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ERGON Sprechen, Staunen, Schweigen
Weite Teile der bisherigen Forschung verhandelten das literarische Verhältnis zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch unter dem Paradigma einer wechselseitigen Verarbeitung von Leben und Werk. Dieser intertextualisierende und meist biografisierende Zugriff, der sich in kriterial oft ungeklärter Weise auf die Liebesbeziehung der beiden Autoren berief, verstellte allerdings häufig den Blick auf die gemeinsame literarische Problemkonstellation: Die Bildnisproblematik und das Bemühen um die Darstellung des Unsagbaren, zentrale Themen Frischs, prägen auch Bachmanns Schaffen - und zwar schon lange bevor sie sich überhaupt begegneten. In detaillierten Analysen repräsentativer Werke legt die vorliegende Studie jedoch nicht nur die Schnittpunkte, sondern auch die Differenzen der jeweiligen Ausgestaltung dieses Themenkomplexes dar. Die Sprache als "Medium des Bildnisses" (W. Schmitz) und die Frage nach einem alternativen Ausdrucksmodus, der sich des verdinglichenden Zugriffs auf die Wirklichkeit nicht schuldig macht, bilden dabei das Zentrum des Vergleichs. Im Zuge der werkorientierten Untersuchungen wird gezeigt, dass Bachmanns Werk vor allem im Hinblick auf die politischen und (sprach-)philosophischen Dimensionen der Bildnisproblematik deutlich komplexer und radikaler ausfällt: Ihre Bildniskritik greift weiter als die des eigentlichen "Bildnistheoretikers" Frisch.
Die Autorin betrachtet am Beispiel der Literaten Knut Hamsun, Herman Bang und Selma Lagerlöf die Praktik der Autorenlesung in Skandinavien um 1900. Sie fragt zunächst nach der Geschichte, den unterschiedlichen Ausprägungen und den Kontexten dieser Praktik, um dann in systematisch-komparatistischen Studien unter Berücksichtigung historischen Quellenmaterials die Lesungen der drei prominenten Autoren zu rekonstruieren und zu analysieren. Es wird gezeigt, dass die Herausbildung moderner Autorschaft durch spezifische Formen medialer Inszenierung bedingt ist. Die Lesung macht dabei in unterschiedlichen Realisierungsformen und Funktionalisierungen einen wesentlichen Bestandteil der jeweiligen Autorenkonstruktion aus. Die Untersuchung illustriert die Rückbindung von Hamsun, Bang und Lagerlöf an die Gestalt ihrer Texte und verortet die Lesungen in zeitgenössischen Diskursen und im literarischen Umfeld. Theoretisch-methodologisch orientiert sich die Arbeit an Performativitätstheorie und Praxeologie, wobei literatur- und kulturwissenschaftliche, soziologische und medientheoretische Ansätze berücksichtigt werden.
Das Buch enthält historisch-pädagogische Studien, die forschungszentriert auf lokale, regionale und personengeschichtliche Aspekte in der Geschichte des Kindergartens blicken. Dabei bewegt sich die Darstellung vom Ursprungsland des Kindergartens über die USA bis nach Ägypten. Im Anschluss wird ein Brückenschlag in die Gegenwart unternommen, der den Zusammenhang von Ideen Fröbels mit der gegenwärtigen Debatte über Inklusion prüft und dabei selbst noch einmal historische Perspektiven aufnimmt.
Das Buch setzt sich theoretisch wie empirisch mit der Frage auseinander, in welcher Weise bereits Kinder in der Lage sind, dialektischen Denkbewegungen nachzugehen. Im Vergleich zum logischen Denken wird dem dialektischen Denken von Kindern wissenschaftlich keine größere Beachtung geschenkt. Insbesondere die an Piaget angelehnte kognitive Entwicklungspsychologie stellt das kindliche Denkvermögen vorschnell in den Schatten erwachsener Denkvollzüge und wertet es so ab. Vor dem Hintergrund einer sich stetig wandelnden Gesellschaft voller Symbolkomplexitäten wird eine Förderung und Kultivierung des Dialektischen zur Initiierung von Bildungsprozessen sowie zur Orientierung im und durch Denken umso bedeutsamer. In der vorliegenden qualitativ-empirischen Studie werden exemplarisch erste Denkfiguren sichtbar, die sich im Zuge des Philosophierens mit Kindern im Grundschulalter als frühe dialektische Denkbewegungen kennzeichnen lassen.
