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Suhrkamp Die Gedichte A1046917034
Lesen war für Paul Celan immer auch Erlebnis: Seine vielfältigen Lektüren von Büchern, Zeitschriften und Tagespresse waren ihm ebenso Ausgangspunkt für Gedichte wie persönliche Begegnungen und politische Ereignisse. Als 2003 erstmals eine kommentierte Gesamtausgabe von Celans Gedichten erschien, stand die Erschließung solcher Quellen noch am Anfang. Ausgaben der bedeutendsten Briefwechsel liegen inzwischen vor, die kritischen Werkausgaben sind vollendet, und die Erforschung von Celans Nachlassbibliothek mit seinen Lesespuren, Anstreichungen und Notaten, ist weit vorangeschritten. Auf dieser Grundlage konnten gegenüber der Ausgabe von 2003 nicht nur knapp 60 Gedichte, darunter Erstdrucke, ergänzt und alle Texte einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. Der Kommentar ist ebenfalls neu gestaltet und erheblich erweitert, gerade auch durch intensive Recherchen der Herausgeberin im Bereich von Celans Presselektüren. Besonderes Augenmerk gilt dem – im Sinne seiner Poetologie – ›eingeschriebenen Datum‹ eines jeden Gedichts. Mit der neuen Ausgabe wird dem Leser eine Fülle belegbarer Informationen für das Verständnis von Celans Lyrik an die Hand gegeben: Erst dadurch wird dieser immer noch als ›hermetisch‹ betrachtete Autor in der ganzen Konkretheit und Radikalität seiner Realitätserfahrung erkennbar.
Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der Wissenschaften Vergittert, verwurzelt, versteinert: Einsichten durch das «Sprachgitter»
Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet die sprachpsychologische Frage, wie die sprachliche Äußerung, die perzeptuelle Erfahrung und die kognitiven Prozesse sich zueinander verhalten und in welchen lyrischen Bildern sie bei Paul Celan thematisiert werden. Es ist die These der Arbeit, daß die im Werke Paul Celans impliziten sprachpsychologischen Reflexionen sich um eine immanente Denkfigur, ein «Sprachgitter», kristallisieren. «Sprachgitter» ist ein Titelgedicht, aber systematisch wird gezeigt, wie die «Sprachgitter»-Strukturen nicht nur in der Form kristalliner Formationen in Metall, sondern auch in der Gestalt geologischer und glaziologischer Formationen und organisch-botanischer Formen, wie Pflanzenwurzeln, im Werke Celans vorkommen und so eine Kosmologie und Sprachpsychologie konstituieren.
Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der Wissenschaften Vergittert, verwurzelt, versteinert: Einsichten durch das «Sprachgitter» A1037509422
Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet die sprachpsychologische Frage, wie die sprachliche Äußerung, die perzeptuelle Erfahrung und die kognitiven Prozesse sich zueinander verhalten und in welchen lyrischen Bildern sie bei Paul Celan thematisiert werden. Es ist die These der Arbeit, daß die im Werke Paul Celans impliziten sprachpsychologischen Reflexionen sich um eine immanente Denkfigur, ein «Sprachgitter», kristallisieren. «Sprachgitter» ist ein Titelgedicht, aber systematisch wird gezeigt, wie die «Sprachgitter»-Strukturen nicht nur in der Form kristalliner Formationen in Metall, sondern auch in der Gestalt geologischer und glaziologischer Formationen und organisch-botanischer Formen, wie Pflanzenwurzeln, im Werke Celans vorkommen und so eine Kosmologie und Sprachpsychologie konstituieren.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1000870701
