konventionell, aber Spitze
Ein hochgeöffnetes Normalobjektiv ohne ED und Asphären - wer traut sich das heute? Fakt ist, dass wenn die optische Rechnung stimmt und die Fertigung gut ist, eine ältere Konstruktion ganz oben mitspielt. Scharfstellen im Sucher: drehen, klick, da ist die Schärfe, glasklarer Punkt, auslösen. So wünschen sich das alle, aber welches 1,4er kann das? Die moderate Erhöhung der Normalbrennweite von 50 auf 58mm hat geholfen, die typischen 1,4er Probleme zu minimieren. Ich nutze das Nokton (was eigentlich ein altes Topcor ist) für Detailaufnahmen, auch mit der sehr gut harmonierenden Canon-Vorsatzlinse Achromat 500 T in 58mm auf einer Pentax (K5). Die optische Leistung des Nokton 58mm ist beeindruckend: Blende 1,4 verwendbar, Blende 2 kontrastreich, ab Blende 2,8 spitzenmässig. Ganz wichtig: beim Abblenden praktisch kein axialer Focusdrift, sprich kein merkbarer Öffnungsfehler. Die Schärfe bei Blende 5,6 sitzt da, wo man sie bei 1,4 eindeutig hingesetzt hat. Das können nur Wenige. Die Vergütung ist erstklassig, im Gegenlicht entsteht kein Matsch, sondern brilliante Farben, die Focusschnecke ist der richtige Schnittpunkt aus Weg, Leichtgängigkeit und Dämpfung. Leider hatte das erste gelieferte Exemplar einen Focusdrift von rechts nach links, das soll nicht sein. Die Neulieferung war dann ok. Der Preis ist kein Schnäppchen, aber welches aktuelle 1,4er Normalobjektiv ist besser, ähnlich kompakt und günstiger?
Das Lichtstärken-Potential des Nokton ist allerdings nur nutzbar, wenn das Sucherbild der Kamera einen wirklich definierten Schärfepunkt hergibt. In Zeiten von AF tun das nicht alle Gehäuse, und dann sollte man den Schärfe-Ausschuss wegen Einstellungsfehlern nicht dem Objektiv anlasten. Es ist Nonsense, ein 1,4er zu bezahlen, und erst ab Blende 8 vernünftige Schärfe zu haben.