2,0 von 5 Sternen
Wunderschöne Fehlkonstruktion
Wichtig: Diese Rezension bezieht sich auf das neue Modell P-225 (da hier alle Modelle durcheinandergewürfelt sind)
Langversion inkl. Vorgeschichte (wer möchte, springt gleich direkt zum Fazit am Ende):
Ich habe über Wochen hinweg unzählige Stunden mit Recherchen im Internet (Produktbewertungen und Testvideos auf YouTube) verbracht, um mich zwischen den drei Produkten Yamaha P-125, Kawai ES 120 und Roland FP-30X zu entscheiden. Leider gab es für mich keine Möglichkeit, die drei Instrumente bei einem Händler vor Ort selbst auszuprobieren. Als letztlich Yamaha mit dem neuen Modell P-225 auf den Markt kam, war die Entscheidung nach einigen weiteren Recherchen zu diesem Modell schnell gefällt. Da sprach man von einem großartigen Spielgefühl und von einem räumlichen Klangerlebnis. Ich war zwar von Anfang an skeptisch, ob die kompaktere Tastatur und die nach hinten ausgerichteten Lautsprecher tatsächlich eine Verbesserung waren oder einfach nur ein Kompromiss zugunsten der kompakteren Bauweise, vertraute aber leider nicht meinem Hausverstand, sondern den „professionellen“ Produktbewertern. Ebenso groß wie die Erwartung war jedenfalls die anschließende Enttäuschung.
Das Instrument machte zwar einen wirklich sehr hochwertigen Eindruck was Verarbeitung und auch das Design anbelangt, doch nach dem Spielen der ersten Töne dachte ich, dass hier etwas noch nicht richtig eingestellt sein musste (was leider nicht der Fall war): Auch wenn der Ton des gesamplten Klaviers selbst an sich sehr schön und authentisch ist, wirkt das Klangbild (vor allem vom Mittel-C abwärts) sehr dumpf und verhalten. Die nach hinten ausgerichteten Lautsprecher und die winzigen Lautsprecherschlitze auf beiden Seiten nach vorne vermitteln absolut keinen räumlichen Klang und das Anschließen von zusätzlichen Referenzlautsprechern konnte am Klangbild selbst auch nicht viel ändern.
Das nächste „Manko“ (dies ist sicherlich auch subjektiv) war die Tastatur. Diese fühlte sich für mich schwergängig und „wuchtig“ beim Spielen an. Wir haben zuhause auch ein (schon älteres) akustisches Klavier (Pianino), welches deutlich leichter zu spielen ist. Ich kann natürlich nicht sagen, ob hier das Spielgefühl eines großen Konzertflügels (welcher ja hier gesampelt wurde) vermittelt werden sollte bzw. ob ein solcher sich tatsächlich so anfühlt. Für den Amateur- oder Hobbybereich sehe ich hierfür aber keine Veranlassung. Wem dies gefällt und wer darauf Wert legt, mag damit natürlich seine Freude haben.
ABER:
Absolut unverständlich war für mich das Phänomen des „Nachwippens“ oder „Vibrierens“ der schwarzen Tasten (wohlgemerkt nur der schwarzen Tasten!).
Insbesondere bei leichtem bis hin zu mittelmäßig starkem Anschlag (und gedrückt Halten) der Tasten wird diese Vibration (ca. 3 „Schläge“ innerhalb von ein paar Zehntelsekunden) auf die Finger übertragen. Das wirkt sehr unnatürlich, störend und ist auch ermüdend. Bei starkem Anschlag „überdrückt“ man offensichtlich diese Vibration.
Ob man dieses Verhalten absichtlich simuliert hat und wenn ja, warum nur bei den schwarzen Tasten, erschließt sich mir bei meinem bescheidenen Wissen über die Mechanik des Klaviers nicht (es sind ja immer nur Saiten, die über Hämmer angeschlagen werden, egal ob die Taste, die dies auslöst eine etwas längere oder kürzere Taste ist?).
Bei unserem akustischen Klavier zuhause tritt dieses Phänomen definitiv auch nicht auf. Ich habe auch etwas im Internet gegoogelt und auf eine ähnliche Fragestellung (in einem anderen Zusammenhang) in einem einschlägigen Forum Folgendes gefunden:
Frage: Wenn man die Taste anschlägt, dann prallt der Hammer (bei einem echten Flügel) ja von der Saite zurück. Prallt die Taste dann auch etwas zurück? Ist das ein Qualitätsmerkmal?
Antwort: Du wirst am echten Flügel das Rückprallen nur wenig spüren, weil der Hammer frei ist und keine Tastenverbindung mehr hat. Er schleift sich dann in den Fänger ein. Das kann man u.U. spüren.
