Kulturkonservative, geistesaristokratische und ressentimentale Denk- und Sprechweisen erfahren seit einigen Jahren eine erhebliche Konjunktur. Sie stehen dabei vielfach in der Tradition rechter Intellektuellendiskurse an der Schnittstelle von Ästhetik und Weltanschauung, die insbesondere seit dem Ende des Ersten Weltkriegs ihre jeweiligen Gegenwarten mit alternativen Entwürfen politischer, soziokultureller und anthropologischer Ordnungen konfrontieren. Die Beiträge des Bandes bringen anhand der wiederkehrenden, häufig in komplexer Verschränkung auftretenden Diskursphänomene Kulturkonservatismus, Geistesaristokratie und Ressentiment historische und gegenwärtige Formationen rechter Intellektuellendiskurse samt ihrer Medien und Netzwerke in eine vergleichende Konstellation.
Wie lassen sich die Vielfalt und Vielstimmigkeit der gegenwärtigen Kunstkritik erfassen? Der Band gibt Antworten in 35 paradigmatischen Kritiken. Die Autor:innen greifen die Stimmen, Perspektiven und Schreibweisen anderer prominenter Kritiker:innen auf und entfalten in kurzen experimentellen Formen die Potenziale der Kunstkritik. Wie würde der Aufklärer Denis Diderot über eine Ausstellung der Kunst des 21. Jahrhunderts schreiben? Wie könnte eine nie geschriebene Kritik von Caroline Schlegel zu Schillers Gedichten klingen? Was erfahren wir in einer Ausstellung Gauguins mit den Werken Franz Fanons im Gepäck? Der Band schafft in fiktionalen und transhistorischen Dialogen Spielräume, in denen sich das Schreiben performativ entfaltet, in denen Identitäten entstehen, ohne festgeschrieben zu werden, in denen Urteile gefunden und situiert werden. Weit davon entfernt, in eine angebliche Krise zu verfallen, zeigt sich, wie Kunstkritik Diskurse prägen und kritisch mitgestalten kann.
Brill Schreibformen, Fachbücher von Johanna-Charlotte Horst
Georges Perecs Werk sind zwei Erbschaften eingeschrieben: das familiäre Vermächtnis jüdischer Geschichte sowie das intellektuelle Testament des Marxismus. Das erste haben bereits viele gelesen, das zweite wurde bisher kaum beachtet. Die Studie „Schreibformen. Georges Perecs literarischer Materialismus“ schliesst diese Forschungslücke. Sie skizziert die marxistische Genealogie in Perecs Texten und zeigt, dass seine oulipotische Praxis nicht zu blossen Sprachspielereien führt. Das Schreiben unter formalen Einschränkungen ist vielmehr als eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Zwängen zu begreifen, unter denen auch die künstlerische Arbeit steht. Literarische Praxis und Gesellschaftskritik fallen dabei zusammen. Angesichts der gegenwärtigen Unschärfe im Verhältnis von Aktionismus und Kunst sind Perecs Schreibformen wegweisend.
Brill | Schöningh Die Evangelien nach Markus und Matthäus
Die neuartige Übersetzung der Evangelien nach Markus und Matthäus von Stefan Alkier und Thomas Paulsen führt die Fachkompetenzen eines Theologen und eines Klassischen Philologen zusammen. Sie wird in einer Lese- und einer Studienfassung vorgelegt, welche die ästhetische und theologische Sprachkraft dieser beiden neutestamentlichen Bücher auf ungewohnte Weise lesbar macht. „Den Satzbau im Griechischen nachahmend, übersetzt das Frankfurter Neue Testament jedes Wort im Evangelium nach Markus wortgenau. Diese Übersetzung erleichtert sowohl den Rückweg zum Urtext als auch eine Überprüfung der eigenen Interpretation. Eine höchst willkommene Hilfe für Anfänger und Fortgeschrittene!“ – Prof. Dr. Cilliers Breytenbach „Die konsequente Orientierung an der Ursprungssprache und die Übersetzung verbum pro verbo , die philologisch äußerst genau die Besonderheiten der griechischen Sprache – ihren Partikelgebrauch, ihre charakteristischen Partizipialkonstruktionen, ihre Besonderheiten in der Wortstellung – im Deutschen ausstellt, bietet einen zuweilen befremdlich klingenden, jedoch umso eindrücklicher wirkenden Text der „Frohbotschaft“. In ihrer radikalen Wörtlichkeit ist die Übersetzung ein Glückfall: Sie lädt ein innezuhalten, um die Texte in ihrem neuen alten Gewand ohne Glättungen und künstlichen rhetorischen Schmuck wirken zu lassen.“ – Prof. Dr. Manuel Baumbach
Dieser zweite Band enthält Studien von Gelehrten aus Rußland, Litauen, Bulgarien, Österreich und Deutschland, die sich im Laufe der Jahrzehnte mit eigenen Untersuchungen an der 1970 in Bonn begonnenen Erforschung und Edition der Gottesdienstmenäen beteiligt haben. Diese Arbeiten beschränken sich im Gegensatz zum ersten Band nicht mehr nur auf das mittelalterliche ostslavische Gottesdienstmenäum, sondern berücksichtigen auch Heiligenakoluthien aus dem südslavischen oder gar georgischen Raum, z.T. späterer Jahrhunderte. Hierbei finden u.a. ganz moderne Methoden Anwendung, wie z.B. eine linguistische Analyse mit Hilfe spezieller Funktionen der mathematischen Statistik.
