Die Kamera ist in allen Belangen Klasse. Panasonic hat mit den Updates gute Arbeit geleistet. Die Bildqualität ist immer auf höchstem Niveau. Bei hohen ISO-Werten steckt sie alle höher auflösenden Konkurrenten deutlich in die Tasche. Auch wenn Seiten wie Dpr.… den Leuten anderes vermitteln wollen. Das ist mir ein Rätsel. (Diese verfolge ich schon seit deren Anfangszeiten). Die Bedienung der S1 ist vorbildlich und die Möglichkeiten sehr vielfältig. Der Objektivpar wächst ständig, hoffentlich bleibt das so. Und wenn man sie in der Hand hat und auf das Datenblatt schaut, müsste sie ewig halten. Diese Kamera ist großartig.
Schnelle Selbstentladung der Batterie und Schlechte Bildschirmlupe
Leider hat die S1R zwei Eigenheiten, die für mich die Freude an der Kamera erheblich trüben:
Erstens, die Selbstentladung der Batterie. Wenn man die Kamera mal 2 Wochen nicht benutzt, lässt sich die Kamera nicht mehr anschalten, die Batterie (Original Panasonic) ist komplett entladen. Das Phänomen ist in Fotografieforen bekannt. Im Übrigen kenne ich das von keiner meiner anderen 5 Kameras (3 davon Panasonic Systemkameras), die ausnahmslos noch nach Monaten höchstens minimale Selbstentladung der Batterien zeigen.
Zweitens, die Bildschirmlupe taugt wenig bis gar nichts. Die Vorschau im Sucher und auf dem Display scheint so zu funktionieren, das das Bild vom Sensor auf ca. 5-6 Megapixel herunterskaliert wird (d.h. die Pixelzahl von Bildhöhe als auch -breite wird um den Faktor 3 reduziert), und dann für die Lupenfunktion in dieses verkleinerte Bild hereingezoomt wird.
Von den tatsächlich möglicherweise vorhandenen Bilddetails bleibt dann leider nur Brei übrig, wie aus den beigefügten Fotos ersichtlich. Auch dies ist in Foren bekannt, es ist also kein individueller Defekt meiner Kamera. Es ist ein Serien-Feature.
Treffsicheres Fokussieren ist damit nicht möglich.Dadurch ist natürlich auch der hochauflösende Modus für die Tonne: 8 Aufnahmen mit leichtem Pixelshift zu einem 187 Megapixel Ergebnis zusammenzurechnen ist eine tolle Idee, aber funktioniert nicht wirklich gut, wenn man gar nicht erst richtig scharfstellen kann.
Das gibt zusammen zwei Sterne Abzug. Wenn ich für diese Kamera den vollen Preis bezahlt hätte, dann hätte ich sie zurückgeschickt.
Ich kann sagen: Ja, ist sie, aber...!
Vorab zu mir ein paar Worte, damit man die Bewertung besser einschätzen kann. Ich fotografiere seit vielen Jahren professionell Hochzeiten und Portraits und Privat Landschaft und Natur. Ich hatte schon diverse DSLMs und DSLRs mit unterschiedlichen Sensorgröße von Sony, Nikon, Fujifilm und hatte noch mehr von anderen Marken in der Hand. Ich konnte also sehr viele Erfahrungen mit Kameras sammeln.
Von Panasonic Kameras habe ich bisher immer die Finger gelassen, weil es für mich den Eindruck erweckt hat, als würde bei Panasonic im VF Bereich nicht mehr viel kommen. Jetzt kürzlich haben sie die S5II vorgestellt und haben gezeigt, was sie können. Das war für mich ein Grund doch auch mal eine Panasonic auszuprobieren. Warum dann eine alte S1 und keine neue S5II? Weil die S1 ausgereift ist und weil sie schön groß und solide ist. Ich mag derartige Kameras, weil sie mir besser in der Hand liegen, als die kleinen DSLMs, die sich viele wünschen.
Folgendes kann ich zur S1 berichten:
Positiv:
- Sie ist gebaut wie ein Panzer. Nichts klappert, alles sitzt fest und macht einen äußerst hochwertigen Eindruck.
- Sie ist schön groß und für mich deswegen besser geeignet.
- Sie hat viele Bedienelemente und alles ist sinnvoll angeordnet und gut zu erreichen.
- Der IBIS arbeitet super, v.a. mit Objektiven, wie dem 24-105mm, das OIS hat, denn dann kommt der Dual OIS zum Einsatz. 1/10s bei 105mm sind kein Problem. Da muss ich aber sagen, dass ich das bei anderen Kameras aber auch geschafft habe.
