Microsoft Quellcode: Erster Verdacht zur illegalen Veröffentlichung
16.02.2004
Vergangenen Donnerstag waren Teile des Microsoft Windows 2000 und Windows NT 0.4 Quellcodes ins Internet gelangt. In einer kurz darauf online gestellten Mitteilung versicherte das Unternehmen zunächst, dass die illegale Veröffentlichung nichts mit dem Shared Source Programm zu tun habe und auch nicht auf innere Sicherheitslücken zurückzuführen sei. Wie die PC Professionell berichtete, gibt es jetzt einen ersten Verdacht.
Microsoft hatte sofort die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet und nach Angaben des Testmagazins gibt es nun erste Ergebnisse. Wie der Software-Riese bekannt gab, könnte es sich bei der undichten Stelle um einen Software-Entwickler handeln. Weitere Informationen wurden nicht öffentlich gemacht. Das Unternehmen gab an, weiter in Zusammenarbeit mit dem FBI nach dem Täter zu ermitteln. Bislang stehen alle unter Verdacht, die zurzeit mit den entsprechenden Code-Teilen arbeiten. Darunter befinden sich auch Entwickler, die im Rahmen der Shared Source Initiative Einblick in Teile des Quellcodes erhalten. Einige kommen von dem Software-Unternehmen Mainsoft, das direkt nach dem Bekanntwerden des entschlüpften Codes eine äußerst knappe Erklärung ins Netzt stellte, in der es die Partnerschaft mit Microsoft betonte. Aufgrund der Bedeutung der Initiative werde der Zugang der Partnerfirmen zu Teilen des Source Codes höchstwahrscheinlich nicht zurückgeschraubt, kommentierte Wilfried Grommen, General Manager für Microsofts Business Strategy für EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) nach Angaben der PC Professionell.
Der derzeit im Internet zugängliche Quellcode hat eine Größe von etwa 30000 Dateien, die ungefähr 13,5 Millionen Programmzeilen umfassen. Darunter sollen sich nach Angaben von Microsoft keine Information befinden, die eine Rekonstruktion des gesamten Codes erlauben, der schätzungsweise 35 bis 50 Millionen Programmzeilen enthalten soll. Trotzdem könnte das Unternehmen einen großen Image-Schaden erleiden. Zum einen können nun Interessierte bequem nach Schwachpunkten suchen. Zum anderen könnte es in Zukunft zu endlosen Streitereien kommen, ob Open-Source-Entwickler etwaige Details beim Redmonder Riesen abgeschrieben haben. Möglich wäre natürlich auch, dass Dritte unerwartet Teile des eigenen Quellcodes bei Microsoft wieder finden.
Eolas: Keine Änderungen am Internet Explorer
03.02.2004
Microsoft erklärte, dass vorerst keine Änderungen am Internet-Explorer vorgenommen werden, welche die Nutzung von Browser-Plug-Ins zum nahtlosen Darstellen von nicht HTML-kodierten in Websites eingebetteten Objekten auf dem PC-Bildschirm betreffen. Derartige Änderungen hatte der Konzern im Rahmen des Eolas-Patent-Streits bereits angekündigt.
Eolas hatte Microsoft auf Schadenersatz verklagt, denn der Internet-Explorer verletzt das Eolas-Patent (US-Patent-Nummer 5,838,906) über den automatischen Aufruf von Plug-Ins und Applets in Websites. Microsoft ist bereits schuldig befunden und zu Schadenersatz-Zahlungen von 521 Millionen US-Dollar verurteilt worden. Obwohl das Urteil bereits von mehreren Instanzen bestätigt worden ist, hat der Konzern immer wieder Einspruch eingelegt. Microsoft hatte jedoch trotzdem Änderungen am Internet Explorer angekündigt. Es sollte eine Dialogbox integriert werden, die vor Aufruf eines Plug-Ins im Browser erscheinen sollte. Zusätzlich war die Bereitstellung von Methoden angekündigt worden, die Entwicklern helfen sollte, die patent-geschützte Technik von Eolas zu umgehen. Jetzt erklärte Microsoft, dass man aufgrund der aktuellen Situation vor Gericht sowie aufgrund der Forderungen von Kunden und Partnern, vorerst auf die Modifikationen verzichten wolle.
Das Eolas-Patent war vor Gericht nicht unumstritten. Wie der Online-Nachrichtendienst heise online berichtete, nimmt das US-amerikanische Patentamt gegenwärtig eine Prüfung seiner Gültigkeit vor. Dies hat Microsoft dazu bewogen, weiter gegen die bereits gefällten Urteile vorzugehen und den Internet-Explorer zunächst nicht zu verändern.