Alles, was man von Luthers Lehre wissen muss, wird von Norbert Bolz knapp und klar dargeboten. Luther werden keine Widersprüche nachgewiesen und es wird auch nicht auf die Zeitbedingtheit seiner Aussagen verwiesen. Vielmehr geht es um die zentralen Bestandstücke von Luthers Lehre. Und diese Lehre ist einfach. Deshalb wird auch dieses Buch über ihn für jeden verständlich sein. Norbert Bolz bringt Luther gegen den sentimentalen Humanitarismus unserer Zeit in Stellung. Es gibt nämlich keinen schärferen Kritiker des Gutmenschentums als Luther. Der große dänische Protestant des 19. Jahrhunderts, Søren Kierkegaard, spricht in diesem Zusammenhang von christlicher Abhärtung. Er trifft den entscheidenden Punkt, wenn er sagt, Luther lehre einen Glauben für Erwachsene. Und genau das tut der evangelischen Kirche heute Not. Das große Lutherjahr 2017 bietet für das große Umdenken den geeigneten Anlass. Luther hat mit seinem Angriff auf die Kirche das Christentum gerettet. Das heißt aber, dass er auch der katholischen Kirche gut getan hat. Deshalb sollten gerade auch die Katholiken an Luther ein vitales Interesse haben. Und die Unwissenden oder Ungläubigen werden in ihm ihre größte Herausforderung finden.
A woman is implicated in an assassination and captured on CCTV. Instead of looking for a truth behind the image – is she really guilty? – the writer and curator Shumon Basar dives deeper into the image itself. The kaleidoscopic result of this “paranoid; associative portrait” is the gateway for the authors of this volume to meme Basar’s encounter with the digital image and to unfold what can be recognized as a post-digital image practice. To cut, to split, to reformat, to rearrange, to zoom – these techniques mix up the relation of reality and its representations and show that questions concerning the truthfulness of images under post-digital circumstances come to a dead end. The mimetic status of imagery, the search for the one and only original or false copy becomes an unsolvable quest in a world that is overloaded with images. What the authors of this volume therefore call for is not to neglect the concept of mimesis but to treat it as even more important – though as a dynamic not as a normative, hierarchical ranking tool.
Brill Das KZ-Bordell, Fachbücher von Robert Sommer
Die erste Gesamtdarstellung eines Themas, das bislang weitgehend im Verborgenen geblieben ist: die Zwangsprostitution im Lagersystem der SS. Robert Sommers grundlegendes Buch zeichnet das Bild einer bisher unbekannten Realität des Schreckens. Auf Befehl Himmlers wurden ab 1942 in den grössten Konzentrationslagern Bordelle für Häftlinge eingerichtet. Der Bordellbesuch war als Anreiz zur Steigerung der Arbeitsleistung der in das System der Kriegswirtschaft eingebetteten Arbeitssklaven in den Lagern gedacht. Die umfassende Darstellung beschreibt detailliert die Gründe für die Einrichtung der Lagerbordelle, ihre Funktion im System der Konzentrationslager, die Organisation des Bordellbetriebs, die Lebensbedingungen und die Überlebensstrategien der Frauen, die Motive der Bordellbesucher sowie den Ablauf ihrer Besuche.
