Ein gelungenes Ende - Die negativen Kritiken halte ich für nicht gerechtfertigt
Vorab: Ich habe mir alle drei Teile tatsächlich zum erstenmal, aber direkt hinter einander angeschaut. In dem Kontext weiß ich ehrlich gesagt nicht, warum der 3. Teil der Saga so schlechte Kritiken erhält. Mein Gesamtfazit: Teil 1 und 2 stechen mir nicht als so viel besser hervor --- weil ich den 3. Teil einfach nicht für so schlecht erachte, wie er oft aber dargestellt wird.Meine Zusammenfassung:Der dritte Teil erzählt in einem komplexen Geflecht, wie die Mafia, die Kirche und die Politik miteinander verstrickt sind und was mit Gangsterbossen passiert, wenn sie ihrer “Sippe” nicht mehr die Treue halten wollen. So gesehen begegnet der Zuschauer einem immer zweifelnden Michael Corleone, der aber eben doch, trotz aller Sympathie, die der Zuschauer plötzlich für mafiöse Strukturen empfindet, vor allem eins bleibt: Ein skrupelloser Verbrecher, der sich mit Hilfe von Machtintrigen Einfluss verschafft und ultimativ seine eigene Familie aufs Spiel setzt – und am Ende verliert.Zu den Details:Ich halte die Kernerzählung dieses Films, nämlich das Scheitern des Versuchs diesen Strukturen entkommen zu können, wenn man in sie hineingeboren ist, als das sehr gut umgesetzt. Auch die Verstrickungen der verschiedenen Interessensgemeinschaften Mafia, Politik, Kirche sehe ich nicht als unübersichtlich dargestellt. Wenn man sich die Realität einmal anschaut, dann ist sicherlich sehr viel dran an der Darstellung – bis heute. (Man erinnere sich an den weitreichenden Arm der Mafia bei den Morden in der Duisburger Gastromonie vor wenigen Jahren)Der Film bleibt aber eben eine erfundene Geschichte, angelehnt an reale Strukturen. Das der Papstmord hier in historischer Dimension evtl. überzogen ist; naja, so what. Das verbuche ich unter Dramaturgie und Regiefreiheit. Es ist und bleibt eben Fiktion. Dennoch fand ich den Film nachvollziehbar und kann die Kritik in Bezug auf das angebliche Plot-Chaos und vorallem auch der angeblichen, schlechten Darstellung überhaupt nicht nachvollziehn.Al Pacino spielt wie alle anderen hervorragend. Wem als Zuschauer letztlich bei seiner gespielten, unfassbaren Verzweiflung und seinem verzögert eingeblendeten Schmerzschrei im Angesicht des Todes seiner Tochter nicht das Blut in den Adern gefriert, tja, der schaut sich vieleicht wirklich lieber belanglose Actionfilme an, bei denen man nicht nachdenken muss.Überzogen finde ich auch die negativen Kritiken an der Darstellung von Sofia Coppola. Sie soll eine naive Tochter eines einflussreichen Mafiabosses spielen. Genau das macht sie auch – nicht mehr, nicht weniger. Dafür wurde sie als schlechteste Nebendarstellerin abgestraft. Verstehe ich nicht wirklich. Sie war zum Drehzeitpunkt gerade einmal 18 Jahre alt. Sie zeigt insbesondere in der Vater-Tochter- Beziehung auf, welcher Hörigkeit und gleichzeitiger bedingungsloser Liebe Mary ihrem Vater unterliegt – und das der dieses Gehorsam auch aus seiner Position heraus vehement einfordert. Sie stellt den goldenen Käfig in dem sie sitzt ganz gut dar. Es ist doch gar nicht vorstellbar, dass sie als Rebellin in diesem Umfeld auftreten kann.Wenn es etwas gibt, was zu diesem Konservatismus nicht gepasst hat, dann ist es der eher entspannte Umgang mit der insestuösen Beziehung zwischen Mary und Vincent. Hier hätte ich mir ein glaubwürdigeres Auftreten eines katholischen, italienischen Mafiabosses vorgestellt.Der Charakter von Michael Corleone und sein innerer Konflikt mit dem was er tut werden in Teil 3 logisch weiterentwickelt und herausgearbeitet.Nochmal zum Nachdenken: Obwohl Michael Corleone kurz davor steht durch die durchgeführten Morde seiner Helfershelfer, und sogar durch die Zustimmung des Papstes zum Deal von Immobiliare, der Größte Mafiaboss aller Zeiten zu werden, verliert er alles! Nicht nur die Macht, sondern das allerheiligste; seine Familie und liebste Tochter. Er wird Opfer seiner eigenen Strukturen und wird zum tragischen Held. Der Zuschauer ist dabei schon so weich gekocht, dass er Mitleid für diesen Verbrecher empfindet. Das ist an sich ist schon großartige Regiekunst! Aber es wird noch gesteigert...!Am Ende bekommt dieser Verbrecher, der Michael Corleone ja im Kern immer geblieben ist, das was er verdient hat; er muss noch Jahrzehnte, wie alle seine Vorgänger, als alter Mafioso Ratgeber dienen, bis er einsam (EINSAM und UNBEDEUTEND– die Höchststrafe für einen Mafiaboss) als Greis im Kuhkaff der sizilianischen Mafiastrukturen stirbt. Was für ein tiefer Absturz für einen ehemaligen hochrangigen, amerikanischen, einflussreichen, “New Yorker” Paten. Somit zeigt der Regisseur, dass der Hauptcharakter, trotz aller lebenslanger gegenteiligen Versuche, der Familiengeisel Mafia bis zum Tod nicht entkommt und schicksalhaft mit ihr verwoben bleibt.Und diese Komplexität gelingt Francis Ford Coppola in einer einzigen Einstellung zum Schluss des Films! Die darin versteckte Strafe wird so kraftvoll inszeniert, dass der Zuschauer regelrecht sprachlos in den Abspann entlassen wird. Der totale Kontrast zum vorhergegangen Film! Und insbesondere zu den wenigen Sekunden vorher, während der erschütternden Szenen beim Verlust der geliebten Tochter! Wow! Es hätte aus meiner Sicht kein dramatischeres, besseres Ende geben können.Das ist schon große Regiekunst – erfordert allerdings auch Nachdenken des Zuschauers.Wenn Filme dazu verleiten sich im Nachhinein noch einmal mit ihren Charakteren auseinanderzusetzen, dann sind sie, jedenfalls für mich, sehenswerte Filme. -- Dieser ist definitiv einer.Volle Punktzahl.