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Chronos Fürsorge finanzieren und regulieren
Missstände im schweizerischen Heimwesen für Minderjährige, insbesondere Gewalt, Unterversorgung und fehlende Förderung der Platzierten, lassen sich vor allem durch eine langjährige Unterfinanzierung der stationären Fürsorge erklären. Der Heimsektor war traditionell weitgehend der privaten und kommunalen Kontrolle überlassen. Erst im Jahr 1942 erkannte der Bund die gravierenden Mängel und rief zu umfassenden Reformen auf. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie den Ausbau der Steuerung des Heimwesens für zivilrechtlich platzierte Minderjährige durch Finanzierung und Regulierung in den Kantonen St. Gallen, Uri und Genf in der Zeitspanne von 1942 bis 2012. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbesserten der Bund und die Kantone zwar die Finanzierung und Regulierung des Heimsektors, jedoch verlief der Ausbau der staatlichen Steuerung nicht ohne Schwierigkeiten. Dieser Prozess war von Verzögerungen und Widersprüchen geprägt, wobei ökonomische Überlegungen oftmals dominierten und die Bedürfnisse der platzierten Minderjährigen während langer Zeit nur unzureichend berücksichtigt wurden. Trotz bestehender struktureller Probleme wurden Minderjährige weiterhin in qualitativ ungenügenden Institutionen untergebracht und die Kontrolle dieser Einrichtungen erfolgte meist nur punktuell. Der politische Wille, viele Aufgaben im Heimwesen an Private sowie an häufig finanzschwache Gemeinden zu delegieren, führte nicht nur zu ungenügenden Platzierungssituationen, sondern auch zu einer heterogenen Heimlandschaft.
Im Zuge der Napoleonischen Kriege war der Bündner Benediktinermönch, Naturforscher und Pionier des Alpinismus Placidus Spescha als politische Geisel nach Innsbruch gebracht worden. Während dieses Aufenthalts im Jahr 1800 schrieb er einige seiner zentralsten Werke. Dieser vierte Band der Schriften von Placidus Spescha vereint eine Auswahl dieser Texte und eröffnet einen einzigartigen Blick auf einen der faszinierendsten Grenzgänger zwischen klösterlicher Gelehrsamkeit, früher Wissenschaft und der Entdeckung der Alpen. Die «Anleitung zur Unternehmung von Bergreisen» zählt zu den frühesten alpinistischen Lehrschriften überhaupt. Sie bietet praxisnahe Hinweise zu Themen wie Routenwahl, dem Finden geeigneter Gefährten, dem sicheren Umgang mit Schnee, Eis und Geröll sowie der richtigen Ausrüstung. Anschaulich beschreibt Spescha auch die Gefahren und Herausforderungen des Bergsteigens zu einer Zeit, als dieses noch ein Wagnis für wenige Pioniere war. Zwei ergänzende Wanderberichte aus Tirol vermitteln ein lebendiges Bild seiner Erkundungen während des Exils. Mit den «Bemerkungen über den Krystall» legt Spescha ausserdem einen Text zur frühen naturkundlichen Kristallforschung vor. Nachdem seine einst mehrere Tausend Stücke umfassende Kristallsammlung in den Wirren der Kriegsjahre verloren gegangen war, widmete er sich schreibend der Erinnerung an die Schönheit der alpinen Kristallklüfte und dem Festhalten seines naturkundlichen Wissens. Dieses Werk ist somit zugleich ein bedeutendes wissenschaftshistorisches Dokument und ein poetisches Zeugnis seiner grossen Leidenschaft für die Mineralogie.
