Interessante Zusammenfassung der Geschenisse des 20. Juli 1944.
Die immer noch beste Auseinandersetzung mit dem Stauffenberg-Attentat auf Hitler. Unter der Regie von F. P. Wirth wird das Geschehen rund um den 20. Juli 1944 samt Hintergründen im Jahr 1971 detailreich rekonstruiert (unter anderem drehte das Team an vielen Originalschauplätzen: Wien, Frankreich, Polen - Wolfsschanze! – und natürlich im Bendler-Block) und durch zahlreiche Interviews mit damals noch lebenden Augen- und Zeitzeugen belegt.Aus heutiger Sicht erstaunlich, dass sich neben überlebenden Verschwörern einige Alt-Nazis ungeniert vor die Kameras trauen und munter schwadronieren – allen voran Major Remer, einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der Staatsstreich letztlich scheiterte. Auch Albert Speer darf im Gespräch mit dem seriösen, aber doch wohl etwas naiven Joachim Fest weiter an seiner Legende vom „guten Nazi“ arbeiten - und verbreitet allen Ernstes, er sei von den Widerständlern für einen Ministerposten in der neuen Regierung nach einem geglückten Attentat vorgesehen gewesen. Bekanntlich wurde mit der Mär von der Unschuld Speers erst lange nach seinem Tod aufgeräumt. Mit den Kenntnissen von heute wäre auch er bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt worden.Auch wenn die Machart eher betulich wirkt, ist das Doku-Drama so spannend wie ein Krimi.
Die DVD beginnt mit einer fiktiven Wochenschau: Wie hätte sie ausgehen, wie wäre es mit Deutschland weitergegangen, wenn das Attentat und all die Pläne für danach, geglückt wären?Das ist gut.Was danach folgt ist allerdings Verwirrung: Die Interviews und die Art der Aufnahmen sind ja aus dem Jahre 1971!Man kommt sich wie bei einem Sketch vom Loriot vor, genauso sind auch die Aufnahmen, wenn Menschen auf der Straße oder wenn die damals noch im besten Alter lebenden Zeitzeugen befragt werden.Das mag ja noch beeindruckend sein, einen Menschen leibhaftig zu sehen, der mit Hitler in der Wolfsschanze war und neben ihm am Tisch stand o.ä., aber die Art und Weise des Interviews ist durch die Aufnahmen anno 1971, die schlichten Rollenspiele und die Kameraführung und Kommentierung jener Zeit einfach nur lustig.
Außergewöhnliche Dokumentation
"Was, wenn Kameras das Geschehen des 20. Julis (1944) aufgezeichnet hätten?" So lautet die Ausgangsfrage der Dokumentation "Die Akte Walküre", einem im Auftrag des britischen Discovery Channel produzierten Filmbericht. Die Macher der DVD "folgen den Aktivitäten von Hitler, Roosevelt und Churchill an diesem schicksalsträchtigen Tag und zeigen historische Bilder", kann man auf der Coverrückseite lesen. Stalin, der ebenso in dem Streifen auftaucht, wird hier seltsamerweise unterschlagen. "Intime Details" verspricht die Doku zu zeigen und "geheime Dokumente", von denen "bisher nur WW2 Gelehrte wussten". Und der Bericht löst dieses Versprechen tatsächlich ein. In einer Collage aus nachgestellten Spielszenen, Originalaufnahmen und Zeitzeugen-Aussagen wird dem Betrachter das Geschehen am Tag des Hitler-Attentats eindrucksvoll vor Augen geführt. Das Außergewöhnliche an "Die Akte Walküre" sind zweifellos die auf alt getrimmten Spielszenen. Diese sind verschwommen und weisen das Knistern alter Celluloid-Streifen auf. Zusammen mit den den Protagonisten recht ähnlich sehenden Schauspielern strahlen die Spielszenen damit ungewöhnlich viel Authentizität aus. Fast könnte man ab und an meinen, dass die Ereignisse an jenem Julitag 1944 damals tatsächlich mit Kameras live aufgenommen worden sind. Jedenfalls sind die Visual Effects bis hin zu den Satellitenfotos und dem Zoom auf die jeweiligen Schauplätze äußerst gelungen. Auch der Begleitkommentar passt sich diesem Niveau an. Aus der informativen Berichterstattung möchte ich zwei Aspekte hervorheben. Einmal zeigt der Bericht auf, dass der US-Präsident Roosevelt am 20. Juli dem Tode tragischerweise näher war als das Attentatsopfer Hitler. Zweitens stellt ein Sohn Graf Stauffenbergs die berechtigte Frage, warum sein Vater die zweite, nicht mehr scharf gemachte Bombe nicht einfach in die Aktentasche gesteckt hatte. Denn sie wäre bei der Detonation des einen Sprengkörpers ohne Zweifel mit hochgegangen und hätte den Diktator aller Wahrscheinlichkeit nach ins Jenseits befördert. Eine wahrlich berechtigte Frage, auf die es niemals eine Antwort geben wird. Angemerkt sei noch, dass Chester W. Nimitz, der Oberkommandierende der amerikanischen Zentralpazifik-Flotte, nicht "Konteradmiral" war, also nicht nur einen bzw. zwei, sondern fünf Sterne auf seinen Schulterklappen hatte. Der Kommandeur des Berliner Wachbataillons Remer war Major und nicht "Generalmajor". Und Hitlers Diener hieß Linge und nicht "Linger". Schließlich muss die Frage erlaubt sein, warum es für eine rund 100minütige Dokumentation in Zeiten der Rohstoffverknappung zweier DVDs bedarf? Gleichwohl handelt es sich bei "Die Akte Walküre" um eine sehr gute Rekonstruktion der dramatischen Geschehnisse am 20. Juli 1944. Hier passen Anspruch und Wirklichkeit zusammen.
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