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Solange die Armen im Krieg draufzahlen, solange sind die Reichen nicht dagegen. Die Geduld geht einem selten aus, wenn man sie dann und wann unterbricht.
In dem schrecklichen, nur historischen, also unlebendigen Venedig, am grausandigen, unromantischen »Lido«, einem ekligen »Vergnügungsetablissement« der Müßiggänger und Partieenjägerinnen und koketten Verheirateten, nannte man sie liebevoll »Sansaras«, schützte sich vor ihnen schweigend durch Räucherkerzchen, die an Weihrauch erinnerten.
Ich darf mich bei Ihnen kurz vorstellen, mein Name ist Iron R.O.B.O.T. 987XV. Kurz gerufen, Rob. Ich bin nun seit zirka acht Jahren der Familie Futures zu Diensten. Mein Aufgabenbereich besteht darin, Mutter Denise, Vater Steven und den beiden Kindern Samantha und Leo ihr Leben zu erleichtern. Ich putze, wasche, koche, erledige den Einkauf und bin gleichzeitig der beste Freund der Familie. Als ich damals nagelneu in der Fabrik zusammengeschraubt wurde, einen schönen Anstrich bekam und somit mein gutes Aussehen, genoss ich eine dreiwöchige Ausbildung auf einer renommierten Elitelehrakademie.
In einem Heukorb oben auf der Dachkammer lag eine Katzenmutter mit zwei Katzenkindern. Die Kinder waren erst vor wenigen Tagen zur Welt gekommen, und sie waren noch sehr hilflos – kleine Pfoten hatten sie, die immer ausrutschten, und unverhältnismäßig große Köpfe mit blinden Augen, die sich suchend im Magenfell der Mutter vergruben. Sehr sonderbar sahen sie aus.
Es ist die große Vakanz gewesen, und sie hat schon vier Wochen gedauert. Meine Mutter hat oft geseufzt, dass wir so lange frei haben, weil alle Tage etwas passiert, und meine Schwester hat gesagt, dass ich die Familie in einen schlechten Ruf bringe.
Er ist aber gar nicht so sanft. Wenn man ihn ärgert, macht er grüne Augen wie eine Katze und sperrt einen viel länger ein wie unser Klaßprofessor. Der schimpft einen furchtbar und sagt "mistiger Lausbub", und zu mir hat er einmal gesagt, er haut das größte Loch in die Wand mit meinem Kopf...
Sie waren Zwillingsgeschwister, Fräulein Monika und Pfarrer Emanuel, hatten jüngst ihr sechzigstes Jahr erreicht und gehörten zur kleinen Gemeinde der einsamen Menschen. Was verliebt sein heißt, hatte Monika nie erfahren, obwohl sie einst sehr nahe daran war, sich zu verheiraten. Aber nur aus Hochachtung. Was in ihrem Bruder vorgegangen, ob er Kämpfe zu bestehen gehabt hatte, ob die Entsagung ihm so leicht geworden wie ihr, davon wusste sie nichts. Nur einmal, als sie etwas gedankenlos sich und ihn als Muster einer lautersten Lebensführung hinstellte, sprach er lächelnd: "Vielleicht die Folge einer Mangelhaftigkeit unserer Naturen. Es kommt vor. Cicero soll nie geliebt haben." Die Ähnlichkeit zwischen den beiden war eine sogar bei Zwillingen auffallende. Sie waren groß und hager, hatten feine Gesichter von durchsichtiger Blässe mit Adlernasen und schmalen, geraden Lippen, die nie geküsst und nie ein gemeines Wort gesprochen hatten. Ihre Haare blieben noch im Alter reich und bewahrten ihr mattes altgoldfarbiges Blond, so wie die Augen ihr helles Himmelblau.
Sallys beste Freundin Tara steht eines Tages völlig verheult vor ihrer Türe und berichtet ihr über mysteriöse Vorfälle in der letzten Nacht. Am Morgen darauf entschließt sich Tara den Psychiater ihrer Mutter aufzusuchen. Sally begleitet ihre Freundin natürlich dorthin. Doch was Sally dort vorfindet, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren. Die kleine Praxis ist voll-behängt mit lauter Gemälden ehemaliger Patienten des Psychiaters. Doch irgendetwas stimmt mit diesen Bildern nicht! Dieses Gefühl lässt Sally nicht mehr los. Und auch die sonderbaren Behandlungsmethoden des Dr. Mahoni lassen Sally erschaudern.