Chronos Antikommunismus in der Schweiz A1080048679
Während des Kalten Krieges grassierte in der Schweiz ein virulenter Antikommunismus. Der Blick auf den Schweizerischen Aufklärungsdienst (SAD) in der Deutschschweiz und die Rencontres Suisses in der Westschweiz zeigt, dass sich nicht nur die geschaffenen Feindbilder, sondern auch die antikommunistisch aufgeladenen Themen in den zwei Sprachregionen voneinander unterschieden. Der SAD sammelte Informationen über vermeintliche kommunistische Machenschaften und band die Bevölkerung in die «Verteidigung schweizerischer Werte» ein, etwa mit dem Boykott sogenannter Ostprodukte. Die Rencontres Suisses konzentrierten sich auf die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und erklärten den Betrieb zur potenziellen Keimzelle des Kommunismus. Die Studie legt dar, wie eng antikommunistische Organisationen mit Militär, Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften verflochten waren, welche Strategien und Ideen sie prägten und welche transnationalen Verstrickungen bestanden. Damit wird die These eines monolithischen, homogenen Antikommunismus in der Schweiz aufgebrochen und aufgezeigt, welche Akteure diese Antikommunismen gestalteten, mittrugen und an sich kontinuierlich wandelnde Umstände anpassten.
Nicht nur Skisprungschanzen und Bobbahnen lockten die Touristen in die Alpen an. Ab den 1860er-Jahren sorgten über ein Jahrhundert lang auch Orchester in Grandhotels, in Trinkhallen und im Freien für die Unterhaltung der Gäste. Diese Monografie liefert erstmals eine umfassende Geschichte der alpinen Kur- und Hotelorchester. Grundlage der Rekonstruktion dieser Geschichte bilden Tausende vor allem im Engadin und in Böhmen gesammelte Archivalien, darunter Plakate, Konzertprogramme, Briefe, Bewerbungsunterlagen, Protokolle, Verträge, Geschäftsbücher und Fotografien. Von den insgesamt 85 Miniaturen befassen sich diejenigen im ersten Teil mit Aspekten der Aufführungsorte und der Formen und Funktionen der Kur- und Hotelorchester. Der zweite Teil erkundet Repertoire und Klang, während der dritte die Arbeits- und Lebensbedingungen der Musiker beleuchtet. «Musik im Durcheinander» leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Musik in Hotellerie und Tourismus.
Mit dem Kriegseintritt der Amerikaner im Frühjahr 1917 nahm der Erste Weltkrieg seine entscheidende Wende: Die Machtbalance verschob sich nach Westen und das Deutsche Kaiserreich verlor den «grossen Krieg». Die Schweiz wurde von dieser Entwicklung direkt erfasst. Erstmals in ihrer Geschichte musste sie sich auf eine aussereuropäische Macht einstellen. Doch der Kleinstaat lernte rasch: Er wandte sich vom einstmals bewunderten Kaiserreich ab und suchte den Anschluss an die USA als die kommende Supermacht des 20. Jahrhunderts. Das Buch erzählt die spannungsreiche Geschichte der letzten beiden Kriegsjahre, in denen sich die Schweiz zwischen den Fronten der Weltmächte befand. Im Ringen um die globale Vorherrschaft geriet der Kleinstaat in arge Bedrängnis. Durch den rücksichtslosen deutschen U-Boot-Krieg von wichtigen Lebensmittelimporten abgeschnitten, wandte er sich an die USA als rettende Kraft. Die Bitten einer hochrangigen «Swiss Mission», die eigens über den Atlantik entsandt worden war, wurden erhört: Die USA versorgten das Binnenland mit eigenem Getreide und bewahrten es vor einer Hungersnot. Während Amerika an Strahlkraft gewann, wurde das Kaiserreich immer stärker zur Bedrohung. Spionageskandale und Bombenprozesse in Zürich, bei denen deutsche Agenten verurteilt wurden, sorgten für Aufregung. Trotz deutscher Gegenpropaganda gelang es dem Kaiserreich nicht mehr, seinen Einfluss aufrechtzuerhalten. Als im Herbst 1918 die Zentralmächte kollabierten, wurden die deutschen Diplomaten als Vertreter der ungeliebten alten Ordnung aus der Schweiz gewiesen. Die USA hingegen wurden unter ihrem Präsidenten Woodrow Wilson frenetisch gefeiert. Knapp hundert Jahre später erlaubt diese Studie einen neuen Blick auf eine der bewegtesten Phasen der Schweizer Geschichte und lädt dazu ein, über das Verhältnis des Kleinstaates zur Welt nachzudenken.
