Testurteil: "85%"
Test: Einzeltest: Größe ist nicht alles
Zitat: Pro: + großartige Landschaften
+ detaillierte Charaktere
+ schöne Kampfeffekte
+ scharfe Texturen
+ passende Musik
+ sehr gute Kampfkulisse
+ generell sehr gute Vertonung
+ niemals unfair
+ alle Talente sinnvoll
+ abwechslungsreiche
+ einladende Welt
+ stimmungsvolle Schauplätze
+ ordentliche Dialoge
+ generell eingängige Heldensteuerung
+ frei belegbare Tasten
+ gigantische Spielwelt
+ unfassbar viele Nebenaufgaben
+ Begleiter-Quests
+ Sammelaufgaben bringen Zusatzbelohnungen
+ gute Haupthandlung inklusive Entscheidungen
+ interessante Nebengeschichten
+ flotte
+ actionreiche Gefechte
+ grandiose Drachenkämpfe
+ zuverlässige KI-Mitstreiter
+ Spezialisierung möglich und sinnvoll
+ coole Fokus-Fähigkeiten
+ reinchhaltige Ausrüstungsbeute
+ vielfältiges Crafting
+ sinnvolle Upgrades
Kontra: - einige gelangweilte Sprecher
- Tutorials erklären nicht alles
- nicht alle Charaktere gut ausgearbeitet
- umständliche Taktikansicht
- extrem konfuse Menüs
- nicht alle Entscheidungen spürbar
- selten Taktik nötig
- rollenspieltypische Talente fehlen
- Werte steigen automatisch
- Stiefel und Handschuhe nur als Upgrades
- Crafting nur Gimmick
Bevor ich zu Inquisition komme, muss ich eines einfach loswerden: Die 87 Punkte für Dragon Age 2 sind für mich eine der abwegigsten Wertungen, die GameStar jemals vergeben hat. Ich fand das Spiel zwar längst nicht so abgrundtief schlecht, wie es gerne gemacht wird, aber die vereinfachte Spielmechanik, die flachen Kawumm-Kämpfe, das verbrecherische Dungeon-Recycling und die Haupthandlung, die erst im letzten Spieldrittel wirklich zum Tragen kommt - all das war dem grandiosen Dragon Age: Origins nicht würdig. Dragon Age 2 war ein Spiel, dem man schmerzhaft deutlich anmerkte, wie wenig Zeit und Liebe Bioware seinerzeit investieren wollte. Oder durfte. Das ist bei Inquisition anders, hier steckt spürbar Zeit und Liebe drin, vor allem in der Spielwelt. Verglichen mit Dragon Age 2 ist es zweifellos das bessere Spiel. Trotzdem bekommt es eine schlechtere Wertung, wie kann das sein? Weil wir bei GameStar der Meinung sind, dass wir einmal gemachte Fehler nicht ewig mit uns herumschleppen dürfen. Weil wir der Meinung sind, dass ein überbewerteter Vorgänger nicht auf alle Zeiten als Ausrede dafür herhalten darf, dass wir seine Nachfolger besser bewerten. Das einzige, was eine gute Bewertung rechtfertigen darf, sind spielerische Qualitäten. Und Inquisition hat fraglos seine Qualitäten, allen voran seine schiere Größe, seine Abenteuerflut. In einer Zeit, in der man froh sein muss, nicht jede Quest einzeln als DLC verkauft zu bekommen, macht ein solcher Koloss umso dankbarer. Alleine deshalb lohnt es sich schon, Inquisition zu kaufen. Zudem gibt es - abgesehen von den Menüs - nichts, das ich geradeheraus als »schlecht« bezeichnen würde. Die Story unterhält, die Quests motivieren, die Dialoge sind ordentlich, die Charaktere und Geschichten ausgefeilter als in den meisten anderen Spielen. Und die Drachen sind einfach grandios! Ja, Inquisition ist ein rundum sehr gutes Spiel. Punkt. Aber eben kein so herausragendes wie Origins, der Serien-Großvater hatte noch bessere Geschichten, noch denkwürdigere Momente, noch einprägsamere Charaktere, er hatte echte Taktikkämpfe und ein Charaktersystem, wie es sich für ein klassisches Rollenspiel verdammt noch mal gehört. Und er war, ganz nebenbei, auch auf dem PC ohne Fingerkrampf bedienbar. Klar, Inquisition hat auch neue Stärken - aber das sind nicht die Stärken eines Dragon Age. Ich mag es trotzdem, sehr sogar, und ich werde es nach dem Test gerne weiterspielen, um dieser fantastischen Welt auch noch ihre letzte Geschichte, ihre letzte Belohnung, ihren letzten Drachen zu entreißen. Und ich werde keine Sekunde davon bereuen.