Band 11 der Bonner Celan-Ausgabe versammelt sämtliche verstreut gedruckten Gedichte und erstmals vollständig die nachgelassenen Gedichte von 1948 bis 1963, dem Entstehungszeitraum der Gedichtbände Mohn und Gedächtnis bis Die Niemandsrose. Ediert werden damit nicht nur die ersten Gedichtveröffentlichungen Celans in Zeitschriften und so zentrale Gedichte wie Wolfsbohne oder Walliser Elegie, sondern auch alle Texte dieses Zeitraums, die den Status von abgeschlossenen Gedichten nicht erreicht haben: Bruchstücke und Ansätze, aber auch weiter gediehene betitelte und datierte Entwürfe, wie sie sich zahlreich in verschiedenen Konvoluten, in Notiz- und Tagebüchern, finden. Einen eigenständigen Abschnitt des Bandes bildet die Edition des Projekts Pariser Elegie, das Celan während der Arbeit an der Niemandsrose mehrere Jahre lang verfolgte und erst kurz vor Abschluß des Gedichtbandes aufgab. Die Entwicklung von Celans lyrischem Werk wird somit auf der Grundlage aller überlieferten Texte in einer bislang nicht gegebenen Breite anschaulich.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1033766638
Mit den beiden letzten Bänden 15 und 16 der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans (»Bonner Ausgabe«) tritt die Prosa in den Blickpunkt, nachdem mit den Bänden 1-14 das lyrische Werk vollständig ediert vorliegt. Im Zentrum des Doppelbandes 15 steht die Edition sämtlicher Fassungen von Celans Büchner-Preisrede »Der Meridian« von 1960, eines der bedeutendsten und meistgedeuteten poetologischen Texte des 20. Jahrhunderts. In chronologischer Folge enthält der Band darüber hinaus die von Celan zwischen 1948 und 1969 publizierten Prosatexte und Reden und seine namentlich gezeichneten Beiträge zu russischen Autoren, einschließlich des zu Lebzeiten nicht im Druck erschienenen, 1960 gesendeten Rundfunkessays über Mandelstamm. In einem dritten Teil werden Celans veröffentlichte Antworten auf Anfragen von Zeitschriften und Anthologien publiziert. Am Schluss des Bandes findet sich der 1948 gemeinsam mit Edgar Jené unterzeichnete frühe Prosatext »Eine Lanze«. Band 15.1 bietet die kritisch edierten Texte, Band 15.2 editorische Vorbemerkung, Textzeugenübersichten und textgenetische Darstellungen. Die historisch-kritische »Bonner Ausgabe« (BCA), herausgegeben von der Bonner Forschungsstelle Paul Celan, ist die umfangreichste und maßgebliche Edition von Celans dichterischem Werk einschließlich ihrer sämtlichen Vorstufen. Sie umfasst 16 Bände, von denen das »Lyrische Werk« in 14 Bänden bereits vorliegt. Der letzte Band 16 erscheint voraussichtlich 2015.
Dva Todesfuge - Biographie eines Gedichts, Belletristik von Thomas Sparr
"Todesfuge - Biographie eines Gedichts" von Thomas Sparr ist eine tiefgehende Analyse eines der bekanntesten Gedichte der Nachkriegszeit, Paul Celans "Todesfuge". Dieses Werk entstand unter dem unmittelbaren Eindruck der Ermordung von Celans Eltern durch die Nationalsozialisten und gilt als eines der frühesten literarischen Zeugnisse der Shoah. Sparr beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Gedichts und seine Entwicklung von einer anfänglichen Kontroversität in den 1950er Jahren bis hin zu seiner anhaltenden internationalen Wirkung. Die Erzählung zeigt, wie das Gedicht nicht nur die literarische Landschaft prägt, sondern auch die Biographie Celans widerspiegelt. Mit Abbildungen und Faksimiles ausgestattet, bietet das Buch einen umfassenden Einblick in die Bedeutung und den Einfluss dieses Meisterwerks der deutschsprachigen Literatur.
