Der vorliegende Band umfasst Beiträge zu einem zentralen Thema bei Platon: 'Physis' kann bei Platon im naturwissenschaftlichen Sinne als physische, biologische, materielle Natur oder im übertragenen Sinne als eigenes Wesen, etwa hinsichtlich Seele, Kosmos oder Göttlichem, verstanden werden. So werden in diesem Band medizinische, biologische und kosmologische Ansätze ebenso wie ontologische, epistemologische und pädagogische Themen zu Platons 'Physis'-Konzept in den Blick genommen. Die zeitgenössische Nomos-Physis-Diskussion Platons mit den Sophisten sowie seine sprach- und kulturphilosophischen Überlegungen spielen hier eine wichtige Rolle. Die anspruchsvolle literarische Gestaltung der Platonischen Dialoge ist für die genannten Fragestellungen höchst relevant, ebenso die Auseinandersetzung späterer platonischer Philosophen mit Platons 'Physis'-Konzept.
The widespread scepticism in regard to politics is a result of the inability to define a clear concept of politics. This is due to the fact that the relationship between politics and power has not been clarified. In Georg Zenkert's study, which takes not only a historical but also a systematic standpoint, the author shows that power in principle develops in three dimensions: power is firstly the ability to act, secondly control and lastly the constitutive power of a group. Each of these dimensions find its own suitable medium in the exchange of opinions, in the law and in institutions. The normative standards of power result from the development of the potential competence to act, the potential achievement of order and the potential integration within the framework of the political constitution, all of which are intrinsic to power. While Social sciences and political philosophy today reduce power to authority or control, it can be shown that all three dimensions are based in the history of political thought.
Am 9. Juni 2017 fand in Kassel das Symposium "Miteinander und Gegenüber - 50 Jahre Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck" statt. In drei Vorträgen beleuchteten der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD Wolfgang Huber, Oberkirchenrat Hendrik Munsonius und der Historiker Eckart Conze die Grundordnung aus theologischer, juristischer und zeitgeschichtlicher Sicht.Dieser Band dokumentiert die Veranstaltung und sammelt die Vorträge über Intention, Aufbau und historischen Kontext der Grundordnung als ,brauchbares Werkzeug' für das kirchliche Handeln. Von Interesse ist jedoch nicht nur der Blick zurück, sondern auch die Impulse zum evangelischen Rechtsverständnis einer Ordnung der Kirche, die "aus ihrer Botschaft folgt und allein in ihr begründet ist". Mit Beiträgen von: Eckhart Conze, Thomas Dittmann, Martin Hein, Wolfgang Huber, Hendrik Munsonius
Gottes Ewigkeit ist Gottes Macht über die Zeit und über seinen eigenen Bezug zur Zeit. Er kann seinen Bezug zur Zeit ändern, kann sich alle Zeiten simultan gegenwärtig halten oder auch in den Wandel der Zeiten eintreten und selbst Veränderung und Zeitlichkeit erfahren. Diese These stellt Jan Schole an den Anfang seiner Arbeit. Zum Ziel setzt er sich, ein Modell zu entwickeln, das demonstriert, dass dieser Begriff von Ewigkeit konsistent denkbar ist. Bausteine und Vorlagen für dieses Modell gewinnt er aus der Analyse und Interpretation ausgewählter physikalischer Theorien und der Spätphilosophie Schellings. In der Ausführung des Modells stellt der Autor dar, wie das Modell Übergänge zwischen verschiedenen Zeitgestalten und -bezügen ermöglicht und so die Macht über die Zeit, wie sie in der einleitenden These postuliert wurde, widerspruchsfrei rekonstruieren kann.
