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Chronos fakt&fiktion 7.0, Fachbücher
Das Fachbuch "fakt&fiktion 7.0" von Chronos bietet eine umfassende Auseinandersetzung mit den Themen Raum, Zeit und die narrative Ordnung der Dinge. Es beleuchtet verschiedene Weltbilder und die Narratologie des Nichts, während es gleichzeitig die komplexen Zusammenhänge zwischen Wissenschaft, Kunst und menschlichem Denken untersucht. Die Beiträge sind vielfältig und reichen von der Farbenlehre über den Klimawandel bis hin zu kulinarischen Erzählungen und archäologischen Entdeckungen. Die Autorinnen und Autoren, darunter Matthias Michel, präsentieren eine Vielzahl von Perspektiven, die sowohl historische als auch zeitgenössische Fragestellungen aufgreifen. Mit 410 Seiten bietet das Buch eine tiefgehende Analyse und regt zur Reflexion über die Konstruktion von Wissen und Identität an. Es ist ein wertvolles Werk für alle, die sich für die Schnittstellen von Geisteswissenschaften und narrativen Strukturen interessieren.
Einige unserer philosophischen Probleme mit Begriffen sind das Ergebnis ihrer Geschichte, behauptet Ian Hacking. Damit sagt er in einem Satz, was sein Projekt einer historischen Ontologie ausmacht: Sie ist Untersuchung von Begriffen im Sinne der Cambridger Sprachanalyse und gleichzeitig Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte. Für dieses Projekt macht sich Hacking auch einige Einsichten von Michel Foucault zunutze. Auf diese Weise verbindet er Foucaultsche Archäologie des Wissens und Wittgensteinsche Therapie von Sprachverwirrungen. Er macht deutlich, dass viele unserer Überzeugungen von den Stilen der Rationalität abhängen, in denen sie begründet werden. Hacking verabschiedet, ähnlich wie Nelson Goodman, in seinem nicht subjektivistischen Nominalismus und Relativismus die Idee einer einzigen ewigen Wahrheit. So vermeidet er die Unplausibilitäten des sozialen Konstruktivismus.
In diesem reich illustrierten Buch werden erstmals die rund dreissig Synagogen der Schweiz systematisch vorgestellt. Dabei geht es nicht nur um die Abbildung ihrer Architektur, die Synagogen werden als Metapher der Veränderung der jüdischen Gesellschaft verstanden. Ron Epstein zeigt auf, wie sich in den Synagogenbauten der Schweiz die Geschichte der Emanzipation ihrer jüdischen Bevölkerung spiegelt. Mit der Gleichstellung der Juden 1874 wurden die zu planenden Synagogen für die jüdischen Gemeinden zum geeigneten Mittel, ihr neu gewonnenes Selbstverständnis nach aussen hin zu manifestieren. Sie dokumentieren die Entscheidungs- und Planungsprozesse, welche bemüht waren, sich mit einem neu zu definierenden Bautypus ein zeitgemässes Gesicht zu verleihen. Die Kenntnisse über die Geschichte und Entstehung der Schweizer Synagogen ermöglichen es, den jüdischen Kultbauten einen über ihre blosse E.
Was geschieht, wenn die Vergangenheit und die Zukunft aufeinanderprallen – nicht als abstrakte Idee, sondern als lebendige, atemlose Begegnung? Lukas Dändlikers Erzählband „Das Sempacher Chronos-Fragment" stellt genau diese Frage, und er stellt sie auf sieben verschiedene, eindrucksvolle Weisen. Im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen Buches steht eine Welt, in der historische und futuristische Elemente nicht nebeneinanderstehen, sondern ineinandergreifen. Die titelgebende Geschichte entführt den Leser in eine mittelalterliche Voralpenlandschaft, wo ein Hirt auf einen geheimnisvollen Fremden trifft – gekleidet in unbekanntes Material, bewaffnet mit einem rätselhaften Objekt, das sich bewegt wie lebendiges Wasser unter Eis. Mit ruhiger, präziser Sprache gelingt Dändliker etwas Seltenes: Er macht das Fremdartige greifbar, ohne es zu erklären, und das Vertraute unheimlich, ohne es zu verfremden. Alle sieben Erzählungen verbindet ein feines, gemeinsames Gewebe. Die Fragen, die sie stellen, sind zeitlos: Was trägt ein Mensch mit sich, wenn er aus seiner eigenen Zeit herausgerissen wird? Was bedeutet Verantwortung, wenn die Konsequenzen unsichtbar bleiben? Und was bleibt, wenn ein Bote stirbt, bevor seine Botschaft verstanden wurde? Dändlikers Prosa ist dabei von einer bemerkenswerten Dichte und Stille. Er schreibt ohne Hast, mit einer Aufmerksamkeit für Geste und Detail, die dem Leser das Gefühl gibt, selbst auf jener Weide zu stehen – den Reif auf dem Gras zu spüren, die Stille zu hören, den Kiesel zwischen Daumen und Zeigefinger zu drücken. Dieses Buch ist ein Kunstwerk für alle, die literarisches Erzählen schätzen, das zwischen den Genres wandelt, ohne sich in ihnen zu verlieren.
