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Brill | Fink Dialogische Verantwortung
In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Welches Menschen- und Weltbild teilen wir? Die Arbeit untersucht Sprach-, Kultur- und Sozialtheorien von jüdisch-deutschen Gelehrten über einen Zeitraum von rund 100 Jahren – vom wilhelminischen Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Zweiten Weltkrieg und im Exil. Erkundet wird, wie sich diese Gelehrten – die selbst zwischen Inklusion und Exklusion lebten – das Miteinander verschiedener Nationen, Konfessionen und sozialer Kreise vorstellten. Ihr Vertrauen setzten sie nicht in rechtsförmige Lösungen; vielmehr bezeugen ihre Theorien einen Dialogoptimismus, der die Begegnung zwischen Menschen in Miniaturen über Gleichheit, Anerkennung, Fremdverstehen, Geselligkeit, Takt, Humor, Liebe und Mitmenschlichkeit würdigte und das verantwortungsvolle Miteinander den handelnden und sprechenden Akteuren anvertraute.
The keywords migration, elite, and confession that form the leitmotiv of this book allow a focus on major subjects of research in early modern history. Concentrating on subjects relevant to the history of education, the essays collected here offer manifold insights into new source material and the evaluation of methods. The fifteen papers cover a wide range of topics related to the education of academic theologians and clergy in the sixteenth and seventeenth centuries. As training programmes differed from university to university, this gave rise to migration and an extensive communicative network. Although a final conclusion of methodological questions requires more research, the volume provides an important contribution to the interdisciplinary discussion between representatives of the many historical disciplines. The fifteen contributors: Luca Baschera, Amy Nelson Burnett, Otfried Czaika, Simone Giese, Anja-Silvia Göing, Leonhard Hell, Wim Janse, Julian Kümmerle, Andreas Mühling, Hans Peterse, Frank van der Pol, Sünje Prühlen, Alexander Schunka, Sven Tode, and Jason Zuidema.
Was sind kinematographische Affekte? Welche Rolle spielen sie in der Kinoerfahrung? Und was haben sie mit Transformation zu tun? Kinematographische Affekte sind Auslöser von Transformationen. Lisa Åkervall skizziert vor der Folie einer doppelten Logik der Transformation – der KinozuschauerInnen wie auch der Kinoerfahrung selbst im Übergang von kinematographischen zu post-kinematographischen Medienökologien – eine prozessuale Theorie der Kinoerfahrung. Ausgehend von aktuellen Debatten der Affekt-, Zuschauer- und Medientheorie untersucht das Buch die Transformationen der Kinoerfahrung in den Filmtheorien von Jean Epstein, Antonin Artaud, Gilles Deleuze und Stanley Cavell ebenso wie in den Filmen von Germaine Dulac, Roberto Rossellini, David Lynch und Gus Van Sant.
Wer die neuen Medien nicht versteht, gehört zu den Analphabeten des 21. Jahrhunderts. Dieses ABC-Buch buchstabiert die Grundbegriffe der Medienwelt. Natürlich steht das Internet im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber das sollte uns nicht dazu verleiten, den Tod der klassischen Massenmedien zu verkünden. Das Internet braucht die Massenmedien, um Aufmerksamkeit zu faszinieren, und die Massenmedien brauchen das Internet, um in Kontakt mit den Zielgruppen zu kommen. Das Allermundewort Globalisierung meint konkret: Digitalisierung, Mobilisierung und Vernetzung von Kommunikation. Die Netzwerke lassen die geographische Gestalt der Welt gleichgültig werden. Und die Menschen? Sie verteilen sich in der globalisierten Welt auf vier Schicksalsfelder, die durch die Koordinaten "arm vs. reich" und "vernetzt vs. nicht vernetzt" definiert sind. Wer sich in dieser Welt orientieren will, muß die Medien verstehen, die sie prägen.
Martin Heidegger ist einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Das Interesse an seinem Denken und seiner Person ist nach wie vor ungebrochen. Derrida, Foucault, Adorno, Blumenberg, Deleuze - all diese selbst berühmt gewordenen Denker haben sich intensiv und kritisch mit dem Werk Heideggers auseinandergesetzt. Heideggers Werk gehört allein durch seine sprachliche Verfasstheit zu den komplexesten. Wer nicht gleich Sein und Zeit durcharbeiten möchte, erhält hier, unterhaltsam und klar verständlich geschrieben, Antworten auf die wichtigsten Fragen. Wie unterscheiden sich Sein und Dasein? Welche Rolle spielt der Tod bei Heidegger? Welche Rolle spielt die Technik, die Heidegger mit dem Wort »Gestell« als grundlegende Auffassung zur Welt verstand? Warum kollaborierte er mit den Nationalsozialisten? Neben diesen grundlegenden Erläuterungen stoßen wir auf viel Anekdotisches und Unterhaltsames.
