Der Roomba scheitert an seiner Software.
Der iRobot Roomba j7 ist in diesem Zustand so gut wie nicht verwendbar.
Ich berichte hier über unsere mehrwöchigen Erfahrungen mit dem iRobot Roomba j7 ohne Aufsaugstation und ohne Wischlappen (nur Saugen) im Vergleich zu einem iRobot Roomba 780, der 10 Jahre lang an mindestens 5 Tagen die Woche zuverlässig sehr gute Dienste in unserem Haushalt (5 Personen mit kleinen Kindern, keine Tiere, 200 m² auf zwei Stockwerken) verrichtete (bei regelmäßiger Reinigung und Wartung).
Die Hardware des j7 an sich scheint in Ordnung. Die Verarbeitung passt wie gewohnt. Die Gummiwalzen nehmen den Dreck gut auf und Haare etc. verfangen sich weniger als in den früher verwendeten Bürstenwalzen. Die Saugleistung ist besser geworden, so dass nun auch feinerer Staub aufgenommen wird. Durch die systematische Navigation per Kamera-Umgebungserkennung ist der Roomba deutlich schneller als mit der früheren Chaosnavigation. Hier kommt jedoch schon der erste Nachteil, über den man sich im Klaren sein muss: Der j7 fährt nur bei Licht. Unsere früher programmierte tägliche Reinigung um 5 Uhr morgens ist nun nicht mehr möglich. Das Gerät muss tagsüber laufen, oder ich lasse nachts das Licht brennen.
Weiterhin ist der Auffangbehälter kleiner geworden. Da der j7 eigentlich für die Verwendung mit einer Auffangstation gebaut wurde, ist das nicht verwunderlich. Auch die Größe des kleinen Behälters sollte locker reichen, um unsere Wohnung mehrfach vollständig durchzusaugen. Hier das nächste Manko:
- Ständig spricht die "Empty the bin"-Meldung an, auch wenn der Sauger keine 10 Minuten gelaufen ist und nur einige Staubflusen eingesammelt hat. Die Erkennung, ob der Behälter voll ist, geschieht wohl optisch durch zwei Seitenfenster der Klappe des Sammelbehälters. Durch elektrostatische Aufladung setzt sich natürlich der aufgewirbelte Staub auf den Scheiben fest und blockiert scheinbar die Sicht. Der alte Roomba 780 hatte da ein sehr viel zuverlässigeres System. Der hat gut durchgesaugt bis der Behälter wirklich voll war und dann eine Warnung geworfen.
Weiterhin ist Folgendes zu bemängeln:
- Der Akku hält weniger lange als beim alten Roomba 780.
- Das Ankoppeln and die Homebase kann ewig dauern. Das konnte der alte Roomba 780 viel schneller. Es kann passieren, dass der Roomba direkt vor der Homebase steht und den QR-Code der Ladestation sieht, ihn anblinkt und dann, statt einfach die letzten 20 cm einzufahren, wieder umdreht und einen neues Anlauf von mehreren Metern nimmt. Ein anderes Mal findet er die Station ohne Probleme auf Anhieb.
- Es passiert, dass der Roomba j7 irgendwann völlig unvermittelt von der Ladestation losfährt, umdreht und wieder einfährt. Dies und der nächste Punkt sprechen dafür, dass die Ladeklemmen nicht sauber kontaktiert werden oder die Software zur Ladeerkennung Mist ist. Ich tippe nach meinen Erfahrungen auf Letzteres.
- Wenn man den j7 von Hand in die Homebase einlegt, zum Beispiel weil er gerade das Obergeschoss gereinigt hat und die Homebase im Erdgeschoss steht, dann gibt er kein eindeutiges Signal, dass er Kontakt mit den Ladeklemmen hat. Die LED an der Ladestation leuchtet kurz auf und erlischt gleich wieder. Wenn er selbstständig einfährt, dann leuchtet die LED noch einige Sekunden weiter. Es gibt auch keinen haptisches oder mechanisches Feedback, so dass man spüren oder hören könnte, wann die korrekte Ladeposition erreicht ist. Auch Zielmarken oder ähnliches an der Oberseite des Roomba sind nicht vorhanden. Bei dem alten Roomba konnte man wenigstens über Button und Frontempfänger zielen. Das mag banal klingen, hat aber zur Folge, dass ich den Roomba nicht mehr unsichtbar unter dem Schrank positionieren kann, sondern nur noch am Zimmerrand, so dass ich immer von oben drauf schauen kann. Damit ist der Roomba, wenn er in der Station steht, was er ja zumeist tut, im Weg.