Audio Media Digital Der Flaschenkobold A1068465879
Es lebte einmal ein Mann auf Hawaii. Er soll nun Kaewe genannt werden, denn er ist noch am Leben und sein Name muss geheim gehalten werden. Er war ein armer Mann, doch mutig und aktiv, fähig zu lesen und zu schreiben. Von Zeit zu Zeit heuerte er auf den Schiffen an und sah so die weite Welt. Eines Tages kommt Kaewe in den Besitz einer magischen Flasche, die seinem Besitzer jedweden Wunsch sofort erfüllt. Zunächst ungläubig stellt Kaewe fest, dass diese Behauptung der Wahrheit entspricht. Leider hat der Zauber auch seinen Nachteil: Besitzt man die Flasche, wenn man stirbt, so gibt es keine Rettung. Man fährt auf direktem Weg in die Hölle.
Alräunchens Geschichte wunderschön erzählt von Manfred Kyber. Inhalt: Alräunchens Geburt / Die Ansichten des Nussknackers / Müffchen / Habakuk / Ein Ende, das nur ein Anfang ist Es war ein trüber Regentag, als Alräunchen geboren wurde. Es war kein Landregen, von dem man Gutes erhofft. Es war ein nasser kalter Nebel, der alle Farben löscht und alle Konturen verwischt. Es war im Februar und Karnevalszeit, und durch den Nebel huschten Masken.
Der Turmalin ist dunkel, und was da erzählt wird, ist auch sehr dunkel. Es erzählt, wie weit der Mensch kommt, wenn er das Licht seiner Vernunft trübt und die Dinge nicht mehr versteht. Wenn er von dem inneren Gesetz lässt, das ihn unabwendbar zu dem Rechten führt und sich unbedingt der Innigkeit seiner Freuden und Schmerzen hingibt, den Halt verliert und in Zustände gerät, die wir uns kaum zu enträtseln wissen.
Die Nordsee (1. und 2. Zyklus) ... diese Ausgabe kann ich dem überrheinischen Publikum nicht zuschicken, ohne sie mit freundlichsten Grüßen in ehrlichster Prosa zu begleiten. Ich weiß nicht, welches wunderliche Gefühl mich davon abhält, dergleichen Vorworte, wie es bei Gedichtsammlungen üblich ist, in schönen Rhythmen zu versifizieren. Seit einiger Zeit sträubt sich etwas in mir gegen alle gebundene Rede, und wie ich höre, regt sich bei manchen Zeitgenossen eine ähnliche Abneigung. Es will mich bedünken, als sei in schönen Versen allzu viel gelogen worden, und die Wahrheit scheue sich, in metrischen Gewanden zu erscheinen. – Heinrich Heine Inhalt: Krönung / Abenddämmerung / Sonnenuntergang / Die Nacht am Strande / Poseidon / Erklärung / Nachts in der Kajüte / Sturm / Meeresstille / Seegespenst / Reinigung / Frieden / Meergruß / Gewitter / Der Schiffbrüchige / Untergang der Sonne / Der Gesang der Okeaniden / Die Götter Griechenlands / Fragen / Der Phoenix / Seekrankheit / Im Hafen / Epilog
Münchhausens Ritt auf der Kanonenkugel, sein Entenfang durch eine Leine mit Speckstücken samt darauf folgender Luftfahrt oder aber seine spektakuläre Befreiung aus dem Sumpf durch das Herausziehen an seinem eigenen Zopf: Wenn Baron von Münchhausen im kleinen Kreise seiner Freunde seine abenteuerlichen und phantastischen Geschichten zum Besten gibt, biegen sich die Balken. Zu Recht wird er schließlich auch der Lügenbaron genannt.
In unserem Vaterlande steht ein Schloss, wie man in manchen Gegenden sehr viele findet, das mit einem breiten Wassergraben umgeben ist, so zwar, dass es eigentlich aussieht, als stünde es auf der Insel eines Teiches. Von solchen Verteidigungsmitteln sind gewöhnlich diejenigen Schlösser umgeben, die auf Flächen liegen, also das Verteidigungsmittel des Wassers haben, aber dafür desjenigen entbehren, das ihre stolzen Schwestern auf hohen Bergen und schroffen Felsen besitzen. Sie müssen die geringere Sicherheit, die ein Wassergraben gibt, noch mit feuchter Luft, mit Fröschequaken und Fliegenungeziefer erkaufen, während ihre erhabenen Schwestern zu dem größeren Schutz der hohen Felsen noch die reine Luft und die Aussicht als Zugabe erhalten. Dafür können die ersten sich gegen Winterstürme in ein ganzes Bett von Bäumen verhüllen, während die letzten dem Anfalle der Winde so hingegeben sind wie ein Kiesel im Flusse dem ewigen Glätten durch Wasser. Adalbert Stifter wurde am 23.10.1805 in Oberplan (Böhmerwald) geboren. Er kam als Sohn eines Leinewebers und Flachshändlers aus einfachen Verhältnissen. Als er 12 Jahre alt war, starb der Vater, und er wurde von da ab von den Großeltern erzogen. Er besuchte von 1818 bis 1826 das Gymnasium und studierte anschließend bis 1830 in Wien zunächst Jura, dann Naturwissenschaften und Geschichte, machte aber keine Abschlussprüfung. Stifter wollte gern Landschaftsmaler werden. Den Lebensunterhalt verdiente er sich als Privatlehrer in Wiener Adelshäusern. 1848 zog Stifter nach Linz und lebte dort die letzten Jahrzehnte seines Lebens. In seinen letzten Lebensjahren war er schwerkrank und litt unter Depressionen. Ob er Selbstmord beging, ist nicht sicher nachzuweisen. Er starb am 28.1.1868.
