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E-artnow Maria Schnee A1067670177
Maria Schnee entfaltet ein von religiöser Symbolik und gesellschaftlicher Beobachtung getragenes Erzählgewebe, in dem persönliche Schuld, Standesbewusstsein und die Suche nach innerer Läuterung miteinander verschränkt werden. Der Titel verweist auf marianische Reinheits- und Gnadenvorstellungen, die den Konflikten der Figuren eine spirituelle Tiefenschicht geben. Adlersfeld-Ballestrems Stil verbindet anschauliche Milieuschilderung mit melodramatischer Spannung und moralpsychologischer Zuspitzung; damit steht der Roman im Kontext der katholisch geprägten Unterhaltungsliteratur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, 1854 in Ratibor geboren und dem schlesischen Adel entstammend, kannte die Formen aristokratischer Lebenswelt ebenso wie deren Zwänge. Ihre journalistische und erzählerische Praxis, ihre katholische Prägung und ihr Gespür für gesellschaftliche Rituale erklären die Genauigkeit, mit der sie Gewissensfragen, weibliche Handlungsspielräume und soziale Fassaden gestaltet. Maria Schnee lässt sich daher auch als literarische Verarbeitung eines Milieus lesen, das ihr vertraut war. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die historische Romane nicht nur als Handlung, sondern als kulturelles Dokument verstehen möchten. Es bietet Frömmigkeitsgeschichte, Gesellschaftsanalyse und spannungsvolle Erzählkunst in einer Form, die zugleich zugänglich und interpretatorisch ergiebig bleibt.
Twentysix Epic KHUN CHANG und KHUN PHAEN A1070275767
Das wohl bekannteste Drama der klassischen Literatur Thailands ist ein im Original rin Versepos. Das Grundmotiv stammt aus volkstümlichen Überlieferungen, die über Generationen von sogenannten Sepha-Erzählern vorgetragen wurden. Im frühen 19. Jahrhundert wurde es von verschiedenen Dichtern tradiert und jeweils um viele Details ergänzt. Sogar zwei Könige versuchten sich an der Bearbeitung des Stoffes. Die heute als offiziell geltende Fassung wurde 1917/18 von Prinz Damrong Rajanubhab zusammengestellt. Kernmotiv ist eine klassische Dreiecksgeschichte: Khun Chang und Khun Phaen, die beide dem niederen Adel angehören. Der eine ist reich, aber hässlich, der andere schneidig aber mittellos. Beide werben um die liebliche Wanthong. Im Verlauf der Handlung, die sich über einen Zeitraum von 50 Jahren erstreckt, kommt es zu zwei Kriegen, zu Entführungen, Verrat, einem idyllischen Waldaufenthalt, Gerichtsverfahren, Folter und Haft. Letztlich verurteilt der König Wanthong zum Tode, weil sie sich weigert, sich endlich für einen der beiden Männer zu entscheiden. Den Reiz des Stückes machen so vielfältige Elemente wie Heldenmut, romantische Liebe, Sexualität, Gewalt, übersinnliche Fähigkeiten, Horror, stellenweise derbe Komik, aber auch Abschnitte lyrischer Schönheit aus. Erstmalig das komplette Werk in Prosa und deutscher Sprache.
