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Insel Hermann Hesse
»Deutscheres gibt es nicht als diesen Dichter und das Werk seines Lebens- nichts, das deutscher wäre im alten, frohen, freien und geistigen Sinn, dem der deutsche Name seinen besten Ruhm, dem er die Sympathie der Menschheit verdankt.« Thomas Mann
Alfred Estermann folgt den Spuren des Genies in seiner Zeit, in seinem Alltag. Die einzelnen Studien sind durch neue Dokumente ergänzt, einige Texte werden hier erstmals publiziert, andere in originalgetreuer Fassung wiedergegeben. Das Verhältnis zwischen Schopenhauer und Richard Wagner, wie auch umgekehrt die komplexe Beziehung Wagners zu Schopenhauer, wird revidierend betrachtet, die wiederentdeckte erste Fassung des bedeutenden Schopenhauer-Porträts Franz von Lenbachs vorgestellt. Eine Analyse der jahrzehntelangen Serie von Vorreden-Entwürfen zu seinem Zentralwerk »Die Welt als Wille und Vorstellung« illustriert Schopenhauers unermüdliche Streitlust, führt ihn in seinem kampf um Anerkennung, in seiner Unversönlichkeit, in seinen Feindschaften vor. Zum privaten Bereich zählt die schwierige Korrespondenz mit einem Jugendfreund, zur philosophischen Arbeit sein neu aufgefundenes Handexemplar einer Schrift Immanuel Kants. Und geradezu testamentarischen Charakter mag Schopenhauers hier erstmals vollständig wiedergegebener, wenige Wochen vor seinem Tode geschriebener letzter Brief haben.
Durch seine Neuübersetzung der "Helena" des Euripides hat Peter Handke, zusammen mit "Prometheus, gefesselt" von Aischylos und "Ödipus in Kolonos" von Sophokles, eine Trilogie ganz eigener Art geschaffen: drei eminente Stücke der drei großen griechischen Tragödiendichter. "Helena" zählt zu den weniger bekannten Stücken – 412 v. Chr. in Athen zum ersten Mal vor Publikum gebracht, entfaltet Euripides seine eigene Geschichte der schönen Helena. Bei ihm wird sie von Hera auf der ägyptischen Insel Pharos in Sicherheit gebracht, sie selbst ist also nicht in Troja, sondern nur ihr Ebenbild. Kurz bevor sie die Gattin von König Theoklymenos werden soll, landet Menelaos auf der Insel, uns es gelingt beiden, in diesem Spiel von Sein und Schein durch Vorspiegelung von Tatsachen nach Griechenland zurückzukehren. Peter Handke schreibt über seine Methode bei der Neuübersetzung: »Offen gesagt: keine – bis vielleicht auf das Befolgen jenes Leitsatzes, mir auf den Weg gegeben von einem Altphilologen schon vor der Übersetzung des Prometheus, gefesselt: ›Einfach laufen lassen!‹ […] Einfach? Ja – aber vorher hatte eben das Verstehen jedes einzelnen Wortes, jeder Wendung, eines jeden Satzes sich zu ereignen – und solch ein Verstehen, nach einem doch immer langwierigen Grübeln, Erwägen, Abwägen, solch ein Verstehensaugenblick, von Wort zu Wort, von Vers zu Vers, gab dann jeweils den Takt für das Deutsche an. Dem ›Laufen lassen‹ hatte der Rhythmus des Verstehens, schön notwendig, vorauszugehen.«
Als der junge Tomura einem Klavierstimmer bei der Arbeit lauscht, fühlt er sich durch den Klang in die hohen, rauschenden Wälder seiner Kindheit zurückversetzt, und fortan prägt die Leidenschaft für die Musik sein Leben. Er lernt das Handwerk des Klavierstimmens, doch bei aller Hingabe ist da doch stets die Angst vor dem Scheitern auf der Suche nach dem perfekten Klang. Als er das Klavier der beiden Schwestern Kazune und Yuni stimmen soll, muss er erkennen, dass es dabei um mehr geht als um technische Versiertheit – und es »den einen« perfekten Klang nicht gibt. Und als er Kazune, die angehende Konzertpianistin, dann spielen hört, spürt er die Bestimmung seines Lebens: ihr Spiel zum Strahlen zu bringen. Ein Roman voller Poesie über die alles verändernde Kraft der Musik und einen jungen Mann, der durch sie die Schönheit der Welt zum Klingen bringen will – wunderschön zart erzählt.