Oberschlesien: Es gilt einen Brennpunkt der Geschichte des 20. Jahrhunderts neu zu entdecken, eine der interessantesten und vielfältigsten Regionen Mitteleuropas. Polen und Deutsche, Oberschlesier, Böhmen und Mährer prägten und prägen das Industrie und Naturland Oberschlesien. Ihr Zusammenleben war oft friedlich, manchmal konfliktträchtig. Die Autoren führen in 20 spannenden Kapiteln durch die wechselvolle Geschichte ihrer Heimat – von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche historische Fotos und Zeitzeugenberichte ergänzen die Darstellung und verschaffen dem Leser ein lebendiges Bild.
Walther Ch. Zimmerlis philosophische Bemühungen sind von Grenzgängen zwischen und Überschreitungen von Disziplinen gekennzeichnet und von der Grundüberzeugung getragen, dass Philosophie sich einzumischen und einzubringen hat. Sie muss sich also mit den Lebensfragen der Menschen selbst auseinandersetzen. Zimmerlis philosophisches Ziel ist immer, die Problemlösungsqualität zu steigern. Um dies zu erreichen haben ihn Zeit seines akademischen Lebens weder disziplinäre Grenzen noch systematische Zuordnungen interessiert, sondern er hat Fragen der Technikbewertung (z.B. Kernenergie), der gentechnisch verfahrenden Biotechnologie (sog. Life Sciences), des Umgangs mit Computern philosophisch thematisiert. Bezugspunkt dabei war stets die öffentliche Vernunft als ein abwägendes Bemühen, politische Willensbildung, ökonomische Interessen, technologischen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung mit ihrer lebensweltlich unterschiedlichen Kommunikativität aufeinander zu beziehen und das bessere Argument zur Geltung zu bringen. Sich im öffentlichen Raum zu bewegen, heißt für ihn, begründet Position zu beziehen, reflektiert Gestaltungsspielräume auszunutzen und persönliche Verantwortung zu übernehmen. Davon ist sowohl seine akademische als auch seine hochschulpolitische Karriere sowie seine Tätigkeit in der Wirtschaft geprägt. Allen Bestrebungen gemeinsam ist die Suche nach Neuem und die Frage, wie es entsteht? Handlungsleitend für Walther Ch. Zimmerli war und ist aber stets, ob und wie diese Innovationen eine Verbesserung für die Menschen in Gegenwart und Zukunft darstellen.
Brockelmann s " Geschichte der arabischen Litteratur" offers bio-bibliographic information about works written in Arabic and their authors, with an emphasis on manuscripts from the classical period. This originally multivolume reference work is divided in chronologically organized sections, which are subdivided by literary genre. Individual entries typically consist of a biographical section and a list of the author s works in manuscript and print, with references to secondary literature. The " Brockelmann " is an indispensible research tool for anyone working on the Islamic world in general and the Middle East in particular. For this paperback edition, volume SIII has been subdivided in two volumes, SIII-i containing all additions to the previous volumes, and SIII-ii containing the Indices. All page numbers are identical to Brill s hardback editions.
Anschließend an bisherige Forschungserkenntnisse zu Robert Musils Rezeption und Integration der Bibel in seinem literarischen wie essayistischen Œuvre untersuchen die Beiträge des Bandes interdiskursive Vernetzungen zwischen Dichtung und Religion(swissenschaft) bzw. Literatur und Theologie aus historischer wie systematischer Perspektive. Besonderes Augenmerk gilt dabei neben allgemeinen biblischen Bezügen Musils Verständnis von „Gott“ in der gesamten Bandbreite: zwischen dessen Abwesenheit oder Fehlen in der weiteren Nachfolge Nietzsches einerseits und dessen All- oder gar Übergegenwart in – sei es mathematisch oder künstlerisch – säkularisierter Form andererseits. Aus diesem Changieren zwischen Hoffnung auf Parusie und Erwartung der Apokalypse lässt sich eine Ahnung gewinnen, welchen Erkenntnisgewinn sich der österreichische Schriftsteller von dem versprach, was er gegen Ende seines Lebens unter dem Stichwort „Laientheologie“ skizzierte.
In welcher Beziehung stehen das früheste Evangelium, das des Markus, und die ersten Gemeindebriefe des Apostels Paulus zueinander? Heidrun E. Mader gibt einen umfassenden Überblick über die Beziehung zwischen den Paulusbriefen und dem Markusevangelium. Sie integriert mehrere Themen, die Paulus und Markus in ähnlicher Weise behandeln, zu einem konsistenten Gesamtbild. Dabei kommen zur Sprache: der universalistische Begriff Evangelium; die Integration paganer Christusgläubiger; die Stellung der Tora im frühchristlichen Gemeinschaftsleben; die zentrale Rolle des Kreuzes. Mader zeigt, dass es spezifische und exklusive Übereinstimmungen zwischen Paulus und Markus gibt, die über Gemeinsamkeiten mit anderen antiken Schriften hinausgehen. Die Ergebnisse lassen jedoch nicht zwingend auf eine direkte literarische Abhängigkeit schließen. Die paulinische Theologie könnte auch mündlich übermittelt worden sein, insbesondere wenn die Hypothese zutrifft, dass Markus in Rom lebte, so dass er Anfang der 60er Jahre Paulus selbst in Rom hören konnte.