Ebenso muss man sich im Klaren darüber sein, dass sich der j7 NUR noch über eine App bedienen lässt. Der einzige Knopf auf dem Gerät selbst dient nur, um ihn kurz zu pausieren und wieder starten zu lassen, wenn man zum Beispiel wieder mal den Sammelbehälter geleert hat. Man ist also auf Gedeih und Verderb der Qualität der App ausgeliefert. Die Bedienbarkeit der App ist ein ganz großes Minus des Roomba. Ich zähle kurz auf:
- Die App ist langsam. Das mag daran liegen, dass sie zumindest für einige Kontrollen mit dem Roomba kommunizieren muss.
- Sie will übersichtlich sein, macht aber zu viel Show und versteckt die eigentlichen Bedienfunktionen. So findet sich die Einrichtung von speziellen Reinigungszonen (go and no-go) gut versteckt hinter dem kleinen Kartensymbol und mehreren Klicks.
- Zeitweise muss ich mich bei jedem Aufrufen der App neu anmelden. Dann kann ich die App wieder eine Woche lang so benutzen. Zwischenzeitliche Updates des Betriebssystems, wodurch die App geschlossen und neu gestartet wird, oder ähnliches kann ich ausschließen. Noch ein Punkt der nervt.
- Zeitweise sind die Hinweise auf iRobot-Produkte sehr aufdringlich und behindern das Bedienen der App enorm.
- Man wartet jedesmal mehrere Sekunden, um den Zustand des Roboters in der App zu sehen, denn zuerst muss die App Kontakt mit dem j7 aufnehmen. Das nervt besonders dann, wenn wieder mal etwas nicht funktioniert, ich weiß was ich tun muss, aber dazu die App benötige.
- Ich kann eine Aufgabe starten, anhalten und dann fortsetzen oder abbrechen. Beim Abbrechen muss das Gerät jedoch zuerst wieder an die Homebase bevor ich eine neue Aufgabe starten kann, auch wenn der Akku noch voll ist. Das stört besonders dann, wenn er gerade am anderen Ende der Wohnung ist und wieder ewig zum Ankoppeln an die Ladestation braucht.
- Die App gibt keine eindeutige Rückmeldung, dass der Roomba lädt. Es steht nur da "Niedriger Akkustand: Aufgabe unterbrochen" oder "Kann nicht gestartet werden. Der Akku des Roboters ist zu schwach, um ihn zu starten". Ich erwarte ein "Roomba lädt, braucht noch ca. x Minuten". In Kombination mit den beschriebenen hardwarebedingten Schwierigkeiten bei der Ladeerkennung, kann ich also nicht feststellen, ob das Gerät tatsächlich lädt. Es passiert dann, dass ich den ganzen Tag darauf warte, dass der Akku voll wird, weil ich nicht sehe, dass er keinen Kontakt hat.
- Der (zumindest für mich) wichtigste Punkt zum Starten des Roomba ist der Button "neue Aufgabe". Der ist aber klein und liegt gleitend über der eigentlichen Appoberfläche. Diese Designidee ist nicht nutzerfreundlich.
- Ein Grundproblem des Designs: Die App möchte aus der Bedienung des Roomba ein Erlebnis machen. Falsch! Ich möchte keine Zeit damit verbringen meinen Staubsauger zu bedienen. Dann bräuchte ich keinen Roboter und könnte selbst saugen. Ich möchte den Roomba zügig und zuverlässig bedienen und das so selten wie möglich. Dazu ist die Automatisierung da. Ein positivies Erlebnis habe ich dann, wenn ich das Gerät beim ersten Mal ohne Anleitung intuitiv einrichten kann und es danach einfach zuverlässig arbeitet.
