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Brill | Fink Die dichtende Schere
Matisse ‚zeichnete‘ mit der Schere. Die Metapher der „dichtenden Schere“ des Filmtheoretikers Béla Balázs legt den Akzent auf die Spannung zwischen einem technischen Verfahren und der Möglichkeit, dieses zum künstlerischen Darstellungsprinzip zu machen. Welches produktive Potential liegt in der Herstellung von Diskontinuitäten mit Hilfe des Schnitts? Wie sieht die durch den Schnitt bedingte Intervention in unterschiedlichen Medien aus? Der Schnitt ist in seinen ästhetischen Möglichkeiten in höchstem Maße wandlungsfähig und innovativ. Denn die Medialität des Schnitts in Text, Bild und Film wird unter jeweils anderen Voraussetzungen ästhetisch verfügbar gemacht. Diese Dynamik in ihren Transformationen wird an prägnanten Beispielen, vorwiegend aus der französischen und italienischen Kultur, verfolgt, um vor Augen zu führen, wie der fundamentale Akt des Schnitts seit der Antike bis heute immer neue ästhetische Spielräume erschließt.
Brauchen wir eine digitale Aufklärung? Am Übergang von der Kulturtechnik der skripturalen zu einer digitalen Literalität, in der eine „Lesbarkeit der Welt“ der Maschinenlesbarkeit des Datenuniversums weicht, stellt sich diese Frage akut, ebenso, wie diese aussehen könnte. Der vorliegende Band sammelt erste Resultate der philosophischen Digitalitätsforschung zu diesem Thema, die aus der gemeinsamen Tagung der AG Digitalitätsforschung der Deutschen Gesellschaft für Philosophie (DGPhil) mit dem Käte Hamburger Kolleg „Cultures of Research“ (c:o/re) vom 15. bis 17. April 2025 an der RWTH Aachen hervorgegangen sind.
Perspektiven der Philosophie. Neues Jahrbuch eröffnet Forschern, denen die philosophische Begründung des Denkens wichtig ist, eine Publikationsmöglichkeit. Wir verstehen uns nicht als Schulorgan einer philosophischen Lehrmeinung, sondern sehen unsere Aufgabe darin, an der Intensivierung des wissenschaftlichen Philosophierens mitzuwirken. Besonders fördern wir den wissenschaftlichen Nachwuchs und laden ihn zur Mitarbeit ein. Mit Beiträgen von: Damir Barbaric, Artur Reginald Boelderl, Beate Fränzle, Jutta Georg, Ludwig Jaskolla, Rolf Kühn, Salvatore Lavecchia, Claudia Luchetti, Renate Müller-Buck, Heinz-Gerd Schmitz, Harald Seubert und Philipp Zimmermann.
Die Erinnerungen Józef Becks sind die wichtigste polnischsprachige Quelle zur diplomatischen Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Beck (1894–1944) war von 1932 bis September 1939 polnischer Außenminister. Nach seiner Internierung in Rumänien im September 1939 verfasste er drei Studien, in denen er seine Sicht auf die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs darlegte. Dabei konzentrierte er sich auf die polnische Politik gegenüber Deutschland, der Sowjetunion, Litauen und der Tschechoslowakei sowie auf die Problematik des Völkerbundes. Die Studien wurden von Bernard Wiaderny übersetzt, mit einem wissenschaftlichen Apparat versehen und um eine umfangreiche biografische Skizze ergänzt, die Beck und seine Außenpolitik auf dem neuesten Forschungsstand zeigt. Somit erhält der Leser einen fundierten Einblick in die Entscheidungsprozesse der polnischen Führung in den Jahren vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Ziel des Buches ist es, das Individuum zu sprengen. Jedes Individuum muss dem Anspruch nachgeben, sich zu definieren. Dadurch aber erstarrt es im Dinghaften und mit ihm auch das Denken: reproduzierbares Wissen und das Verlangen nach durchgängiger Verständlichkeit – kurz: die Banalität – obsiegen. Gilles Deleuze und Martin Heidegger relativieren den pessimistischen Charakter dieses Gedankens, indem sie in der Banalität eine Zweideutigkeit ausmachen: Die Banalität ist nicht nur lähmend, sie kann auch produktiv werden und zwar dort, wo sie unerträglich wird. An diesem Punkt nämlich zwingt sie uns zu einer Überschreitung ins Ungewisse und erst dann wird das Denken geboren. Da nun jedes Individuum von seiner Geschichte abhängt und umgekehrt, siegt auch in der Geschichte die Banalität. Es fragt sich also im größeren Maßstab: Ist heute der geschichtliche Augenblick gekommen, das Individuum zu sprengen? Womöglich. In jedem Fall gilt: In der Zweideutigkeit liegt die Sprengkraft geborgen.
