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Herder Gelobt seist du, Niemand A1066513333
Paul Celans Gedichte sind dem Verstummen abgerungen. Sie gehen an die Grenzen der Sprache, um den unbestatteten Toten der Shoah einen Erinnerungsort in der Dichtung zu geben. Gleichzeitig umkreisen sie den abwesenden Gott, der paradoxerweise als »Niemand« adressiert wird. Jan-Heiner Tück geht in seiner viel beachteten Celan-Studie behutsam den religiösen Spuren in Celans Lyrik nach und deutet sie als Anstoß für eine Theologie nach Auschwitz. Die erweiterte und durchgesehene Neuausgabe wurde von Eckhard Nordhofen um ein Geleitwort ergänzt.
Der Übersetzer Celan ist lange aus dem Schatten des Dichters Celan herausgetreten und gilt als Klassiker der Übersetzung. Für das Verständnis der poetologischen Dimension von Celans Übersetzungen ist seine Auseinandersetzung mit dem russisch-jüdischen Dichter Ossip Mandelstamm unentbehrlich. „Am Mandelstamm zackernd, aufs neue“ zeichnet die Autorin die Ausweitung des Begriffs Übersetzung im Celanschen Sinne nach und lotet in der Analyse der 45 übersetzten Mandelstamm-Gedichte die „Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Übersetzens“ aus. Die Grenzen der Ausweitung werden einerseits auf konventionelle Weise im Bereich der Versifikation erfasst. Andererseits wird hier zum ersten Mal ein Versuch unternommen, die 45 übersetzten Mandelstamm-Gedichte als einen Gedichtband zu lesen, der auch durch seine Komposition die Geschichte der Begegnung zwischen Mandelstamm und Celan erzählt.
Studie zu Fragen der Topographie in der Dichtung Paul Celans, ausgehend von den semantischen Transformationen, auf dem Weg durch mehr als eine Sprache, der ersten drei Lettern – buk – desjenigen Ortes, den Celan wiederholt 'meine Heimat' nennt: Bukowina.
Studie zu Fragen der Topographie in der Dichtung Paul Celans, ausgehend von den semantischen Transformationen, auf dem Weg durch mehr als eine Sprache, der ersten drei Lettern – buk – desjenigen Ortes, den Celan wiederholt 'meine Heimat' nennt: Bukowina.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1033766638
Mit den beiden letzten Bänden 15 und 16 der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans (»Bonner Ausgabe«) tritt die Prosa in den Blickpunkt, nachdem mit den Bänden 1-14 das lyrische Werk vollständig ediert vorliegt. Im Zentrum des Doppelbandes 15 steht die Edition sämtlicher Fassungen von Celans Büchner-Preisrede »Der Meridian« von 1960, eines der bedeutendsten und meistgedeuteten poetologischen Texte des 20. Jahrhunderts. In chronologischer Folge enthält der Band darüber hinaus die von Celan zwischen 1948 und 1969 publizierten Prosatexte und Reden und seine namentlich gezeichneten Beiträge zu russischen Autoren, einschließlich des zu Lebzeiten nicht im Druck erschienenen, 1960 gesendeten Rundfunkessays über Mandelstamm. In einem dritten Teil werden Celans veröffentlichte Antworten auf Anfragen von Zeitschriften und Anthologien publiziert. Am Schluss des Bandes findet sich der 1948 gemeinsam mit Edgar Jené unterzeichnete frühe Prosatext »Eine Lanze«. Band 15.1 bietet die kritisch edierten Texte, Band 15.2 editorische Vorbemerkung, Textzeugenübersichten und textgenetische Darstellungen. Die historisch-kritische »Bonner Ausgabe« (BCA), herausgegeben von der Bonner Forschungsstelle Paul Celan, ist die umfangreichste und maßgebliche Edition von Celans dichterischem Werk einschließlich ihrer sämtlichen Vorstufen. Sie umfasst 16 Bände, von denen das »Lyrische Werk« in 14 Bänden bereits vorliegt. Der letzte Band 16 erscheint voraussichtlich 2015.
