Nachdem ich mich etwas schlau gemacht hatte, entschied ich mich für den Elite Turno, ein Gerät von einem Hersteller, der immerhin Erfahren ist im Bau von Rollentrainer aufweisen kann und auch in Italien fertigt. Das war mir dann doch lieber als die noch günstigeren Direct-Drive-Rollentrainer aus chinesischer Fertigung mit möglicherweise unzureichendem Support. Da zahle ich dann auch die ca. 100 Euro an Mehrpreis.
Grenzwertig ist die Verpackung, zudem liefert Amazon den Rollentrainer nicht über seinen eigenen Paketversand aus, sondern in meinem Fall über Hermes. So war das Siegel der Verpackung vom Transport aufgerissen, der Kartondeckel offen. Nachdem sich der arme Zusteller mein Geschimpfe anhören musste, war er bereit, zu warten, bis ich den Inhalt kontrolliert hatte. Da alles ok war, nahm ich dann das Paket an. Aber ich muss anmerken, dass es bei der Form der Verpackung auch ganz anders ausgehen kann, denn die Kunststoffverkleidung des Geräts ist sicher nicht die stabilste.
Mein MTB war rasch am Rollentrainer montiert. Eine für mein MTB passende 9-fach-Kassette hatte ich schon lange als Ersatz hier liegen. Etwas irritiert hatten mich die beigelegten Distanzringe. Eigentlich wird für die Montage einer 9-fach-Kassette an einem 11-fach Freilauf ein 1,85mm dicker Distanzring benötigt, die zwei beigelegten haben aber jeweils eine Stärke von 1mm. Nach der Montage mit beiden Ringen, also um etwa 0,25mm zu dick, passte aber alles recht gut, jedoch musste ich die Schaltung minimal nachstellen, damit der hintere Umwerfer und die Kette sauber flutschen. Da ich mich da aber auskenne, war das in einer Minute erledigt.
Das montierte MTB ist übrigens ein Fully. Wegen der Hinterradschwinge sitzen die Streben sehr weit unten, so dass mir auf der linken Seite gerade noch 1mm Platz bleibt, bevor die Strebe auf das Plastikgehäuse stößt. Das war wirklich sehr knapp. Wer also ein Fully montieren will, unbedingt drauf achten. Mir fiel das auch erst im Nachhinein auf. Hatte da nochmal Glück, denn die Belastung hätte sicher das Kunststoffgehäuse an der Stelle zerdrückt.
Das Gerät ist zwar mit viel Kunststoff verkleidet, jedoch befindet sich im Inneren ein solide wirkender Metallkäfig. Das Gewicht des Geräts zusammen mit den ausladenden Stützen halten mein Gewicht von 68 Kilo mitsamt dem Bike völlig problemlos, auch dann, wenn ich heftig in die Pedale trete.
Erleichtert stelle ich fest, dass das Gerät tatsächlich sehr leise ist. Mit sauber eingestellter Schaltung und geschmeidig laufender Kette wird man selbst bei offener Tür im Nebenraum keinen mehr stören. Das ist schon klasse und übertrifft meine Erwartungen.
Es lässt sich nach Eingabe einer Seriennummer, die man auf dem Gerät findet, die Elite-eigene App MyETraining für ein Jahr freischalten. Das funktionierte reibungslos, so dass ich zumindest für den Anfang ganz gut für die ersten Trainings gerüstet bin. Mit der App und auch der Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und dem Turno hatte ich keine Probleme. Alles funktionierte. Ich werde mir aber noch Zwift anschauen.
Sehr gut gefällt mir die Kraftentfaltung des Geräts, smooth und linear, fast wie auf der Straße. Mit der Widerstandseinstellung rein über die Schaltung komme ich sehr gut zurecht. Einen elektronisch einstellbaren Widerstand vermisse ich nicht. Die Leistungsentfaltung von bis zu ca. 700 Watt und mehr werde ich vermutlich so schnell nicht ausreizen, denn nach 30 Minuten Treten mit ca. 150-170 Watt bin ich in Schweiß gebadet und ich bin eigentlich noch recht fit für mein Alter. Das Treten auf dem Turno unterscheidet sich jedoch deutlich vom Fahren Outdoor. Man tritt ständig wie bei Gegenwind oder bei leichter Steigung. Nimmt man bei normaler Fahrweise im Freien bspw. in Kurven die Trittfequenz zurück oder lässt das Rad einfach mal gleiten mit dem eigenen Schwung, ohne beim Weitertreten erneut kräftig Beschleunigen zu müssen, so fehlt das auf dem Rollentrainer fast völlig, auch wenn der Freilauf mit dem Schwungrad des Turno immer noch mehr Energie liefert als bspw. die Geräte, auf denen das Hinterrad eine kleine Rolle antreibt. Das Gerät bremst aber schon aus. Es kann halt das Fahrradfahren nicht ersetzten, aber als Fitnessgerät ist es schon klasse, zumal man sein gewohntes Bike nutzen kann.
Unterm Strich bin ich zufrieden mit dem Gerät. Es erfüllt meine Erwartungen.
PS:
Ich habe nun das Ganze mit Zwift am Laufen und ich bin erstaunt, wie gut das funktioniert. Anfangs war ich etwas verwirrt, da Zwift lediglich die Watt-Leistung und die Trittfrequenz ausliest, nicht jedoch die Geschwindigkeit, die der Turno auch ausgeben könnte. Nach den ersten Kilometern wurde mir klar, wieso: da die Strecken, die man in Zwift fährt, auch Steigungen und Gefälle aufweisen, errechnet Zwift aus der erbrachten Leistung die Geschwindigkeit, d.h, dass bei gleichbleibender Watt-Leistung die Geschwindigkeit bei Steigungen entsprechend fällt. Ich muss also deutlich kräftiger in die Pedale treten, um die Geschwindigkeit halten zu können oder um bei starken Steigungen überhaupt vorwärts zu kommen. Man schaltet also wie gewohnt runter. Das ist durchaus sehr realistisch, wenn ich auch nicht weiß, wie genau die Werte sind.
Kam mit kaputtem Gehäuse hier an, laut Beschreibung gebraucht-sehr gut, kleine Schönheitsfehler....na ja, so kann man das auch nennen. Warehouse deals sind nur mit Vorsicht zu geniessen. Weil so gross, werden nicht die gesamten Rücksendekosten übernommen...
Ich nutze diesen Trainer mit meinem Cube Ebike. Leider ist der Akku meines Ebikes nach der 5. Saison nicht mehr so gut, so dass ich meistens nach den ersten 45 Minuten bereits manuell trainieren muss.
Das tut der Qualität dieses Trainers aber keinen Abbruch! Nichts wackelt und die Geräuschentwicklung hält sich in Grenzen.
Vermutlich werde ich mir ein neueres Ebike mit stärkerem Akku zulegen, damit ich noch länger und ausgiebiger damit trainieren kann.