ERGON Familienleitbilder in Ost- und Westdeutschland
Die Studie untersucht die Familienleitbilder in Ost- und Westdeutschland. Es wird angenommen, dass sich aufgrund der Etablierung völlig unterschiedlicher Familienmodelle (male vs. dual breadwinner) während der Teilung Deutschlands auch unterschiedliche Familienvorstellungen entwickelt haben. Diese werden eingehend untersucht, um beantworten zu können, inwiefern sie heute noch in den Köpfen der Bevölkerung verankert sind. Dabei werden folgende Fragen analysiert: Welche Dimensionen von Familienleitbildern bzw. welche Familienleitbildtypen können unterschieden werden? Welche Ost-West-Unterschiede existieren und wie können diese erklärt werden? Die umfassenden empirischen Analysen auf der Basis der Familienleitbildstudie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung belegen den Fortbestand der unterschiedlichen Familienmodelle in der deutschen Gesellschaft. Wobei sich insbesondere die pro-egalitäre Doppelverdienerfamilie als ostdeutsches Leitbild identifizieren lässt. Dabei scheint es sich trotz der (politischen) Veränderungen nach der Wiedervereinigung um ein stabiles Leitbild zu handeln. Diese Situation dürfte zusätzlich durch die aktuelle Entwicklung der Familienpolitik hinsichtlich einer egalitäreren Aufteilung von Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit befördert werden.
Als offizielles Handbuch des japanischen Kultusministeriums stellte das "Kokutai no hongi" von 1937 die orthodoxe ultranationalistische Auslegung eines Themenkomplexes dar, der sich seit der Meiji-Zeit um die Frage des Wesens der japanischen Nation im politischen wie gesellschaftlichen Sinne aufgetürmt hatte. Grundlage dieser Auslegung bildet die Betonung des Ideals des loyalen Untertanen, der sich bedingungslos dem Staat unterwarf und sich für den Thron, dessen Herrschaft im Ultranationalismus als »endlos wie der Kosmos« galt, hingab. Die Grundprinzipien des Reichswesens erschließt dieses Grundlagenwerk des japanischen Ultranationalismus durch eine Untersuchung seiner historischen und kulturellen Bezüge sowie der diskursanalytischen Einbettung in den weiteren Kontext des japanischen Nationalismus. Der Gesamtkorpus des japanischen Originals wurde hierfür erstmals allumfänglich ins Deutsche übersetzt und annotiert.
In diesem Band wird erstmals das ambitionierte publizistische Projekt des Berliner Kunst- und Musikkritikers Oscar Bie untersucht. Einer interessierten Leserschaft ist Bie dank seines schlagkräftigen Satzes von der Oper als dem „unmöglichen Kunstwerk“ ein Begriff. Seine Idee einer „Unmöglichkeit“; die produktive Lösungen, mithin Kunstwerke erzeugt, gilt jedoch weit über die Grenzen der Gattung Oper hinaus. Ihren Antrieb erhält sie dadurch, dass Bie soziale wie autonome Bestimmungen von Kunst und Musik konsequent in Frontstellung bringt. In der vorliegenden Studie wird aus dem Konflikt, der Bies Projekt prägt, eine „unmögliche“ Theorie der (Ton-)Kunst abgeleitet, die es erlaubt, sein Denken in seiner Tragweite und Produktivität zu erfassen.
Die inhaltliche Erschließung geht von der Frage aus, wie man sich gezielt und schnell einen Zugang zu Dokumentinhalten und eine Orientierung über sie verschaffen kann. Vor dem Hintergrund einer Unterscheidung zwischen Begriffen und Bezeichnungen identifiziert das Buch zunächst typische Probleme bei der Suche nach Dokumentinhalten. Es führt in die Methoden der Inhaltserschließung ein (Indexieren, Abstracting) und stellt mit Thesauri und Klassifikationen Erschließungsinstrumente vor, die eine Brückenfunktion erfüllen zwischen jenen, die Informationen suchen und jenen, die sie aufbereiten. Am Beispiel des Internet wird ein konkreter Anwendungsbereich der Inhalterschließung zum Thema gemacht. Die Publikation richtet sich vornehmlich an Teilnehmer und Lehrende von Hochschulstudiengängen im Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationsbereich.