Die fundamentalen Essays Jean Bollacks über Paul Celan und den Widerspruch zwischen künstlerischer Form und der dargestellten Wirklichkeit. An den Texten Paul Celans ausgerichtet, durchmißt der Philologe, Freund und Weggefährte den kulturellen Raum, der sich für den Leser Celans durch die zahlreichen literarischen und kulturellen Bezüge in dessen Werk auftut. Der Bogen ist weit gespannt, von den Autoren der Antike über die deutsche Klassik bis hin zur Dichtung und Philosophie des 20. Jahrhunderts. Die Interpretationen des Bandes rekonstruieren die dialogische Spannung zwischen einem Ich, das seine Position in der Geschichte gewählt hat, und einem Du, das sich in der Sprache bewegt und als Dichter agiert. Neben bereits häufig diskutierten Gedichten untersucht Bollack auch Texte, die bislang kaum Beachtung gefunden haben. Zugleich zeichnet sich in der Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Deutungsansätzen eine kritische Geschichte der Celan-Interpretation ab, in der sich die intellektuellen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte widerspiegeln.
Die fundamentalen Essays Jean Bollacks über Paul Celan und den Widerspruch zwischen künstlerischer Form und der dargestellten Wirklichkeit. An den Texten Paul Celans ausgerichtet, durchmißt der Philologe, Freund und Weggefährte den kulturellen Raum, der sich für den Leser Celans durch die zahlreichen literarischen und kulturellen Bezüge in dessen Werk auftut. Der Bogen ist weit gespannt, von den Autoren der Antike über die deutsche Klassik bis hin zur Dichtung und Philosophie des 20. Jahrhunderts. Die Interpretationen des Bandes rekonstruieren die dialogische Spannung zwischen einem Ich, das seine Position in der Geschichte gewählt hat, und einem Du, das sich in der Sprache bewegt und als Dichter agiert. Neben bereits häufig diskutierten Gedichten untersucht Bollack auch Texte, die bislang kaum Beachtung gefunden haben. Zugleich zeichnet sich in der Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Deutungsansätzen eine kritische Geschichte der Celan-Interpretation ab, in der sich die intellektuellen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte widerspiegeln.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa, Belletristik
Mit den Bänden 15 (bereits erschienen) und 16 der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans (Bonner Ausgabe) tritt die Prosa in den Blickpunkt, nachdem mit den Bänden 1-14 das lyrische Werk vollständig ediert vorliegt. Im Zentrum des Bandes 16 steht die Edition sämtlicher vorbereitender Materialien zur Büchner-Preis-Rede Der Meridian von 1960, einem der bedeutendsten und meistgedeuteten poetologischen Texte des 20. Jahrhunderts. Es schliesst sich die Edition diverser unveröffentlichter Ensembles wie Umkreis Gegenlicht, Gegen das Gelichter, Erzählerisches, Poetologisches und Szenisches an. Ergänzt wird der Band durch einen reichhaltigen, über einhundertseitigen Anteil von Faksimiles und einen Index. Mit diesem Band ist die historisch-kritische Ausgabe von Lyrik und Prosa Paul Celans, besorgt von der Bonner Arbeitsstelle für die Celan-Ausgabe, nach über 40 Jahren der Planung und Ausführung abgeschlossen. Sie ist die umfangreichste Edition von Celans dichterischem Werk.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1000481694
