Testurteil: "9 von 10 Punkten"
Test: Einzeltest: Zombicide
Zitat: Zombicide überzeugt mit fast schon verboten stylischem Comic-Design, wahnsinnig hochwertigem Material und einer (mit Genre-Kollegen verglichen!) schlanken und leicht eingängigen Regel. Auch atmosphärisch braucht sich der Zombie-Shooter nicht verstecken, obwohl es da packendere Spiele wie zum Beispiel Zpocalypse gibt. Es ist quasi das Dead Nation der Brettspielewelt.
Der einzige wirkliche Minuspunkt, den ich entdeckt habe, ist der Kompromiss, den man zum Wohle der Spielbarkeit eingehen musste: Das Regelwerk ist stellenweise komplett unlogisch. Und damit meine ich nicht in sich oder spielmechanisch, sondern in Bezug auf den Hintergrund. Warum treffe ich immer erst mal meine Mitspieler, wenn ich in eine Zone baller´, und wieso zum Henker schicke ich auch beim Überfahren oder mit einer Granate zuerst meine unverseuchten Freunde über den Jordan, bevor der Schaden auf das Zombie-Gesindel geht? Warum um alles in der Welt werden aus einem Zombie plötzlich zwei, wenn es von ihm aus zwei gleich lange Wege zum nächsten Überlebenden gibt?
Ein anderer Punkt, der uns etwas gestört hat, ist der Schwierigkeitsgrad, allerdings auf ungewohnte Weise: Zombicide ist uns zu leicht. Einer meiner Freunde hat es recht gut beschrieben, nachdem wir die fünfte Mission hintereinander ohne Kratzer überstanden haben: „Wir haben das Spiel wohl gebrochen.“ Wenn man den Bogen einmal raus hat, ist die Zombie-Apokalypse tatsächlich ziemlich harmlos. Das fällt aber aus mehreren Gründen nicht arg ins Gewicht: Erstens sind wir einfach sehr trainiert von etlichen anderen Spielen dieses Formats, zweitens bleibt diese Einschätzung sowieso jedem selbst überlassen, und drittens, und das ist das wichtigste, hatten wir trotzdem immer Spaß bei der Metzelei.
Alles in Allem eine absolut runde Sache, auf die jeder Freizeit-Zombiejäger, Freund der gepflegten Endzeit und Brettrollenspiel-Liebhaber auf jeden Fall einen Blick werfen sollte!