Wie sind Recht und Religion aufeinander bezogen und wie ist ihr Verhältnis im pluralistischen Gemeinwesen zu bestimmen? Die Autorinnen und Autoren der in diesem Band versammelten Beiträge lassen es nicht damit bewenden, Trennendes und Abgrenzendes aufzudecken. Sie gehen vielmehr auch den Verbindungen, Abhängigkeiten und Überschneidungen nach, die zwischen Recht und Religion im "säkularen", vom Neutralitätsparadigma beherrschten, rechtlich verfassten Gemeinwesen bestehen. Ziel des Bandes ist es, die Interdependenzen von Recht und Religion, die in jüngster Zeit wieder stärker in den Fokus der Debatte gerückt sind, aus einer inter- und transdisziplinären Perspektive auszuleuchten. Die Beiträge enthalten Reflexionen über dieses Verhältnis aus der Sicht der Rechts- und Religionswissenschaft, der Rechtssoziologie und -philosophie sowie der Religionssoziologie.
Der Band versammelt Beiträge von Forschern aus ganz Europa zu einem grundlegenden Text der klassischen deutschen Philosophie: F.W.J. Schellings "Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit" aus dem Jahr 1809. In seiner Schrift hatte Schelling einst das Problem der Freiheit als Kernproblem einer systematischen Philosophie behandelt. Für Schelling wird das Problem der Freiheit dort prekär, wo es Gegenstand einer Philosophie ist, die - wie in der klassischen deutschen Philosophie - als ein System der Vernunft konzipiert ist. Denn das System der Vernunft, dessen Glieder sich an ihrem zugewiesenen Platz notwendig wechselseitig bedingen, scheint dem unbedingten Charakter der Freiheit als absolutem Anfang grundsätzlich zu widersprechen. Steht hier die Möglichkeit der Philosophie, die Freiheit zu denken, auf dem Spiel? Die Autoren suchen darauf Antworten. Zugleich bieten sie mit ihren Beiträgen zum Verhältnis von Geschichtlichkeit und Zeit, zum Verhältnis von Freiheit und Natur, zum Problem des Wollens, zur Frage nach Grund und Ungrund sowie zur Rezeptionsgeschichte der "Freiheitsschrift" tiefe Einblicke in die gegenwärtigen Wege der internationalen Schelling-Forschung.
Die Ehe bildet für Muslime den Kern ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft. Deswegen ist sie auch Kristallisationspunkt für die Verständigung über grundlegende Werte und Normen des Muslim- Seins. Die vorliegende Arbeit erforscht sunnitisch- islamische Diskurse zu Ehe und Sexualität in Ratgebern und Eheschriften, die auf Urdu von den 1940er Jahren bis heute in Nordindien und Pakistan erschienen sind. Im Mittelpunkt der Analyse steht die Beziehung zwischen Rechtsdiskurs und Ethik. An fünf ausgewählten Themenbereichen veranschaulicht die Studie, welche Werte und Normen für die Ehe propagiert und wie diese plausibilisiert werden, wie dabei moderne Wissenschaften wie Psychologie oder Sexualwissenschaften genutzt werden und welche Rolle die Ratgeber für die Autorität religiöser Gelehrten haben. Dabei zeigt sich, in welch hohem Maße die Ratgeberautoren Liebe und emotionale Faktoren thematisieren.
Der dreiteilig angelegte Inhalt des Buches bewegt sich auf dem weiten Forschungsfeld der altägyptischen Medizin: Teil I beleuchtet die Hintergründe des problematischen Phänomens retrospektive Diagnose, dem Versuch, antike Krankheits- und Fallbeschreibungen mit einer heutigen Diagnose zu identifizieren. Untersucht werden die Auswirkungen dieses Phänomens auf ägyptologisches Arbeiten - konkret die Beurteilung textlicher, ikonographischer und paläopathologischer Befunde. Im Fokus steht die Textquellenarbeit mit einhergehenden Übersetzungsproblemen anatomischer, vor allem aber solcher ausgangssprachlicher Termini, die Krankheiten oder Krankheitssymptome bezeichnen. Im Mittelpunkt von Teil II, dem Textkorpus, stehen spezielle Texte der Papyri Ebers und Smith, zweier in die Anfangszeit des sogenannten Neuen Reiches (ca. 1550 v. Chr.) datierender Handschriften recht unterschiedlichen Charakters: Papyrus Ebers ist eine Sammelhandschrift diverser medizinischer Texte u. a. zu inneren Leiden. Papyrus Smith thematisiert auf dem Recto vornehmlich Verletzungen. Untersuchungsgegenstand sind die semiotischen Passagen jener Texte, d. h. solche, die Elemente tatsächlicher Beobachtung an Einzelpatienten in Gestalt von Symptom- bzw. Zeichenschilderungen aufweisen. Teil III bietet systematische Erkenntnisse und Klassifikationen des hinsichtlich der Verständlichkeit äußerst variablen Spektrums an Semiotiken und Diagnosen.