BoD - Books on Demand Die Majoratsherren A1068338808
"Die Majoratsherren" von Ludwig Achim von Arnim ist ein faszinierender Roman, der die komplexen sozialen und familiären Strukturen des Adels im 19. Jahrhundert beleuchtet. Die Geschichte beginnt mit der Ankunft des jungen Majoratsherrn in einer Stadt, in der das Majoratshaus der Familie seit Jahren unbewohnt ist. Der Protagonist, der mit seiner Mutter im Ausland lebte, kehrt nach ihrem Tod zurück, um sich mit den Pflichten und Geheimnissen seines Erbes auseinanderzusetzen. Der Vetter des Majoratsherrn, ein alter Leutnant, der in der Stadt bekannt ist, wird zu seinem Vertrauten und Berater. Der Majoratsherr, geplagt von Visionen und einer tiefen inneren Unruhe, entdeckt bald, dass seine wahre Identität und die seiner vermeintlichen Verwandten in einem Netz aus Lügen und Täuschungen verborgen sind. Die Begegnung mit Esther, einer jungen Frau, die in der Judengasse lebt und die ihm seltsam vertraut erscheint, bringt weitere Komplikationen. Esther, die von ihrer Stiefmutter Vasthi unterdrückt wird, ist in einen Verlobten verliebt, der jedoch mittellos ist. Der Majoratsherr fühlt sich zu Esther hingezogen und erkennt in ihr eine Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit. Die Geschichte entfaltet sich in einem Spannungsfeld aus Liebe, Verrat und der Suche nach der eigenen Identität, während der Majoratsherr versucht, die Wahrheit über seine Herkunft und die seiner Familie zu enthüllen. Der Roman endet mit einer tiefen Reflexion über die Bedeutung von Reichtum, Macht und persönlichem Glück.
Zu Zeiten seiner Veröffentlichung war der Roman "Auge um Auge" sehr kontrovers. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes von Adel, der ein bürgerliches Mädchen verführt. Dabei bleibt es jedoch nicht, denn es dauert nicht lange, da wird das Mädchen schwanger. Sobald der junge Mann jedoch von der Situation erfährt, verlässt er das junge Mädchen, welches nun auf sich selbst gestellt ist. Jedoch birgt die Geschichte einige Überraschungen, denn die Geschichte findet nicht das für die Zeit des 19. Jahrhunderts übliche Ende. Eckart Ischebeck erweckt die Charaktere zum Leben und zieht die Hörer in seinen Bann. Anthony Trollope, der im April 1815 in London geboren wurde, war einer der erfolgreichsten englischen Schriftsteller in der viktorianischen Ära. In Deutschland ist der Autor noch kaum bekannt und das, obwohl er über 40 Romane und dazu noch Kurzgeschichten, Reisebeschreibungen und vieles mehr geschrieben hat, die eine weite Spanne von Themen behandeln. Mit der Anzahl der von ihm verfassten Werke gilt er sogar als Rekordschreiber. Zeitweise war Trollope Herausgeber einer Zeit, Teil des Literarischen Lebens von London und arbeitete 33 Jahre lang im Dienste der britischen Post. Am 6. Dezember 1882 verstarb er, ebenfalls in London.
Denise de Montmidi entfaltet sich als psychologisch grundierter Gesellschaftsroman um eine weibliche Gestalt, deren französisch-aristokratischer Name bereits ein Spannungsfeld von Herkunft, Haltung und gesellschaftlicher Erwartung eröffnet. Omptedas Prosa verbindet elegante Beobachtung mit realistischer Milieuschilderung; sie steht im Kontext der europäischen Gesellschaftsliteratur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in der Standesbewusstsein, Moral, Leidenschaft und Selbstbehauptung miteinander ringen. Georg von Ompteda, aus hannoverschem Adel stammend und mit Erfahrungen als Offizier, Reisender und Schriftsteller ausgestattet, kannte jene vornehmen Kreise, deren Codes und Widersprüche er literarisch gestaltete. Seine Herkunft vermittelte ihm Nähe zum aristokratischen Lebensgefühl, zugleich aber auch Distanz genug, um dessen Brüchigkeit zu erkennen. Diese doppelte Perspektive dürfte die feine soziale Sensibilität des Romans wesentlich geprägt haben. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die nicht bloß Handlung, sondern Atmosphäre, Charakterstudie und historische Mentalität suchen. Denise de Montmidi bietet einen Zugang zu einer untergehenden Welt kultivierter Formen, in der persönliche Entscheidungen stets gesellschaftliche Bedeutung gewinnen. Wer Fontane, Bourget oder die europäische Salonkultur schätzt, wird Omptedas nuancierte Erzählkunst mit Gewinn lesen.