Frank & Timme Ein Mandeltraum, Fachbücher von Natascha Timoschkowa
Der Übersetzer Celan ist lange aus dem Schatten des Dichters Celan herausgetreten und gilt als Klassiker der Übersetzung. Für das Verständnis der poetologischen Dimension von Celans Übersetzungen ist seine Auseinandersetzung mit dem russisch-jüdischen Dichter Ossip Mandelstamm unentbehrlich. 'Am Mandelstamm zackernd, aufs neue' zeichnet die Autorin die Ausweitung des Begriffs 'Übersetzung' im Celanschen Sinne nach und lotet in der Analyse der 45 übersetzten Mandelstamm-Gedichte die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Übersetzens aus. Die Grenzen der Ausweitung werden einerseits auf konventionelle Weise im Bereich der Versifikation erfasst. Andererseits wird hier zum ersten Mal ein Versuch unternommen, die 45 übersetzten Mandelstamm-Gedichte als einen Gedichtband zu lesen, der auch durch seine Komposition die Geschichte der Begegnung zwischen Mandelstamm und Celan erzählt.
Der Übersetzer Celan ist lange aus dem Schatten des Dichters Celan herausgetreten und gilt als Klassiker der Übersetzung. Für das Verständnis der poetologischen Dimension von Celans Übersetzungen ist seine Auseinandersetzung mit dem russisch-jüdischen Dichter Ossip Mandelstamm unentbehrlich. „Am Mandelstamm zackernd, aufs neue“ zeichnet die Autorin die Ausweitung des Begriffs Übersetzung im Celanschen Sinne nach und lotet in der Analyse der 45 übersetzten Mandelstamm-Gedichte die „Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Übersetzens“ aus. Die Grenzen der Ausweitung werden einerseits auf konventionelle Weise im Bereich der Versifikation erfasst. Andererseits wird hier zum ersten Mal ein Versuch unternommen, die 45 übersetzten Mandelstamm-Gedichte als einen Gedichtband zu lesen, der auch durch seine Komposition die Geschichte der Begegnung zwischen Mandelstamm und Celan erzählt.
Die 677 Dokumente dieses Briefwechsels aus den Jahren 1951–1970 sind ein einzigartiges Zeugnis. Paul Celan, ein Dichter von großer Diskretion, öffnet sich hier in der privatesten seiner Beziehungen. Anschaulich, wenn auch oft erst im Zusammenhang mit der Kommentierung, werden nicht nur Entstehung und Hintergrund vieler seiner Gedichte. Anschaulich wird sein Verhältnis zu Deutschland, diesem ihm auf seinen Reisen trotz der deutschen Muttersprache so fremd bleibenden Land. Zugleich dokumentieren diese Briefe auch den Lebensweg der Künstlerin Gisèle Celan-Lestrange; sie zeichnen ihre künstlerische Entwicklung von den Anfängen als Malerin bis hin zu ihren bedeutenden graphischen Werken und der Zusammenarbeit mit Paul Celan. Anschaulich werden aber auch die verzweifelten Phasen dieser Ehe, Celans Zusammenbrüche und Klinikeinweisungen, die sich erneuernden Hoffnungen und die bis zum Schluß trotz aller Trennungen gemeinsam getragene Sorge um den Sohn Eric. Die Ausgabe enthält neben dem Briefwechsel eine Auswahl der Briefe Celans an seinen Sohn sowie ergänzende Dokumente. Den ersten Band mit den Brieftexten erschließt ein zweiter mit Nachworten, ausführlichen Anmerkungen, einer umfassenden Zeittafel, Werkverzeichnissen und Registern.