»Was ich brauche, was ich so dringend brauche, ist das Gefühl, daß es bei all diesem Hin und Her einen Ausgangspunkt gibt, der, wenn er auch nie wieder erreicht werden kann, dennoch bestehen bleibt – ein solcher Ausgangspunkt wären meine Gedichte, wenn ich sie in Sicherheit wüßte, sauber abgedruckt und gebunden.« An Diet Kloos, 6. 9. 1949 1952 erschien bei der Deutschen Verlags-Anstalt Paul Celans Gedichtband Mohn und Gedächtnis : vier Zyklen aus 56 Gedichten. In diesen Gedichten zog Paul Celan die Summe seines bis dahin entstandenen Werks, zugleich eine Lebenssumme: Auf dem bitteren Weg von Verfolgung und Exil hatte er über die Stationen Bukarest und Wien schließlich Paris erreicht. Mohn und Gedächtnis erfüllte für Celan endlich jenen quälenden Wunsch seines Briefes an Diet Kloos vom 6.September 1949 nach einem Buch als »Ausgangspunkt« seiner künftigen Existenz. Mit Mohn und Gedächtnis drang Celan erstmals ins Bewußtsein der literarisch interessierten öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Vorausgegangen war dem zwar bereits 1948 die in Wien erschienene Gedichtsammlung Der Sand aus den Urnen , doch ließ Celan die Restbestände dieses von Druckfehlern entstellten und praktisch wirkungslosen Buches 1951 makulieren. Einen großen Teil der Gedichte von Der Sand aus den Urnen hat er in Mohn und Gedächtnis übernommen. Die enge Beziehung beider Bücher wird daher auch editorisch dargestellt. Die Bonner Ausgabe ist die umfassende, maßgebliche Ausgabe der Werke Paul Celans. Sie dokumentiert vollständig die Entstehung der Texte. Dies geschieht in genauester Beschreibung der überlieferungsträger und in der genetischen Darstellung der einzelnen Textschichten.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1000481694
»Was ich brauche, was ich so dringend brauche, ist das Gefühl, daß es bei all diesem Hin und Her einen Ausgangspunkt gibt, der, wenn er auch nie wieder erreicht werden kann, dennoch bestehen bleibt – ein solcher Ausgangspunkt wären meine Gedichte, wenn ich sie in Sicherheit wüßte, sauber abgedruckt und gebunden.« An Diet Kloos, 6. 9. 1949 1952 erschien bei der Deutschen Verlags-Anstalt Paul Celans Gedichtband Mohn und Gedächtnis : vier Zyklen aus 56 Gedichten. In diesen Gedichten zog Paul Celan die Summe seines bis dahin entstandenen Werks, zugleich eine Lebenssumme: Auf dem bitteren Weg von Verfolgung und Exil hatte er über die Stationen Bukarest und Wien schließlich Paris erreicht. Mohn und Gedächtnis erfüllte für Celan endlich jenen quälenden Wunsch seines Briefes an Diet Kloos vom 6.September 1949 nach einem Buch als »Ausgangspunkt« seiner künftigen Existenz. Mit Mohn und Gedächtnis drang Celan erstmals ins Bewußtsein der literarisch interessierten öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Vorausgegangen war dem zwar bereits 1948 die in Wien erschienene Gedichtsammlung Der Sand aus den Urnen , doch ließ Celan die Restbestände dieses von Druckfehlern entstellten und praktisch wirkungslosen Buches 1951 makulieren. Einen großen Teil der Gedichte von Der Sand aus den Urnen hat er in Mohn und Gedächtnis übernommen. Die enge Beziehung beider Bücher wird daher auch editorisch dargestellt. Die Bonner Ausgabe ist die umfassende, maßgebliche Ausgabe der Werke Paul Celans. Sie dokumentiert vollständig die Entstehung der Texte. Dies geschieht in genauester Beschreibung der überlieferungsträger und in der genetischen Darstellung der einzelnen Textschichten.
In einem früheren lyrischen Prosatext bezeichnete sich Paul Celan (damals Paul Antschel) als einen "Anhänger des erotischen Absolutismus". Obgleich dieses einmalige Bekenntnis im wesentlichen rätselhaft bleibt, benennt es eine Tendenz, die im Gesamtwerk ungebrochen erhalten blieb: In und mit seiner Lyrik befürwortet Paul Antschel-Celan den Drang des Eros zum Absoluten hin. In dieser Hinsicht knüpfte Celan seine Poesie an eine vielschichtige, geheimnisvolle Basisstation poetischer Selbstverständigung, die sich von der Antike bis in die Moderne fortschrieb, die aber nach der bewußtseinsgeschichtlichen Zäsur der Shoah unter der Last verdunkelter Bilder und verstümmelter Sprache einzustürzen drohte.