Der Stechlin, Theodor Fontanes letzter Roman, entfaltet am märkischen See und auf den Gütern des alten Dubslav von Stechlin ein scheinbar ereignisarmes, doch geistig hochbewegtes Panorama des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In dialogischer Feinarbeit, ironischer Gelassenheit und realistischer Milieugenauigkeit verhandelt Fontane den Übergang vom preußischen Adel zur modernen, bürgerlich und sozialdemokratisch geprägten Gesellschaft. Der See wird dabei zum poetischen Symbol historischer Erschütterungen. Fontane, 1819 in Neuruppin geboren, war Apotheker, Journalist, Kriegsberichterstatter, Theaterkritiker und spät berufener Romancier. Seine Kenntnis Brandenburgs, seine Erfahrungen mit Politik, Presse und gesellschaftlichen Eliten sowie seine Altersdistanz gegenüber Fortschrittsgläubigkeit und Standesdünkel prägen diesen Roman. Der Stechlin wirkt wie eine Summe seines Werkes: weniger Handlung als Haltung, weniger These als Gespräch über Wandel, Humanität und Maß. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die literarische Größe nicht in dramatischer Zuspitzung, sondern in geistiger Präzision suchen. Wer verstehen möchte, wie der deutsche Realismus seine reifste, modernste Form erreicht, findet hier ein leises Meisterwerk. Der Stechlin belohnt geduldige Aufmerksamkeit mit Witz, historischer Tiefenschärfe und einer erstaunlich gegenwärtigen Reflexion über Tradition, Toleranz und gesellschaftliche Erneuerung.
Mit sechzehn Jahren erfährt Cashel Greville, dass er nicht ist, wer er glaubte zu sein. 1799 im irischen Cork geboren, hätte er seine Eltern früh bei einem Schiffsunglück verloren, hat seine Tante Elspeth ihm gesagt. Jetzt eröffnet sie ihm: Sie selbst ist seine Mutter, er der uneheliche Sohn eines Adeligen. Sein ganzes Dasein eine himmelschreiende Lüge! Immerhin, sagt er sich, gehört sein Schicksal jetzt ihm, und keiner kann ihn daran hindern, sich neu zu erfinden. Und das tut er nicht zu knapp im Lauf seines Lebens, das das gesamte 19. Jahrhundert währt und Cashel um den ganzen Erdball treibt. Als Trommler der britischen Armee wird er bei der Schlacht von Waterloo verwundet, als Soldat der East India Company Zeuge eines Massakers in Sri Lanka, in Pisa trifft er auf die Shelleys und Byron, in Ravenna verliebt er sich unsterblich. Cashel wird Reisender, Schriftsteller, Gefangener, Farmer, Bierbrauer, Konsul, Liebhaber, Ehemann, Vater und vieles mehr. Bösewichte und Betrüger kommen ihm in die Quere, doch immer eilt ihm auch ein treuer Freund zu Hilfe. Cashels Lebensgeschichte ist abenteuerlich, romanhaft, ja romantisch, und doch ist sie wahr - oder nicht? Ein lebenspraller, weltumspannender, funkelnder Roman, der uns tief in die Epoche der Romantik eintauchen lässt.
Mit sechzehn Jahren erfährt Cashel Greville, dass er nicht ist, wer er glaubte zu sein. 1799 im irischen Cork geboren, hätte er seine Eltern früh bei einem Schiffsunglück verloren, hat seine Tante Elspeth ihm gesagt. Jetzt eröffnet sie ihm: Sie selbst ist seine Mutter, er der uneheliche Sohn eines Adeligen. Sein ganzes Dasein eine himmelschreiende Lüge! Immerhin, sagt er sich, gehört sein Schicksal jetzt ihm, und keiner kann ihn daran hindern, sich neu zu erfinden. Und das tut er nicht zu knapp im Lauf seines Lebens, das das gesamte 19. Jahrhundert währt und Cashel um den ganzen Erdball treibt. Als Trommler der britischen Armee wird er bei der Schlacht von Waterloo verwundet, als Soldat der East India Company Zeuge eines Massakers in Sri Lanka, in Pisa trifft er auf die Shelleys und Byron, in Ravenna verliebt er sich unsterblich. Cashel wird Reisender, Schriftsteller, Gefangener, Farmer, Bierbrauer, Konsul, Liebhaber, Ehemann, Vater und vieles mehr. Bösewichte und Betrüger kommen ihm in die Quere, doch immer eilt ihm auch ein treuer Freund zu Hilfe. Cashels Lebensgeschichte ist abenteuerlich, romanhaft, ja romantisch, und doch ist sie wahr - oder nicht? Ein lebenspraller, weltumspannender, funkelnder Roman, der uns tief in die Epoche der Romantik eintauchen lässt.