Reich bebildert mit atmosphärischen Fotografien und Illustrationen Als Isabelle Van Groeningen ihre erste Stelle beim National Trust antrat, zog sie aufs Land, ins malerische Dörfchen Coleshill. Dort übernahm sie nicht nur ein bezauberndes Cottage, sondern auch den dazugehörigen verwilderten Garten. Mit dem in ihrer Ausbildung erworbenen Wissen verwandelte sie ihn in ein üppig blühendes, summendes Paradies, das nicht nur die Menschen erfreute, sondern auch der Natur Raum bot. Romantisch verwunschen und doch mit Liebe gestaltet und kultiviert: Ein eigener Cottage-Garten ist nach wie vor der große Traum vieler Gärtner:innen. Die Expertin Isabelle Van Groeningen erzählt in diesem reich bebilderten Band davon, wie er Wirklichkeit werden kann. Und vor allem: Warum diese besonders nachhaltige und zugewandte Art des Gärtnerns nicht nur zeitlos ist, sondern sogar zukunftsweisend sein kann.
Gärtner spinnen alle, das ist bekannt. Und schön ist es dazu: Wir tun das nämlich gerne, weil es das Leben so ungemein bereichern kann. Wer einmal Susanne Wiborgs Gartenkolumnen gelesen hat, ist ihnen verfallen wie sonst nur dem eigenen Garten. Wie konnte man je ohne Stockrosen leben, ohne Elfenkrokusse, diese »glückliche Frühlingsüberraschung«? Und wo kriegt man die Perle d’Azur; diese aparte Clematis mit den vergissmeinnichtblauen Blüten, her, die den legendären Garten von Sissinghurst schmückt? Mit viel Liebe und Humor erzählt Susanne Wiborg von ihrem Paradies auf Erden: von Blumen, Sträuchern und Bäumen, von Fröschen, Vögeln, Libellen und Spitzmäusen, die dort ihr Zuhause finden. Und immer mittendrin: Erbse, der Terrier.
»Wir haben auch Champagner«, lautete eine journalistische Bilanz des ersten Jahres von Walter Scheel als Bundespräsident. Ist es möglich, dass es zum Wohle des Staates offiziell keinen heimischen Wein gegeben haben sollte? Dieser Frage und dem Verhältnis von Wein und Staat, Protokoll und Politik geht Knut Bergmann vor allem anhand der Staatsbankette der Bundesrepublik Deutschland nach. Er wirft einen Blick in die Gläser, auf die Teller und hinter die Kulissen des Staatstheaters und erforscht die vom ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss in Sachen Staatsrepräsentation formulierte Maßgabe vom »Pathos der Nüchternheit«. Der Wein und darüber hinaus das Essen samt der Tischkultur wie das Zeremoniell, spiegeln einen Teil der Kulturgeschichte unseres Landes wider: Mit Wein lässt sich Staat machen. »Ein großartiges Buch, ja ein Leckerbissen für alle, die ein Interesse an Protokoll, Zeitgeschichte und vor allem an gutem Wein haben und über Sinn für Humor verfügen.« Bernhard von der Planitz (Protokollchef der Bundesregierung von 1996-2000 und 2003-2006)
Großes Selbstbewusstsein und erhebliche Widerstandskraft musste eine junge Frau um 1900 aufbringen, wollte sie ihren künstlerischen Ambitionen folgen. Die Akademien waren ihr verschlossen und private Malschulen kostspielig. Dennoch wählten zahlreiche Frauen den beschwerlichen Weg und hielten, wenn auch oft als »Malweiber« verspottet, unbeirrt an ihren künstlerischen Zielen fest. Dieses Buch stellt die großartigen Kunstwerke und mutigen Lebenswege berühmter Künstlerinnen wie Paula Modersohn-Becker, Clara Rilke-Westhoff, Gabriele Münter oder Käthe Kollwitz und vieler anderer, gänzlich unbekannter »Malweiber« vor, die bislang von Kunsthistorikern gerne »übersehen« wurden. Dieses Buch ist Teil der Reihe Elisabeth Sandmann im insel taschenbuch – »Schöne Bücher für kluge Frauen«