Residenz Verlag Die Seine fließt ins Schwarze Meer A1078684220
Der russisch-jüdische Erzähler lebt in Berlin, seine kranke Mutter kann er aus Angst vor Verhaftung nicht mehr in Moskau besuchen. So bleiben ihm nur Telefonate mit ihrer immer leiser werdenden Stimme, Erinnerungen an ein Aufwachsen in einer gewaltvollen Diktatur und die unzähligen Geschichten, die am Küchentisch der Eltern erzählt wurden. Vor allem von der umtriebigen Nathalia, die in Paris einst Concierge in dem Hotel war, in dem Paul Celan lebte, und die über Celans Liebesbeziehungen mehr zu berichten hat, als die Forschung weiß. Überzeugend verbindet Schumatsky seine politische Verzweiflung über den Krieg in der Ukraine und den Antisemitismus vor seiner Haustür mit Kindheitsbildern und einer persönlichen Lesart von Celans Leben, Schreiben und Tod.
Ein Übersetzer verbringt die Sommerferien mit Frau und Tochter in einem kleinen Dorf auf Korsika. Seine unsichere berufliche Situation und der rätselhafte Tod eines blinden Mädchens stürzen ihn in Verwirrung. Frau und Tochter fahren ab, er bleibt mit seiner Verwirrung zurück und merkt, wie er abrutscht in ein anderes Leben, das ihm angst macht, obwohl es ihn beglückt. Er hat zu schreiben begonnen, aufzuschreiben, was ihm widerfährt. Henri Thomas, geboren 1912 in den Vogesen, gestorben 1993 in Paris, Schüler von Alain, befreundet u.a. mit André Gide und Jean Paulhan, veröffentlichte 1961 den autobiographisch grundierten Roman Le Promontoire [Das Vorgebirge], kurz nachdem er Paul Celan kennengelernt hatte. Celan übersetzte einen Großteil sehr rasch; dann scheiterte die Weiterarbeit an Vertragsverhandlungen mit dem Hanser Verlag , der das Werk 1963 in einer Übersetzung von Elmar Tophoven herausbrachte. Barbara Wiedemann hat Celans Arbeit für die Erstveröffentlichung ediert, vervollständigt und mit einem Nachwort versehen. Celans Übersetzung bringt eine sehr reine Stimme der französischen Literatur des letzten Jahrhunderts neu zu Gehör.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1000582541
Im Mittelpunkt dieses ersten Bandes der historisch-kritischen Ausgabe steht ein kleines Juwel: Paul Celans erste eigene, titellose Gedichtsammlung von 1944. Dieses sorgfältig komponierte Ensemble von 97 Gedichten aus den Jahren 1938 bis 1944 schrieb Celan nach seiner Rückkehr aus der Deportation selbst in ein ledergebundenes Notizbuch und machte es der Freundin aus Bukowiner Tagen, der Schauspielerin Ruth Kraft, kurz darauf zum Geschenk. (1985 wurde es erstmals als Faksimile der öffentlichkeit zugänglich.) Hinzu kommen jene Gedichte, die weder in diesem Notizbuch noch in Der Sand aus den Urnen (1948) enthalten sind. In seinen frühen Gedichten, die der Tradition deutscher romantischer Dichtung und Vorbildern wie George, Rilke und Trakl das Ihre schulden, kristallisiert sich doch schon ein für Celan typischer Ton: die Verfremdung von Formen und Metaphern und ihre Verschränkung zu einer suggestiv-traumhaften Bildlichkeit. Die Bonner Ausgabe ist die umfassende, maßgebliche Ausgabe der Werke Paul Celans. Sie dokumentiert daher vollständig die Entstehung der Texte. Dies geschieht in genauester Beschreibung der überlieferungsträger und in der genetischen Darstellung der einzelnen Textschichten, die sich in der Regel als zeilenweiser Vergleich aller berücksichtigten Textzeugen darstellt. Wie die anderen Bände der Bonner Ausgabe bietet auch dieser eine kurzgefaßte Zeugenübersicht sowie detaillierte Beschreibungen der einzelnen Text-Konvolute, darüber hinaus vergleichende Bestandsübersichten zu Celans Gedichtsammlungen bis 1950.