In "Frühlingsstürme" entfaltet Nataly von Eschstruth einen Gesellschafts- und Liebesroman, in dem das Erwachen der Gefühle mit den Verwerfungen sozialer Erwartungen zusammenstößt. Der Titel wird zum Leitbild: Frühling verheißt Erneuerung, doch seine Stürme prüfen Charaktere, Bindungen und moralische Gewissheiten. In klarer, empfindsamer Prosa verbindet der Roman psychologische Beobachtung mit den Konventionen der populären Erzählkunst des späten 19. Jahrhunderts und steht damit im Kontext jener Literatur, die häusliche Sphäre, Standesordnung und weibliche Selbstbehauptung erzählerisch verhandelt. Nataly von Eschstruth, eine vielgelesene deutsche Schriftstellerin ihrer Zeit, war besonders für Romane bekannt, die adelige und bürgerliche Lebenswelten, Herzenskonflikte und Fragen gesellschaftlicher Anerkennung miteinander verschränkten. Ihre Herkunft und ihr Blick auf die Milieus der wilhelminischen Gesellschaft ermöglichten ihr eine sichere Gestaltung von Etikette, Pflichtgefühl und verborgenem Begehren. "Frühlingsstürme" lässt sich als Ausdruck dieses literarischen Interesses an innerer Reifung unter äußerem Druck verstehen. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die historische Unterhaltungsliteratur nicht nur als sentimentales Dokument, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Normen lesen möchten. Es bietet Gefühl, Konflikt und zeitgeschichtliche Anschaulichkeit in einer Form, die zugleich zugänglich und kulturhistorisch aufschlussreich ist.
In Die Marquise entfaltet George Sand die Geschichte einer adeligen Frau, deren Leben zwischen gesellschaftlicher Rolle, innerer Sehnsucht und moralischer Selbstprüfung gespannt ist. Die Novelle verbindet psychologische Feinzeichnung mit eleganter, bisweilen ironischer Prosa und steht im Kontext der französischen Romantik, die Gefühl, Individualität und Kritik an starren Konventionen ins Zentrum rückt. Sand untersucht weniger äußere Handlung als die verborgenen Bewegungen eines Bewusstseins, das Liebe, Pflicht und Selbstachtung gegeneinander abwägt. George Sand, 1804 als Amantine Aurore Lucile Dupin geboren, kannte die Zwänge aristokratischer Herkunft ebenso wie die intellektuellen Aufbrüche des 19. Jahrhunderts. Ihr eigenständiges Leben, ihre literarische Karriere unter männlichem Pseudonym und ihre Auseinandersetzung mit Ehe, Freiheit und weiblicher Selbstbestimmung prägen auch Die Marquise. Die Autorin schreibt aus einer Erfahrung heraus, die persönliche Emanzipation und gesellschaftliche Analyse untrennbar verbindet. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die eine konzentrierte, stilistisch kultivierte Erzählung suchen, in der romantische Empfindsamkeit und kritische Gesellschaftsbeobachtung einander durchdringen. Die Marquise ist ein feines Beispiel für Sands Kunst, private Konflikte als Fragen von Rang, Geschlecht und moralischer Autonomie sichtbar zu machen.