Prozessionen sind mehrdimensionale soziale Praktiken. Sie dienen der Dar- wie Herstellung soziokultureller Ordnungen und Werte. Sie kommunizieren sowohl Religiöses wie Soziales als auch Politisches. Aufgrund dieses Ineinanders von Macht, Religion und Kultur sind Prozessionen angelegt auf ritualdynamische Experimente und religionskulturelle Weiterentwicklungen. Diese Entwicklungen rekonstruiert der Band, indem er städtische Prozessionen auf das dynamische Verhältnis von "Religiös-Sakral" und "Säkular-Profan" bezieht. Mit Beiträgen von: Gregor Betz, Dominik Burkard, Ruth Conrad, Steffen Diefenbach, Volker Henning Drecoll, Marian Füssel, Manfred Hettling, Ronald Hitzler, Robert Kirstein, Lena Krull, Mischa Meier, Sabine Reichert, Thomas Rohkrämer, Hans-Ulrich Thamer, Angela Treiber, Matthias Warstat, Thomas Weller
Soziale Interaktionen prägen die Rahmenbedingungen der Grundrechtsausübung. Trotz ihrer Bedeutung werden diese Zusammenhänge dogmatisch bislang nur punktuell verarbeitet. Roland Broemel entfaltet grundrechtsübergreifend eine interaktionszentrierte Perspektive. Diese beschreibt die wissensgenerierende Funktion von Interaktionszusammenhängen und deren ambivalente Effekte typisierend. Sie zieht auf nationaler Ebene dogmatische Konsequenzen nach sich, etwa für die Konzeption mittelbarer Grundrechtseingriffe oder die Ausgestaltung grundrechtlicher Schutzbereiche. Auf Unionsebene akzentuiert sie die Bedeutung von Interaktionen für den Binnenmarkt. Die interaktionszentrierte Perspektive grenzt dabei die Grundrechte konzeptionell von den Grundfreiheiten ab und entwickelt methodische Grundsätze des Grundrechtsschutzes, auch bei der Verzahnung mit den Gewährleistungen der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Die Grundfreiheiten begründen kein Recht auf allgemeine Wirtschaftsfreiheit. Das ist in der Theorie weitgehend unumstritten. Lars Klenk untersucht, ob diese Aussage auch bezüglich der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union zutrifft. Er gelangt dabei zu einem ernüchternden Resultat: Ausgehend von der Judikatur des Gerichtshofs sind die Grundfreiheiten weitgehend grenzenlos. Es ist möglich, auf ihrer Grundlage in allen kostenverursachenden Regelungen der Mitgliedstaaten eine Beschränkung zu erblicken, welche der Gerichtshof sodann ausnahmslos einer lückenlosen Verhältnismäßigkeitskontrolle unterziehen kann. Dieser Befund beruht nicht auf der Abwesenheit tauglicher Ansätze für eine hinreichend begrenzte Interpretation der Grundfreiheiten. Es ist vielmehr zu fragen, worin die Gründe für den scheinbaren Widerwillen des Gerichtshofs liegen, sich einem dieser Ansätze anzuschließen.
Die verfassungsgebende Gewalt wollte aus der Menschenwürde konkrete rechtliche Folgerungen ziehen und einen Menschenwürdekern aller Grundrechte als abwägungsfest, aber zugleich in Grenzen entwicklungsfähig der Verfassungsänderung entziehen. Die Menschenwürde als Verfassungsbegriff ernst zu nehmen heißt deshalb, ihren Sinn gleichsam induktiv, von den nachfolgenden Grundrechten her, zu erschließen.Die vorliegende Schrift legt Einzelstudien zu zwei konkreten grundrechtlichen Menschenwürdegehalten vor - dem Todesstrafenverbot und dem Folterverbot. Sie ergänzt zwei weitere Untersuchungen, die unter den Titeln "Der Menschenwürdegehalt der Grundrechte - Grundfragen, Entstehung und Rechtsprechung" und "Abwägungsfeste Rechte - Von Alexys Prinzipien zum Modell der Grundsatznormen" veröffentlicht werden.Die drei Bände (JusPubl 276, 277, 278) sind sowohl einzeln als auch zum Setpreis erhältlich.
Recht ist die wichtigste Infrastruktur der Gesellschaft. Daher ist von größter Bedeutung, wie die Gesellschaft das Recht wahrnimmt - aber auch das Recht die Gesellschaft und sich selbst. Gründliche Reflexion des Rechts sollte daher mit Ästhetik beginnen, denn Ästhetik bedeutet vor allem die Lehre von der Wahrnehmung, griechisch aísthesis. In diesem Sinn reicht sie vom ersten Eindruck, den ein Fall bei uns und den Beteiligten hinterlässt, bis zum Gesamturteil darüber, ob die Lösung dogmatisch ,gelungen' erscheint. In der Rechtswissenschaft ist dieser ästhetische, ja kognitionswissenschaftliche Ansatz ziemlich neu. Die Beiträge des Bandes dokumentieren eine Tagung des Deutschen Juristen-Fakultätentags im Juni 2018 und verstehen sich als Pionierarbeit. Sie stammen zudem ganz bewusst nicht nur aus der akademischen Rechtswissenschaft, sondern auch aus der Praxis der Richter und Anwälte, der Verfassunggebung gerade in Krisengebieten und der Prüfungsämter. Recht ist die wichtigste Ressource der Gesellschaft - und es ist alles andere als selbstverständlich, dass man es überall als ,gelungen' wahrnimmt. Mit Beiträgen von:Eva Maria Belser, Helene Bubrowski, Martin Groß, Kai-Michael Hingst, Joachim Lege, Götz Schulze, Hans-Joachim Strauch, Maximilian Wolf
Des jahrelangen Herumreisens müde, erlaubt sich die Autorin einen Richtungswechsel, entwickelt eine neue Geschäftsidee und setzt sie um. Den Kopf voller Ideen und einen ausgefeilten Businessplan in der Tasche, betritt sie sowohl persönliches als auch bürokratisches Neuland. Ihr Konzept: eine Kombination aus Einzelhandel und Gastronomie. Hochwertige Bioprodukte, ausgewählte Feinkost und außergewöhnliche Gewürze im Regal, kleine, handgefertigte Köstlichkeiten aus der eigenen Küche, zubereitet mit Produkten aus dem Ladensortiment. Kombiniert mit den entsprechenden Gewürzen und Rezepturen, will sie ihrer Kundschaft Lust machen, aus regionalen und saisonalen Ernteerzeugnissen die Küchen fremder Länder auf den heimischen Teller zu holen. Mit überschaubarem Aufwand und auch bei nur schmalem Familienbudget. Das ausgewählte Ladengeschäft, ein Juwelchen aus der Gründerzeit, entpuppt sich jedoch als Sanierungsfall, der sämtliche Kalkulationen ad absurdum führt. Es folgen Höhen und Tiefen, glückliche Momente, etliche Krisen und vor allem aufreibende Jahre des permanenten Sich-neu-Erfindens. Ausgestattet mit einer Portion Humor und einer Prise Sarkasmus hat die Autorin eine Art »genussvollen Mutmacher für Entrepreneure« verfasst, der zudem jede Menge ausgefallener Rezepte enthält, die zum Ausprobieren einladen.
