Testurteil: "6 von 10 Punkten"
Test: Einzeltest: Hospital Rush
Zitat: Wie bei Worker Placement-Spielen üblich gibt es relativ wenig Interaktion zwischen den Spielern. Hauptsächlich besteht sie aus dem Timing wer wann welche freien Einsetzplätze vorfindet bzw. sich in diesem Fall Patienten zur Behandlung sichert. Zusätzlichen haben wir die illegalen Aktionen, die eigentlich allesamt destruktiver Natur sind. Dadurch kommt der Rolle des Startspielers bzw. der Sitzordnung eine große Bedeutung zu. Die Wahl des Startspielers ist hier mit Geldeinkünften gekoppelt, wobei man nicht unbedingt selbst Startspieler wird, sondern den nächsten Startspieler bestimmen darf. Man wird ihn sich selbst nehmen, wenn man ein bestimmtes Feld belegen möchte. Man wird ihn dem Spieler zur Linken geben, wenn man am Ende der Runde ein krummes Ding drehen will ohne verpetzt zu werden.
Es gibt bei Hospital Rush nur eine einzige Strategie, die gute Chancen auf den Sieg verspricht: Patienten heilen! Alle anderen Aktionen wie Geldeinkünfte, Medikamentennachschub, Spezialausbildungen,… sind entweder notwendig für die Durchführung von Behandlungen oder nur geringe Modifikationen der Geschwindigkeit. Speziell wenn man zu fünft spielt wird der eine oder andere unruhig: Es gibt nur vier Patienten und jeder kann von nur einem Arzt behandelt werden. Das bedeutet, dass sich immer einer mit anderen Aktionen die Zeit vertreiben muss.
Bei den Eigenschaften der einzelnen Ärzte gibt es große Unterschiede, unter anderem auch in ihrer Effektivität bei verschiedenen Spielerzahlen. So schlägt eine „Paaaaarty!“ bei fünf Spielern am Spielbeginn groß ein, wenn der Spieler diese Sonderfähigkeit einsetzt um den anderen das kärgliche Startkapital zu klauen. Mit etwas Glück kann er sich mit der zweiten Aktion einen lukrativen Patienten sichern, den er in Runde zwei dank seiner monetären Reserven intensiv behandeln kann und heilt. Das sind unter Umständen leicht erworbene drei oder vier Prestigepunkte und fast schon die halbe Miete. Auf der anderen Seite haben wir eine Aktion, die einen Patienten sofort aus dem Spital entlässt. Ist dieser noch nicht gesundet, bekommt der behandelnde Arzt keine Punkte. Ein Drama für den Einzelnen, aber kein Vorteil für den der die Aktion wählt! Hier stellt sich immer wieder die Frage: Wer opfert sich, um einen anderen Spieler um sicher geglaubte Siegpunkte zu bringen?
Wir sehen: Erwartung aufgrund des Covers und tatsächlicher Inhalt klaffen auseinander. Das ist schade, denn von außen sieht das Spiel wirklich witzig aus. Auch das Material ist gut, mit Holzfiguren, stabilen Pappplättchen und witzigen Karten (die Namen der Patienten sind lustig entstellte Namen von Prominenten). Wer sich auf Worker Placement einstellt wird mit einem passablen Spiel konfrontiert sein.