Sharp Ink Gesammelte Gesellschaftsromane von Theodor Fontane A1070900316
Die Gesammelten Gesellschaftsromane von Theodor Fontane eröffnen ein Panorama des preußisch-deutschen Bürgertums und Adels im späten 19. Jahrhundert. In Werken wie Effi Briest, Irrungen, Wirrungen, Frau Jenny Treibel oder Der Stechlin untersucht Fontane Ehe, Stand, Konvention, Geld und moralische Selbsttäuschung mit leiser Ironie und dialogischer Präzision. Sein Realismus verzichtet auf grelle Effekte; er enthüllt gesellschaftliche Gewalt gerade durch Andeutung, Gesprächskunst und psychologische Feinzeichnung. Fontane, 1819 geboren, war Apotheker, Journalist, Kriegsberichterstatter, Theaterkritiker und einer der genauesten Beobachter seiner Epoche. Seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg, seine Kenntnis aristokratischer Lebensformen und seine Erfahrung politischer Umbrüche schärften den Blick für soziale Rituale und historische Übergänge. Erst spät zum Romancier geworden, verband er erzählerische Gelassenheit mit skeptischer Modernität und machte die Gesellschaft selbst zur eigentlichen Hauptfigur. Diese Sammlung empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die den deutschen Realismus in seiner reifsten Form kennenlernen möchten. Fontanes Romane sind historische Dokumente und literarische Kunstwerke zugleich: elegant, klug, menschenkundig und bis heute überraschend aktuell in ihrer Analyse von Anpassung, Freiheit und Schuld.
E-artnow Die Erlkönigin (Historischer Roman) A1067670902
Die Erlkönigin ist als historischer Roman auf die spannungsreiche Verbindung von Geschichtskolorit, Legendenmotiv und Gesellschaftserzählung angelegt. Schon der Titel ruft die romantische Tradition des unheimlich Verführerischen auf und verschiebt sie in eine weiblich codierte Gestalt. Eschstruths Erzählweise verbindet anschauliche Szenenführung, melodramatische Zuspitzung und ein ausgeprägtes Interesse an Stand, Ehre, Familie und moralischer Bewährung. Damit steht das Buch im Kontext jener populären historischen Prosa des späten 19. Jahrhunderts, die Vergangenheit nicht antiquarisch, sondern als Bühne seelischer und sozialer Konflikte versteht. Nataly von Eschstruth, 1860 geboren und eine vielgelesene deutsche Erzählerin ihrer Zeit, schrieb bevorzugt über höfische, adelige und militärisch geprägte Lebenswelten. Ihre Herkunft und ihr Blick auf gesellschaftliche Rangordnungen, weibliche Handlungsspielräume und emotionale Pflichten mögen die Stoffwahl dieses Romans entscheidend begünstigt haben. In Die Erlkönigin nutzt sie historische Distanz, um Fragen nach Macht, Begehren und sittlicher Verantwortung erzählerisch zu verdichten. Empfohlen sei dieser Roman Leserinnen und Lesern, die historische Unterhaltung mit kulturgeschichtlichem Interesse verbinden möchten. Wer die Schnittstelle von Romantiknachwirkung, Frauenfigur und Gesellschaftsroman erkunden will, findet hier ein charakteristisches, atmosphärisch dichtes Werk Eschstruths.
Klostermann, Vittorio Fürstenrecht und Staatsrecht im 19. Jahrhundert A1001239345
Unter "Fürstenrecht" verstand man das Standesrecht des hohen Adels. Es wurde von den hochadeligen Familien ohne Mitwirkung des Staates geschaffen und umfasste vor allem Regeln des Familien- und Erbrechts. Das Fürstenrecht des 19. Jahrhunderts galt bisher als rückwärtsgewandt, als ein Relikt der Ständegesellschaft des Alten Reichs – zu Unrecht, denn die Wissenschaft vom Fürstenrecht war juristisch auf der Höhe ihrer Zeit. Sie antwortete auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen und auf die dogmatischen Herausforderungen durch die "juristische Methode" und die Lehre vom Gesetzgebungsmonopol des Staates mit einem neuen dogmatischen Instrumentarium. Zentral waren die Konzepte der "Autonomie" und der "Genossenschaft", die auf neuartige Weise mit einem abstrakten Staatsbegriff verbunden wurden. Rechtspolitisch zielte dies nicht unbedingt auf die Bewahrung der Vorrechte des Hochadels. Die einzige Lehre, die sich über längere Zeit durchsetzen konnte, die des Heidelberger Staatsrechtlers Hermann Schulze, verfolgte im Gegenteil die Unterordnung des Hochadels unter den Staat und die Integration des Fürstenrechts in das egalitäre Rechtssystem der bürgerlichen Gesellschaft. Die Untersuchung der wissenschaftlichen Behandlung dieses traditionalen nichtstaatlichen Rechts im Zeitalter des staatsrechtlichen Positivismus eröffnet darüber hinaus auch neue Perspektiven auf Entstehung und Funktion der Genossenschaftstheorie und der Lehre von der Autonomie sowie den Stellenwert der "juristischen Methode".