- Das Menü und alle Begriffe sind absolut logisch und strukturiert. Ich habe mich, ohne einen Blick in die Anleitung zu werfen, sofort zurechtgefunden und konnte alles einstellen.
- Das Display lässt sich nach oben und unten, aber auch zur Seite schwenken.
- Sie hat ein Schulterdisplay
- Der Auslöser lässt sich angenehm drücken. Bei der G9 war es ja z.B. so, dass der äußerst leichtgängig war, aber hier passt es.
Neutral:
- Der Sucher löst war sehr hoch auf, mit seinen 5,7 Mio Pixeln, aber ehrlich gesagt sehe ich da keinen Unterschied zu Kameras, die einen EVF mit "nur" 3,7 Mio Pixeln. Das ist also etwas, was nur auf dem Datenblatt gut aussieht.
- Auch das Display löst mit seinen 2,1 Mio Pixeln höher auf, als so manch andere Displays. Aber auch hier erkenne ich keinen Unterschied zu anderen Displays.
- Der Autofokus muss eigentlich unterteilt werden, in AF-S und AF-C. Der AF-S ist absolut spitze, selbst wenn es relativ dunkel ist. Vergleichbar aber mit der XT4. Jetzt kommt das ABER. Der AF-C ist leider nicht so toll, selbst mit der aktuellsten Firmware 2.2. Ist es etwas dunkler, dann funktioniert die Motivverfolgung leider nur noch sehr schlecht. Man bestimmt z.B. ein Motiv, das verfolgt werden soll, bewegt man sich dann aber davon weg oder darauf zu, springt das AF Kästchen teilweise wild in der Gegend herum und verliert das eigentliche Motiv. Bei mehr Licht ist es etwas besser, aber leider trotzdem nicht der Hit. Gleiches gilt für den Augen AF. Sind die Augen nicht frontal sichtbar, findet er sie nicht mehr. Sind sie frontal sichtbar, bleibt er zwar einigermaßen gut auf den Augen, verliert sie aber trotzdem immer wieder, besonders bei weniger Licht. Da ist z.B. die XT4 genauso unzuverlässig.
- Der Akku ist verdammt groß und schwer. Der größte und schwerste, den ich bisher gesehen habe. Trotzdem ist die Akkulaufzeit unter der eine A7III oder XT4 und eher auf dem Niveau einer Z6II. 400-500 Fotos sind drin. Stellt man aber Sachen im Menü ein und kontrolliert die Bilder mehr, wird es schnell weniger.
- Die S1 war und ist nicht wirklich schnell. Besonders im AF-C ist die Serienbildrate nicht der Hit. Mir würde es aber ausreichen.
- Sie hat einen HighRes Modus, in dem man 96MP Aufnahmen erstellen kann. Das geht nur auf dem Stativ und ich brauche das z.B. gar nicht.
Negativ:
- Die S1 hat einen Slot für XQD/CFexpress Karten. Will man nur fotografieren, dann ist diese Art von Karten bei der S1 absolut nutzlos, da sie eh nicht sonderlich schnell ist. Diese Karten kosten aber sehr viel und man braucht auch einen entsprechenden Card Reader, der auch teurer ist. Hat man vor mit der S1 zu filmen, dann ist die Karte durchaus ein Vorteil.
- Sie wird sehr warm. Als ich alles eingestellt und ausprobiert hatte, habe ich gemerkt, dass sie in einigen Bereichen sehr warm wird. Das hat mich etwas verwundert, denn sie ist sehr groß und da dachte ich, dass Wärme kein Problem wäre. Da frage ich mich, was passiert, wenn es draußen 30° hat und ich sie mehrere Stunden im Einsatz hätte.
Die S1 ist eine solide Kamera, die vieles kann, aber einiges davon nicht wirklich gut. Die Objektivauswahl ist größer, als z.B. bei Canon, aber immer noch deutlich kleiner als bei Sony oder Fujifilm. Leica L Objektive werden sich vermutlich nur wenige an eine Lumix klemmen. Insgesamt bin ich jetzt aber nicht so begeistert und weiß nicht, ob ich sie behalten soll. Aber ich tendiere eher zum Zurückschicken.
Habe 3 Jahre mit der G9 gearbeitet, diese Kamera war schon der "Hammer".
Den Umstieg von der G9 auf die S1 war nur der logische nächste Schritt.
Großes Gehäuse der S1 liegt sehr gut in der Hand, mit Batteriegriff noch einmal
besser. Habe den Kauf nicht bereut und wird wohl für lange Zeit mein ständiger
Begleiter sein.
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