«Ursprung und Gegenwart», das Hauptwerk Jean Gebsers, gehört zu den ebenso eigenwilligen wie bedeutenden Versuchen, das 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund der gesamten Menschheitsgeschichte zu sehen und zu deuten. Für Gebser ist die Veränderung des Verhältnisses zur Zeit, die sich mit der einsetzenden Renaissance vollzog, der entscheidende Angelpunkt für die Probleme und Leiden der Neuzeit. Dieses veränderte Zeitbewusstsein wird dokumentiert durch die Entdeckung der Perspektive; sie löst das unperspektivische, mythische Zeitalter ab und leitet die Epoche der perspektivisch-fortschrittlichen Wissenschaft ein. Dadurch verliert der mehr und mehr diesseitsbezogene Mensch an Weltvertrauen und begibt sich in die individuelle Isolation. Gebsers Werk ist ein geistes- und kulturkritischer Dialog mit der Welt, in der wir leben – mit ihren Traditionen, Erwartungen und Verstiegenheiten. Die Fülle der Ausblicke und Belege prägt ihm überdies den Stempel eines erstrangigen Kompendiums europäischen Denkens auf. «Ursprung und Gegenwart» wurde 1932 konzipiert und in den Jahren 1947/48 und 1951/52 geschrieben.
Das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde trägt den Namen seines Begründers, des Anglisten und Naturwissenschaftlers Johannes Hoops. Zwischen 1972 und 2008 erschienen in zweiter, vollkommen veränderter Auflage 35 Bände sowie zwei Registerbände. Konzipiert als Handbuch, steht der Hoops in der Tradition umfangreicher Enzyklopädien: Ziel ist es, den gesamten Kenntnisstand zur Germanischen Altertumskunde umfassend und kritisch zu präsentieren. Sein interdisziplinärer Ansatz schließt Ergebnisse aus den Bereichen Kunstgeschichte, Rechtsgeschichte, Volkskunde und Religionswissenschaft mit ein.
Freiheitsentzüge; die sich gegen Erwachsene richteten, wurden in der liberalen Schweiz nicht nur aufgrund strafrechtlicher Verurteilungen angeordnet. Vielmehr waren «Anstaltseinweisungen» seit dem 19. Jahrhundert wichtiger Teil der Sozialpolitik. Diese sogenannten administrativen Versorgungen sind als Produkt demokratischer Herrschaftspraxis zu verstehen und waren mit der Einführung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung (FFE) 1981 keineswegs beendet. Das FFE-Gesetz von 1981 unterband weder die armenrechtliche Tradition, noch führte es zu grundsätzlichen rechtsstaatlichen Reformen. Mit Blick auf die Rechtspraxis im Kanton Zug analysiert die Autorin, wie administrative Einweisungen in Arbeitserziehungsanstalten 1940–1985 legitimiert wurden. Dazu zählten der Vorwurf der fehlenden Leistungsbereitschaft und der Glaube an die Erziehbarkeit der Betroffenen ebenso wie Denunziationen aus dem sozialen Umfeld. Das «partnerschaftliche» Selbstverständnis der neu aufgekommenen sozialen Arbeit änderte wenig daran, dass eine Voraussetzung für die Entlassung aus der Zwangsmassnahme in der Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen bestand. Die in der Studie sichtbar gemachten Kontinuitätslinien der assimilierenden Praxis verändern nichts weniger als den Blick auf verdrängte Aspekte der schweizerischen Demokratie.