- Wenn ein Erlebnis vorhanden sein soll, dann wäre zum Beispiel das Nachverfolgen des Putzweges mit der Kamera oder anhand einer Animation auf der Karte sinnvoll. Auch ein Fernsteuermodus zum Spielen wäre denkbar. Das macht Spaß und keinen Ärger.
- Eine Liste der aktuellen Aufgabe wäre wertvoll: Welche Zimmer sind zu reinigen? Welche sind schon geschafft? Welche fehlen noch? Zum Beispiel wichtig, wenn zu kontrollieren ist, ob in der gestarteten Ecke die Lego-Ecke ausgeklammert wurde.
- Ein Verändern der gestarteten Aufgabe ist nicht möglich. Man muss abbrechen, zur Homebase zurückkehren und eine neue Aufgabe starten. Schlecht, wenn man nur mal schnell vor dem Verlassen des Hauses eine Aufgabe stellen will und sich vertippt hat (weil die App so langsam reagiert).
- Die momentane Animation in der oberen Bildschirmhälfte (bei Handyanzeige) hat null Aussagekraft und kann vollständig ersetzt werden.
- Nach einem Reinigungslauf bietet die App die gefundenen Hindernisse zur Identifizierung an. Er erkennt Hindernisse, wie Strümpfe, Kabel, Bälle, Türstopper etc. gut und vermeidet sie. Aber ich sehe auch nach mehreren Wochen keinen Lerneffekt, denn ich bekomme diesselben Hindernisse immer wieder angezeigt. Wozu dann die Prüfung? Das kostet wieder meine Zeit.
- Bei einem Fehler, gleich welcher Art, führt ein entsprechender Hinweis der App auf eine Hilfeseite, die meist nur banale Aussagen, jedoch keine wirkliche Hilfe bietet. Spontan wechselnde Fehler bekomme ich in regelmäßiger Unregelmäßigkeit vor allem zur Verbindung des Roomba (WLAN funktioniert nachweislich) und zum Ladezustand.
- Beim Kartieren des Obergeschosses hatte ich große Probleme. Nach dem erfolgreichen Kartierungslauf konnte ich neue Zimmertrenner setzen, aber teilweise nicht verschieben oder löschen. Der Roomba lief nicht korrekt. Erst nach dem dritten vollständigen Löschen und Neukartieren inklusive Neustart der App und des Robots funktioniert jetzt auch das Saugen im Obergeschoss.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hardware gut ist. Ob sie wie unser Vorgängermodell auch 10 Jahre lang hält und wartbar ist, muss sich noch zeigen. Die Firmware des Roomba j7 hat neue Kinderkrankheiten, die beim alten Roomba 780 bereits gelöst waren. Aber vor allem die App-Software (v7.11.4) und das Zusammenspiel mit der Firmware muss dringend überarbeitet werden. Im jetzigen Zustand ist der Roomba j7 extrem unzuverlässig und treibt den Benutzer schnell in den Wahnsinn. Da die aufgelisteten Probleme beinahe alle von Firmware und App-Updates gelöst werden können, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wenn aber von Seiten des Herstellers nicht bald nachgebessert wird, dann war das mein letzter iRobot.
Tut eigentlich was er soll, aber...
Er reinigt gut, aber er ist sehr empfindlich... Er startet nicht, weil
- die Leuchte rot ist, Ursache unbekannt
- weil der Behälter angeblich voll ist, aber nicht ist
- weil er manchmal einfach nicht startet, ohne rote Warnleuchte.
Da ich den direkten Vergleich zu dem Vor-Vorgängermodell habe, arbeitet dieser eher widerwillig. Den alten 650er hat man einfach hingestellt, gestartet und er lief los. Dieser will manchmal einfach nicht. Und die App Steuerung ist überflüssig, musste sie aber installieren um das neueste Firmware Update aufzuspielen. Ohne dieses fuhr er gar nicht los, weil Sensoren gereinigt werden sollen, die aber blitzblank sauber waren.
Der Behälter ist zu klein, Akkubetrieb ist auch kürzer als beim 650er, und besonders smart kommt er mir nicht vor....
Fazit: eher schlechter als der "dumme" Vorläufer. Der war einfach solide.