Einfach, schnell und stabil im Betrieb, aber instabil in der Konfiguration
Vorweg das Wichtigste: Im reinen Betrieb läuft der X3000 reibungslos, unauffällig, völlig stabil und zuverlässig sowie sehr schnell.Die Konfigurationsmöglichkeiten sind übersichtlich - übersichtlich einerseits durch die Darstellung in der Weboberfläche und im Konfigurationsprogramm, mehr noch aber andererseits durch geschicktes Weglassen (vor allem im Konfigurationsprogramm) tiefer Eingriffsmöglichkeiten. In der Weboberfläche ist aber alles Wichtige vorhanden, einschließlich manuell konfigurierbarer Portweiterleitung, QoS und (Pseudo-) DMZ ("Pseudo" deshalb, weil es keinen eigenen DMZ-Port gibt).Dem extrem stabilen und verlässlichen Betrieb diametral entgegen steht die Stabilität der Weboberfläche - die enthält Bugs, die dazu führen, dass man -ganz OHNE Fehlbedienung- den Router in unterschiedlichste undefinierte Zustände versetzen kann, wonach einem nur ein Voll-Reset mit Rücksetzung auf Werkseinstellungen übrig bleibt; danach heißt es, mit der Konfiguration völlig neu zu beginnen.Beispiel: Bei der Erstinstallation habe ich die Einstellungen in einer bestimmten, offensichtlich vergällten Reihenfolge vorgenommen, als Folge wessen das WLAN permanent ausgeschaltet war. Weder durch Aus- und Einschalten des Geräts noch durch unterschiedlichstes Bedienen der WLAN-Taste ließ es sich aktivieren, und auch in der Weboberfläche fand sich kein Punkt zum Ein- und Ausschalten der WLAN-Funktion. Langwieriger Chat mit dem Cisco-Support, der nicht weiter auf das Problem einging, sondern die moderne Standardantwort lieferte: Rücksetzen auf Werkseinstellungen. Danach ging es, aber eigentlich dürfte eine ausgereifte Firmware NICHT in einen undefinierten Zustand geraten, erst echt nicht so leicht.Anderes Beispiel: Bei der Konfiguration mit dem Cisco-Konfigurationsprogramm wurde (ohne Rückfrage) als WLAN-Schutz "Personal WPA/WPA2" eingestellt - an sich keine schlechte Wahl und auch völlig okay, dass Anwender/innen nicht mit der Frage nach der Schutzmethode belästigt werden. Ich wollte aber nur WPA2, kein WPA - diese Einstellung ließ sich in der Weboberfläche aber nicht mehr ändern (nicht einmal mehr das WPA-Passwort), und zwar nicht, weil der Router diese Einstellungen nicht mehr angeboten hätte - die Felder gab's sehr wohl, aber nach dem Ändern und Speichern war die alte Einstellung wieder da: Auch hier sichtlich intern durcheinander gekommen. Also wieder Reset auf Werkseinstellungen und Konfiguration von vorne begonnen (diesmal rein manuell - inzwischen hat er sich die Einstellung "Personal WPA2" gemerkt).Wo es jetzt immer noch hängt: das Firmwareupdate. Etwa eine halbe Stunde läuft die neu installierte Firmware, dann ist plötzlich wieder die alte aktiv! Inzwischen habe ich ein Dutzend Updateversuche hinter mir und habe ich es bei der älteren belassen. Oder vielleicht ist es gar nicht die Firmwareversion selber, vielleicht ist einfach wieder nur die Konfiguration(soberfläche) durcheinander gekommen: Bei der "älteren" Firmware zeigt der Router "Firmware-Version: v" (bzw. im Statusmenü "v Nov 22,2011") an, bei der "neueren" zeigt er "Firmware-Version: v1.0.01" an. Laut Cisco-Support-Chat ist das ohnedies dieselbe, bloß: Solange die Anzeige "Firmware-Version: v1.0.01" lautet, werden an der Oberfläche mehr Einstellungen angeboten (insbesondere für eine USB-NAS-Funktion); sobald die Anzeige zurück auf "v" bzw. "v Nov 22,2011" springt, sind die NAS-Einstellungen plötzlich weg. Der Cisco-Chat verwies mich "due to the complexity of your problem" an eine US-Telefonnummer, aber dort anzurufen war ich dann doch zu faul. Cisco wird seine Produkte ja testen und irgendwann eine neuere Firmware ausliefern, die dann auch dauerhaft auf dem Gerät verbleibt bzw. die nicht in undefinierte Zustände verfällt...NACHTRAG: Inzwischen habe ich es beim n+1. Versuch doch noch geschafft, die neue Firmware permanent zu installieren - und zwar, indem ich nach dem Update den Resetknopf des Geräts für mehr als 40 (vierzig) Sekunden betätigt habe. (In der Anleitung steht davon gar nichts, und der Cisco-Supportchat sprach von 30 Sekunden.) Wie stabil die aktuelle Firmwareversion hinsichtlich der Einstellungen ist, kann ich allerdings NICHT sagen, weil ich jetzt schon so zermürbt bin, dass ich keinesfalls riskieren möchte, NOCH einmal neu zu installieren. Die Tatsache, dass die aktuelle Firmware jetzt vorhanden ist, gibt aber einen zusätzlichen Stern in der Bewertung.Kleinere Kuriosität: Wenn man die Weboberfläche öffnet, wird ein Warnfenster angezeigt, das man theoretisch auf Dauer ausschalten könnte, indem man "Diese Meldung nicht mehr anzeigen" wählt: Bringt aber nix, auch diese Einstellung merkt er sich nicht.Das klingt jetzt alles haarsträubend und ist es - wie ich