel zu entdecken gibt. Absolut lohnenswerte "Beigabe" bzw. "Nachschlag" oder auch alleiniger Unterhaltungswert - da vollständige Lesefassung - ist das vom Autor selbst exzellent vorgelesene Hörbuch. Einfach grandios!weniger
Blöde Liebe
Autor: Amazon.de Kunde
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11.02.2007
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Blöde Liebe oder liebesblöde Männer oder blöde Männer, die lieben - um was geht es dann eigentlich in diesem Buch? Die Ausgangssituation ist ganz witzig : ein Mann Anfang 50 liebt zwei Frauen, die voneinander nichts wissen. Er glaubt sich zwischen ihnen entscheiden zu müssen und pflegt gleichzeitig seine Altherrenbeschwerden: Durchblutungsstörungen in den Beinen, Rückenschmerzen beim Sex, Kreislaufprobleme... Wer aus dieser Beschreibung zu...mehr entnehmen glaubt, dass es sich um ein eher getragenes, um nicht zu sagen langweiliges Werk handelt, dem gebe ich recht. Sollte man also wie der Protagonist Anfang 50 sein, sich mit einem Glas Rotwein und einem leisen Ächzen in seine abendliche Lesehaltung begeben, so kann man durchaus Vergnügen aus der geistreichen und kunstvollen, aber sehr betulichen Prosa Genazinos schöpfen. Für alle anderen Kandidaten empfehle ich Genazinos "Ein Regenschirm für diesen Tag".weniger
Nicht zum Aushalten...
Autor: Amazon.de Kunde
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24.11.2005
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Hochgepriesen wurde dieses Buch - nach knapp der Hälfte musste ich es weglegen. Dieses Betrachten der Welt in Altherrenmanier wurde unerträglich - dieses Buch handelt gar nicht, wie eingangs bemerkt, von der Entscheidung, welche der beiden Frauen es sein soll, vielmehr geht es um den Frust des Älterwerdens, vorgetragen in gewähltem Altherrendeutsch. Das muss ich nicht haben. (Im Übrigen gefällt es mir nicht, dass bei solchen Rezensionen...mehr mindestens ein Stern vergeben werden muss, denn diesen hat dieses Buch nicht verdient.)weniger
GEISTREICHES DAHIN HYPOCHONDRIEREN
Autor: Amazon.de Kunde
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22.08.2005
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Dieses geistreiche durch den Tag hypochondrieren hat mir viel Spaß gemacht. Der Konflikt des Protagonisten, seine Unentschiedenheit, wird nicht richtig aufgelöst. Das macht nichts. Am Ende steht man wieder dort, wo man angefangen hat. Hat aber eine herrliche Runde gedreht durch ein apokalyptisches Leben.
Die Apokalypse trapst auf leisen Sohlen
Autor: Amazon.de Kunde
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07.07.2005
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Das zyklopischste Experiment überhaupt: das Leben selbst. Und dabei vor allem unser so genanntes Liebesleben. Darum dreht sich mitunter die ganze Welt. Der liebestolle Ich-Erzähler in Wilhelms Genazinos neuen Roman „Die Liebesblödigkeit" zumindest denkt aus gegebenen Anlass an nichts anderes mehr. Lange schon lebt der Apokalypse-Spezialist und Seminarleiter eine genussvolle Ménage à trois, ohne dass die Frauen davon wissen. Bisher...mehr gab's keine Probleme. Jetzt aber doch. Anfang 50 muss er sich schon die Frage stellen: wie geht's jetzt weiter? Und er analysiert: „Immer wieder stelle ich mir die grauenhafte Szene vor: Ich liege vielleicht in einem Krankenhaus und werde gleichzeitig von den beiden Frauen besucht, die ich liebe, und die nichts von einander wissen. Diese Konfrontation muss verhindert und ausgeschlossen werden: indem ich mich von einer der beiden Frauen trenne". Aber von welcher? Judith oder Sandra? Die Entscheidung, die sein Leben naturgemäß erleichtern soll, macht tatsächlich alles nur noch auswegsloser. Ganz schön blöde die Liebe. Der von einer Midlife-Crisis arg gebeutelte Weltuntergangsprophet erfindet dafür den Begriff der „Liebesblödigkeit". Am Ende - wen wundert's? - sind es natürlich wieder die kleinen Blicke und Gesten, die unseren zerrissenen Helden retten aus seinen ängstlichen Liebessorgen. Er wird ein „Überlebender der Liebe". Die Liebesarmut unserer Gesellschaft freilich bleibt davon unberührt. Der Abschiedsprediger erträgt das aber gelassen: "So verwandelt sich die Todesangst in eine sich unbemerkt nähernde Sterblichkeit." Und damit klärt sich für ihn am Schluss alles. Oder eben gar nichts. Wilhelm Genazino hat mit dem Roman „Die Liebesblödigkeit" nicht nur ein geistreiches und unterhaltsames, sondern