ERGON Partizipative Kommunikation im interkulturell-doppeltblickenden Kontext
Die drei Fokusfelder Krisen- und Konfliktkommunikation, Mehrsprachigkeitsforschung und Interkulturalität werden im vorliegenden Band unter dem Begriff der „Partizipativen Kommunikation" gebündelt. Bezeichnet wird damit die Beteiligung von Individuen oder Gruppen an gesellschaftlichen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen, was auch die Beteiligung an der Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten zu Problemlagen einschließen kann. Generell geht es um Prozesse des Zusammenwirkens, in denen nicht nur die Meinungen und Gedanken, sondern auch die Fähigkeiten und die vielfältigen Potentiale aller Beteiligten zur Geltung kommen. Diese Themen werden hier aus westafrikanischen und europäischen Perspektiven untersucht. Mit Beiträgen von Simplice Agossavi | Akila Ahouli | Kuassi Amétowoyona Akakpo | Comlan Athanase Dégbévi | Boaméman Douti | Franck F. S. Dovonou | Baguèlma Falfa | Yaovi Antoine Hounhouenou | Essohanam Karabou | Constant Kpao Sarè | Mantahèwa Lebikassa | Bea Lundt | Jan Niklas Wilken |
ERGON Zukunftsvisionen zwischen Apokalypse und Utopie
Die Frage danach, wie Zukunft gedacht oder imaginiert wird, beschäftigt die meisten Disziplinen. Je nach disziplinärem Blickwinkel geraten dabei andere Aspekte ins Blickfeld und werden andere Mittel eingesetzt, um Aussagen über die Zukunft treffen zu können. Verweise auf Daten über den Klimawandel, Statistiken über die demografische Entwicklung oder auf Zahlenreihen zum Stand der Staatshaushalte werden allerdings oftmals in Narrative und theoretische Deutungsmuster eingebettet, die den Blick auf die Zukunft der gesamten Menschheit oder zumindest größerer Kollektive lenken. Zu diesen umfassenden Zukunftsvisionen gehören Apokalypse und Utopie, die infolgedessen für viele Disziplinen von Relevanz sind. Deswegen veranstaltete das Habilitandenkolleg des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Wintersemester 2014/15 eine interdisziplinär ausgerichtete Ringvorlesung zum Thema ‚Zukunftsvisionen zwischen Apokalypse und Utopie‘. Nicht alle, aber ein Großteil der dort gehaltenen Vorträge sind in diesem Band zusammengetragen, ergänzt um eine archäologisch-numismatische Perspektive. Dabei sind sehr unterschiedliche Beiträge entstanden, die die Vielfalt der methodischen Zugänge und Arbeitsweisen zeigen. Vertreten sind hier Texte aus der Ägyptologie, der Archäologie, der Germanistik, der Philosophie, der Geschichts- und der Rechtswissenschaft.
Daniel Casper von Lohenstein, ein von den Zeitgenossen gefeierter, von der Nachwelt aber vergessener Autor, erzählt in seinem Roman über den "Großmüthigen Feldherrn Arminius" und dessen Frau Thußnelda (1689/90) die frühe "deutsche" Geschichte zur Zeit der Varusschlacht, vordergründig in einer patriotischen Tendenz und in einem Erzählstil, der dieses Werk wenig später als rückständig erscheinen ließ. Bei genauerer Betrachtung erweisen sich einige Germanen jedoch als Wissenschaftler und Physikotheologen, die sich in naturforschenden Gesellschaften zusammenfinden, um über die neuesten Theorien der gerade im Entstehen begriffenen Naturwissenschaften zu diskutieren. Dabei werden die bis dato gültige biblische Kosmogonie, das ptolemäische Weltbild und die Naturgeschichte des Plinius zwar zitiert, aber nur um sie im Gestus intellektueller Überlegenheit ins Reich der Legenden und Fabeln zu verbannen. Die Untersuchung widmet sich diesem vor Klopstock meistgelesenen, aber auch am schärfsten bekämpften Autor, um zu zeigen, dass in seinem "Arminius"-Roman bereits fünfzig Jahre vor Barthold Hinrich Brockes jene physikotheologische Naturdichtung der Aufklärung greifbar ist, die im Folgenden die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts prägen wird.