Christoph Martin Wieland (1733-1813) hat in seinem langen Leben die deutsche Literaturlandschaft stärker geprägt, als dies heute allgemein im Bewußtsein ist. Mit seiner Shakespeare-übersetzung hat er vor Tieck und A. W. Schlegel diesen größten Dramatiker der Neuzeit im deutschen Sprachraum heimisch gemacht; er hat den Blankvers, wie er durch Lessing und Schiller populär wurde, für die deutsche Bühne etabliert; mit der Alceste hat er die erste deutsche durchkomponierte Oper konzipiert, mit der Geschichte des Agathon, in der Formulierung Lessings der „erste Roman für einen Kopf von klassischem Geschmacke“; den ersten modernen deutschen Roman verfaßt. Doch Wieland ist nicht nur ein großer Neuerer, sondern auch ein exzellenter Beobachter und Kritiker. Mit seiner Zeitschrift Teutscher Merkur hat er das kulturelle Leben seiner Zeit maßgeblich mitgeprägt. Die von Jan Philipp Reemtsma und Hans und Johanna Radspieler veranstaltete Ausgabe von Wielands Schriften zur deutschen Sprache und Literatur macht diesen zu Unrecht wenig bekannten Teil des Wielandschen Œuvre zum erstenmal wieder in beglückender Vollständigkeit zugänglich und gibt so ein einmaliges Panorama jener Epoche von der Aufklärung bis zur Romantik, die man mit Fug und Recht als „Wielandzeit“ bezeichnen könnte.
Dieses reich bebilderte Buch über die Insel Juist aus der Saison 1935 vermittelt einen Eindruck von der Natur, aber auch dem gesellschaftlichen Leben in dem "vornehmen Familienbad" der Nordsee. Die Bedeutung Juists in jener Zeit mag man auch anhand der Flugverbindungen einzuschätzen: Die Insel war seinerzeit an den Linienverkehr der Lufthansa angebunden. Dies und viele andere überraschende Erkenntnisse offenbaren sich dem Leser.
Der Hund ist der Begleiter des Menschen seit Jahrtausenden. Jan Philipp Reemtsmas Exkursionen zum „Hund in der Malerei“ unterscheiden, gelehrt und unterhaltend die verschiedenen Funktionen, die sie in der Malerei innehaben. »Hunde als Accessoires, die einfach nur das Bild mit einer optischen oder genrespezifischen Auflockerung versehen – und Hunde, die seltsam prominent im Bild erscheinen, ohne daß man, auf den ersten Blick, zu sagen vermöchte, was sie da eigentlich zu suchen haben.« So spannt sich der Bogen von Rembrandt bis Max Liebermann, von Watteau bis Lucian Freud. Vierzig Farbabbildungen illustrieren die Ausführungen. Und der Leser des Buches wird beim nächsten Museumsbesuch nach Hunden Ausschau halten.
Hesse schildert die Lebensgeschichte des Heiligen bewußt im legendären Tonfall der Überlieferung, wie er sie u.a. in der mittelalterlichen Franziskus-Biographie des Thomas de Celano, Bonaventuras und den damals neuesten Darstellungen von Henry Thode und Paul Sabatier vorfand.