Im Gegensatz zu den anderen Abschnitten ihres kurzen Lebens war über den Afrika-Aufenthalt von Annemarie Schwarzenbach 1941/42 lange Zeit wenig bekannt. Mit der Veröffentlichung des nachgelassenen Romans Das Wunder des Baums wurde 2011 ein erster Schritt getan, den Blick auf diese Schaffensphase der Autorin zu lenken. Der vorliegende Band präsentiert alle weiteren während ihrer Afrikareise verfassten Arbeiten – die zu Lebzeiten publizierten Reportagen und Feuilletons sowie bisher unveröffentlichte Texte, darunter Gedichte, ein Rechenschaftsbericht und Marc. Annemarie Schwarzenbach reiste 1941 nach Belgisch-Kongo und versuchte von dort aus Anschluss an die Operationen des France libre zu finden, war durch politische Verdächtigungen in ihrem Handlungsspielraum allerdings eingeschränkt. Dennoch konnte sie in der Schweizer Presse rund zwei Dutzend Reportagen veröffentlichen. Es geht darin um Eindrücke von ihren Schiffsreisen zwischen Europa und Afrika und um vielfältige Impressionen aus dem Kongo, so in der Artikelserie über Schweizer Kolonialisten. In ihrem bisher unveröffentlichten Bericht Beim Verlassen Afrikas reflektiert Annemarie Schwarzenbach die spektakulären Umstände bei der Niederschrift ihres Romans Das Wunder des Baums. Hinzu kommen Gedichte, die sie aus dem Kongo und aus Marokko, ihrer zweiten grossen Station in Afrika, schrieb. Aus Marokko stammen zudem ein Dutzend Reportagen. Den Abschluss des Bandes bildet der Erstdruck von Marc, der geheimnisumwitterten lyrischen Umarbeitung von Das Wunder des Baums, die sie nach ihrer Rückkehr aus Afrika kurz vor ihrem Tod 1942 in Sils beendete. Damit liegen nun alle afrikanischen Schriften von Annemarie Schwarzenbach gesammelt vor. Sie gestatten neue Blicke auf diese immer noch viel zu wenig bekannte Etappe ihres Lebens und ihres Werkes.
«Suisse Langenthal» stand einst für ein florierendes Unternehmen: Die Porzellanfabrik Langenthal schaffte es im 20. Jahrhundert vom fragilen Startup zum scheinbar unverwüstlichen Volksgut. Der Niedergang kam schleichend und endete dramatisch. 120 Jahre nach der Gründung erscheint Langenthaler Porzellan als Mythos und Kulturgut, um das noch immer gerungen wird. Bis heute blüht die Erzählung, dass die einst stolze Porzellanfabrik zum Opfer eines Managements geworden sei, das in entscheidenden Momenten versagt habe. Hartnäckig hält sich auch das Gerücht; Langenthal sei im Zweiten Weltkrieg ein «Nazi-Nest» gewesen – und die Porzellanfabrik ein Schauplatz schauerlicher Geheimpläne. Was davon stimmt? «Glanz und Elend der Porzellanindustrie» ist die erste umfassende Darstellung der Unternehmensgeschichte. Das Buch zielt auf eine Verknüpfung von wirtschafts-, sozial- und kulturhistorischen Perspektiven auf die Porzellanindustrie und die Bedeutung von Porzellan in der Schweiz vom späten 19. bis ins frühe 21. Jahrhundert. Von Mut und Zerbrechlichkeit, von Aufstieg und Niedergang, von Triumph und Trauma handelt die Geschichte der Porzellanfabrik Langenthal. Sie handelt auch von der Gründerfamilie Spychiger, einer Porzellandynastie im Kleinformat. Die Publikation stützt sich auf Quellen aus dem Unternehmensarchiv, das sich bis heute auf dem Fabrikareal befindet, rund siebzig Laufmeter Dokumente, die für dieses Buch erstmals systematisch konsultiert worden sind.