Paul Celan: Einer der wichtigsten deutschsprachigen Dichter im Originalton Seine Dichtung ist Weltliteratur voller Musikalität und Formkraft, die das Äußerste an menschlicher Erfahrung ins Wort setzt. Für die ganz besondere Art, seine Gedichte vorzutragen, war Paul Celan berühmt. Zwischen seiner viel diskutierten Lesung 1952 vor der Gruppe 47 bis zu seinem Tod als gefeierter Lyriker liegen knapp zwei Jahrzehnte, in denen Celan seine Gedichte in zahlreichen Rundfunk- und öffentlichen Lesungen vortrug und seinen Stil nach und nach veränderte. In dieser neuen Zusammenstellung sind diese Originalaufnahmen erstmals gesammelt zu hören. Ausführlicher Begleittext mit Hintergründen zu Celans Leben, Werk und den Lesungen von Spezialist Hans-Ulrich Wagner. Mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen. Enthält: »Todesfuge«, »Ich zähle die Mandeln«, »Sprachgitter«, »Corona«, »Gespräch im Gebirg« u. v. a. Lesung/O-Ton mit Paul Celan 2 CDs, 1h 59min
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1015081926
Band 13 der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans bietet die nachgelassenen Gedichte und die Gedichtbruchstücke der Jahre 1963 bis 1968 – mit Ausnahme des 1966 entstandenen Projekts "Eingedunkelt", das bereits in Band 12 ediert wurde. Die Texte sind auch hier, der Folge von Celans Gedichtbänden entsprechend, nach Werkphasen geordnet. Die umfangreichste Gedichtgruppe stellen die 43 ursprünglich zum Bestand "Schneepart" gehörenden Texte dar, die vom Autor selbst schon aus dem Zusammenhang der Sammlung, der Grundlage für den 1971 postum erschienenen Gedichtband "Schneepart", ausgeschlossen wurden. Erstmals publiziert wird im folgenden Teil des Bandes unter dem Titel ›Projekt Nachtstück‹ ein Aufzeichnungszusammenhang Celans von 1966, der bislang nur nachrichtlich bekannt war. Die historisch-kritische Bonner Ausgabe (BCA) ist die maßgebliche Edition aller Werke Paul Celans einschließlich ihrer sämtlichen Vorstufen. Die erste Abteilung, Lyrik und Prosa, ist auf 16 Bände angelegt. Mit Band 13 der historisch-kritischen Ausgabe liegt Celans (deutschsprachige) Lyrik in vierzehn Bänden abgeschlossen vor. Die beiden letzten Bände der Bonner Ausgabe mit Celans Prosa (Bände 15 und 16) erscheinen gemeinsam ca. 2013.
Diese Korrespondenz ist ein außergewöhnliches Dokument: Gustav Chomed (1920-2002) war ein Schulkamerad und enger Freund Celans seit etwa 1932. Der zwischen beiden geführte Briefwechsel der Jahre 1938-1970 überbrückt die größte Zeitspanne aller Celan-Briefwechsel und ist zwischen beiden Briefpartnern ausgewogen wie kein zweiter. 1938 beginnt die Korrespondenz mit einem langen Brief Celans aus Tours, einem der frühesten bekannten Briefe des Dichters überhaupt. Am Ende stehen Briefe aus den letzten Lebensmonaten 1970, in denen Celan seine verzweifelte Situation zu erkennen gibt und zugleich noch einmal wichtige Positionen seiner späten Poetik formuliert. Aus Chomeds Briefen wiederum erfahren wir nicht nur von der Situation der im sowjetischen Czernowitz zurückgebliebenen Freunde Celans. In ihnen berichtet er auch von seinem Weg als Soldat der Roten Armee, der Auschwitz und die verkohlte Leiche von Goebbels im eroberten Berlin mit eigenen Augen gesehen und der als Dolmetscher an den Nürnberger Prozessen teilgenommen hat. Die Ausgabe dieser Briefe mit Nachwort und Kommentar läßt eine im Leben Paul Celans selten enge, vertrauensvolle und dauerhafte Beziehung vor dem katastrophischen Hintergrund des 20. Jahrhunderts lebendig werden.
Eine Sammlung von Analysen zu Paul Celans übersetzerischem Werk wird in diesem Band den Reflexionen von Übersetzern Celans in andere Sprachen gegenübergestellt. Der Reiz dieser Gegenüberstellung liegt darin, Sprache und Verständnis eines Gedichts einem notgedrungenen Prozess der Transformation zu unterwerfen.
Walter de Gruyter Eine grauere Sprache, Fachbücher von Jana Maria Weiss
"Eine grauere Sprache" ist ein Fachbuch, das sich mit der Poetik der Mehrsprachigkeit von Paul Celan auseinandersetzt. Verfasst von Jana Maria Weiss, richtet sich das Werk an Forschende, Studierende und Doktoranden im Bereich Sprache und Literatur. Das Buch bietet eine tiefgehende Analyse und Erörterung der komplexen sprachlichen Strukturen und der literarischen Techniken, die Celan in seinen Werken verwendet. Mit einem festen Einband und einer Seitenanzahl von 477 ist es sowohl für die akademische als auch für die persönliche Bibliothek geeignet. Die Veröffentlichung im Jahr 2025 stellt sicher, dass die Inhalte auf dem neuesten Stand der Forschung sind. Das Buch ist in deutscher Sprache verfasst und stammt aus Deutschland, was es zu einer wertvollen Ressource für alle macht, die sich intensiv mit der Mehrsprachigkeit und der Literatur von Paul Celan beschäftigen möchten. Die erste Auflage bietet eine umfassende Grundlage für das Verständnis der vielschichtigen Themen, die in Celans Werk behandelt werden.