finde - auch, aber es bleibt der extrem stabile Betrieb - reibungslose Verbindung mit dem österreichischen Telekom-ADSL, gutes Gigabit-Ethernet und ein relativ vertretbarer Stromverbrauch von (laut meinem Conrad-Messgerät) 5,5 Watt. Die Konfigurationsoberfläche ihrer in den Interna anscheinend also sehr guten Firmware muss Cisco aber DRINGEND in Ordnung bringen!Was mir ein bisschen abgeht ist eine Möglichkeit, die WLAN-Sendeleistung zu reduzieren - meine bisherigen WLAN-Geräte hatten diese Einstellmöglichkeit, und für meine Wohnungsgröße und Geräteaufstellung kam ich locker mit 10% Sendeleistung aus.Das Preis-/Leistungsverhältnis scheint mir ein wenig überzogen, wenn man sich ansieht, wie wenig reine WLAN-Router (auch gute und mehrbandfähige) kosten, aber das Schöne ist, dass man alles -österreichisches ADSL, WLAN und Gigabit-Ethernet- in einem Gerät hat.ERGÄNZUNGJetzt, nach vielen Monaten, habe ich zufällig herausgefunden, was der Auslöser für die WLAN-Abschaltung nach Neueinschalten des Geräts war - und die ist buchstäblich haarsträubend! - Dem Gerät war meine SSID und/oder mein WLAN-Kennwort zu lang! Wwohlgemerkt: sie war nur für die Cisco-Firmware zu lang, generell war sie im Bereich des Erlaubten und hat auch mit keiner meiner bisherigen WLAN-Basisstationen Probleme gemacht - und das waren etliche: Thomson (Telekom Austria), Pirelli (detto), Apple (TimeCapsule und AirportExpress). Also schon an sich ein Minuspunk für die Cisco-Firmware.Doch statt einfach eine Fehlermeldung anzuzeigen bzw. die vermeintlich zu lange Eingabe zurückzuweisen, hat die Cisco-Firmware die Eingabe einfach geschluckt und... munter Pufferbereiche überschrieben. Dabei hat sie zufällig und kurioserweise (unter anderem?) eben einen Bereich erwischt, der das Ein-/Ausschalten des WLAN steuert... =:-/Also wirklich, dass die Software eines renommierten Herstellers auf Eingabe-Validierung verzichtet!?! Und vor allem hinterlässt dieser Mangel einen unguten Geschmack: An welchen anderen Stellen verbirgt sich dieser Fehler noch? Lassen sich Pufferüberläufe auch über das Netzwerk erzeugen und womöglich gar zum Eindringen ausnützen...? (Ich hoffe nicht, und gefühlsmäßig sind es eher das Webinterface und die XML-Konfigurationsdatei-Erzeuger/Parser, die diese Fehler haben, aber scher wissen kann man das nicht...)Auch kein gutes Zeichen: Der zuständige Cisco-Telefon-Supporter war zwar überaus bemüht, kompetent und gut erreichbar - aber auch er ist bei den Firmware-Verantwortlichen abgeblitzt ("kann nicht sein", "gab nie Beschwerden", "nicht reproduzierbar" - und das, obwohl ich auf Länge und Beschaffenheit meiner SSID und Kennwörter hingewiesen hatte -,"muss ein Hardwarefehler des WLAN-Moduls sein"). Erst nachdem es mit einem Austauschgerät(!) auch nicht besser funktionierte, ist bei mir endgültig der Groschen gefallen und habe ich es tatsächlich mit kurzer SSID versucht. [Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich schon bei der ersten Fehlermeldung dazu gesagt hatte, dass meine Daten relativ lang seien. Hätte der Telefonsupporter nicht im gar so tiefen Brustton der Überzeugung versichert, dass das keiiiinesfalls das Problem sein könne, hätte ich schon früher experimentiert...]Dennoch: Seit ich kurze SSID und kurzes WLAN-Passwörter verwende, gibt es keine Probleme mehr. Zudem hoffe ich, dass die eigentlichen Betriebsfunktionen stabiler und sicherer sind - erstens scheint sich da auch Cisco auf ganz gewöhnliches Linux zu verlassen, und zweitens gab es im Betrieb selber auch bei mir noch keine Probleme - und der dauert jetzt immerhin schon ein halbes Jahr.Mein aktuelles Resümmee ist daher gespalten: Wenn man um die Einschränkungen weiß, scheint man (weitere Fehler und "Exploitierbarkeit" vorbehalten) ja wirklich gut mit dem Gerät leben - es ist dann schnell, stabil, einfach, unkompliziert. Jedoch würde ich, wenn das auch nur irgendwie geht, jederzeit ein Gerät bevorzugen, bei dem ich *sicher* sein kann, dass die Firmware Eingaben - zumal solche übers Netz - ordentlich validiert. Aber wirklich gewiss kann man sich dieser Tatsache wohl nirgendwo sein, und Cisco-Geräte sind wenigstens so verbreitet, dass "remote exploits" wohl früher bekannt würden als bei der Konkurrenz... Außerdem habe ich fürs erste genug vom Recherchieren und Vergleichen (und Geldausgeben).Wenn die Fehler des Webinterfaces nicht wären *und* ich sicher sein könnte, dass nicht unter der Oberfläche weitere Fehler verborgen sind, dann würde ich dem Gerät vier Sterne geben (ein Stern Abzug, weil man das WLAN nicht abschalten kann, weil man die WLAN-Sendeleistung nicht verstellen kann, weil es die Länge von SSID und WLAN-Kennwort künstlich beschränkt und weil es relativ teuer ist) und würde ich es jederzeit wieder kaufen. So bin ich aber ein wenig ratlos.