ERGON Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen
Die vorliegende Arbeit versammelt Aufsätze zu dem am 13. Dezember 2006 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedeten Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Gerichtet sind sie nicht nur an Juristen, sondern gleichermaßen an Pädagogen, vor allem an jene, die an den Grundfragen der Sonder- bzw. Heilpädagogik interessiert sind. Das Buch soll die Kultur der Gespräche zwischen Recht und Pädagogik intensivieren und voranbringen.
Wie steht der romantische Schriftsteller E.T.A. Hoffmann dem Geschlechterdiskurs seiner Epoche gegenüber? Wie kann man die zahlreichen hybriden Figuren, die in seinem Werk auftauchen, interpretieren? Wie interagieren diese Formen der Repräsentation mit den sozialen Werten und Normen der Epoche, was die Konzeption von Männlichkeit und Weiblichkeit betrifft? Die vorliegende Dissertation profiliert Hoffmann als gegendiskursiven Autor, der im Widerstreit zu den zeitgenössischen Kohärenzregeln der Diskurse über Liebe, Familie, Geschlecht, Kultur und Natur steht. Hoffmann bricht dabei mit alten Schemata, statt sie zu festigen. Transgressive und ambivalente Situationen, hybride Figuren und desorientierende Erzählweisen lassen keine Sicherheiten beim Leser bestehen. Theoretischer und methodologischer Hintergrund der Arbeit sind der narratologische Ansatz und die Gender- und Queer-Studien. Schüsselworte sind hier "Transgression", "Grenzüberschreitungen", "queer" und "Denkfiguren", die die binären Oppositionen westlichen Denkens in Frage stellen. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf die späten Dichtungen E.T.A. Hoffmanns. Diese bilden einen relativ homogenen Werkkomplex: polyphonischer Werkaufbau und Multiperspektivismus, massive intertextuelle Verweise und Parodie sind formale Aspekte, die das Spätwerk kennzeichnen und die auf die (Post-)Modernität von Hoffmann hinweisen.
Für die Erforschung des antiken Südarabiens in sprachlicher, historischer und kultureller Hinsicht ist die vorliegende Untersuchung von großer Bedeutung. Sie befasst sich mit neu entdeckten altsüdarabischen Schriftdokumenten, die auf Holzstäbchen eingeritzt wurden. Die hier publizierten Stäbchendokumente spiegeln nicht nur die verschiedenen Gattungen der Schriftdokumente wider, sondern erstrecken sich auch über die Zeitepochen, in denen diese Schriftdokumente verfasst wurden, nämlich vom ca. 10. Jh. v. Chr. bis zum 6. Jh. n. Chr. Diese Texte der Publikation stellen eine wichtige Quelle für die Kulturgeschichte Arabiens in vorislamischer Zeit dar. Sie bezeugen die Entwicklung der Schrift- und Dokumentenkultur im altsüdarabischen Raum in dieser Periode. Unter den Textgattungen finden sich unter anderem Privatbriefe, Rechts- und Wirtschaftsurkunden, Schultexte, Privatverträge, Inventartexte, Quittungen. Im ersten Kapitel werden die verschiedenen Gattungen der Stäbchentexte und deren sprachliche und kulturelle Aspekte im arabischen Bereich und im altorientalischen Kontext aufgeführt und dargestellt. Im zweiten Kapitel werden hundert Texte ausgewählt, entziffert, übersetzt, kommentiert und durch Faksimile und bildliche Darstellungen zur besseren Anschauung ergänzt. Diese hundert Stäbchentexte gehören zu der entsprechenden Sammlung des Nationalmuseums von Ṣana; Jemen. Sie werden nun erstmals veröffentlicht.