Die kleine Marie findet am Weihnachtsabend unter dem Gabentisch einen Nussknacker, den sie gleich in ihre Obhut nimmt. Bald stellt sich heraus, dass ihn ein wunderbares Geheimnis umgibt. E. T. A. Hoffmann, der das Märchen für die Tochter seines Freundes Eduard Hitzig schrieb, veröffentlichte es zuerst in seinem Erzählzyklus Die Serapionsbrüder 1819/1821, es gehört heute zu den bekanntesten und beliebtesten Weihnachtsgeschichten in deutscher Sprache. Der vorliegende Band bietet den ungekürzten Text zusammen mit den meisterlichen Illustrationen von Lisbeth Zwerger.
Als die Gefährten des Odysseus von den Lotophagen bewirtet werden, vergessen sie alles und denken nicht daran, in ihre Heimat zurückzukehren. Mit Gewalt müssen sie aufs Schiff gebracht werden, um die Heimreise fortzusetzen. Dieser Mythos markiert den Beginn einer Geschichte des Vergessens, die die Geschichte der menschlichen Kultur als ihre andere Seite begleitet und heute mit der schwindenden Nachhaltigkeit digitaler Systeme und ihrer scheinbar unermeßlichen Speicherkapazität einen neuen Höhepunkt erreicht. Bereits Goethe rief dazu auf, der Destruktion des Gedächtnisses entgegenzuwirken, und im 19. Jahrhundert versuchte die Romantik, durch die Hinwendung zum Mittelalter das kulturelle Gedächtnis zurückzugewinnen, während die an der Zukunft orientierten Ideologien die Weltgesellschaft lediglich ökonomisch optimieren wollten – ein Konzept, das seine Geltung grundsätzlich bis zur globalen Wirtschaftsgesellschaft des 21. Jahrhunderts behalten hat und das in der Hirnforschung, in der Gerontologie und in der Gentechnik ganz neue Dimensionen gewinnt. Manfred Osten beschreibt in seinem Essay erstmals die Geschichte des Vergessens als Teil der Kulturgeschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart, bis zur Problematik heutiger digitaler Speichersysteme, die das menschliche Gedächtnis entlasten sollen, zugleich aber auch immer fragiler werden und damit den fortschreitenden Verlust des kulturellen Gedächtnisses geradezu ›programmieren‹.
Von Aristoteles und Boethius über Cicero bis Sokrates, Voltaire und Zarathustra: Für jeden Buchstaben des Alphabets steht ein berühmter Philosoph, der uns seine Vorstellung einer geglückten Lebensgestaltung nahebringt. Das Bedürfnis nämlich, ein »gutes Leben« zu führen, ist allen Menschen gemeinsam, wenn auch die Vorstellungen von einem solchen sehr unterschiedlich sein mögen. Peter Cornelius Mayer-Taschs mit leichter Hand geschriebenes Brevier eröffnet Einblicke in die unterschiedlichsten Räume kluger Lebensgestaltung: Die Philosophen, Großmeister der Weltweisheit, erfüllen die »Buchstaben der Philosophie« mit Leben und machen sie so zu einem unentbehrlichen Begleiter für jeden Tag.
Er gilt als bedeutendster Visionär des frühen Christentums: der Apostel Paulus. Einst unter dem Namen Saulus ein gesetzestreuer Pharisäer und erbitterter Verfolger der Urchristen, wurde er nach seinem Bekehrungserlebnis in Damaskus zum Anhänger Jesu und zum leidenschaftlichen Verkünder der christlichen Botschaft. Ein ideales Buch für Einsteiger in die großen Fragen des Glaubens, eine Einführung in das Christentum. Vom Autor des Bestsellers Hannah Arendt oder Die Liebe zur Welt (insel taschenbuch 4172).
Klaus Lüderssen zeichnet den beruflichen Werdegang des »letzten Ritters der Romantik«, wie man ihn genannt hat, nach und zeigt den überzeugten Katholiken Eichendorff als Regierungsbeamten im protestantischen Preußen. Zugleich bietet Lüderssen eine weitreichende Deutung von Eichendorffs Rechtsbegriff: In der Ablehnung von Aufklärung und Restauration gleichermaßen schlägt Eichendorff einen Weg ein, der Ansätze eines im heutigen Sinne modernen Rechtsverständnisses aufweist.