Das Ef 180 /3,5 L USM ist mein drittes und klar bestes Macroobjektiv. Es ist entscheidend schärfer, als das Ef 100 /2,8 USM. Wie es sich bei der Schärfe gegen das 100er L schlagen würde, kann ich nicht sagen. Das Beste an diesem Objektiv ist aber die größere Brennweite und der daraus resultierende kleine Bildkreis. Verglichen mit dem 100mm Glas, ist bei gleicher Motivgröße auf dem Bild, einfach weniger Hintergrund drauf. Das allein macht es schon leichter, den bei Macro oft störenden Hintergrund, aus dem Bild zu bekommen. Dazu kommt aber noch, dass bei gleicher Blende und nach wie vor gleicher Motivgröße im Bild, der Hintergrund unschärfer abgebildet wird. Das macht für mich den größten Unterschied zwischen den 100er’n und dem 180er aus. Wer aber vielleicht denkt, er könnte mit dem 180 L auch seinen Telebereich abdecken, dem muss ich davon abraten. Der AF ist unglaublich langsam. Also, wenn ich das 70-200 /2,8 IS II bei 180mm mit dem Macro vergleiche, ist der AF sogar schmerzhaft langsam. Als Tele taugt dieses Glas nur bei Landschafts- oder Architekturaufnahmen. Jedes laufende Pferd, jeder springende Biker, überfordert den AF. Darum kann ich das Glas als Tele nicht empfehlen. Bei Macro ist der AF aber weitgehend egal, von daher stört die Geschwindigkeit bei der eigentlichen Aufgabe dieser Linse nicht. Zur Verarbeitung muss ich nicht viel sagen. So wie es sich für ein L gehört. Kein Grund zur Klage. Die Objektivschelle passt zu dem MP-E 65. Im Lieferumfang ist, besser als bei vielen L’s, statt dem grauen Beutel, ein vernünftiger Köcher, ähnlich dem beim 70-200/2,8 IS II. Zu dem AF sei nochmal gesagt, dass das Glas bei der 5D III zu der schlechtesten Objektivgruppe gehört – bedeutet, mit diesem Objektiv nutzt die 5D III bei weitem nicht mehr ihre 61 AF Punkte und die 5 Doppelkreuzsensoren funktionieren nur noch als normale Kreuzsensoren. Randabdunklung ist kein Thema für dieses Glas. Die unscharfen Bereiche werden sehr weich und natürlich abgebildet. Negativ: Das Filtergewinde ist größer als bei dem 100 /2,8. Dadurch muss man sich bei Verwendung des MT-24 EX Macroblitzes, einen zusätzlichen Ring für die Blitzköpfe besorgen. Sollte bei nem L und bei der Preisklasse eigentlich mit im Lieferumfang sein. Natürlich kann man auch mit dem EF-S 60 /2,8 gute Macros machen aber mit dem 180er ist es einfach leichter. Am Vollformat kann ich das Glas wärmstens empfehlen. Ah ja – an dem oft angesprochenen Abstand zum Motiv – Fluchtdistanz der kleinen Tierchen – ist wirklich was dran! ;)
Nun, was sind die Ansprüche an das Objektiv? Zunächst natürlich soll es ein gutes Makroobjektiv sein und diese Anforderungen erfüllt es: In Bezug auf die Bildschärfe und die Auflösung gibt es nichts zu mäkeln. Maßstäbe bis 1:1 sind aus der freien Hand zu erzielen. Hierzu braucht man allerdings Muße und eine ruhige Hand. Für ein gutes Maß an Bildschärfe sollte man aber abblenden, was gute Lichtverhältnisse (evtl. Blitz oder Ringblitz) erfordert. Dies ist aber auch eine allgemeine Anforderung an Makrofotografie und somit keine an dieses Objektiv speziell. Aus meiner Erfahrung ist es bei sehr nahen Objektabständen sinnvoll, von Hand zu fokussieren oder zumindest nachzufokussieren, weil der Autofokus (zumindest meines Gehäuses) damit leicht überfordert ist. Das ist aber nicht weiter schlimm, Makrofotografie ist ja keine Actionfotografie im eigentlichen Sinne.
Mit seinem Gewicht ist es eher etwas für "Männerpranken" - so das "Frauenurteil".
Daneben ist es natürlich eine sehr solide Festbrennweite im Telebereich, die - wenn keine extreme Lichtstärke obligat ist - die Anforderungen natürlich erfüllt und sehr schöne Ergebnisse bringt. Im Vergleich zur Brennweite 135mm ist die Perspektive dichter, durch die geringere Naheistellgrenze (Makro...) ergeben sich deutlich kompaktere Bildausschnitte im Übergangsbereich Tele-Makro, was aus meiner Sicht zu sehr schönen Ergebnissen führt.
Für den kritischen Rezensenten meiner Meinung: Ich habe das Objektiv nicht im Sinne eines Testberichts vermessen, keine Pixel gezählt und die Verzeichnung (im Sucher sichtbar) nicht ausgemessen. Es zählt das Bildergebnis. Das habe ich oben ja schon ausgeführt.