Was einst in den alten Bundesländern noch als familienergänzende Maßnahme im Falle entsprechenden Bedarfs galt, wird seit einigen Jahren als bester Ort für alle Kinder und zudem von frühester Kindheit an diskutiert: Auf die konkrete pädagogische Situation in den Kindergärten wird dabei kaum mehr geachtet. Allein das professionelle Setting im Kindergarten - das scheint wissenschaftlich erwiesen - bereitet auf das Leben vor. Im Kontext dieser Entwicklungen erfahren Familie und Familienerziehung zunehmend Skepsis und Misstrauen. Wer sein Kind nicht frühzeitig in die Kita gibt, beraubt es gesellschaftlicher Chancen. Familie, bisher als Ort geborgenen Aufwachsens bekannt, gerät unter den Generalverdacht der Kindeswohlgefährdung. Das Private, einst als Raum für die Erziehung zur Autonomie und damit als wichtiges Gegengewicht zu staatlichen Eingriffen in demokratischen Gesellschaften gesehen, steht zur Disposition. Darauf verweisen auch die vordergründig das Kind stärkenden Kinderrechte. Sie erklären zum Rechtssubjekt, was erst eines werden soll. Gestärkt wird weniger das Kind als vielmehr der staatliche Zugriff auf innerfamiliäres Leben. Der Staat weitet seine Macht- und Kontrollbefugnisse massiv aus. Pädagogik als Wissenschaft und Profession wirkt dabei kräftig mit.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Thematik der Erlösung in Goethes Drama „Faust“ unter der Hauptthese, dass Faust nicht erlöst wird, sondern bereits erlöst ist, diese Wahrheit jedoch erst später erkennt. Als theoretische Basis für die Untersuchung wird Nietzsches philosophische Vorstellung von der „Unschuld des Werdens“ herangezogen, durch die Einblicke in den gedanklichen Hintergrund des Dramas eröffnet werden. Betrachtet man Fausts Lebensweg im Lichte von Goethes Annahme einer „ursprünglichen Unschuld“; so lässt sich seine Erlösung als Erkenntnis der immerwährenden Wahrheit des Erlöstseins deuten.
Seit mehr als sechs Jahrzehnten arbeiten die Würzburger Philologen Ruth Maria und Otto Anton Schmidt nicht nur als Sprachlehrer, sondern auch als Übersetzer in den verschiedensten Fach gebieten, besonders im Bereich der Belletristik. Mit der neuen, in deutscher Sprache erscheinenden Reihe Die Welt in Erzählungen im Er-gon-Verlag verfolgen sie das Ziel, den Lesern Kurztexte und Novellen zu vermitteln, die selbst in der Hektik der heutigen Zeit die Menschen zum Schmunzeln und Nachdenken bringen sollen. Der vorliegende achte Band „Der glückliche Prinz und andere Geschichten aus Irland“ bietet neben Texten weltberühmter Schriftsteller (Swift, Wilde, Joyce) auch solche irischer Autoren, in denen die Eigenart der Menschen dieses Landes und dessen Märchen- und Sagenwelt zum Ausdruck kommt. Der Charakter eines idealen Geschenkbüchleins wird noch verstärkt durch die zahlreichen Illustrationen von Gerhard Hainlein. Seine künstlerischen Neigungen wurden früh gefördert, so dass er nach dem Abitur an der Münchner Kunstakademie studierte. Nach dem Grund-kurs wechselte er jedoch zum Studium der Medizin und betreute mit seiner Frau über vier Jahrzehnte eine große Praxis für Allgemeinmedizin. Nunmehr darf er seine künstlerischen Interessen voll pflegen. Eindrücke auf Reisen und Veranstaltungen finden ihren Niederschlag in seinen Skizzenbüchern und literarische Lektüre regt ihn zu schönen Illustrationen an.
Im Jahr 2018 rief die sensationelle Herausgabe eines über tausendseitigen Erotikons aus dem Nachlass Rudolf Borchardts (1877–1945) ein beachtliches Feuilletonecho hervor. Befremdlich erschien der pornografische Duktus des autofiktionalen Romans „Weltpuff Berlin“; unvereinbar die Darstellung eines Rudolf Borchardt als hypersexueller Frauenheld mit der von ihm sonst gepflegten Selbstinszenierung als elitärer Minnedichter, der die abendländische Kultur durch eine "Schöpferische Restauration" zu erneuern sucht. Die Studie untersucht erstmals systematisch die Darstellung körperlicher Liebe und die ihr zugrundeliegenden Liebeskonzeptionen im Werk Borchardts und macht in diesem Kontext den Weltpuff-Roman als nur vermeintlichen Fremdkörper kenntlich.