Testurteil: "9.0/10"
Test: Einzeltest: Wolfenstein II: The New Colossus
Zitat: GBase-Award
Pro: + Hervorragende Optik, ansprechendes Setting
+ Fordernder, weiter steigerbarer Schwierigkeitsgrad
+ Sympathische Charaktere, wunderbar verrückte Mitstreiter sowie Antagonisten
+ Durchdachtes Leveldesign
+ Spannender und unterhaltsamer Handlungsverlauf
+ Coole und spaßig einzusetzende Fähigkeiten
+ Unzählige Sammelgegenstände & Zusatzmissionen
Contra: - Herbe Atmosphäre-Einbußen durch übertriebene und abwegige Änderungen
- Ladezeiten recht lang
- Nervige und störende Bildfehler im Pausenmenü
Was Entwickler MachineGames aus dem Wolfenstein-Franchise herausgeholt hat, ist in meinen Augen einfach nur anerkennenswert. Ich fand Wolfenstein: The New Order schon hervorragend, The New Colossus hat es aber meines Erachtens tatsächlich geschafft, die Qualitäten des Vorgängers noch zu toppen. Vielleicht treffen mich gerade aufgrund der großartigen inszenatorischen und spielerischen Qualität auch die herben atmosphärischen Einbußen durch die inhaltlichen Einschnitte der deutschen Version so hart. Der Titel hätte in meinen Augen eine absolute Topwertung nahe der Höchstwertung verdient. Denn selten (vielmehr noch nie) ist mir ein so herausragender Shooter ins Laufwerk gekommen. Das Spiel macht Laune, sieht hervorragend aus, bietet mit seinen zahlreichen Sammelgegenständen und Schwierigkeitsgraden großen Wiederspielwert, glänzt mit einer absolut übertriebenen, aber gleichzeitig feinsinnig inszenierten Story (ja, das scheint zu gehen, wie The New Colossus beweist) und einem hervorragenden Leveldesign. Und das Wichtigste: Es macht einfach Spaß, Nazi-, pardon, Regimehintern mit richtig coolen Fähigkeiten und dicken, aber trotzdem nicht übermächtigen Wummen zu treten. Wer das jedoch alles durchweg genießen will, sollte lieber zur internationalen Version und nicht zur maßlos und unreflektiert geschnittenen deutschen Version greifen. Im Falle der PC-Umsetzung ist das aufgrund IP-basierter Aktivierungs- und Startsperren bei Steam natürlich nicht ganz trivial. Dass sich um die Wolfenstein-Reihe bezüglich der thematischen Schwerpunktsetzung seit jeher diverse Kontroversen entwickeln, gehört schon beinahe zum guten Ton der Spielserie. Die Alternativwelt-Geschichte, in welcher die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen und der ganzen Welt ihre Rassenideologie aufgezwängt haben, hatte vor sage und schreibe knapp 40 Jahren mit Castle Wolfenstein – natürlich in viel simplerer Form als mittlerweile gewohnt – ihr Debüt auf dem Apple II. Und selbst diese primitive Pixelversion wurde aufgrund der Verwendung nationalsozialistischer Symbole in Deutschland indiziert – eine Erfahrung, die noch viele weitere Ableger der Reihe seitdem machen durften, wenn deren Macher nicht freiwillig die Schere ansetzten. Auch in diesem Jahr hat das sehr beliebte Franchise einen weiteren Titel auf der aktuellen Konsolengeneration hervorgebracht, der unter einer Überintepretation unserer deutschen Gesetzgebung stark zu leiden hat. Mehr dazu im Test! Make America Nazi-free again! Eins müssen wir leider vorweg sagen: Wolfenstein II ist in der deutschen Version nicht einmal ansatzweise das, was es in der internationalen Fassung ist, beziehungsweise wie es die Entwickler ursprünglich konzipierten. Die deutsche Version ließe sich, je nachdem, wie kritisch man die Thematik betrachtet und welche Schwerpunkte man dabei setzt, sogar als Geschichtstilgung und Verleumdung eines sehr dunklen Kapitels deutscher Geschichte bezeichnen. Im Original ist das Spiel jedoch das genaue Gegenteil, und dass man das als deutscher Konsument nicht selbst erleben und rezipieren darf, ließe sich sogar als Bevormundung empfinden.