Testurteil: "6.0/10"
Test: Einzeltest: Sniper - Ghost Warrior 3
Zitat: Pro: + Drei verschiedene Vorgehensweisen
+ Viele Waffen
+ Modernes und eigentlich spannendes Setting
+ Profis können alle Anzeigen ausblenden
Contra: - Viele überflüssige Spielelemente (etwa Crafting)
- Offene Spielwelt ohne echten Mehrwert
- Schwache Story und Präsentation
- KI mit heftigen Aussetzern
- Nur ein Speicherstand
Ihr habt Sniper Elite 4 und sucht etwas Ähnliches? Dann könnt ihr euch guten Gewissens mit Ghost Warrior 3 die Zeit vertreiben. Ihr wollt einfach nur ins Subgenre der Sniper-Spiele reinschnuppern? Dann lasst die Finger von diesem Spiel und greift zum Konkurrenzprodukt aus dem Hause Rebellion. Sniper: Ghost Warrior 3 ist nicht per se ein schlechtes Spiel, unterstreicht aber den zweifelhaften Ruf, den sich CI Games vor etlichen Jahren mit Billigspielen hart erarbeitet hat. Der Spielumfang mag stimmen, Präsentation, Steuerung und Spielkonzept hängen der Konkurrenz aber hinterher. Richtige Stärken kristallisieren sich nicht heraus, stattdessen verharrt man im Mittelmaß und gibt sich damit anscheinend zufrieden. Weniger Crafting, größere Investitionen in die KI wären klug gewesen. Die offene Spielwelt hätte zugunsten gut designter und in sich geschlossener Levels gerne verworfen werden können. Die drei Spielansätze Sniper, Ghost und Rambo versuchen, alles und jeden zufriedenzustellen – statt sich auf einen bestimmten Spielaspekt zu stützen. Heraus kommt ein beliebiger wie überflüssiger Titel, der nur Die-Hard-Fans des Shooter-Genres empfohlen werden kann. Im hohen Gras liegt ein schmächtiger Junge und schießt mit seinem Gewehr auf Flaschen. Einfach so. Er liegt da und schießt. Zumindest ... will er das. Denn ehe er den ersten Schuss lösen kann, kommt sein nur etwas älterer Bruder durch die Botanik geprescht und drückt ihm aufs Auge, dass es sein letzter Tag in der US-amerikanischen Heimat sei. Der Krieg ruft, und die beiden Brüder tun das, was man am letzten Tag vor dem Abmarsch nach Afghanistan so macht: reden. Frauen, Behauptung im Faustkampf, Nervosität vorm Einsatz – könnte nicht idyllischer sein zwischen den beiden. Der kleinere wird vom älteren Bruder in Tarnfleck inspiriert, schaut zu ihm auf. Ein Held wie aus einer Blaupause Folgerichtig wird aus dem Knirps Jonathan North ein vor Testosteron strotzender Kampfkoloss, der für die US of A in den Krieg zieht. Fetzt ja auch, zumal es ihn in der ersten Mission des Spiels nicht irgendwohin verschlägt, sondern an die russisch-georgische Grenze. Heikel, denn hier treffen Ost und West aufeinander und droht das gegenwärtige Pulverfass der Weltpolitik zu explodieren.