Dieses Buch würdigt Robert Schuman (1886-1963), den fast vergessenen „Vater Europas“. Nach dem Zweiten Weltkrieg kämpfte er für eine europäische Zukunft ohne Krieg, Hass, Flucht und Armut. Als französischer Außenminister bereitete er den Weg zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraums. Als französischer Ministerpräsident und Präsident des Europäischen Parlaments war er einer der Mitbegründer der Europäischen Union. In Luxemburg geboren und in Lothringen beheimatet, galt Schumans besonderer Einsatz der deutsch-französischen Versöhnung und der internationalen Jugendarbeit, stets getragen von seinem tiefen katholischen Glauben. Manfred Kontz hat erstmals Zeitzeugenberichte und Zeitzeugnisse zum Leben Robert Schumans in einer dokumentarischen Biografie zusammengetragen. Es gilt, einen europäischen Politiker wiederzuentdecken, dessen Handeln im Einklang mit seinen Werten stand, der Versöhnung und Verständnis statt Spaltung und Polemik suchte.
Brill | Schöningh Entscheidungskulturen in der Bismarck-Ära
Unter Rückgriff auf aktuelle Forschungen zur Verflechtung von Kultur- und Politikgeschichte beleuchtet der Band kulturelle Faktoren politischer Entscheidungen im Deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1890. Dabei untersucht er das Spannungsverhältnis zwischen dezisionistischen und kompromissorientierten Formen des Entscheidens anhand ausgewählter Bereiche dieses Mehrebenensystems. Konkret nimmt er die Reichsmonarchen, den Bundesrat als Einrichtung föderalen Mitentscheidens, den Reichstag als Ausdruck demokratischer Partizipation, das Militär als extrakonstitutionelles Reservat monarchischer Prärogative sowie die Wirtschaft als konkurrierendes Handlungsfeld in den Blick und berücksichtigt auch den Einsatz von Emotionen in den Entscheidungsprozessen der Akteure.
Miriam Rürup schildert die Sozial- und Alltagsgeschichte des modernen deutschen Judentums vom Ende des 18. Jahrhunderts bis nach dem Zweiten Weltkrieg: den Aufstieg der deutschen Juden ins mittlere und gehobene Bürgertum, die wiederholten Erfahrungen von Rückschlägen, aber auch die vielfältigen Formen jüdischer Selbstbehauptung. Man erfährt, wie sich die jüdischen Lebenswelten unter den Vorzeichen der Emanzipation veränderten und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das demographische und soziale Profil der jüdischen Minderheit hatten. Es geht dabei immer auch um die Interaktion von Juden und anderen Deutschen: bei der Wahl des Wohnortes, der Berufe, der Schule, der Vereine, der Religiosität und bei vielen Aspekten des Alltags mehr. Mit einem solchermaßen lebensweltlichen Ansatz erschließen sich die gegenläufigen Vorgänge von Integration und Exklusion der deutschen Jüdinnen und Juden in den vergangenen zwei Jahrhunderten.
Wie reguliert man Bedingungen und Organisation der Freiheit? Die Biometrie als eine aktuelle Technologie liberalen Regierens moderner Gesellschaften trägt einerseits zu Regulationen bei, erzeugt andererseits aber stets auch Krisen und Konflikte um die Grenzen der Freiheit. Anstatt die Biometrie von vornherein als ein Herrschaftsinstrument der soziologischen Analyse zuzuführen, diskutiert der Autor zunächst, wie die Materialität der Biometrie überhaupt soziologisch sinnvoll zu befragen ist. Im Rahmen einer Soziologie der Identifikation wird sie als eine Technologie der Regierbarmachung und Selbstregierung skizziert, die verspricht, Steuerungsprobleme moderner Gesellschaften zu lösen. Drei Identifikationsdispositive der Biometrie stehen im Zentrum: das anthropometrische Signalement von Alphone Bertillon, die automatisierte Gesichtserkennung bei Facebook sowie die automatische Grenzkontrollspur »EasyPass«. Der Autor untersucht das jeweilige Zusammenspiel von gesellschaftlichen Problemlagen, Epistemologie und technologischer Bedingung, in dem die biometrische Identifikation als Lösung aufscheint und dabei zugleich Ordnungsoptionen des Sozialen vorprägt.