Ist Beten sinnvoll? In einem seiner philosophischen Lehrvorträge widmet sich Maximos von Tyros dem Gebet und dem hinter den Vorstellungen vom Gebet stehenden Gottesbild. Lässt sich Gott beeinflussen? Und falls ja: wüsste der Mensch überhaupt, worum sinnvoll zu bitten wäre? Ausgehend von mythischen Beispielen diskutiert der Philosoph die philosophischen Implikationen des Bittgebets und plädiert für ein Verständnis des Gebets als eines fortwährenden Gesprächs mit dem Göttlichen. Neben dem Text und einer kommentierten Übersetzung bietet der Band eine ausführliche Einführung in den Autor und sein Werk sowie Beiträge aus den Bereichen Philosophie und klassische Archäologie, Neues Testament und frühe Kirchengeschichte, die die Rede in den zeitgenössischen philosophisch-religiösen Diskurs zum Gebet und dessen sozialgeschichtliche Dimensionen einordnen.
Die vorliegende Sammlung von Einzelstudien Ulrike Mittmanns zielt auf einen hermeneutischen Neuansatz in der Grundlegung einer Theologie des Neuen Testaments. Neu gegenüber allen bisherigen Versuchen, das Neue Testament einer theologischen Gesamtanalyse zu unterziehen, ist die für alle untersuchten Schriften geltende Verankerung in der alttestamentlich-jüdischen Weisheit. Die Autorin zeigt, dass die christologische Entwicklung sich im Horizont der alttestamentlich-jüdischen Weisheit vollzog, die in hellenistischer Zeit alle Bereiche theologischer Reflexion umfassend systematisierte. Die Systematisierung ging einher mit der Ausformung eines binitarischen Gottesbildes, das wegweisend war für die christologische Reflexion des Urchristentums und die spätere Ausbildung eines trinitarischen Gottesbildes.
Joachim Ringleben entfaltet im Ausgang von Ex 3, 14 eine neuartige Lehre vom lebendigen Gott, dessen Sein als ein sich zeitlich-ewig hervorbringendes gedacht wird. Daraus ergeben sich neue Gedanken für Themen wie Allmacht, Schöpfung, Ewigkeit, Offenbarung, Liebe, Allgegenwart, Allwissenheit usw. Insbesondere die abschließende Trinitätslehre lässt sich so neu in ihrer logischen Struktur denken. Der Autor schließt sachgemäß mit einer Eschatologie (in Grundzügen). Eine Eigenart des Werkes sind die ständig mitgeführten biblischen und christologischen Bezüge.
Die Untersuchung der alttestamentlichen Proverbien und ausgewählter Lehren des ägyptischen Mittleren Reichs zeigt, dass der König in der weisheitlichen Weltordnung zwischen Gott und Menschen thront. Der Weisheit suchende Mensch, die zu findende und zu schützende Ordnung und der sie stiftende Gott sind wesentlich auf das königliche Amt bezogen. Dessen Mittlerfunktion bleibt im Laufe der Entwicklung der Weisheit erhalten. Dagegen unterziehen sich die das Amt bekleidenden Kronerben einer Metamorphose. Nicht nur zum Herrscher geborene oder proklamierte Kronerben, sondern auch Götter und menschliche Liebhaber der Weisheit werden als Könige angesprochen. Letztere sind die Adressaten des Sprüchebuches. Auf ihre Krönung und Beheimatung ist die Komposition der Proverbien ausgerichtet. Ausgehend von der Internationalität altorientalischer Weisheit nimmt Alexa F. Wilke thematische und strukturelle Vergleiche vor. Sie reflektiert kritisch die von führenden Ägyptologen vorgetragenen Thesen über die (Welt-)Ordnung der Weisheit, die lange den Maßstab alttestamentlicher Überlegungen bildeten, und leistet mit ihrer Untersuchung der Proverbien einen Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über die Komposition dieser Sentenzensammlung.