Welche mittel- und langfristigen biografischen Möglichkeiten für Pflegekinder entstehen durch den Einfluss ihrer Pflegeeltern? Der vorliegende Band untersucht Wege des Umgangs mit Konkurrenzen gegenüber Herkunftseltern, das Aushalten von Paradoxien und den Experimentalcharakter pflegefamilialer Beziehungen. Die präsentierten Forschungsergebnisse basieren auf Grundlagenforschungen zu biografischen Lebensverläufen von Pflegekindern, wobei Fallrekonstruktionen ehemaliger Pflegekinder, Pflegeeltern, zuweilen auch Herkunftseltern als Datengrundlage der Studien dienen. Die Gestaltung eines Beziehungsdreiecks zwischen Herkunfts- und Pflegefamilien sowie die Entwicklung von Resilienz bei Pflegekindern stehen dabei besonders im Fokus.
ERGON Gnostischer Katechismus | Mysterien der Gnosis
Die vielschichtigen gnostischen Lehren der Antike sowie ihre Wiederbelebung und Remythifizierung in neognostischen und okkultistischen Gruppierungen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bilden den Kern dieser zweibändigen Publikation. Ausführlich dargestellt wird die „Gnostische Mysterienschule“ des Pastors E. C. H. Peithmann. Zur Einführung in die Ideenwelt dieser Bewegung und als außergewöhnliches zeitgeschichtliches Dokument wird Peithmanns Gnostischer Katechismus von 1904/05 als Reprint neu herausgegeben. Im Band Mysterien der Gnosis wird die Thematik in einen umfassenden Kontext gestellt. Geistige Grundlagen der Mysterienschule bildeten sowohl in Parallelen als auch in Differenzen: griechische Philosophie, antiker Gnostizismus, Mysterienkulte, christliche Theosophie, Alchemie, Rosenkreuzer, Kabbala, New Thought, Martinismus, gnostische Kirchen, Lebensreformbewegung u. a. Besondere Berücksichtigung finden „Sexualmystik“ (im Sinne der „Androgynität“ als Mythos vom Urmenschen) und „Sexualmagie“ als unterschiedliche und oft konträre Anschauungsformen einer „sakralen Sexualität“. Vorgenommen wir auch ein Vergleich mit den „Lehren des A“ von Oskar R. Schlag, insbesondere dem „Weg der Gnosis“ und den „Lehren des Yoga, Tantrismus und Taoismus“.
ERGON Literarische Praktiken in Skandinavien um 1900
Im Zuge der interdisziplinären Diskussion über das Performative wurde in den letzten Jahren verstärkt der Handlungsaspekt von Literatur in den Blick genommen. Die Aufsätze des vorliegenden Bandes knüpfen daran an und untersuchen die Vielfalt literarischer Praktiken jenseits der stillen Textlektüre und der Aufführung auf der Bühne. An Beispielen aus den skandinavischen Literaturen wird gezeigt, wie sich in den Jahrzehnten um 1900, einer markanten Phase der Literaturgeschichte, durch soziale, ökonomische und mediale Umbrüche Handlungsweisen verändern und neue Praktiken etablieren. Nach einer theoretischen Einführung, die den Begriff der literarischen Praktik in Bezug zu aktuellen Positionen der Performativitäts- und Handlungstheorie sowie der Praxeologie setzt, nehmen die Aufsätze jeweils unterschiedliche Akteure, Milieus und Medien in den Blick. Gender-, klassen- und altersspezifische Praktiken werden ebenso untersucht wie das Dichterbegräbnis als multimediale Masseninszenierung, traditionelle literarische Rezeptions- und Vermittlungsformen wie das Lesen und Vortragen ebenso wie Praktiken, die an der Schnittstelle von Literatur und den "neuen" Medien wie Phono- und Kinematographie entstehen.