Im Jahr 2013 fanden drei Gemeinden zusammen, die zwar durch gemeinsame Geschichte und Geschichten verbunden waren, seit dem Spätmittelalter aber als separate Verwaltungseinheiten existiert hatten. 2025 schaut die neue Gemeinde Eschenbach SG auf über 1250 Jahre Geschichte seit der ersten Erwähnung und auf mehr als zwölf Jahre seit der Gemeindevereinigung zurück. In acht reich bebilderten Kapiteln spannt das Buch einen Bogen von den ersten archäologischen Funden aus der Hallstattzeit über die Ankunft keltischer Gruppen, römischer Heere und alemannischer Siedler und Siedlerinnen im Seebezirk bis in die Gegenwart. Die katholische Kirche bestimmte das Leben in Eschenbach bis zum Ende des Ancien Régime. Vor dem Einmarsch Napoleons in die Schweiz 1798 gehörten Eschenbach, Goldingen und St. Gallenkappel als je eigene Tagwen zur Landvogtei Uznach unter der Herrschaft von Schwyz und Glarus. Während der Helvetik lenkten Schlüsselfiguren wie der Landammann Johann Ulrich Custor aus Eschenbach die Geschicke der Region. Ab dem 19. Jahrhundert sind die Kapitel thematisch geordnet. Sie beleuchten das soziale und kulturelle Leben, zeigen die wirtschaftliche Entwicklung auf und befassen sich mit dem Bau von Infrastrukturen wie Verkehrswegen sowie Strom- und Wasserversorgung in den damaligen Gemeinden. Die allmähliche Annäherung der drei Gemeinden auf schulischer und administrativer Ebene seit den 1950er-Jahren fand in der Gemeindevereinigung von 2013 ihren Abschluss.
Neun gebildete Herren der guten Gesellschaft gründeten am 27. November 1917 die Literarische Vereinigung Winterthur mit dem Ziel, im Kulturleben der Stadt Winterthur das Literaturgeschichtliche zu pflegen und die erzählende Dichtung sowie die Poesie zu unterstützen. Seither hat sich die "Literarische" am Puls der Zeit weiterentwickelt: Längst ist sie nicht mehr nur in Männerhand, und mit ihren Autorenlesungen beweist sie seit Jahrzehnten ein gutes Gespür für die Trends der deutschsprachigen Literaturszene. Im Buch zum 100-Jahr-Jubiläum der Literarischen Vereinigung Winterthur erzählt die Germanistin und Historikerin Ute Kröger diese Geschichte mit besonderem Blick auf die prägenden Personen nach. Erinnerungen an bemerkenswerte Gäste und Veranstaltungen der "Literarischen" sowie ein Porträt des heutigen Vereins und ein Blick auf die Winterthurer Literaturszene runden die Darstellung ab.
Waren es anfänglich die in den Wirren der Revolution und des nachfolgenden Bürgerkriegs in die Schweiz zurückkehrenden Russlandschweizer, von denen die Schweizer Öffentlichkeit über die Zustände im alten und neuen Russland erfuhr, so setzte schon sehr bald eine entgegengesetzte Reisebewegung ein. Ab 1920 begannen in der Schweiz Lebende, in die Sowjetunion zu reisen, anfänglich als Einzelreisende und dann vermehrt auch in grossen Gruppen als sogenannte Delegationen und Reisegruppen. Neben einigen Privatpersonen finden sich vor allem Vertreter von Schweizer Gewerkschaften und politischen Parteien. Besonders zahlreich sind die Berichte über Reisen durch die Sowjetunion in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre und in den dreissiger Jahren. Vortragsreihen und Reiseberichte waren neben der Presse die beste Möglichkeit, in der Schweiz um Sympathie und Unterstützung für das sozialistische Land zu werben oder die Schweizer vor der Gefahr des Bolschewismus zu warnen.
