Deprimierend, aufwühlend, erschütternd und zutiefst traurig
"Die Rache" spielt 13 Jahre nach dem ersten (und besten) Teil der Jugendkrimi-Reihe des Schweden Mats Wahl, "Der Unsichtbare".
Nachdem die Nachfolger "Kaltes Schweigen" und "Kill" die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnten, führt der vierte Teil die Handlung des Erstlings weiter, was eine sehr gute Idee ist, denn Hilmer Erikssons Geschichte wusste am meisten zu berühren.
Der 15-jährige wurde das Opfer gleichaltriger Rechtsextremisten, weil er einen farbigen Jungen vor den brutalen Schlägern verteidigt hatte. Hilmers Freundin Ellen war zu dem Zeitpunkt von ihm schwanger und die Zwillinge, von denen auch in Band zwei und drei zu lesen war, sind nun 13 Jahre alt. Die eine, Tove, hat nur ein Ziel vor Augen als die Mörderin ihres Vaters, den sie nie kennenlernen konnte, wieder auf freiem Fuß ist und sogar für die rechtsextreme Partei für den Reichstag kandidiert: Rache...
"Die Rache" kommt sehr nahe an die ergreifende Geschichte aus "Der Unsichtbare" heran und weiß durch detailreiche Charakterzeichnungen der Opfer und Täter, sowie die deprimierende Grundstimmung und die trockenen, aber ehrlichen, Dialoge zu überzeugen.
Rechtsextremismus und Gewalt unter Jugendlichen in der schwedischen Provinz bleiben auch weiterhin Wahls Leitthema, was aber durch die kontroversen Dialoge nie langweilig wird.
Alle leiden sie unter den Auswirkungen von Gewalt, die Opfer wie die Täter. Täter werden zu Opfern und Opfer zu Tätern.
Wahl zeichnet ein düsteres und deprimierendes Bild einer Gesellschaft, ohne jegliche Lichtblicke. Wie bereits bei den vorhergehenden drei Bänden weiß der Leser von Anfang an, dass "Die Rache" kein glückliches, befriedigendes Ende haben wird. Was bleibt, ist Hoffnungslosigkeit und die Erkenntnis, dass Gewalt nur Schmerz und Trauer zurücklässt.
Eine schonungslose Geschichte - fast so meisterhaft wie "Der Unsichtbare".