Geschichtsvereine sind Teil eines sich in allen europäischen Ländern entwickelnden Gesellschaftswesens. Diese komparatistische Arbeit untersucht Mitgliedschaft, Tätigkeitsfelder, Geselligkeit und Geschichtsbilder derartiger Vereine in Italien und Deutschland im langen 19. Jahrhundert. Wesentliche neue Ergebnisse bringt die Untersuchung bezüglich der Klientel. Diese Gesellschaften entsprechen keineswegs der gängigen Forschungsmeinung vom bürgerlichen Vereinswesen, der örtliche Adel dominierte viele Vereine. Er sieht in diesen Assoziationen ein wichtiges Mittel, um seine elitären Gesellschaftskreise in moderneren Formen erneut zu etablieren und seine Geschichts- und Wertvorstellungen zu tradieren. Verpflichtet sind die Gesellschaften der Pflege einer überaus stark regional geprägten Geschichtskultur, wohingegen die nationale Geschichte kaum Beachtung fand. Thematisiert wird auch die jeweilige historiographische Bedeutung der Vereine neben Akademien, Instituten und Universitäten, ihre Leistungen zur Vernetzung der Geschichtswissenschaft auf nationaler Ebene. Zahlreiche Parallelen lassen sich bezüglich des Geschichtsverständnisses nachweisen. In den konservativ etatistischen Gesellschaften wird weiterhin Geschichte nach dem Motto geschrieben: große Männer machen Geschichte, seien es nun Adlige, Senatoren, Bischöfe, Fürsten oder Könige. Eine weitere Gemeinsamkeit bildet der ausgesprochen elitäre Habitus der hier untersuchten "Priester der Klio".
Musaicum Books George Sand: Geschichte meines Lebens A1067405992
George Sands Geschichte meines Lebens ist weit mehr als eine Autobiographie: ein groß angelegtes Selbstporträt, das Familienchronik, Bildungsroman, politische Erinnerung und poetologische Reflexion verbindet. Von der Kindheit in Nohant über die Pariser Jahre bis zur Herausbildung einer unabhängigen Schriftstellerexistenz entfaltet Sand eine Prosa von bemerkenswerter Klarheit, moralischer Energie und romantischer Empfindsamkeit. Im Kontext der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts steht das Werk zwischen Rousseaus Bekenntnistradition und moderner sozialer Selbstanalyse. George Sand, geboren 1804 als Amantine Aurore Lucile Dupin, schrieb unter männlichem Pseudonym, um literarische und gesellschaftliche Grenzen zu überschreiten. Ihre Herkunft zwischen Adel, Bürgertum und republikanischer Sensibilität, ihre Erfahrungen als Frau, Mutter, Liebende und öffentliche Intellektuelle prägten diesen Rückblick. Begegnungen mit Künstlern und Denkern ihrer Zeit, darunter Musset und Chopin, treten nicht als bloße Anekdoten auf, sondern als Teil einer umfassenden Erkundung von Freiheit, Arbeit und Identität. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Autobiographie als historische Erkenntnisform schätzen. Es bietet einen privilegierten Zugang zu einer der kühnsten Stimmen Europas und zeigt, wie persönliches Leben zur Literatur und Literatur zur gesellschaftlichen Intervention werden kann.