Kellers fünf «Züricher Novellen» spielen in vielfältiger Weise in der lokalen Geschichte. Das Buch zeigt, dass sich das Lesen dieser Novellen lohnt, dass sich in ihnen Zartes, Humoristisches und Abgründiges findet und dass sie einen dichterisch gestalteten Einblick in die Geschichte vermitteln. «Hadlaub» schildert, wie der Minnedichter Johannes Hadlaub (um 1300) im Auftrag der Familie Manesse die «Manessische Liederhandschrift» verfasst und schliesslich die adelige Tochter Fides zur Frau gewinnt. Im «Narr von Manegg» (um 1400) erlebt man den Niedergang der Familie Manesse mitsamt ihrer Burg Manegg und die Rettung der «Manessischen Liederhandschrift». «Ursula» beschreibt, wie sich in den Wirren der Reformationszeit ein junger Mann und eine junge Frau zunächst auseinanderleben und dann doch zusammenfinden. Der «Landvogt von Greifensee» Salomon Landolt (1741–1818) sucht fünfmal bei zürcherischen Frauen vergeblich sein Eheglück, verbessert daneben als tüchtiger Militär das Zürcher Wehrwesen und fällt salomonische Urteile. Im «Fähnlein der sieben Aufrechten» erleben aufrechte Patrioten das Schützenfest in Aarau von 1849 und verhelfen unbeabsichtigt einem jungen Paar zu seinem Glück.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts adoptierten Schweizer Ehepaare über 2000 Kinder aus Indien. Die Autorinnen zeigen anhand der Kantone Zürich und Thurgau exemplarisch auf, wie indische Babys und Kleinkinder zwischen 1973 und 2002 in die Schweiz vermittelt, zur Pflege aufgenommen und adoptiert wurden. Sie folgen dabei dem Weg der Kinder, der bei den leiblichen und meist unverheirateten Müttern in Indien beginnt. Sie beleuchten die Umstände der Zeugung, der Geburt, der Weggabe und der Aufnahme der Kinder in der Schweiz vor dem Hintergrund der Rechtspraxis bei internationalen Adoptionen im Herkunfts- und Aufnahmeland. Die Autorinnen haben in Indien und in der Schweiz zahlreiche Gespräche mit adoptierten Personen, Adoptiveltern, am Verfahren beteiligten Fachpersonen sowie weiteren Expertinnen und Experten geführt. Sie rollen mit ihrem transnationalen Ansatz ein bisher weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte der Fremdplatzierung auf und geben Einblick in ein komplexes Geflecht, das von Armut, sozialen Stigmata, von unerfülltem Kinderwunsch, von kommerziellen Interessen, einer fragwürdigen Rechtspraxis und mangelhaftem Kinderschutz geprägt war. Die vorliegende Untersuchung wertet erstmals umfangreiches Material aus Schweizer Archiven und Adoptionsdossiers aus und zeigt: Bei der Adoption ihres Kindes in der Schweiz blieben die indischen Mütter meist unbekannt und ihre Zustimmungserklärung fehlte.
Er war ein Renaissance-Abt, der seinen Rang mit Stiftungen und Kunstgegenständen unterstrich. Er lenkte die klösterliche Gemeinschaft durch die Wirren der Reformationszeit und kümmerte sich um den Wiederaufschwung der Abtei Muri. Auf ihn gehen liturgische Handschriften zurück, er gab als Symbol seiner Würde einen kunstvollen Abtstab in Auftrag und sorgte für die bauliche Umgestaltung der Klosteranlage.