Auch hier jedenfalls wieder mein persönliches Fazit: Selbst wenn sich dies an dem zu simulierenden Flügel tatsächlich so verhalten sollte, ist das für mich als Hobbyspieler ein absolutes NoGo und war letztlich das ausschlaggebende Kriterium, warum ich das Gerät zurückschickte.
Noch ein abschließendes Ärgernis zum Thema Konnektivität:
Als ich sah, dass das Instrument Bluetooth besitzt und es eine App gibt, ging ich (offensichtlich naiver Weise) davon aus, dass ich die App ebenso über Bluetooth bedienen konnte. Einige Einstellungen sind über die App vermutlich leichter und einige zusätzliche Einstellungen überhaupt nur über die App vorzunehmen. Als das Herstellen der Verbindung mit dem Handy einfach nicht funktionieren wollte, ging es wieder an die Ursachensuche, welche ergab, dass das Instrument nur Bluetooth-Audio unterstützt. Zum Betreiben der App benötig man aber Bluetooth-Midi. Das stand aber so nicht in der Produktbeschreibung, dort fand ich schließlich folgende Bemerkung: „Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den optionalen UD-BT01 zu verwenden, ein kabelloser Bluetooth-MIDI-Adapter, der das Digital Piano z. B. mit der App "Smart Pianist" verbinden kann.“ Dieser „optionale Adapter“ (Kostenpunkt € 75!) funktioniert allerdings nur mit iOS und Mac (!) nicht für Android oder Windows (was auch nicht in der Beschreibung erwähnt wird).
Nun gut, „zum Glück“ gibt es ja noch die alternative Möglichkeit, die App am Handy über USB am Instrument anzuschließen. Das geht allerdings nicht einfach über das handelsübliche „Ladekabel“ mit einem Stecker vom Typ USB A (das sind die breiteren USB-Stecker, die man aus dem Netzstecker ziehen kann), sondern über den kaum gebräuchlichen (bei älteren Druckern vorzufindenden) Typ B (das sind eher schmälere, quadratische Stecker). Ein solcher Anschluss befindet sich nämlich am Instrument. Doch damit nicht genug. Ein solches „Druckerkabel“ besitzt am anderen Ende ja nur einen breiten USB A Stecker, der in kein Handy passt (welches USB C besitzt oder ggf. bei älteren Geräten Micro B). Ein Kabel mit USB B auf USB C habe ich jedoch nirgendwo gefunden. Dazu braucht es dann zusätzlich noch einen Adapter (USB A auf C). Und all das bei einem brandneuen Modell im Jahre 2023 im Wert von € 800.
Ich tendiere zurzeit wieder zum Kawai ES120, dieses besitzt z.B. auch Bluetooth Audio und Midi ab Werk.
Fazit:
Pro:
- Hochwertige Verarbeitung und schönes Design
Contra:
- (Subjektiv) Die Tastatur fühlt sich beim Spielen sehr schwergängig und „wuchtig“ an
- Sehr dumpfer Klang, Lautsprecher nach hinten orientiert, die Lautsprecherschlitze auf beiden Seiten nach vorne hin tun nicht viel zur Sache. Auch bei Anschluss zusätzlicher Lautsprecherboxen kaum Besserung des Klangbildes
- Steinzeitliche Konnektivität: Das Gerät besitzt ab Werk nur Bluetooth-Audio und USB A. Zum Betreiben der App (zur einfacheren Bedienung bzw. für zusätzliche Einstellungen) benötigt man entweder einen Adapter für Bluetooth-Midi (den gibt es aber nur für iOS und Mac und das für satte € 75) oder ein „Druckerkabel“ + ggf. Adapter (Details siehe Ausführungen oben)
Deal Breaker / No-Go:
- Die schwarzen Tasten „wippen“ oder „vibrieren“ bei leichtem bis mittelmäßigem Anschlag sehr stark nach (?!). D.h., wenn man die Tasten anschlägt und gedrückt hält, wird diese Vibration (ca. 3 „Schläge“ innerhalb von ein paar Zehntelsekunden) auf die Finger übertragen. Das wirkt sehr unnatürlich, störend und ist auch ermüdend. Bei starkem Anschlag „überdrückt“ man offensichtlich diese Vibration. Bei den weißen Tasten tritt dieses Phänomen allerdings nicht auf (?!)
5,0 von 5 Sternen
Sehr gutes E-Piano
Besitze den P-225 seit ca. einem Monat und ich bin rundum zufrieden. Der Klang ist merklich besser als mein altes Casio S110. Die Tasten fühlen sich gut an, die Anschläge sind gut abgestimmt. Nicht zu fest und nicht zu weich. Besonders gern nutze ich die Bluetooth-Funktion. Ich gebe dabei Musik über das Piano wieder und kann nach der Musik spielen. Auch klingt das Spielen mit Kopfhörer gleich wie ohne Kopfhörer. Dies ist fantastisch. Sehr empfehlenswert. Mit einem Kauf macht man nichts falsch!