Herbst 1861: Gustave Flaubert schreibt Salammbô, elektrisches Licht ist noch graue Theorie, und Abraham Lincoln führt jenseits des Ozeans einen Krieg, dessen Ende er nie erleben wird. Der Seidenraupenzüchter Hervé Joncour ist zweiunddreißig Jahre alt und lebt im Süden Frankreichs. Da ein Ausbruch der Nosemaseuche die Eier aller europäischen Aufzuchten unbrauchbar gemacht hat, ist seine Existenz gefährdet. In seiner Not macht er sich auf den Weg nach Japan. Dort soll es noch gesunde Seidenraupeneier geben. Und die schönste Seide - als hielte man das Nichts in Händen. In Japan begegnet er einer äußerst geheimnisvollen jungen Frau. Und obwohl ihm kaum mehr als die Erinnerung an verstohlene Blicke bleibt, treibt es ihn fortan jedes Jahr erneut hierher, ans Ende der Welt, immer in der Hoffnung, die Frau wiederzusehen und endlich ihre Stimme zu hören.
Simon Serrailler hat seinen letzten Fall nur knapp überlebt. Wird er körperlich und psychisch je wieder in der Lagesein, als Detective Chief Inspector zu arbeiten? Er sucht Abstand von seinem Leben in der gemütlichen südenglischen Stadt Lafferton mit ihrer schönen Kathedrale, von seiner Schwester, der Ärztin Cat und ihren drei Kindern, die gerade seinen Vorgesetzten Kieron Bright geheiratet hat, und von seinem Vater Richard und dessen viel zu junger französischer Freundin. Gibt es einen besseren Ort, um sich zu erholen, als das Zuhause alter Freunde auf einer abgelegenen schottischen Insel? Mit der Ruhe ist es allerdings schnell vorbei, als eine Frau unter mysteriösen Umständen ermordet wird und Serrailler als einziger Polizist vor Ort die Ermittlungen auf Taransay übernehmen muss. Und auch ein alter Fall in Lafferton holt ihn ein. Ist die 24 Jahre alte Kimberley Still ein weiteres Opfer des Serienmörders Lee Russon?
Noch nie wurde so viel gereist wie heute. Und doch hat sich das Reisen seine Poesie bewahrt. Aber was heißt es, in dieser rasenden Welt ein Körper in Bewegung zu sein? Nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit zu reisen? Da ist die Erzählerin, die unentwegt auf Wanderschaft ist, zu Fuß, im Auto, im Flugzeug und in Gedanken. Oder Eryk, den es als Fährmann in den hohen Norden verschlagen hat und der irgendwann mit seinen verdutzten Passagieren Kurs aufs offene Meer nimmt. Da ist der junge Mann, der langsam dem Wahnsinn verfällt, als Frau und Kind während eines Urlaubs plötzlich verschwinden, um ebenso plötzlich wieder aufzutauchen. Und schließlich Chopins Schwester, die ihren Bruder abgöttisch geliebt hat und nun sein Herz auf eine letzte Reise nach Warschau begleitet. »Unrast« ist eine Wundertüte voller Mythen, Bekenntnisse, Notizen und Gedanken über das Reisen, die Verbindung zwischen Leib und Seele, über Leben und Tod, Entwurzelung und Migration - ein Potpourri unterschiedlichster Geschichten, die alle einem geheimen Fahrplan folgen und eine gemeinsame Destination haben.
»Optimismus ist das Opium der Menschheit! Es lebe Trotzki!« Der Text auf dieser Postkarte, eigentlich als Scherz gemeint, wird dem Studenten und kommunistischen Aktivisten Ludvik zum Verhängnis. Auf die Bestrebungen seines Freundes Pavel hin wird er aus der Partei ausgeschlossen und muss im Kohlebau schuften. Nach seiner Rehabilitierung wird Ludvik, nun ein verbitterter Mann mittleren Alters, Mathematikprofessor. Er will Rache üben und verführt Pavels Frau. Aber auch dieser Scherz geht nach hinten los: Das Paar steht sowieso kurz vor der Scheidung.
Allein auf seinem Segelschiff KATE MOSS. An Bord: ein Mann kurz vor Kap Hoorn. Das Ziel: die Welt umsegeln. In einem vielstimmigen Gespräch – unter anderem mit polynesischen Bootsfahrern – erlebt der Einhandsegler die Abenteuer seines Lebens. In seinem Logbuch hält er Koordinaten, Tagesabläufe und Erkenntnisse fest. Gegen Ende seiner Reise steht er vor einer Entscheidung: Soll er sich dem Zugehörigkeitswunsch zur Gesellschaft unterordnen oder doch im Trost der Einsamkeit seinen eigenen Weg gehen?