Die Forschung ist sich seit langem einig darüber, dass autonomieästhetisch geprägte Kategorien für die Beschreibung und die Beurteilung vormoderner Akte und Artefakte, die in besonders deutlicher Weise in lebensweltliche Zusammenhänge eingelassen sind, wenig Aufschlusskraft besitzen. Wenn aber Kriterien wie Fiktionalitätsbewusstsein, Autoreferenz, selbstreflexive Bezüglichkeit oder Unabhängigkeit von äusseren Vorgaben, die man in der Regel dem Paradigma der ästhetischen Autonomie zuschreibt, nicht oder nicht vorrangig greifen, um die ästhetische Valenz vormoderner Akte und Artefakte zu beschreiben, so ist zu fragen, von welchen alternativen Beschreibungskriterien auszugehen ist. Nach Antworten auf diese Frage wird anhand der Spezifik von Gebrauchstexten, das heisst anhand von Texten, die unmittelbar in Gebrauchszusammenhängen angesiedelt sind und dort pragmatische Funktionen übernehmen, gesucht. Denn zum einen führen Gebrauchstexte genau in jenen neuralgischen Bereich des methodisch schwer zu fassenden Interaktionsfeldes von Artefakt und Lebenswelt hinein, den die Forschung seit geraumer Zeit in ihr Forschungstableau des Ästhetischen zu integrieren sucht. Zum anderen scheint der Umgang mit Gebrauchstexten besonders geeignet, um die hartnäckigen Missverständnisse der Diskussion um ästhetische Autonomie beziehungsweise Heteronomie offenzulegen. Und schliesslich lässt sich anhand der Problematik von Gebrauchstexten der Beitrag der germanistisch-mediävistischen Fachdisziplin im Rahmen dieser Diskussion prominent nachzeichnen und weiterentwickeln.
An Kurorten und in Grandhotels der Alpen sorgten ab den 1860er-Jahren zahlreiche Salonorchester für musikalische Unterhaltung. Vierzehn unterhaltsame Essays erkunden unbekannte Aspekte dieses faszinierenden Phänomens. Dabei reicht ihre Bandbreite von Saxofonklängen bei Skisprungschanzen über die Abstimmung von Klangfarben in Orchesterarrangements bis hin zu Opern ohne Gesang. Auch die Musikgeschichte der abgelegenen Engadiner Hotels Val Sinestra und Maloja Palace kommt zur Sprache sowie Transport-, Verpflegungs- und Geldprobleme von Konzertmeistern, Tanzgewohnheiten in hochgelegenen Hotels, das Lied einer altägyptischen Mumie in St. Moritz und Wanderwege von Musikerinnen und böhmischen Geigern.
Das Warenhaus scheint uns heute als Institution selbstverständlich. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch veränderte es die Konsumgewohnheiten grundlegend. Moderne Basare hatten schon ein paar Jahrzehnte zuvor begonnen, die vom kleinen Einzelhändler dominierte Marktordnung zurückzudrängen. Doch mit der Erfindung des Warenhauses wurden die herkömmlichen Warenvertriebsformen umgewälzt, und Prachtbauten schufen eine neue Plattform für den hereinbrechenden Massenkonsum. In der Schweiz konnten sich die ersten Warenhäuser an der Schwelle zum 20. Jahrhundert etablieren. Die Mehrheit der helvetischen Warenhauspioniere stammte aus dem benachbarten Ausland, viele von ihnen waren jüdische Einwanderer. Namen wie Brann, Mandowsky, Pilz oder Knopf sind heute in Vergessenheit geraten, aber auch bestehende Häuser wie Loeb und Manor oder die 2005 aufgelöste Epa sind weitgehend unerforscht geblieben. Obschon beim Publikum beliebt, war das Warenhaus von Beginn an umstritten. Spätestens in den 1930er-Jahren wurde das für den Mittelstand angeblich existenzvernichtende Warenhaus Zielscheibe einer rechtsbürgerlichen Kampagne, die den Liberalismus der Gründerzeit suspendierte. 1933 verbot ein dringlicher Bundesbeschluss die Eröffnung und Erweiterung von Warenhäusern, Kaufhäusern, Einheitspreisgeschäften und Filialgeschäften. Das Buch thematisiert einen kaum erforschten Zweig der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz, der von einer jüdischen Minderheit mitgeprägt wurde. Die Darstellung vereint Aspekte der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, der Migrations- und der Architekturgeschichte.