Das negativistische und vieldimensionale Sprachphänomen „Schweigen“ ist in der Celan-Forschung naturgemäß äußerst divergent kommentiert worden. Die gängigen Rezeptionslinien reichen vom Hermetik-Vorwurf in den 50er-Jahren zu Deutungen des Schweigens als Totengedenken, im Sinne einer mystischen Sprache sowie später auch im Rahmen des multidisziplinären Traumadiskurses. Ergänzend dazu zeigt Meret Eliezer ein Schweigen in Celans Werk auf, das im Zeichen des Eingedenkens einer als unabgeschlossen betrachteten Vergangenheit steht und damit in der ethisch-moralischen Absicht, in einer gewissen positivistischen Weise nicht mehr weitersprechen zu wollen, des „Rechts“ der unschuldig Getöteten wegen. Der ethisch-moralische Anspruch des Gedichts, der Sinnlosigkeit des Leidens und des gewaltsamen Todes dichterisch eingedenk zu bleiben, provoziert Celans neue, aktualisierte Sprache (Celan, Der Meridian 1960), in der sich zunehmend ein Schweigen der Bedeutung, des Sinns ausbreitet.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1042403152
Mit den Bänden 15 (bereits erschienen) und 16 der Historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans ( Bonner Ausgabe ) tritt die Prosa in den Blickpunkt, nachdem mit den Bänden 1-14 das lyrische Werk vollständig ediert vorliegt. Im Zentrum des Bandes 16 steht die Edition sämtlicher vorbereitender Materialien zur Büchner-Preis-Rede Der Meridian von 1960, einem der bedeutendsten und meistgedeuteten poetologischen Texte des 20. Jahrhunderts. Es schließt sich die Edition diverser unveröffentlichter Ensembles wie Umkreis Gegenlicht , Gegen das Gelichter , Erzählerisches, Poetologisches und Szenisches an. Ergänzt wird der Band durch einen reichhaltigen, über einhundertseitigen Anteil von Faksimiles und einen Index. Mit diesem Band ist die Historisch-kritische Ausgabe von Lyrik und Prosa Paul Celans, besorgt von der Bonner Arbeitsstelle für die Celan-Ausgabe, nach über 40 Jahren der Planung und Ausführung abgeschlossen. Sie ist die umfangreichste Edition von Celans dichterischem Werk.
Die 677 Dokumente dieses Briefwechsels aus den Jahren 1951–1970 sind ein einzigartiges Zeugnis. Paul Celan, ein Dichter von großer Diskretion, öffnet sich hier in der privatesten seiner Beziehungen. Anschaulich, wenn auch oft erst im Zusammenhang mit der Kommentierung, werden nicht nur Entstehung und Hintergrund vieler seiner Gedichte. Anschaulich wird sein Verhältnis zu Deutschland, diesem ihm auf seinen Reisen trotz der deutschen Muttersprache so fremd bleibenden Land. Zugleich dokumentieren diese Briefe auch den Lebensweg der Künstlerin Gisèle Celan-Lestrange; sie zeichnen ihre künstlerische Entwicklung von den Anfängen als Malerin bis hin zu ihren bedeutenden graphischen Werken und der Zusammenarbeit mit Paul Celan. Anschaulich werden aber auch die verzweifelten Phasen dieser Ehe, Celans Zusammenbrüche und Klinikeinweisungen, die sich erneuernden Hoffnungen und die bis zum Schluß trotz aller Trennungen gemeinsam getragene Sorge um den Sohn Eric. Die Ausgabe enthält neben dem Briefwechsel eine Auswahl der Briefe Celans an seinen Sohn sowie ergänzende Dokumente. Den ersten Band mit den Brieftexten erschließt ein zweiter mit Nachworten, ausführlichen Anmerkungen, einer umfassenden Zeittafel, Werkverzeichnissen und Registern.
