Testurteil: "8.4 / 10"
Test: Einzeltest: Overlord
Zitat: Pro: + Unverbrauchtes Szenario als "Böser"; Unterhaltsam geschriebene Texte; Fast perfekte Steuerung, die Kontrolle auch über komplexe Aktionen erlaubt; Schönes und stimmiges Design der Optik; Großes, nichtlineares Spielareal mit zahlreichen Nebenquesten; Die Minions sind eine Freude, wenn sie auf Rampage gehen…; Viele kleine Feinheiten, wie Turmausbau und Waffenschmiede
Contra: Viele unnötige und doppelte Wege, um Gold und Minions heranzuschaffen; Böse und weniger böse Taten haben zu wenig Auswirkung auf das Spielgeschehen; Kameraführung gelegentlich unglücklich und schwer in den Griff zu bekommen; Grafisch durch veraltete Texturen und geringe Polygonzahl nicht immer ganz frisch; keine Automap
Overlord hat mit einigen Problemen zu kämpfen. Zum einen weiß es eigentlich nicht so genau was es ist und welchen Genrefreund es genau ansprechen will. Kein Genrelabel passt so richtig, es ist von allem etwas und der Spieler muss sich einfach darauf einlassen. Jeder kann hier seine Erfüllung finden, garantiert ist das aber bei keinem. Zum anderen, und das wiegt weit schwerer, zwingt Overlord den Spieler viele Wege mehrfach zu gehen, nur um Gold und Minions heranzuschaffen. Das Spiel ist auch so lang genug und es hatte eine solch künstliche Ausdehnung überhaupt nicht nötig. Wer allerdings dafür lebt, Sachen zu horten und sammeln, statt ein Spiel linear zu durchschreiten, wird dieses Manko nicht ganz so sehr stören. Und abschließend wird das Szenario nicht so weit ausgereizt, wie es hätte sein müssen. Es macht kaum einen Unterschied, ob man so richtig böse oder nur ein bisschen gemein ist. Die Bevölkerung des Reiches der Finsternis und deren Knechtung verkommt leider fast zum reinen Dekoelement ohne ernsten spielerischen Mehrwert. Diese Kritik musste vorweg, denn jetzt kommt die Lobeshymne auf das gelungene und innovative Spielgeschehen, das witzige und unverbrauchte Szenario, die liebevolle Spielwelt, den schicken bösen Turm, den mehr oder weniger fiesen Overlord und vor allem die quirligen Minions. Diese stellen sich schnell als die Stars des rundum gelungenen Gesamtkonzepts heraus und es macht einen Heidenspaß, die fröhliche Horde durch eine Zwergenbrauerei marodieren zu lassen. Hier glänzt Overlord heller als jeder technisch vielleicht bessere aber niemals optisch so charmante Shooter der letzten Monate auf der 360 und da sowohl der Umfang großzügig ausfiel und die Steuerung wegen der Kameraproblematik nur ganz knapp an perfekt vorbeischrammt, soll auch der etwas schwache Multiplayerteil nicht zu hart gewertet werden. Overlord ist der unkonventionellste, unterhaltsamste und quirligste Ausflug in die dunkle Seele des Fantasyfreunds seit Dungeon Keeper!