Ost wie West 1989. So genau beschreibt man Orte nur, wenn man zugereist ist.
Inzwischen ist alles zugekittet. Schöner geworden ist diese Stadt nicht.
Trotzdem bleibt man dort.
Wie die Autorin.
Obwohl ich den Schreibstil von Inka Parei sehr mochte, ist dieses Buch für mich misslungen.
Die Geschichte ist zu bemüht, zu konstruiert, zu klischeebeladen. Schon die Benamsung der Nachbarinnen - "Hell" und "Dunkel" - würde mich davon abhalten, das Buch zu kaufen, wenn ich es in einer Buchhandlung in die Hand bekäme.
Nun war ich gezwungen, es zu lesen, und habe das auch recht schnell geschafft, aber zu keinem Zeitpunkt dachte ich, es habe sich nun doch gelohnt. Ein anderes Buch von Frau Parei würde ich durchaus nochmal anlesen um zu sehen, ob es mir eher zusagt. Aber dieses kann ich wirklich nicht weiterempfehlen.
Frau Parei gelingt es hervorragend, die Innensicht einer Frau zu beschreiben, die vergewaltigt worden ist. Und zwar drückt sie das weniger in den Gedanken der Protagonistin aus, also kein Gejammere, sondern in der Beschreibung ihrer täglichen Handlungen danach, ihrer winzigen Nahziele wie Essen besorgen und ihrer ständigen das Alltagsleben verwirrenden Erinnerungen, die einem Trauma wohl folgen. Sprachlich auch gelungen!
Leider ist der Roman wohl nur oberflächlich lektoriert worden, weswegen sich einige Fehler eingeschlichen haben. Hier sei nur erwähnt, dass Schattenboxer, also Tai Chi Leute niemals angreifen würden. Sie wehren nur ab.
Leider ist Inka Parei einem Klischee verfallen, dass nämlich Vergewaltiger draußen im Park auf Opfer lauern. So jedenfalls der Vergewaltiger der Protagonistin. Dabei ist längst nachgewiesen, dass Vergewaltiger in der Verwandtschaft und im Bekanntenkreis wesenlich häufiger vorkommen als im fremden Park. Es geht Frau Parei wahrscheinlich nicht um Aufklärung.
Ein anderes Klischee ist das Bild einer Asiatin: eine Frau mit langem schwarzem Zopf und einem rosa Mäntelchen ...
Es gibt noch mehr solcher Vorurteile. Da hätte man doch mal darüber diskutieren sollen, bevor man es veröffentlicht.
Ansonsten ist der Roman sehr zu empfehlen.
Die Frau in der Gesellschaft?
Gleich das Ärgerlichste vorneweg: Der Fischer-Taschenbuchverlag bietet den vortrefflichen Erstling von Inka Parei unter der Rubrik 'Die Frau in der Gesellschaft' an und hofft, Absatzzahlen durch vermeintliches Profil zu erhöhen (wobei sich Inka Parei dieses Schicksal mit anderen deutschen Erzählerinnen teilt, so Marlen Haushofer mit ihrer grandiose Erzählung 'Die Wand'). Dabei ist diesem 180 Seiten starken Buch auch eine männliche Leserschaft zu wünschen: Eine zuweilen spannend, zuweilen kontemplativ erzählte Geschichte aus den Jahren Berlins, als die Mauer zwar politisch gefallen war, jedoch omnipräsent war. Die Geschichte einer jungen Frau, die durch eine Vergewaltigung abtaucht in die Isolation, aus der sie sich durch körperliche und geistige Konzentration zu befreien sucht. Eine pointiert geschriebene, klug beobachtete, manchmal (selten!) überladen formulierte Geschichte. Ein Roman, dem man viele Leserinnen UND Leser wünscht.
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