Der Band »Zeitgehöft« versammelt späteste Gedichte Paul Celans. Während mit den Bänden »Lichtzwang« (1970) und »Schneepart« (1971) die letzten noch von Celan selbst vollständig redigierten Gedichtsammlungen postum vorgelegt wurden, stellt der neue Gedichtband eine eigentliche Nachlaßpublikation dar. Sie umfaßt den Textbestand von drei Konvoluten, ohne daß mit Sicherheit anzugeben wäre, wie ein solcher weiterer Gedichtband ausgesehen hätte, wenn Paul Celan selbst ihn noch zur Publikation vorbereitet hätte. Das erste der Konvolute trägt die Aufschrift Zeitgehöft, die hier zugleich als Titel des Bandes verwendet wird. Die Gedichte sind, mit einer Ausnahme, die in den September 1968 (»Mandelnde«) fällt, zwischen dem 25. 2. 1969 und dem 15. 4. 1970 entstanden.
Suhrkamp Werke. Historisch-kritische Ausgabe. I. Abteilung: Lyrik und Prosa A1000870701
Band 11 der Bonner Celan-Ausgabe versammelt sämtliche verstreut gedruckten Gedichte und erstmals vollständig die nachgelassenen Gedichte von 1948 bis 1963, dem Entstehungszeitraum der Gedichtbände Mohn und Gedächtnis bis Die Niemandsrose. Ediert werden damit nicht nur die ersten Gedichtveröffentlichungen Celans in Zeitschriften und so zentrale Gedichte wie Wolfsbohne oder Walliser Elegie, sondern auch alle Texte dieses Zeitraums, die den Status von abgeschlossenen Gedichten nicht erreicht haben: Bruchstücke und Ansätze, aber auch weiter gediehene betitelte und datierte Entwürfe, wie sie sich zahlreich in verschiedenen Konvoluten, in Notiz- und Tagebüchern, finden. Einen eigenständigen Abschnitt des Bandes bildet die Edition des Projekts Pariser Elegie, das Celan während der Arbeit an der Niemandsrose mehrere Jahre lang verfolgte und erst kurz vor Abschluß des Gedichtbandes aufgab. Die Entwicklung von Celans lyrischem Werk wird somit auf der Grundlage aller überlieferten Texte in einer bislang nicht gegebenen Breite anschaulich.
»Als ich Paul Celan im Sommer 1940 in Czernowitz kennenlernte, brachte er mir, sehr bald danach, einige seiner Gedichte. Er sprach nicht über sie. Während ich sie las, achtete er genau auf den Ausdruck in meinem Gesicht. Er merkte, daß sie mir gefielen. So wurden wir Freunde«, schreibt Ruth Kraft im Vorwort zu dieser Sammlung der frühen Gedichte, die Celan ihr 1944 überreichte. »Wind der Welt im Sternenkleid,/ bring der Dunkelheit Bescheid.«
»Als ich Paul Celan im Sommer 1940 in Czernowitz kennenlernte, brachte er mir, sehr bald danach, einige seiner Gedichte. Er sprach nicht über sie. Während ich sie las, achtete er genau auf den Ausdruck in meinem Gesicht. Er merkte, daß sie mir gefielen. So wurden wir Freunde«, schreibt Ruth Kraft im Vorwort zu dieser Sammlung der frühen Gedichte, die Celan ihr 1944 überreichte. »Wind der Welt im Sternenkleid,/ bring der Dunkelheit Bescheid.«