Die Klimakrise und die Forderung nach einer nachhaltigen Energiewende prägen die gesellschaftspolitischen Diskussionen. Vor dem Hintergrund gehen die Beiträge aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive der Darstellung von Braun- und Steinkohle in der Literatur von 1850 bis zur Gegenwart nach. Angelehnt an die Energy und Environmental Humanities untersuchen sie die Präsentation fossiler Energien in unterschiedlichen Regionen (Ruhrgebiet, Lausitz, Schlesien) sowie in verschiedenen Gattungen wie der Familienzeitschrift „Die Gartenlaube“; Reportagen oder Science-Fiction-Literatur. Als Wissensobjekt stößt Kohle Transformationen an, zugleich durchläuft sie selbst Veränderungen. Das zeigt sich in Texten von u.a. Annette von Droste-Hülshoff, Wolfgang Hilbig oder Jules Verne sowie in geologischen, stofflichen und ästhetischen Kohlekontexten. „Fossile Fiktionen“ bietet somit einen Einblick in die literarische Auseinandersetzung mit fossilen Energien und deren kultureller Bedeutung.
Die Texte des Bandes tragen zu einem Konzept der Sozialethik bei, das von Marianne Heimbach-Steins als kontextuelle theologische Sozialethik beschrieben wurde. Was diese Kontextualität bedeutet und wie sie das Suchen nach der Gerechtigkeit sozialer Verhältnisse prägt, wird in den Beiträgen dieses Bandes deutlich. Sie nehmen die Kontextualität der Sozialethik und die Forderung der Interdisziplinarität als Aufgabe an. Kontextualität stellt sich dabei auf verschiedenen Ebenen als etwas Unterschiedliches dar. Im Band wird Kontextualität in fünf Bereichen reflektiert: Ethik und Kontextualität, Spiritualität und Theologie, Menschenrechte und Menschenwürde, Gender und Gerechtigkeit sowie Politik und Gesellschaft. Gedruckt mit freundlicher Unterstützung der Diözese Münster, der Erzdiözese Bamberg sowie des Fachbereichs Sozialethik der Universität Wien.
Politik beginnt damit und lebt elementar davon, dass sich Menschen versammeln. Daher ist die Frage nach Typen und Funktionen von Versammlungen eine Grundfrage der politischen Theorie. Der vorliegende Band richtet diese Frage an Überlieferungen aus dem Alten und Neuen Testament und ihren Umwelten. Die exegetischen, religionsgeschichtlichen, historischen und archäologischen Beiträge versuchen nicht nur politische Handlungsweisen zu rekonstruieren, sondern darüber hinaus deren Konzeption und theoretische Reflexion. Diese Frage versteht sich keineswegs von selbst, sondern impliziert für den hier hauptsächlich in den Blick gefassten Bereich der Levante – anders als für Griechenland, wo das Politische und mithin auch politische Theorie nach herkömmlicher Überzeugung entstanden sind – eine zu bewährende Arbeitshypothese.