Duncker & Humblot Tschechische juristische Zeitschriften des 19. und 20. Jahrhunderts. A1017850231
Das Vorhaben befasst sich mit der politischen und staatsrechtlichen Entwicklung Böhmens im Spiegel der juristischen Fachpresse des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die tschechische juristische Zeitschrift Právník (Jurist), die von dem deutschen Adeligen Rudolf Thurn-Taxis im Jahr 1861 herausgegeben wurde. Die Arbeit konzentriert sich auf das spannungsreiche Nebeneinander von deutscher und tschechischer Rechtskultur, die bis zur tschechischen Staatsgründung im Jahr 1918 von den Begriffen Wiedergeburt, Germanisierungsdruck, Nationsbildung und Sprachenstreit geprägt war. Es erfolgt eine Zäsur zwischen den Zeitschriften, die vor 1918 und denen die nach der Gründung der Tschechoslowakei herausgegeben wurden. Letztere spiegeln den Aufbau des neuen Staates wider. Bei der Bewertung der Zeitschriften wurden die Biographien der maßgeblichen Akteure von der Wiedergeburt bis zur Staatsgründung vorgestellt, darunter u. a. Dobrovský, Jungmann, Palacký, Rieger, Randa, Hoetzel, Weyr. Schließlich beleuchtet die Autorin die Auswirkungen des Münchner Abkommens auf die deutschen und tschechischen Rechtszeitschriften und ihr abruptes Ende im Jahr 1945. Monika Krupar kommt zu dem Ergebnis, dass die Tschechen ihre Inspiration grundsätzlich von den Deutschen übernommen hatten, doch auch in der Lage waren ihre eigenen Akzente in Politik und Kultur einzubringen.
Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der Wissenschaften Das Haus Digeon in Frankreich (1096–1856) A1034434898
Wenig ist bisher über das Haus Digeon, das vom Hundertjährigen Krieg bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Aquitanien ansässig war, bekannt gewesen. Dieses Buch schafft erstmals eine Grundlage dafür, die einzelnen Zweige Autramat, Boisverdun und Monteton in eine ordnende und quellenbasierte Gesamtkohärenz zu bringen. Dabei bietet die Darlegung der genealogischen Beziehungen ein nicht unerhebliches Erklärungspotential für die Entwicklung einer vornehmlich protestantischen Adelsfamilie, welche mit prägenden Ereignissen der französischen Geschichte direkt konfrontiert war. Durch den Besitz verschiedener Herrschaftseinheiten wie Baronie, Grafschaft, Marquisat sowie der kleinen Stadt Francescas in Personalunion mit dem König von Frankreich, welche mit der niederen, mittleren und hohen Gerichtsbarkeit einhergingen, war das Geschlecht fest in das seinerzeitige Feudalsystem eingebunden. Damit bewegten sich die Digeons im Kontext des Adelsrechts des Ancien Régime, welches für ihren Aufstieg und weitere Genese maßgeblich sein sollte. Die Ursprünge und Grundlagen des droit nobiliaire werden neben spezifischen Fragen wie dem Erwerb sowie der Transmission von Adelstiteln und -stand sowie Usurpation und Verlust des Adels systematisch behandelt. Mithin dient dieser Teil nicht allein als Referenzgeber; im Verbund mit der Analyse der familiären Zusammenhänge wird das französische Adelsrecht in seiner unmittelbaren Anwendung illustriert.
Kampa Verlag Der Romantiker, Belletristik von William Boyd, Ulrike Thiesmeyer
Mit sechzehn Jahren erfährt Cashel Greville, dass er nicht ist, wer er glaubte zu sein. 1799 im irischen Cork geboren, hätte er seine Eltern früh bei einem Schiffsunglück verloren, hat seine Tante Elspeth ihm gesagt. Jetzt eröffnet sie ihm: Sie selbst ist seine Mutter, er der uneheliche Sohn eines Adeligen. Sein ganzes Dasein eine himmelschreiende Lüge! Immerhin, sagt er sich, gehört sein Schicksal jetzt ihm, und keiner kann ihn daran hindern, sich neu zu erfinden. Und das tut er nicht zu knapp im Lauf seines Lebens, das das gesamte 19. Jahrhundert währt und Cashel um den ganzen Erdball treibt. Als Trommler der britischen Armee wird er bei der Schlacht von Waterloo verwundet, als Soldat der East India Company Zeuge eines Massakers in Sri Lanka, in Pisa trifft er auf die Shelleys und Byron, in Ravenna verliebt er sich unsterblich. Cashel wird Reisender, Schriftsteller, Gefangener, Farmer, Bierbrauer, Konsul, Liebhaber, Ehemann, Vater und vieles mehr. Bösewichte und Betrüger kommen ihm in die Quere, doch immer eilt ihm auch ein treuer Freund zu Hilfe. Cashels Lebensgeschichte ist abenteuerlich, romanhaft, ja romantisch, und doch ist sie wahr – oder nicht? Ein lebenspraller, weltumspannender, funkelnder Roman, der uns tief in die Epoche der Romantik eintauchen lässt.