Was eine Pflegefachperson weiss und kann, was der Gegenstand und Inhalt ihres Berufes ausmacht, verhandelt jede Gegenwart wieder neu. Die Geschichte der Krankenpflegeschule Zürich (1976–2009) reflektiert die Entwicklung des Pflegewissens und seiner Denkmodelle bis ins 21. Jahrhundert. Mit der zunehmenden Professionalisierung wurde Pflege zu etwas, das mehr umfasst als die Verrichtungen und Handreichungen eines Hilfsberufs, der, von Frauen ausgeübt, einst in Schwesternschulen zu lernen war. Aufgebaut wurde stattdessen eine wissenschaftliche Praxisdisziplin, die in Studien an Fachhochschulen oder höheren Fachschulen erlernt wird. Der Beitrag der Krankenpflegeschule Zürich zu diesem Prozess bildete in den 1970er Jahren die vierjährige Ausbildung in integrierter Krankenpflege. Hier wurde Pflege verstanden als Problemlösungs- und Beziehungsprozess, der von Pflegeprinzipien und humanistischer Psychologie abgeleitet war. 1992 traten neue Ausbildungsbestimmungen des Schweizerischen Roten Kreuzes für einen generalistischen Beruf in Gesundheits- und Krankenpflege auf zwei Diplomniveaus in Kraft. Darauf aufbauend entwickelte die Krankenpflegeschule Zürich neue Ausbildungsgänge, die in der Pflege Lebensweltbezüge ins Zentrum stellten. Erweiterte Lehr- und Lernformen, Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen förderten die Verselbständigung der Pflegediplombildung. Die Krankenpflegeschule Zürich schloss sich der Entwicklung und Forschung in der Pflege an, indem sie eine höhere Fachausbildung Stufe I aufbaute und ein Forschungsprojekt zur systematischen Anwendung von gesundheitsfördernden und gesundheitserhaltenden Pflegemassnahmen realisierte.
Die Geschichte von Joséphine Niyikiza und Désiré Nsanzineza ist eine Geschichte von Flucht und Integration, die mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 1994 in Ruanda ihren Anfang nimmt. Was folgt, ist eine jahrelange Odyssee durch Zentralafrika, während derer sie eine Familie gründen. Bei einem Überfall werden sie getrennt, erst Jahre später finden sie in der Schweiz wieder zueinander, wo nach Überwindung vieler Hindernisse ihre Integration gelingt. Zwei junge Menschen, in Ruanda in Geborgenheit aufgewachsen, werden im Frühling 1994 jäh aus ihrem gewohnten Leben gerissen: Der Bürgerkrieg treibt Joséphine und Désiré in die Flucht ins Nachbarland Kongo-Kinshasa. Sie überleben in Flüchtlingslagern, irren monatelang durch den Regenwald, gelangen nach Kongo-Brazzaville und bekommen zwei Söhne. Obwohl sie sich eine solide Existenz aufgebaut haben, bleibt die Sehnsucht nach Ruanda wach. Doch die Rückkehr.
Theoretische Reflexionen von Aleksandra Prica und Benno Wirz: Medialität und Zeitlichkeit. Ansätze zu einer Dynamisierung des Medienbegriffs. Dieter Mensch: Monstrosität und Bruch. Zur Temporalisation des Medialen. Thomas Khurana: Schon da und noch im Kommen begriffen. Zur Zeitlichkeit des Mediums Sinn. Thomas Forrer: Urgeschichte des Bedeutens. Ausdruck, Allegorie und Ereignis (Deleuze, Benjamin). Philipp Stoellger: Die Zeit des Bildes. Das Bild zwischen Simultaneität und Sukzession. Medium und Zeit im Horizont der Heilsgeschichte. Christian Kiening: Mitte der Zeit. Geschichten und Paradoxien der Passion Christi. Marc-Aeilko Aris: Tuba novissima - Medialisierung des Augenblicks in scholastischen Texten des Mittelalters. Marcus Sandl: Prekäre Zeiten. Der Diskurs des Propheten im Zeitalter der Reformation. Yigit Topkaya: Zwischen endzeitlicher Wiederkehr und verheissungsvoller Heilserwartung. Mediale Vergegenwärtigung des Türken um 1500. Matthias Müller: Cranachs chronotopische Landschaften. Raum-Zeit-Strukturen in den mythologischen Bildern Lucas Cranachs d. Ä. Vermittelte Zeit - Perspektiven der Moderne. Felix Christen: Vor den Augen. Hölderlins Zeitbild. Christian van der Steeg: Zeitverschiebungen zwischen Pflanzengeographie und Poesie. Adalbert Stifters real-ideale Gewächse. Johannes Binotto: Jump Cut. Zur Chrono-Logik von Film und Psychoanalyse. Die Autorinnen und Autoren.