Was geschieht, wenn wir eine Sache im Rahmen einer strukturierten Praxis immer wieder tun? Was ereignet sich, wenn wir üben? Wie kann die im Anschluss an Foucault oft formulierte Hoffnung auf kritische Selbstkultivierung fundiert werden? Üben befähigt und gewöhnt, es automatisiert und diszipliniert – es subjektiviert. Zugleich vollziehen sich in jeder Übungspraxis Momente, die nicht unmittelbar von Regelwerk und Rahmen kontrolliert werden können. Ausgehend von der Übungspraxis der Rhetorik im antiken Rom und insbesondere Quintilians „Institutio oratoria“ widmet sich diese Studie den vielfältigen Effekten des Übens. Dabei wird die Rolle des rhetorischen Übens innerhalb des Dispositivs der antiken Rhetorik Roms beleuchtet. Zudem wird in systematischer Absicht ein praxistheoretisch informierter, phänomenologischer Nachvollzug angestellt, der die Rolle der Aisthetis, von Gewohnheit und Aufmerksamkeit, Situation und Affekt im rhetorischen Üben herausarbeitet.
Die Tötung von George Floyd durch einen Polizeieinsatz führte zu einem konfliktgeladenen Diskurs über Notwendigkeit und Grenzen staatlicher Gewalt. Die vorliegende Monographie leistet einen Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Gewaltdiskurs, indem sie sich auf den biblischen Diskurs zu „Gewalt und Gewaltverzicht“ fokussiert und exemplarisch ebenso nach dem Spannungsverhältnis von erforderlicher und auch erforderter Gewalt in der Polizeiarbeit fragt wie nach Möglichkeiten der Eindämmung von Gewalt. Die Autoren vertreten die provokative These, dass Gewalt auch dem biblischen Gottesverständnis eingeschrieben ist und diese immer zum Erfahrungshorizont menschlichen Zusammenlebens gehört hat bzw. gehören wird. Biblische Visionen von Gewaltverzicht können Gewalt zwar nicht gänzlich überwinden. Sie können aber zu einem ethischen Diskurs beitragen, der die Notwendigkeit staatlicher Gewalt anerkennt und gerade deshalb entschieden auf die Eindämmung auch staatlich legitimierter Gewalt drängt.
Aventiurenerzählen erschließt in seinen zentrifugalen Bewegungsmustern Areale am Rande dessen, was vertraut und ordnungsgemäß bestimmbar ist – mit weitreichenden Folgen für die europäische Literatur. Aber was resultiert aus dem Blick über den Rand? Konturiert sich im Erzählen eine andere Ordnung oder zeigt sich etwa ein Anderes der Ordnung? Werden in der agonalen Steigerungslogik des Abenteuers letztlich Differenzen in Intensitäten umgewandelt? Die Beiträge des Bandes werfen ein neues Licht auf die Genealogie des Abenteuers, dessen literarischer Eigenwert nicht einfach auf der Abblendung religiöser Sinnangebote gründet, sondern eher auf eigenwilligen Modi des Transzendierens. Am Beispiel volkssprachiger Texte, von Artusromanen und Kreuzzugsepen über Ritterbiographien bis hin zu spätmittelalterlichen Pilgerberichten, werden neue Thesen zur strukturellen Charakteristik, zur intertextuellen Reichweite und zur Interdependenz des Abenteuer-Narrativs mit Historie und sozialer Praxis erprobt.
Die Frage der Gerechtigkeit ist zu allen Zeiten ein kontroverses Thema für die politische Gestaltung und gesellschaftliche Akzeptanz, da die Normerwartungen hierzu ganz unterschiedlich ausfallen können. Das zeigt sich auch bei der Analyse der Klassiker, die sich zur Philosophie der Gerechtigkeit seit dem großen Entwurf Platons bis in die aktuelle Gegenwart hinein geäußert haben. Der vorliegende Band geht dieser Diskurskonstellation zur Gerechtigkeit aus einem in sich kontrovers angelegten Perspektivverfahren nach. Hierbei werden jeweils zwei Klassiker, von denen der eine auf den anderen direkt Bezug genommen hat, in ihrer kritisch-dialektischen Auseinandersetzung vorgestellt. Dies geschieht im Rahmen einer vergleichenden Analyse beider Klassiker durch Expert:innen, welche beide gemeinsam interpretativ behandeln. Damit verdichtet sich ein Pro- und Kontra-Szenario, das den Diskurs zur Gerechtigkeit in wesentlichen paradigmatischen Stadien von der Antike bis zur Moderne aufzeigt.