ERGON Deutschsprachige Reiseberichte über Korea um 1900
Die Zeit um 1900 markiert die Schwelle vom ‚Nicht-Wissen‘ zum ‚Wissen‘ über Korea: In diesem Zeitraum erschien der erste deutschsprachige Bericht einer Korea-Reise. Die textuellen und bildlichen Darstellungsstrategien des ‚Wissens über Korea‘ werden in dieser Studie anhand von vier ausgewählten Reiseberichten analysiert, die zwischen 1880 und 1915 erschienen. Das bislang kaum erschlossene Material wird vor dem Hintergrund des komplexen Verhältnisses zwischen Reiseliteratur sowie Wissensgenerierung und -vermittlung untersucht. Die Perspektive der südkoreanischen Germanistin auf die Schriften der ‚Anderen‘ über das ‚Eigene‘ offenbart einen innovativen Blick auf die damit verbundenen Praktiken und Machtstrukturen.
The Lebanese constitution and the Taif Accord, which ended the Lebanese civil war in 1990, envision the progressive abolishment of political confessionalism, which was intended to be Lebanon's political and legal system only for a short interim period after independence. In other words, Lebanon was originally, and officially still is, intended to become a secular democracy. How do schools in Lebanon, through their humanities instruction, prepare the young generation for participating in nowadays civil and political life, on the basis of the confessional distribution of power and unequal personal status laws? And how do they prepare them for participation in the envisaged secular system? These are core questions of the doctoral thesis Lebanese - but how? It compares two historical events crucial for Lebanon's identity, and two legal issues concerning Lebanon's political fabric as they occur in different party programs, in PR-publications of Lebanese schools, and in different school textbooks for history, civic, as well as religious education.
Die Forschung zur Epoche der Frühen Neuzeit am Bamberger Lehrstuhl für Neuere Geschichte hat in den letzten rund 20 Jahren zahlreiche Dissertationen hervorgebracht. Diese und weitere Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten, die durch Mark Häberlein betreut wurden, sind in Kurzform in der vorliegenden Festschrift zu seinem 60. Geburtstag versammelt. Akademische Schülerinnen und Schüler haben alte und neue Forschungsaspekte zusammengeführt, die auf die Stadt und das Bistum/Hochstift Bamberg bezogen sind, aber auch weit darüber hinausreichen. Der Band beinhaltet somit Untersuchungen zu regionalen, landesgeschichtlichen und internationalen Themen der aktuellen Frühneuzeitforschung. Mit Beiträgen von Matthias Baumgartl Magdalena Bayreuther Markus Berger Johannes Boxdörfer Jörg Denzer Andrea von Eberstein, geb. Schödel Andreas Flurschütz da Cruz Oliver Heyn Oliver Kruk Alissa L’Abbé; geb. Michalke Tanja Metzger Jadon Nisly-Goretzki Andreas Schenker Britta Schneider Matthias Schönhofer Irmgard Schwanke Johannes Staudenmaier Sandra Wölfel, geb. Schardt
Die multiplen Krisen der Gegenwart rücken alttestamentliche Klagetexte in ihrem Potenzial, traumatischem Erleben Ausdruck zu verleihen, neu in den Blick. Der Band verbindet aktuelle alttestamentliche Erkenntnisse zu Klagetexten mit Überlegungen zu ihrer gegenwärtigen liturgischen Verwendung. Welche rituellen Verwendungsmöglichkeiten haben Texte in Liturgie und Predigt, die Ausnahmesituationen entspringen und sich zugleich traditioneller Formen und Sprachspiele bedienen? Inwiefern erhellt Forschung zu traumatischen Erlebnissen das Verständnis der Texte und erschließt liturgische Kontexte? Welche Perspektiven eröffnen Überlegungen zur poetischen Struktur und aktuellen Performanz in Text und Musik? Mit Beiträgen von Alexander Deeg | Erik Dremel | Bärbel Fünfsinn | Alexandra Grund-Wittenberg | Samuel Hildebrandt | Matthias Hopf | Daniel Krochmalnik | Anja Marschall | Kerstin Menzel | Nikolett Móricz | Diana Paulding | Kristine Suna-Koro | Kimberly Wagner | Ulrike Wagner-Rau
ERGON Politische Bildung für ein demokratisches Deutschland
Was ist politische Bildung? Welche Formen nahm sie im Lauf der Geschichte an? Welche Kompetenzanforderungen stellt eine freiheitliche Demokratie an die politische Bildung ihrer Bürger? Und wodurch geht politische Bildung über Demokratieerziehung hinaus? Die Antworten finden sich in diesem Buch. Es beginnt mit einer Klärung des Verhältnisses von Politikwissenschaft und politischer Bildung, beschreibt dann die Aufgaben heutiger politischer Bildungsarbeit bei der Wissens-, Werte- und Kompetenzvermittlung, vertieft anschließend verschiedene Einzelthemen und widmet sich am Ende der Wiedervereinigung und der ostdeutschen Demokratiegründung als Herausforderungen politischer Bildungsarbeit, die nur teilweise gemeistert wurden. Der Verfasser forschte als Politikwissenschaftler jahrzehntelang zum deutschen Parlamentarismus und Parteiensystem, wurde bekannt als Kommentator aktuellen politischen Geschehens und war obendrein seit 1991 in der politischen Bildungsarbeit der neuen Bundesländer tätig.