Verständlicher, sachkundiger und kompakter kann man sich über die Katastrophe von 1914 kaum informieren: Gerd Krumeich fasst in diesem Buch den Wissensstand zur Vorgeschichte und zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zusammen. Der Autor verfolgt die Krisenlage vor 1914, die Eskalation und das Scheitern diplomatischer Lösungsversuche und informiert über den aktuellen Forschungsstand zur immer wieder gestellten Kriegsschuldfrage. 50 Schlüsseldokumente aus nicht leicht zugänglichen Aktenpublikationen werden im Wortlaut abgedruckt und erläutert. So können auch Nicht-Spezialisten die Hauptstränge der Ereignisse, die Vorstellungen und Denkhorizonte der damals verantwortlichen Staatsmänner und Militärs nachvollziehen. Niemand von ihnen ahnte oder wollte 1914 den Krieg, wie er 1916 vor Verdun und an der Somme grausame Realität wurde. Insofern lehrt dieses Buch auch, welche unwägbaren Gefahren jeder als begrenzbar gedachte Krieg mit sich bringt.
Bereits zur Zeit der europäischen Renaissance, lange vor der Ausrufung eines spatial turn in den Kulturwissenschaften, wurde das wechselseitige Verhältnis von Raum und Wissen als Analysekategorie eingeführt. Der Band demonstriert das mit Untersuchungen zu den archäologischen Landeskunden des 15. bis 17. Jahrhundert. In der geographisch-historischen Betrachtung erschlossen sich im 15. Jahrhundert Raumkonzepte, die wiederum auf das eigene Selbstverständnis zurückwirkten. Der vorliegende Band geht in Fallstudien zu landeskundlichen Forschungen der frühen Neuzeit der Geschichte des Raumwissens nach. Dabei kommt Flavio Biondos Italia Illustrata (erschienen 1474) ein besonderes Interesse zu, da das Werk in vielen Bereichen Europas ähnliche Untersuchungen angeregt hat, etwa in Spanien, Skandinavien, der Schweiz und im Rheingebiet.
In Nietzsches Geburt der Tragödie wird der »apollinischen« Kunst des Bildners die »dionysische«, unbildliche Kunst der Musik gegenübergestellt und beides auf Wagners Musikdrama bezogen. Die hieraus gewonnenen ästhetischen Konfigurationen entfalten noch in der Zeit um 1900 bei Malern und Komponisten erhebliche Wirkung. Der vorliegende Band unternimmt einerseits den Versuch, Nietzsches und Wagners Ideen in ihrer Entwicklung des Mit- und Gegeneinanders sowie einige der daran geknüpften Rezeptionsstränge historisch zu rekonstruieren, folgt aber andererseits auch dem Ziel, dies auf eine aktuelle Theorie und Praxis der Intermedialität von Bild und Klang beziehbar zu machen.
Statue, Körperbild, plastische Konfiguration, Raummodulation, Spezifisches Objekt, performative Installation, skulpturale Situation – die Geschichte der Skulptur hat ihren Gegenstand in vielen Begriffen konzeptualisiert. Nachdem die Selbstverständlichkeit der Skulptur in der Moderne immer wieder in Frage gestellt worden war, wurde angesichts der „Entgrenzung der Künste“ auch der Versuch einer medienspezifischen Befragung für obsolet erklärt. Ein besonderer Aspekt der Gegenständlichkeit von Skulptur war und ist ihre physische Konkretheit. Als plastische Artefakte weisen Skulpturen über sich hinaus und insistieren zugleich auf einer Körperlichkeit, die unhintergehbar ist. Dieses Skandalon der Skulptur zwischen Faktizität und Aktualität diskutiert der Band in theoretischer Perspektive und an konkreten Beispielen, wobei die Prämissen einer „Skulptur im erweiterten Feld“ leitend sind.