This book unpicks how the growing role of technology, particularly tools designed to solve real-world problems, impacts thinking and expression. Mind-bending AI-generated fact, fiction, art and music challenge the boundaries of machine capability and human consciousness. Quantum physics views consciousness as self-observation reliant on language and thinking. Now machines implement life routines, there is a need for better human thinkers and communicators for tackling issues, like climate change and overpopulation. World Thinking Studies show decline in language and thinking, with one-third of adults lacking them for life needs. Technology reduces direct talk - essential for thought. A 2024 Mental State of the Year study finds Britain the world's second most miserable place, only slightly more cheerful than Uzbekistan, showing inability to think through and solve problems. The subjects discussed in this book are processes, for applying technology successfully; practices, to determine how to implement technology support for thinking, communication, and collaboration; performance, in terms of student technology experiences; and predictions, to outline and analyse current technology trends.
This volume offers the first in-depth analysis of the literary structure of Hebrews against the background of its most frequently mentioned Sitz im Leben, the ancient synagogue. In the context of the liturgical year and its reconstructed cycle of readings, the text is newly interpreted on the basis of Exod 31:18-32:35 and Jer 31:31-34, so as to demonstrate that Hebrews was an ancient homily for the most important fast-day, Tisha be-Av, on which the destruction of the two temples was commemorated. The first part presents 20th- and 21st-century scholarship on Hebrews and a new structural analysis. The second part offers a detailed discussion of the ancient synagogue and its liturgy. This allows the reconstruction of the readings on which the text of Hebrews is based and a positioning within the liturgical year. The resulting thesis, that Hebrews is an exhortative homily for Tisha be-Av, is confirmed through a motivic analysis of all the biblical texts read on this fast-day. On the basis of the hermeneutical key thereby established, the third part offers seven cumulative readings of the entire text: structural, contextual, intertextual, rhetorical, theological, socio-historical, and hermeneutical-critical. These generate new interpretations and insights within the horizon of current Hebrews scholarship. The present monograph is the first to connect research on the ancient synagogue and its liturgy with a comprehensive interpretation of Hebrews that also discusses alternative form-critical avenues and establishes intertextual connections, especially to relevant rabbinic texts. The examination is directed not only to those with a specific interest in Hebrews, but also to scholars and students of the New Testament, Theology, Jewish Studies, and Religious Studies. ***** Der vorliegende Band bietet erstmals eine fundierte Analyse der literarischen Struktur des Hebräers vor dem Hintergrund seines meistgenannten Sitzes im Leben, der antiken Synagoge. Im Kontext des liturgischen Jahres sowie des rekonstruierten Lesezyklus' wird die Schrift neu auf der Basis der Lesungen aus Ex 31,18-32,35 und Jer 31,31-34 als antike Homilie zum wichtigsten Fasttag von Tischa be-Aw, an dem der Zerstörung der beiden Tempel gedacht wurde, erschlossen. Die Untersuchung stellt im ersten Teil die Hebräerforschung des 20. und 21. Jahrhunderts sowie eine neue Strukturanalyse vor. Der zweite Teil fügt eine profunde Untersuchung der antiken Synagoge sowie der antiken Synagogenhomilie im liturgischen Kontext hinzu. Diese erlaubt die Rekonstruktion der dem Hebräertext zugrunde liegenden Lesungen und eine Positionierung innerhalb des liturgischen Jahres. Die resultierende These, dass der Hebräer eine mahnende Homilie zu Tischa be-Aw sei, wird im Rahmen einer Motivanalyse sämtlicher zu diesem Fasttag gelesenen biblischen Texte bekräftigt. Im dritten Teil wird der gesamte Text auf der Basis des etablierten hermeneutischen Schlüssels sieben kumulativen Lesungen unterzogen, einer strukturellen, kontextuellen, intertextuellen, rhetorischen, theologischen, sozio-historischen sowie einer hermeneutisch-kritischen. Diese generieren vor dem Horizont der aktuellen Hebräerforschung neue Interpretationsmöglichkeiten und Einsichten. Die vorliegende Monographie verbindet zum ersten Mal Forschungen zur antiken Synagoge und ihrer Liturgie mit einer kohärenten Interpretation des Hebräertextes, die auch alternative formkritische Ansätze thematisiert sowie intertextuelle Bezüge insbesondere zu relevanten rabbinischen Texten benennt. Die Ausführungen richten sich somit nicht nur an solche mit einem spezifischen Interesse am Hebräer, sondern auch an ForscherInnen und StudentInnen des Neuen Testaments, der Theologie, der Judaistik sowie der Religionswissenschaften.