In "Quer durch Patagonien" nimmt Florence Dixie ihre Leserschaft mit auf eine eindrucksvolle Expedition durch das wenig erforschte und mysteriöse Patagonien des 19. Jahrhunderts. Mit einem einzigartigen literarischen Stil, der dokumentarische Präzision mit erzählerischer Lebendigkeit verbindet, schildert sie die rauen Landschaften, die kulturellen Begegnungen und die Herausforderungen ihrer Reise. Dieses Werk ist nicht nur eine chronistische Darstellung der Erlebnisse, sondern fügt sich nahtlos in die Reiseliteratur der viktorianischen Epoche ein und besticht durch eine bemerkenswerte Mischung aus Empirie, Reflexion und Abenteuerlust. Florence Dixie, eine britische Adelige und Pionierin weiblicher Reiseliteratur, wurde durch ihre gesellschaftliche Stellung, ihr humanitäres Engagement und ihren Wunsch nach Unabhängigkeit geprägt. Ihr Leben im viktorianischen England motivierte sie, traditionelle Geschlechterrollen herauszufordern und eigene Wege zu gehen. Die Erfahrungen auf ihren ausgedehnten Reisen, ihr Interesse an fremden Kulturen und eine kritische Haltung gegenüber kolonialen Konventionen spiegeln sich intensiv im Buch wider. Dieses Werk empfiehlt sich allen, die ein Faible für Entdeckungen, kulturhistorische Zusammenhänge und Perspektiven jenseits der eurozentristischen Sichtweise haben. "Quer durch Patagonien" eröffnet nicht nur faszinierende Einblicke in eine entlegene Region, sondern inspiriert durch Dixies Mut und analytischen Scharfsinn - ein unverzichtbares Buch für alle, die Reiseliteratur und Gender Studies schätzen.
In "Die Bären von Hohen-Esp" entfaltet Nataly von Eschstruth einen Gesellschafts- und Familienroman, der das Milieu des deutschen Adels mit den Konflikten von Pflicht, Standesbewusstsein und persönlicher Neigung verbindet. Der Titel verweist auf ein Geschlecht, dessen Stärke und Stolz zugleich Schutz und Last bedeuten. In klarer, spannungsbewusster Prosa, reich an Dialogen und gefühlvoller Charakterzeichnung, steht das Werk in der Tradition des populären Unterhaltungsromans des späten 19. Jahrhunderts, ohne dessen moralische und soziale Fragestellungen zu vernachlässigen. Nataly von Eschstruth, 1860 geboren und eine der meistgelesenen deutschsprachigen Erzählerinnen ihrer Zeit, kannte die Erwartungen des bürgerlichen und adligen Lesepublikums genau. Ihre Herkunft, ihre Beobachtung gesellschaftlicher Konventionen und ihr Gespür für weibliche Lebensentwürfe prägten ihre Romane nachhaltig. Gerade in der Darstellung von Ehre, Heiratspolitik, Erziehung und innerer Selbstbehauptung zeigt sich eine Autorin, die Unterhaltung mit genauer Kenntnis sozialer Codes verbindet. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Gesellschaftsromane mit emotionaler Spannung, eleganter Erzählführung und kulturgeschichtlichem Reiz schätzen. Es bietet nicht nur eine fesselnde Handlung, sondern auch ein lebendiges Bild jener Welt, in der Herkunft und Herz miteinander ringen.