Wie setzen sich die heutigen jungen Jazzerinnen und Jazzer in der Szene durch? Welche Rolle spielen dabei die Hochschulen und wie gut bereiten sie die Young Lions auf das Überleben in der Wildnis vor? Welche Faktoren entscheiden über Musikkarrieren und wie haben sich die Rahmenbedingungen verändert? Kooperationen zwischen der jungen und der älteren Generation ermöglichen gegenseitige Inspiration und lassen Innovation entstehen. Wie profitieren die Jungen von den Alten und was haben die Jungen den Alten voraus? Die aktuelle Schweizer Jazzszene ist so lebendig wie nie und befindet sich gleichzeitig in einem radikalen Wandel. Doch wer ist heute eigentlich das Publikum und wie erreicht man es am wirkungsvollsten? Der ständige Kampf um Zuschauerinnen und Zuschauer zwingt Veranstalter, Promoter und Musikschaffende, Bisheriges zu überdenken und neue Wege der Vermittlung zu suchen. Die Edition.
Unsere Welten, die materielle wie die geistige, sind von Spuren durchzogen. Diese zeugen von Naturereignissen jeglicher Art und jeglichen Ausmasses, aber auch von Lebewesen jeder Art und jeder Grösse. Und wo der Mensch aktiv wird, aufbauend oder zerstörend, vervielfachen sich die Spuren: in der Aussenwelt, im Atelier, im Büro und im Labor, in der Erinnerung und im Seelenleben der Nächsten, aber auch im Reagenzglas und im mikroskopischen Bereich der Teilchenphysik. Überall in und um uns finden sich Spuren von Vorgängen, Tätigkeiten, Erlebnissen und Erfahrungen, Krankheit und Unfällen, Glück und Elend. Und es ist zumindest beunruhigend, ja geradezu widernatürlich, wenn ein Ereignis keine Spuren hinterlässt oder wenn Dinge und Menschen spurlos verschwinden. Ob sichtbar oder im Unterbewussten vergraben, ob bloss erahnt oder klar erfasst, bilden Spuren ein Gegenwärtiges, das von etwas Vergangenem zeugt und zugleich auf etwas Zukünftiges verweisen kann. Sie werden jedoch erst bedeutsam, wenn jemand sie beachtet, liest und interpretiert. Und das ist eine der wesentlichen Tätigkeiten des Menschen. Was er auch anstrebt, sucht, unternimmt, wissen will, er kommt nicht darum herum, Spuren zu deuten, sie zu verfolgen. Und sollte er sie verloren haben, wird er alles daran setzen, sie wieder aufzunehmen. Medizin in erster Linie und Psychiatrie, aber auch Philosophie der Sprache und der Wissenschaften, Literaturwissenschaft, Ethnologie: Vertreter der verschiedensten Disziplinen suchen nach Spuren, lesen Spuren und erörtern deren Wesen, Funktion und Bedeutung.
Chronos Mit Atombomben bis nach Moskau, Sachbücher
Um den Sinn der Schweizer Neutralität im Kalten Krieg beurteilen zu können, ist es unabdingbar, sich erst ein Bild ihrer Wahrnehmung in Ost und West zu machen. Während westliche Ansichten über die Schweizer Neutralität bereits unter vielerlei Aspekten beleuchtet wurden, schliesst diese Monographie eine Lücke in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der jüngsten Schweizer Vergangenheit: die Wahrnehmung und Bedrohung der Schweiz durch den Ostblock in der Zeit zwischen 1945 und 1968. Kern der Studie bildet die Darstellung und Auswertung militärischer und politischer Dokumente über die Schweiz aus tschechischen und slowakischen, russischen und polnischen Archiven. Dem sich aus Archivdokumenten und Literatur ergebenden östlichen Bild der Schweiz werden die Vorstellungen der Schweizer militärischen und politischen Führung vom Kalten Krieg und der Gefahr aus dem Osten gegenübergestellt. Auf dieser Grundlage wird abschliessend die Schweizer Neutralitätspolitik im Kalten Krieg bis 1968 beurteilt.