Virtuosität in der Frühen Neuzeit ist eine komplexe ästhetische Praxis, die in der Kunst über die Politik bis hin zur Ökonomie Wirkung zeigt. Der Begriff des Virtuosen/der Virtuosin, dessen Semantik heute vom Kunstdiskurs des 19. Jahrhunderts geprägt ist, hat im 17. Jahrhundert ein sehr viel weiteres Bedeutungsfeld. Zwischen bewundernswerter Kunstfertigkeit und moralisch fragwürdiger Täuschung ist Virtuosität eng verknüpft mit überlebensstrategischer Geschicklichkeit und einem gekonnten Spiel mit Erwartungen, Wahrnehmungen und Affekten eines Publikums. Die Beiträge des Sammelbandes fragen nach Figuren und Phänomenen der Virtuosität und deren Verbindung zu krisenhaften Momenten; Gaukler und Geldwechsler geraten ebenso in den Blick wie die Gartenkunst der Renaissance oder die niederländische Kunst. Virtuosität zeigt sich in diesen Kontexten als imaginative Praxis, etwa in der Evokation utopischer oder grauenerregender Szenarien, aber insbesondere auch als Strategie der Selbstbehauptung.
Caravaggio's art is subjected to a political interpretation that draws on Erasmus's writings to explain his paintings. According to Erasmus's Philosophia christiana, in contrast to Gabriele Paleotti's Discorso intorno alle immagini sacre e profane of 1582, the sacred is best expressed through the profane. The divine is hidden beneath the cloak of the ugly and the vulgar. Numerous interpretations refer to the dissimulation of anti-Catholic content in Caravaggio's paintings and the tradition of Pasquino. As poems from Marino's Galeria show, the talking statue represents much more than a symbol of defamation; it symbolizes political resistance and hidden opposition to oppression by the Catholic Church. Caravaggios Kunst wird einer politischen Lektüre unterzogen, die zur Erklärung seiner Gemälde auf die bilderskeptischen Schriften von Erasmus zurückgreift. Folgt man dessen Philosophia christiana, wird im Unterschied zu Gabriele Paleottis Discorso intorno alle immagini sacre e profane von 1582 das Heilige am besten durch das Profane zum Ausdruck gebracht. Unter dem Mantel des Niederen, Hässlichen und Vulgären verbirgt sich das Göttliche. In zahlreichen Interpretationen wird auf die Dissimulation antikatholischer Inhalte sowie die Tradition des Pasquino verwiesen. Wie Gedichte aus Marinos Galeria zeigen, stellt die sprechende Statue weit mehr als nur ein Sinnbild der Schmähung dar, vielmehr symbolisiert sie den politischen Widerstand und die verborgene Opposition gegenüber der Unterdrückung durch die katholische Kirche.
Winner of the Stanislas Julien Prize for 2011 Choice Outstanding Academic Title 2011 The warlord Cao Cao, founder of the Three Kingdoms state of Wei, is most commonly known through the romantic tradition of the novel Sanguo yanyi and other dramatic fictions, which portray him as cruel and vicious. In fact, however, Cao Cao was a fine strategist and politician who restored a measure of order after the political turmoil and civil war that brought the end of Han. The present work offers a detailed account of Cao Cao's life and times, using historical materials and the man's own words from official proclamations and personal poetry. Exceptionally for such a distant time, there is sufficient information in the texts to provide a rounded interpretation of one of the great characters of early China.
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Matisse ‚zeichnete‘ mit der Schere. Die Metapher der „dichtenden Schere“ des Filmtheoretikers Béla Balázs legt den Akzent auf die Spannung zwischen einem technischen Verfahren und der Möglichkeit, dieses zum künstlerischen Darstellungsprinzip zu machen. Welches produktive Potential liegt in der Herstellung von Diskontinuitäten mit Hilfe des Schnitts? Wie sieht die durch den Schnitt bedingte Intervention in unterschiedlichen Medien aus? Der Schnitt ist in seinen ästhetischen Möglichkeiten in höchstem Maße wandlungsfähig und innovativ. Denn die Medialität des Schnitts in Text, Bild und Film wird unter jeweils anderen Voraussetzungen ästhetisch verfügbar gemacht. Diese Dynamik in ihren Transformationen wird an prägnanten Beispielen, vorwiegend aus der französischen und italienischen Kultur, verfolgt, um vor Augen zu führen, wie der fundamentale Akt des Schnitts seit der Antike bis heute immer neue ästhetische Spielräume erschließt.