Lesen war für Paul Celan immer auch Erlebnis: Seine vielfältigen Lektüren von Büchern, Zeitschriften und Tagespresse waren ihm ebenso Ausgangspunkt für Gedichte wie persönliche Begegnungen und politische Ereignisse. Als 2003 erstmals eine kommentierte Gesamtausgabe von Celans Gedichten erschien, stand die Erschließung solcher Quellen noch am Anfang. Ausgaben der bedeutendsten Briefwechsel liegen inzwischen vor, die kritischen Werkausgaben sind vollendet, und die Erforschung von Celans Nachlassbibliothek mit seinen Lesespuren, Anstreichungen und Notaten, ist weit vorangeschritten. Auf dieser Grundlage konnten gegenüber der Ausgabe von 2003 nicht nur knapp 60 Gedichte, darunter Erstdrucke, ergänzt und alle Texte einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. Der Kommentar ist ebenfalls neu gestaltet und erheblich erweitert, gerade auch durch intensive Recherchen der Herausgeberin im Bereich von Celans Presselektüren. Besonderes Augenmerk gilt dem – im Sinne seiner Poetologie – ›eingeschriebenen Datum‹ eines jeden Gedichts. Mit der neuen Ausgabe wird dem Leser eine Fülle belegbarer Informationen für das Verständnis von Celans Lyrik an die Hand gegeben: Erst dadurch wird dieser immer noch als ›hermetisch‹ betrachtete Autor in der ganzen Konkretheit und Radikalität seiner Realitätserfahrung erkennbar.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1042403152
Mit den Bänden 15 (bereits erschienen) und 16 der Historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans ( Bonner Ausgabe ) tritt die Prosa in den Blickpunkt, nachdem mit den Bänden 1-14 das lyrische Werk vollständig ediert vorliegt. Im Zentrum des Bandes 16 steht die Edition sämtlicher vorbereitender Materialien zur Büchner-Preis-Rede Der Meridian von 1960, einem der bedeutendsten und meistgedeuteten poetologischen Texte des 20. Jahrhunderts. Es schließt sich die Edition diverser unveröffentlichter Ensembles wie Umkreis Gegenlicht , Gegen das Gelichter , Erzählerisches, Poetologisches und Szenisches an. Ergänzt wird der Band durch einen reichhaltigen, über einhundertseitigen Anteil von Faksimiles und einen Index. Mit diesem Band ist die Historisch-kritische Ausgabe von Lyrik und Prosa Paul Celans, besorgt von der Bonner Arbeitsstelle für die Celan-Ausgabe, nach über 40 Jahren der Planung und Ausführung abgeschlossen. Sie ist die umfangreichste Edition von Celans dichterischem Werk.
Das negativistische und vieldimensionale Sprachphänomen „Schweigen“ ist in der Celan-Forschung naturgemäß äußerst divergent kommentiert worden. Die gängigen Rezeptionslinien reichen vom Hermetik-Vorwurf in den 50er-Jahren zu Deutungen des Schweigens als Totengedenken, im Sinne einer mystischen Sprache sowie später auch im Rahmen des multidisziplinären Traumadiskurses. Ergänzend dazu zeigt Meret Eliezer ein Schweigen in Celans Werk auf, das im Zeichen des Eingedenkens einer als unabgeschlossen betrachteten Vergangenheit steht und damit in der ethisch-moralischen Absicht, in einer gewissen positivistischen Weise nicht mehr weitersprechen zu wollen, des „Rechts“ der unschuldig Getöteten wegen. Der ethisch-moralische Anspruch des Gedichts, der Sinnlosigkeit des Leidens und des gewaltsamen Todes dichterisch eingedenk zu bleiben, provoziert Celans neue, aktualisierte Sprache (Celan, Der Meridian 1960), in der sich zunehmend ein Schweigen der Bedeutung, des Sinns ausbreitet.
In einem früheren lyrischen Prosatext bezeichnete sich Paul Celan (damals Paul Antschel) als einen "Anhänger des erotischen Absolutismus". Obgleich dieses einmalige Bekenntnis im wesentlichen rätselhaft bleibt, benennt es eine Tendenz, die im Gesamtwerk ungebrochen erhalten blieb: In und mit seiner Lyrik befürwortet Paul Antschel-Celan den Drang des Eros zum Absoluten hin. In dieser Hinsicht knüpfte Celan seine Poesie an eine vielschichtige, geheimnisvolle Basisstation poetischer Selbstverständigung, die sich von der Antike bis in die Moderne fortschrieb, die aber nach der bewußtseinsgeschichtlichen Zäsur der Shoah unter der Last verdunkelter Bilder und verstümmelter Sprache einzustürzen drohte.