Epistemologie - hinter diesem Wort verbarg sich im intellektuellen Paris der 1960er- und 1970er-Jahre mehr als nur eine philosophische Teildisziplin, die nach dem Wissen fragt. Epistemologie avancierte bei Strukturalisten, Marxisten, Dekonstruktivisten und vielen anderen kritischen Geistern, die sich damals zwischen der Universität, dem Café und der Strasse im radikalen Denken übten, zum vorherrschenden akademischen Diskurs der Stunde. Als Zauberformel der Philosophie stand sie für eine intellektuelle Haltung, mit der man die Welt des Denkens vermeintlich auf den Begriff bringen konnte. Von der Epistemologie ging eine Provokation aus: die Philosophie könne ihre Themen und Fragen nur aus der Beschäftigung mit dem zeitgenössischen wissenschaftlichen Denken hervorholen. Georges Canguilhem, Michel Foucault, Louis Althusser und Co. haben daher über die modernen Naturwissenschaften nachgedacht.
Chronos Kommunikation im Spätmittelalter, Sachbücher
Öffentlichkeit, Kommunikationsräume, Fernkommunikation, inszenierte Kommunikation und Literarisierung von Kommunikation gehören zu den Themen, mit denen sich die moderne Mediävistik immer stärker auseinandersetzt. Der vorliegende Band, der die Ergebnisse einer Zürcher Tagung zur Kommunikationsgeschichte präsentiert, fragt dezidiert nach theoriebildenden, interdisziplinär erforschbaren Gemeinsamkeiten solcher Spielarten der Kommunikation. Wie wird Kommunikation im Spätmittelalter wahrgenommen, wie wird sie dargestellt? Welchen Beitrag können moderne Kommunikationstheorien zur Erforschung vergangener Kommunikationsprozesse liefern? Gibt es Orte und mediale Formen, die spezifische Kommunikation darstellen, beschreiben oder verdrängen? Wie wird über Distanz, wie in der Nähe im Mittelalter kommuniziert? Gelingt es überhaupt Kommunikation zu beschreiben? Diese und weitere Themenkomplexe werden in den teils theoriegeleiteten, teils quellennahen und grundsätzlichen Beiträgen, die allesamt von jungen Forscherinnen und Forschern stammen, intensiv diskutiert. Dabei spiegeln die vorliegenden Beiträge insgesamt die thematische Offenheit und die divergierenden Herangehensweisen an das Thema Kommunikation im Spätmittelalter wider. Die Beiträge zeigen aber auch deutlich, dass sich durchaus gemeinsame Phänomene feststellen lassen, denen das besondere Augenmerk des Bandes gilt.
Im 20. Jahrhundert investierten die Schweizer Unternehmen massiv in die berufliche Bildung, bauten das Lehrlingswesen aus und schufen eigene Weiterbildungsabteilungen. Ihre pädagogischen Ambitionen gingen jedoch weit über den Qualifikationsbedarf hinaus. Mit dem Ausbau der Berufsbildung sollte auch die Loyalität der Belegschaft gesichert werden. Wirtschaftliche Aufklärungskampagnen dienten der Konsumentenerziehung oder der ökonomischen Jugendbildung. Im Zentrum des Buches steht die Geschichte pädagogischer Ambitionen in der Privatwirtschaft. Es handelt von unterschiedlichen Formen beruflicher und ökonomischer Bildung und zeichnet über das 20. Jahrhundert einen Wandel von manifesten Erziehungsabsichten hin zu allgemeineren Bildungsangeboten nach. Ausgangspunkt der historischen Untersuchung sind die Konflikte zwischen Industrie und Gewerbe sowie zwischen Kapital und Arbeit seit den 1880er-Jahren. Das Buch bezieht die wirtschaftlichen Krisen in den 1920er- und 1930er-Jahren und die Hochkonjunktur nach 1945 ein und schliesst mit der Durchsetzung mikrochipbasierter Anwendungen in Industrie, Verwaltung und Privathaushalten nach der ersten Ölpreiskrise. Es zeigt, wie die Wirtschaftsverbände um die richtige Form der Lehrlingsausbildung rangen, zeichnet die Entstehung von wirtschaftlichen Erfahrungsaustauschgruppen, privaten Bildungsclubs und kostspieligen Business-Schools nach und fragt, warum einzelne Unternehmer und Wirtschaftsberater den Kapitalismus ausgerechnet durch eine konsequente Selbsterziehung zivilisieren wollten.