Die Musikpflege nahm in der Limmatstadt vom Mittelalter bis in die heutige Zeit eine besondere Rolle ein. Zürich war nicht nur Wirkungsort einheimischer und schweizerischer Musikerinnen und Musiker, sondern auch von solchen aus ganz Europa. Dabei ist die städtische Geschichte von vielen kulturell markanten Ereignissen berührt worden und mit ihrem auch weit in die Region ausstrahlenden Profil musikgeschichtlich immer wieder bedeutsam geworden. Mit Porträts von 252 Menschen, 14 Orten und 21 Institutionen, mit Karten und gegen 200 illustrierenden Abbildungen wirft der Stadtführer viele Schlaglichter auf die umfassende Musikgeschichte Zürichs. Der Stadtführer folgt einer lexikalischen Struktur, in der Personen, Musikorte und Institutionen alphabetisch aufgeführt werden. Durch die Porträts mit zahlreichen Querverweisen entsteht ein vielschichtiges Panorama des Zürcher Musiklebens bis an die Schwelle zum 21. Jahrhundert. Eine Besonderheit dieses Führers ist, dass bei allen Artikeln Adressen von Wohn- und Standorten angegeben sind, denen anhand des Kartenmaterials nachgegangen werden kann. Neben einem vorgeschlagenen Spaziergang in der Altstadt mit fester Route kann jede Benutzerin und jeder Benutzer selbst entscheiden, welche Gesichtspunkte und Interessen einen Rundgang bestimmen sollen. Die Publikation richtet sich damit an ein breites Publikum, das vom musikaffinen Besucher Zürichs bis zur wissenschaftlich interessierten Musikhistorikerin reicht.
Chronos Im Brennpunkt der Entwicklungen A1077316478
Der vor 125 Jahren gegründete Schweizerische Tonkünstlerverein (STV) war für die Entwicklung zeitgenössischer Musik in der Schweiz zentral. Mittels jährlicher Tonkünstlerfeste, Zeitschriften, Tonträger und Preise prägte er Kanon und Diskurs bis zu seiner Auflösung und Fusionierung mit weiteren Musikerverbänden 2017. All diese Tätigkeiten haben sich in einem umfangreichen Archiv niedergeschlagen, das hier erstmals breit ausgewertet wird. Nach 1968 setzten verschiedene kulturelle und gesellschaftspolitische Prozesse ein, die sich auch in die Musikszene einschrieben und sich beim STV wie unter einem Brennglas konzentrierten: ein Boom zeitgenössischer Musik (Festivals, Ensembles, Konzertreihen), das Aufkommen nicht komponierter Musik, der mediale Wandel (Tonträger, Radio, TV), eine geschärfte journalistische Reflexion von Ästhetik und politischer Vergangenheitsaufarbeitung sowie Diskussionen über Mitbestimmung, Gleichstellung und den Umgang mit Ausländern. Aus verschiedenen Perspektiven werden Kontinuitäten und Brüche aufgezeigt, die sich in öffentlichen Tätigkeiten des STV ebenso zeigten wie im inneren Funktionieren. Heute, am 125. Jahrestag, acht Jahre nach der Auflösung, lässt sich die Vereinsgeschichte vom Ende her denken: Was hat den STV in den Untergang gerissen? Hat er sich durch seinen Erfolg überflüssig gemacht oder haben sich einfach die Zeiten geändert?
Die Zeit der Telegrafistinnen und Telegrafisten der Handelsmarine ist seit 1999 vorbei. Doch die Praxis der drahtlosen Telegrafie besteht auch ohne Funkoffiziere auf See und ohne Küstenfunkstellen weiter. Täglich werden Tausende von Verbindungen getätigt – nunmehr von Amateurfunkstationen. Die Telegrafie erfährt als technisches Steckenpferd für ehemalige und Hobbytelegrafisten eine globale Reamateurisierung und verwirklicht damit ihre eigene nostalgische Prospektion. Die drahtlose Telegrafie ist wieder experimentell und frei von pekuniärem Druck, sie knüpft an die ersten drahtlosen Versuche im 19. Jahrhundert an. Der Telegrafist transzendiert so die Figurationen der drahtlosen Telegrafie, und diese werden diachron. In der Würdigung als immaterielles Kulturerbe und in der reamateurisierten Praxis gewinnt die Telegrafie neue Bedeutung. In dieser Monografie werden die Zusammenhänge von Menschen, Dingen und Prozessen in der maritimen Handelstelegrafie erforscht, vom Aufstieg bis zur kommerziellen Obsoleszenz, ferner die laientelegrafische Schattengeschichte, also die Ereigniswelten der nichtkommerziellen Telegrafie, und das Fortbestehen der Telegrafie als technisches Hobby. Der Band leistet einen Beitrag zur kulturgeschichtlichen Erforschung der maritimen Telegrafistinnen und Telegrafisten im technologischen, vorstellungsweltlichen und materiellen Zeitlauf und beleuchtet damit den ersten elektrisch-binären – «digitalen» – Lebenszyklus der technologischen Kommunikation.