Für ein modernes Freiheitsverständnis kann die Philosophie von Hegels Begriff des objektiven Geistes lernen. Er hilft, alle Dualismen zu überwinden, unter denen die Philosophie bis heute leidet: Selbstverwirklichung und Kommunitarismus, Vernunftrecht und Geschichte, funktionale Analyse und kritische Bewertung, universale Regeln und konkrete Identitäten. Um dieses Potential freizulegen, muss „Geist“ von einem metaphysischen Begriff des Absoluten gelöst werden. Er ist der Hintergrund der unbeschränkten Souveränität des Staates und der Herabstufung der Natur bei Hegel. An die Stelle des notwendigen Fortschritts zum europäisch-christlichen Staat muss eine offene Geschichte des globalen Lernens mit irreversiblen Schwellen treten. Mit Hegel kann man die Richtung noch als objektive Erkenntnis (Wahrheit) und wechselseitige Anerkennung (Freiheit) fassen. Abgerundet wird der Band durch ein Gespräch des Autors mit Michael Quante über den Umgang mit philosophischen Klassikern am Beispiel Hegels.
Die Seeschlacht von Tsushima brachte die Entscheidung im Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05. Sie hatte einen prägenden Einfluss auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dieses Buch schildert nicht nur die Hintergründe und den Verlauf der Schlacht, sondern auch, wie die Ereignisse in Ostasien die Weltgeschichte mitbestimmten. Denn der Erste Weltkrieg, die Russische Revolution und sogar Pearl Harbor wurden von den Lehren und Erfahrungen, die sich an Tsushima knüpften, beeinflusst. Der Sieg, den der japanische Admiral Togo in der Koreastraße über das russische Geschwader unter Admiral Rožestvenskij errang, stellte die Weichen für das Ende des Russisch-Japanischen Krieges. Japans Aufstieg zur Großmacht im Pazifikraum nahm seinen Anfang. Das bereits marode Zarenreich hingegen glitt in eine Epoche der Unruhen und Revolutionen. Dass die modern ausgerüsteten und effizient geführten japanischen Streitkräfte der Großmacht Russland eine empfindliche Niederlage beibringen konnten, wurde weltweit von der Öffentlichkeit und den Militärs mit Erstaunen wahrgenommen. Konnte es sein, dass kluge Planung, neueste Militärtechnik und schnelle Mobilisierung den sicheren Sieg über einen an Material und Personal überlegenen Gegner bedeuteten?
Fortschrittliche Metropole vs. rückständige Provinz? Entgegen einem verbreiteten Eindruck zeigt Ostwestfalen-Lippe (OWL), dass gesellschaftliche Transformationen seit den 1950er Jahren keineswegs nur von urbanen Zentren ausgingen, sondern auch in klein- und mittelstädtischen ländlichen Räumen eigene Dynamiken entfalteten. Lange galt OWL als strukturschwache Peripherie Nordrhein-Westfalens. Tatsächlich aber entwickelte sich hier eine der dynamischsten Wirtschaftslandschaften Westdeutschlands – und zugleich eine Gesellschaft im Umbruch. Die Beiträge untersuchen Politisierungsprozesse, den Ausbau von Infrastrukturen, Migration und Mobilität sowie tiefgreifende soziale Veränderungen. Dabei wird deutlich: Zentrum und Peripherie standen nicht in einem einfachen Verhältnis von Vorbild und Nachahmung. Die peripher gelegenen Räume wirkten ihrerseits auf andere Regionen ein, beeinflussten Entscheidungen der politischen Zentrale und entwickelten eigenständige Transformationspfade.