Unter dem Begriff Urfaust versteht man Goethes ersten Entwurf für sein Literaturwerk Faust. Er entstand in den Jahren zwischen 1772 und 1775, parallel mit Die Leiden des jungen Werthers in Frankfurt am Main. Goethes Arbeitsprozess am Urfaust ist nicht mehr zu rekonstruieren. Auslöser für die Entwicklung des Urfausts war die Verurteilung und Hinrichtung der Kindesmörderin Susanna Margaretha Brandt. Vermutlich verfolgte Goethe den gesamten Prozess, da nach seinem Tod in seinem Haus Abschriften von Prozessakten gefunden wurden. Es existiert nur eine einzige Abschrift des Urfaust vom Hoffräulein Luise von Göchhausen. Er enthält in der heute noch erhaltenen Version einige der Szenen, die dann später im Faust I und II von Goethe eingearbeitet wurden. Im Urfaust sind viele Passagen noch in Prosa verfasst, wobei im Faust I nur noch die Szene "Trüber Tag. Feld" nicht in Versform geschrieben ist.
Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Dinge und Wesen. Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er - wenn überhaupt - nur einmal kennen. So wenigstens meint der Herr Revierjäger Hopp. Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und auch gern gehabt; aber lieb, was man sagt lieb und unvergesslich, ist ihm nur einer gewesen - der Krambambuli. Er hatte ihn im Wirtshause zum Löwen in Wischau von einem Forstgehilfen gekauft oder eigentlich eingetauscht. Gleich beim ersten Anblick des Hundes war er von der Zuneigung ergriffen worden, die dauern sollte bis zu seinem letzten Atemzuge. Dem Herrn des schönen Tieres, der am Tische vor einem geleerten Branntweingläschen saß und über den Wirt schimpfte, weil dieser kein zweites umsonst hergeben wollte, sah der Lump aus den Augen. Drei Generationen lang war Marie von Ebner-Eschenbach eine leidenschaftliche Beobachterin des Menschen, unbeirrt das Leben in seiner ganzen Fülle bejahend, bewundernd, wo sie Größe entdeckt, mitleidend, wo sie den Menschen in Not, und zornig entflammt, wo sie ihn eng und verhärtet findet. Mit diesen Geschichten gelang Marie von Ebner-Eschenbach der Durchbruch und sie gilt heute als die bedeutendste deutschsprachige Erzählerin des 19. Jahrhunderts.
Es war einmal ein großer gewaltiger König, der herrschte über viele Länder. Alle Schätze der Erde gehörten ihm, und der trieb sein tägliches Spiel mit den Edelsteinen von Ophir und den Rosen von Damaskus. Aber eines fehlte ihm bei all seinem großen Reichtum: das waren die Schlüssel zu den Toren des Himmels. Er hatte tausend Sendboten ausgesandt, die Schlüssel des Himmels zu suchen, aber keiner konnte sie ihm bringen.
"Die Ohrfeige" ist eine Erzählung von Nadja Bucher die auf Basis eines Gesprächs mit Felix Erzen (geboren 1922) beruht. Plötzlich holte ich zum Schlag aus. Ich war voller Wut. Meine Hand landete schallend in Roberts Gesicht. ,,So spricht man mit niemandem, und schon gar nicht mit seiner Freundin," schrie ich ihn an.
Als Daniel eines Tages einen geheimnisvollen Spiegel findet, ahnt er nicht, welches spannende Abenteuer für ihn beginnt. Der Spiegel bringt ihn in eine andere Welt – Anderswelt. Hier, wo bunte Kühe sprechen, Menschen auf Wolken wohnen und in Seifenblasen zu reisen pflegen, findet Daniel neue Freunde. Als der Spiegel jedoch gestohlen wird, beginnt gemeinsam für Daniel und seine Freunde eine aufregende Reise durch Anderswelt.
Als aber die Zahl derer, welche sich nach hoffnungsloser Gegenwehr opferten, immer noch wuchs, als fast in jeder Familie des Landes der beste Sohn (und oft noch in knabenhafter Jugend) gefallen war, da begann der König mit Recht zu fürchten, dass alle Erstlinge seines Landes zugrunde gehen könnten. Fremden Kaufleuten aber, gab er eine Kunde: wem es gelänge, das arme Land von diesem großen Tode zu befreien, der sollte die Hand der Königstochter erhalten, mag er von Adel sein oder eines Henkers letzter Sohn.