Was lasen Frauen in der Schweiz zur Zeit der Aufklärung – und was hätten sie aus Männersicht lesen sollen? Erweiterte das gedruckte Wort ihren Geist oder engte es ihn ein? Der rekonstruierte Buchbesitzvon 167 Schweizerinnen ohne besonderen Rang und Namen entspricht wenig dem ersonnenen Inhalt idealer «Frauenzimmer-Bibliotheken». Erhaltene Nachlass- und Versteigerungsinventare des 18. Jahrhunderts erlauben es, den Buchbesitz zahlreicher Frauen zu rekonstruieren – von Waadtländerinnen, Bernerinnen, Jurassierinnen und Neuenburgerinnen: Frauen aus Stadt und Land, Standespersonen und Gemeine, «Welsche» und «Deutsche», Reformierte und Katholikinnen, Wohlhabende und Unbemittelte. Mit der «idealen» Frauenbibliothek, wie sie (männlichen) Zeitgenossen vorschwebte, haben diese «realen» Bibliotheken wenig gemein. In den kleinsten unter ihnen herrschen geistliche Texte vor, Heilige Schrift und Erbauungsliteratur, in den grösseren gesellen sich weltliche dazu – eine Vielfalt von Werken zum Zweck der Bildung und Unterhaltung. Die Studie richtet den Fokus auf Bibliotheksbesitzerinnen und Leserinnen; daneben wirft sie einen Blick sowohl auf Subskribentinnen und Käuferinnen von Büchern als auch auf Verlegerinnen, Händlerinnen und Verleiherinnen von Druckwerken. Sie entwirft eine Typologie der frühmodernen Leserin und erkundet nicht zuletzt die Modalitäten ihres Lesens, die Frage also, ob Frauen lasen, weil sie lesen konnten, wollten, durften oder mussten oder obwohl sie an sich nicht lesen konnten, wollten, durften oder mussten.
Eine Wiederentdeckung: Der amerikanischdeutsche Schriftsteller Herman George Scheffauer (1876–1927) gehörte im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zu den bekannten Figuren der Literatur und Kultur – zuerst in San Francisco und Kalifornien, dann in London, schliesslich in Berlin. Lyriker, Dramatiker, Journalist und Polemiker, nutzte er virtuos die verschiedenen Genres und Medien seiner Zeit und nahm in stilistisch eindringlicher, analytischer wie poetischer Weise zu vielen zentralen Bereichen und brennenden Fragen Stellung: zur gegenwärtigen Kultur und Politik, Literatur, Architektur und Kunst, gesellschaftlichen wie ästhetischen Entwicklungen. Der vorliegende Band bietet erstmals einen repräsentativen Einblick in Scheffauers essayistisches Werk: 70 substanzielle Beiträge, ergänzt durch ausführliche Einleitungen und eine Dokumentation im Anhang zur Zusammenarbeit Scheffauers mit Thomas Mann.
Seit den 1950er-Jahren ist keine englischsprachige Schweizer Geschichte mehr erschienen. 2013 legte die Cambridge University Press eine «Concise History of Switzerland» vor. Das Werk erscheint nun aktualisiert für eine deutschsprachige Leserschaft. Die Autoren beschäftigen sich sowohl mit dem historischen Geschehen als auch mit den wechselnden Geschichtsbildern im Lauf der Epochen. Ausgangspunkt sind die Veränderungen in Europa, die es den Kommunen nach 1200 ermöglichten, zu gedeihen und sich zu verbünden. Zahlreiche dieser Bündnisse verschwanden wieder, im Alpenraum aber hatten einige Bestand und entwickelten sich zur Eidgenossenschaft. Die Autoren führen die Darstellung ihrer Geschichte bis an die Gegenwart heran. Sie zeichnen ein differenziertes Bild der Stärken und Schwächen der Schweiz und schliessen in der Überzeugung, dass das Land im sich wandelnden Europa weiterhin eine besondere Rolle spielen wird.