Immenses Vermögen, transnationale Mobilität, ein globales Familiennetzwerk und erbitterte Konflikte sind die Kennzeichen der Familie Thyssen im 20. Jahrhundert. Ihr Vermögen bietet den zentralen Schlüssel für das Leben der Thyssens seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Es ermöglichte extravagante Lebensweisen in Europa, den USA und Südamerika. Es stand im Zentrum heftiger Konflikte innerhalb der Familie, ihm galt in Kriegs- und Krisenzeiten aber auch die gemeinsame Sorge. Um es zu erhalten und zu mehren, entwickelten die Thyssens Strategien, ihr Vermögen international möglichst unsichtbar zu streuen. Sie nahmen dabei Praktiken vorweg, die in manchem dem globalen Finanzkapitalismus der Gegenwart nahe kamen. Erstmals nimmt die Studie das ganze Spektrum der Beteiligten im Zusammenspiel von Familie und Vermögen in den Blick - von den männlichen und weiblichen Thyssens über ihre Hausangestellten bis hin zu ihren zahlreichen Rechts- und Finanzberatern.
Während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit wurden zahllose Menschen aus ihrer Heimat und ihren sozialen Bindungen gerissen. In dem kleinen westfälischen Dorf Wewelsburg wurden auf dem Gelände des Konzentrationslagers Niederhagen Menschen aus ganz Europa untergebracht. KZ-Häftlinge und „Volksdeutsche“ wurden Opfer der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus. Nach dem Krieg lebten zunächst ehemalige Zwangsarbeitende und später deutsche Geflüchtete und Vertriebene aus Osteuropa auf dem Lagergelände. In den Biografien dieser Männer, Frauen und Kinder zeigt sich wie unter einer Lupe die deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ausgewählte Lebenswege werden in diesem Sammelband vorgestellt.
Brill | Schöningh Die Berliner Afrikakonferenz 1884/1885
Die Berliner Afrika-Konferenz von 1884/1885 war und ist ein umstrittenes Ereignis von globaler Bedeutung. Auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck und des französischen Ministerpräsidenten Jules Ferry trafen sich Botschafter 13 europäischer Mächte und der USA in Berlin, um über Handelsfreiheit auf den Flüssen Niger und Kongo, Behinderung des Sklavenhandels sowie Bedingungen territorialer Aneignung und internationaler Konfliktregulierung zu verhandeln. 140 Jahre danach beleuchtet der Sammelband die Interessen einiger an der Konferenz beteiligter Akteure. Vor allem aber fragen die Aufsätze nach den Folgen der Konferenz für die Regionen Afrikas, die Gegenstand der Verhandlungen waren – deren staatliche Einheiten indes keinen Anteil an diesen Verhandlungen hatten.
Zum 100. Geburtstag des Hörspiels legt Günter Peters eine Geschichte dieser Kunstgattung vor, die seit ihrer Entstehung eine breite thematische Palette und ein vielfältiges Formenrepertoire entwickelt hat. Flankiert von der Kritik am Rundfunk als bloßem Distributionsapparat und der Utopie einer absoluten Radiokunst erkunden Autoren die Möglichkeiten des Mediums von den zartesten Regungen der Stimme bis zum volltönenden Geräusch der Welt. Als die Nazis den Rundfunk erobern, stagniert das Hörspiel im Anpassungszwang der Autoren, die dennoch versuchen, es am Leben zu erhalten. Nach dem Krieg erlebt das Hörspiel im Leitmedium Radio seine Blüte. Dabei zeigt sich der Gegensatz von West und Ost auch in der Hörspielästhetik. In den 70er Jahren gerät das literarische Hörspiel in die Defensive gegenüber dem klang- und sprachexperimentellen Neuen Hörspiel. Aber durch diesen Streit öffnet sich die Hörspiellandschaft zu grenzenlosen Möglichkeiten, das Leben im Akustischen zu spiegeln.