ERGON Erlanger Jahrbuch für Interreligiöse Diskurse
Der vorliegende Band des Erlanger Jahrbuchs für Interreligiöse Diskurse befasst sich mit interreligiöser Kompetenz und Wertevermittlung in der Bildungsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen. Damit werden zentrale Faktoren beleuchtet, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt unter veränderten Rahmenbedingungen stärken. Interreligiöse Kompetenz, also fundiertes Wissen über die eigene wie auch andere Religionen, ist ein wichtiger Faktor für die soziale Integration von Menschen verschiedener Herkunft und Religionszugehörigkeit. Dieses Anliegen steht im Mittelpunkt der Arbeit des Bayerischen Forschungszentrums für interreligiöse Diskurse (BaFID). Mit Beiträgen von Verena Bikas | Michael Bongardt | Reinhold Boschki | Robin Flack | Janosch Freuding | Siegfried Grillmeyer | Julia Hofmann | Naciye Kamcili-Yildiz | Johannes Lähnemann | Bruno Landthaler | Konstantin Lindner | Ursula Münch | Elisabeth Naurath | Joachim Willems
ERGON Deutsche im multikulturellen Umfeld Südkaukasiens
Das Schicksal der Deutschen in Südkaukasien, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre schwäbische Heimat verlassen hatten, gehört zu den bisher weniger berücksichtigten Themen der Forschung zur Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen und der Heimatgeschichte Baden-Württembergs. Als relativ kleine Siedlungsgruppe mit ca. 20 Tausend Kolonisten im Jahre 1920 und rund 50 Tausend Zugehörigen bei der Deportation im Jahre 1941 schrieben die Deutschstämmigen jedoch mit an der neuzeitlichen Geschichte der deutsch-kaukasischen Beziehungen. Eine besonders interessante Seite dieser gemeinsamen Vergangenheit ist die Rolle schwäbischer Winzer bei der Entwicklung der aserbaidschanischen Wein- und Spirituosenindustrie. Im Jahre 2009, anlässlich des 190. Jubiläums der Gründung Helenendorfs (heute Göygöl in Aserbaidschan), fand in Berlin eine wissenschaftliche Tagung statt, deren Beiträge in diesem Band versammelt sind. Sie gehen über die Betrachtung des aserbaidschanischen Raumes hinaus und berücksichtigen auch georgische und dagestanische Siedlungen. Die Herausgeberin, Eva-Maria Auch, ist Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin und Inhaberin des Stiftungslehrstuhls „Geschichte Aserbaidschans“. Sie ist u.a. Autorin der Bücher „Öl und Wein am Kaukasus. Deutsche Forschungsreisende, Kolonisten und Unternehmer im vorrevolutionären Aserbaidschan“ (Wiesbaden 2001) sowie „Deutsche Spuren in Aserbaidschan“ (Baku 2014) und steht dem Verein „EuroKaukAsia e.V.“ vor, der sich für verschiedene Projekte zum Kulturerhalt des deutschen Erbes in Kaukasien einsetzt. So findet die Wanderausstellung „Entgrenzung. Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasiens“ seit 2017 nicht nur in Deutschland, sondern auch in Aserbaidschan, Georgien und der Ukraine großes Interesse bei einer breiten Öffentlichkeit.