in erster Linie auch ein amüsantes Buch geschrieben. Und er hat es auch tatsächlich geschafft, uns den melancholischen Liebestollen in seinem neuen Roman - moralische Skepsis bitte großzügig ignorieren! - als einen symphatischen Zeitgenossen zu präsentierten. Mit all seinen Sorgen, um die ihn der ein oder andere Leser sicher auch beneiden dürfte. Dabei ist Wilhelm Genazino ein intelligenter Beobachter. Er enthüllt uns augenzwinkernd absurde Panoramen und abwegige Szenerien des großstädtischen Getriebes. Das macht Freude. Auch wenn uns das Lachen mitunter im Halse stecken bleibt. Und das passiert. Wenn wir uns selbst begreifen. Oder Ähnlichkeiten erkennen wollen. Helmut Böttiger hat sich in seiner Besprechung zu „Die Liebesblödigkeit" (Die Zeit, 24.02.2005, „Die Apokalypse trägt Stützstrümpfe") zu Wilhelm Genazino so geäußert: „Die Verhunzung der Welt schreitet fort. Und Wilhelm Genazino findet die passende Sätze dazu. In den letzten Jahren ist der stille Autor, der seine Plaudereien am Rande des Abgrunds immer weiter treibt, insgeheim zum Protokollanten des gesellschaftlichen Bewusstseins geworden. Das ließ ihn bis zum Büchner-Preisträger aufsteigen. Dabei muss er eine merkwürdige Erfahrung gemacht haben. Je dringlicher er die Erkenntnis umkreiste, dass diese Welt nicht auszuhalten ist, desto stärker jubelte ihm das Publikum zu. Je auswegloser er die Peinlichkeit des Daseins, den Aberwitz unserer Zivilisation beschrieb, desto größeren Erfolg hatte er". Und ich bitte Euch: Jubelt einfach mit!weniger
Geplagter Apokalyptker mit unauffälligem Samenabgang
Autor: Amazon.de Kunde
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13.06.2005
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"Ich kann die dauerhafte Liebe zu zwei Frauen nur empfehlen" schreibt der Protagonist des vorliegenden Buches. Die Liebe eines Mannes zu zwei Frauen oder die Liebe einer Frau zu zwei Männern definiert genau die „Mindestüppigkeit" des Lebens, die der Mensch benötigt, um nicht an der „Verhunzung" des Lebens zugrunde zu gehen. Der Mann, der diese Grundsätze auskömmlich zu leben weiß, ist Mitte Fünfzig und als freiberuflicher...mehr Apokalypsespezialist das Zentrum eines skurrilen Romanpersonals, zu dem auch der „Postfeind", der „Ekelbeauftragte Dr. Blaul" und der „Panikberater Dr. Ostwald" gehört. Getreu seinen Grundsätzen lebt er eine folie a trois mit der 42jährigen Sekretärin Sandra und die 51jährige Musiklehrerin Judith, die nichts voneinander wissen und denen es genügt, ihren Geliebten von Zeit zu Zeit bei sich daheim zu verköstigen und zu verwöhnen. Eigentlich ein ganz zufriedenstellendes Leben, würde sich nicht langsam aber sicher das Alter heranschleichen - erkennbar an Krampfadern Wackelerektionen und immer beiläufigerem Samenerguss. Außerdem verfügt der Zivilisationsapokalyptiker über keinerlei Rentenversicherung, so dass mittelfristig eine Privatapokalypse droht, wenn er sich nicht dazu entschließt, sich zwischen einer der beiden Damen zu entscheiden, um seine alten Tage auf der Basis einer spätehelichen Altersversorgung abzuleben. Die Schuldgefühle über dieses nicht sonderlich edle Szenario wie auch die Angst davor, sich von einer der beiden Frauen trennen zu müssen, treibt den Protagonisten in die sogenannte „Liebesblödigkeit", einen Zustand, der Entscheidungsunfähigkeit und der extremen Stimmungsschwankungen, der am Ende des Buches einfach dadurch beendet wird, dass nach einigem Hin und her alles so bleibt, wie es ist. Soweit die Handlung des kleinen Romans, der wie immer bei Genazino in zurückhaltender, aber kaum überbietbarer Komik entfaltet wird und der zugleich dem Autor Gelegenheit bietet, seinen unvergleichlichen Insektenforscherblick wieder einmal auf die Alltagsabstrusitäten unserer Gesellschaft zu werfen. Es ist an Geist und Humor, zugleich aber auch an Ernsthaftigkeit und Liebenswürdigkeit kaum zu überbieten, was gleichsam beiläufig über das „Mitleid der Tiere", die „Ekeldichte" pro Quadratkilometer, über die Theorie des „Pupens", die drohende „Enderektion", die „Konsumstockung", den Quatsch erster und zweiter Ordnung und „schaukelnde Brüste als Ausdruck von Heimat und Freude" geschrieben wird. Ein Buch wie ein Essen in einem Drei Sterne Restaurant: jede Beilage passt optimal - mit dem einen Unterschied: am Ende ist man nicht satt sondern kann den nächsten Genazino kaum erwarten.weniger
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