Hof und Kloster, Text und Bild, Handschrift und Druck – in der Babenberger-Genealogie des späteren Hofgenealogen Ladislaus Sunthaym, dem Untersuchungsgegenstand dieses Bandes, treffen vermeintlich gegensätzliche Perspektiven aufeinander, verschmelzen in singulärer Art und geben Einblick in die genealogischen Bemühungen des Spätmittelalters. Nach der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. von Österreich im Jahr 1485 entstanden zahlreiche Objekte, die den Heiligen in Szene setzten. Darunter stechen drei besonders hervor: Handschriftlich beschriebene Pergamenttafeln, eine Inkunabel und ein monumentales Gemälde – sie alle überliefern als Text oder Bild Sunthayms Babenberger-Genealogie, in welcher er die Mitglieder der Dynastie charakterisiert. In diesem Band wird die Genese des Textes untersucht. Eine Bewertung der Überlieferungssituation und eine Edition ermöglichen die Beantwortung von Fragen nach performativen Aspekten, Auftraggebern und Vermittlungsschwerpunkten der verwendeten Medien.
Viele glauben, dass sie eine Seele besitzen, die den Tod des Körpers überleben kann. Und viele glauben, dass es außer den Dingen unserer Erfahrungswelt auch noch Wesen und Kräfte gibt, die einer transzendenten Welt angehören. Die Wissenschaften zeigen uns heute ein anderes Bild. Alles um uns herum besteht aus Atomen. Überall gelten dieselben Naturgesetze. Es kann heute als ausgemacht gelten, dass alle Lebensphänomene physikalisch-chemisch erklärt werden können. Nichts spricht dafür, dass wir eine immaterielle Seele besitzen. Und es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es eine transzendente Welt gibt. Müssen wir deshalb unser Menschenbild ändern? Nein. Auch wenn wir keine Seele besitzen, bleiben wir doch Wesen, die wahrnehmen, Schmerz und Freude empfinden, nachdenken, entscheiden und handeln – manchmal sogar frei und verantwortlich. Und auch wenn es keine transzendente Welt gibt, können wir aufgrund moralischer Normen handeln, die für alle gelten.
Das Kunstwerk ;Tonaufnahme‘ schwebt nicht im luftleeren Raum, sondern sein Entstehen wird von kulturellen Gegebenheiten geprägt. Das Projekt „Kulturdatenanalyse“ vergleicht europäische und nordamerikanische Produktionskulturen etwa in Bezug auf Ausbildungsverläufe und den Gebrauch des Mischpults im Produktionsprozess. Es zeigt sich, dass die Unterschiede auch das habituelle Selbstverständnis der Berufe in Bezug auf das entstehende Werk prägen. Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten spielt während des Produktionsverlaufs eine große Rolle. Analytisch kann sichtbar gemacht werden, wie über musikalische Bedeutung gesprochen wird und wie Rollen konstruiert werden. Zudem wird in Aufnahmesituationen nicht nur gesungen oder gespielt, sondern häufig bestimmt das Gespräch zwischen den Beteiligten den Ablauf. Auch berufliches Wissen kann daher nicht als Wahrheit verstanden werden, sondern als Teil einer Kultur, die durch Praktiken gemacht und durch Diskurse transformiert wird.
Das Engelmann-Skizzenbuch ermöglicht einen Einblick in die Entstehung von zwei der bekanntesten Werke Ludwig van Beethovens: Es dokumentiert Beethovens letzte Arbeiten an den Diabelli-Variationen und enthält frühe Skizzen zur Neunten Symphonie. Das Skizzenbuch wird hier erstmals vollständig in Transkription vorgelegt. Die enthaltenen Skizzen werden bestimmten Werken und Werkabschnitten zugeordnet und analysiert. Zudem konnten durch die Untersuchung der Schreibprozesse neue Erkenntnisse über Beethovens Arbeitsorganisation und seine Schreibstrategien gewonnen werden. Dies wird durch neue Forschungen zur Provenienz des Skizzenbuchs ergänzt: Wie zuvor nicht bekannt, beschäftigte sich bereits Johannes Brahms mit diesem Skizzenbuch.