Die politisch gemäßigte Romanliteratur der Weimarer Republik (1918-1933) zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Wegen und Strategien aus, die im künstlerischen Umgang mit dem bedrohten demokratischen Wandel in Staat und Gesellschaft zum Einsatz kommen. Besonders bedeutsam erscheinen dabei die unterschiedlichen Ausformungen sachlich-realistischen Schreibens. Die vorliegende Untersuchung nimmt sich auf Basis von über siebzig bekannteren und unbekannteren Werken der Aufgabe an, damals ausgetestete, aber auch verpasste Möglichkeiten des Literarisch-Ästhetischen in der Behandlung politischer Themen aufzuzeigen und mit einem gewissen Anspruch auf Aktualisierbarkeit zu interpretieren. Im Gegensatz zu der üblichen Vorgehensweise bei politisch ausgerichteten literaturwissenschaftlichen Studien stehen hier also nicht primär die Inhalte der einbezogenen Texte im Zentrum; vielmehr liegt der Fokus auf einem konsequenten Durchleuchten der jeweiligen Vorgehensweise bei der Inhaltsvermittlung. Die so entstandene Abhandlung könnte als eine Art Leitfaden aufgefasst werden, welcher die Romane einer der disparatesten Epochen hinsichtlich ihres Wirkungspotenzials im politischen Diskurs zu erschließen sucht und ihre demokratiestützende Dimension in der Breite und Tiefe zugänglich macht.
ERGON Die Gülen-Bewegung im Spiegel von Selbstdarstellung und Fremdrezeption
In dieser Publikation werden aussagekräftige Basiselemente und Schlüsselbegriffe der Gülen- oder auch hizmet-Bewegung anhand einer textuellen und multiperspektivischen Performanzanalyse (nach John L. Austin und Erving Goffman) untersucht. Im Zentrum steht die Frage, welche Gülen-Bewegung gegenüber den LeserInnen präsentiert bzw. welche Realität hergestellt werden soll, wenn man als unbefangene/r RezipientIn ohne spezifische Vorbildung an Fethullah Gülen und die Gülen-Bewegung herantritt und dabei die momentan zugängliche Literatur als Bewertungsgrundlage heranzieht. Die untersuchten Schriften, mehrheitlich türkische Originaltexte, beinhalten solche, die aus der Innensicht (Fethullah Gülen, AnhängerInnen, SympathisantInnen) und solche, die aus der Außensicht (ehemalige Weggefährten Gülens, politische KritikerInnen, IslamkritikerInnen) verfasst sind, um eine möglichst vollumfängliche Darstellung sicherzustellen. Die Texte werden anhand struktureller, islamisch-theologischer, soziokultureller und politischer Schlüsselbegriffe untersucht und einander gegenübergestellt. Am Ende der Betrachtung wird der Versuche unternommen, die Aussagen in ihrer Widersprüchlichkeit zu erklären und – soweit möglich – zu harmonisieren.
ERGON Möglichkeitsarchitektur im Werk Paul Scheerbarts
Die literarische Architektur in Paul Scheerbarts erzählerischem Werk wird erstmals systematisch und interdisziplinär analysiert. Die phantastischen Bauwerke in den Romanen und Traktaten reagieren auf Um- und Aufbrüche des beginnenden 20. Jahrhunderts. So reflektiert Scheerbart material- und wirkungsästhetische Fragestellungen ebenso, wie er architektonische Diskurse aufgreift. Die literarische Architektur fungiert erst als Teil der Utopie, bevor sie zunehmend selbst zur Utopie wird. Seine architektonischen Entwürfe wirkten ihrerseits über das fiktionale Medium hinaus, inspirierten die zeitgenössische Architekturtheorie und gewannen faktuale Präsenz: So realisierte Bruno Taut in einem Ausstellungsbau Scheerbarts Glasarchitektur (1914).