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Chronos Hottingen A1071982414
Hottingen betritt man von der Stadt her über den «Pfauen», das Schauspielhaus wirkt wie ein Tor zum sonnenverwöhnten Stadtquartier. Es reicht über den Römerhof hinaus bis zum Hotel Dolder Grand. Beim Stadelhofen kommt das Quartier dem See nahe, im Hottinger Wald befindet sich der weit vom Zentrum entfernte Loorenkopf mit seinem Aussichtsturm. An den Hängen des Adlisbergs lebten und arbeiteten Menschen, die schon im alten Zürich politisch und wirtschaftlich stark mit der Stadt verbunden waren. 1893 schloss sich die bisher eigenständige Gemeinde «Gross-Zürich» an. Neben Gottfried Keller und Johanna Spyri wohnten Elias Canetti und Urs Widmer sowie viele andere Kulturschaffende und Hochschulangehörige in Hottingen. Dies und die topografische Lage zogen schon früh auch Vertreter des gehobenen Bürgertums an. Die Zentrums- und Hochschulnähe bewirkte im 20. Jahrhundert eine rasante Zunahme der Arbeitsplätze zulasten des Wohnraums. Die Folge waren massive Steigerungen von Immobilienpreisen und Mieten, was zu einer sozialen Entmischung führte. Die vorliegende Publikation ist eine Neuausgabe der im Jahr 2000 erschienenen Hottinger Geschichte. Sie wurde durch ein Kapitel über die Entwicklung im 20. Jahrhundert ergänzt.
Bergbau im Kanton Zürich? Heute kaum vorstellbar. Und doch, um die kriegsbedingte Versorgungskrise zu mildern, wurde noch während des Zweiten Weltkrieges in Horgen und Aeugst Braunkohle abgebaut. Ein bedeutender Wirtschaftszweig war Bergbau in Zürich aber nie. Und so musste man im 18. Jahrhundert Fachleute aus dem Ausland holen, welche ihr Wissen im damals weit fortgeschrittenen England erworben hatten. Es gibt im Kanton Zürich über 70 Fundstellen von Kohle, an die in der Frühzeit der Industrialisierung Hoffnungen geknüpft wurden. Man wollte von den begrenzten Ressourcen der Wälder wegkommen, denn Holz war noch lange die Energiequelle schlechthin. Neben Kohle waren aber auch urgeschichtlicher Silizit – Rohmaterial von Steinwerkzeugen der «Pfahlbauer» –; später Eisen, Quarzsand und selbst Silber und Gold das Ziel von unterschiedlich erfolgreichen Bergbauaktivitäten im Kanton.
Als unheilvolle «Flut» brandet die Tourismuswelle Ende des 19. Jahrhunderts in die Alpentäler hinein. Der 1905 erschienene Roman dramatisiert die Folgen im abgelegenen Weiler Wengen im Berner Oberland: Im Nu werden die einfachen Bergbauern zu stolzen Hotelbesitzern. Doch Spekulationen und rasch gewonnenes Geld entfesseln Streit und Missgunst unter den Menschen; Verlierer sind Natur und Umwelt. Am Ende steuert ein apokalyptischer Feuersturm in die Katastrophe. Jakob Wiedmer-Stern führte kurze Zeit als Direktor das von seiner Frau Marie Stern gegründete Hotel Beausite in Wengen. Er war ein guter Beobachter, der seine genialen Fähigkeiten als Archäologe, Erfinder, Museumsdirektor, Journalist und eben auch als Schriftsteller unter Beweis stellte. Bei seinem literarischen Werk handelt es sich um mehr als blosse Unterhaltungsbelletristik, wenn Wiedmer im Zeichen des Landschafts- und Heimatschutzes seinen Blick zugespitzt auf die Problematik des Tourismus in den Alpen richtet. Geradezu hellsichtig kritisierte er die einseitige Ausrichtung auf den Fremdenverkehr, der dann zu Beginn des Ersten Weltkriegs tatsächlich zum wirtschaftlichen Kollaps führte. Heute, 120 Jahre später, ist die touristische Überflutung der Bergwelt erneut zu einem hochaktuellen Thema geworden.
Michael Gamper, Ingrid Kleeberg: Grösse und ihre Inszenierung. Einleitung Darstellung, Repräsentation, Medien Marian Füssel: Der letzte 'grosse' König. Zur intermedialen Aneignung Friedrichs II. im langen 19. Jahrhundert Ingrid Kleeberg: Herrschaft über die Geister, 1789. Der Ideenzirkulierer und seine Medien Michael Gamper: Wallensteins Grösse Dirk Werle: Schleiermacher und die Anfänge der Theorie vom grossen Mann Stephan Baumgartner: Konkurrenz und Kampf der 'grossen Männer' bei Grabbe Joseph Imorde: Vibratoren der Mneme. Burckhardt, Breysig, Warburg Grosse Frauen, Erfolgreiche, Charismatiker Tobias Schlechtriemen: Auguste Comte als 'grosser Mann' - zur Exzeptionalität des soziologischen Beobachters Martina Süess: Die kleinen Füsschen der grossen Katharina. Frauenherrschaft bei Leopold von Sacher-Masoch Eva Horn: Die grosse Frau. Weibliches Charisma in Schillers Jungfrau von Orleans und Fritz Langs Metropolis Robert Suter: Gross und erfolgreich. Zur Reproduktion grosser Männer zwischen Warenästhetik und Selbsthilfe, 1830-1930 Lucas Gisi: Das Charisma des 'Primitiven'. Die Konstruktion des 'Kolonialhelden' Carl Peters Sebastian Haselbeck: '[W]ie durch ein umgekehrtes Opernglas'. Charisma als nahe Ferne: Rudolf Borchardt besucht Benito Mussolini Untergang und Wiederkehr von 'Grösse' Claude Haas: Wie sterben grosse Männer? Zum Darstellungsproblem des heroischen Todes im 'langen' 19. Jahrhundert Juliane Vogel: Entzauberte Grösse. Kleists Robert Guiskard und die Pestkranken von Jaffa Ethel Matala de Mazza: 'Verkleinlichung aller Grösse'. Heine und Marx über Staatsmänner nach Napoleon Sonja Osterwalder: Auf die Fussspitzen gestellt. C. F. Meyers grössere Helden.
Der aus Ungarn stammende Hermann I. Schmelzer (1932−2020) kam 1968 als Rabbiner nach St. Gallen. Die jüdische Gemeinde wurde seit ihrer Gründung 1863 von Kaufleuten geführt und hatte bis dahin nur drei Rabbiner. Schmelzer entwickelte eine bewusste Politik kommunaler Selbstbehauptung, die die Gemeinde nach innen und aussen stärken sollte. Er verstand sich dabei als „Seminarrabbiner“. Dieser Rabbinertypus hatte seine Anfänge im 19. Jahrhundert und war die historische Antwort des mitteleuropäischen Judentums auf eine neue gesellschaftliche Herausforderung: den Anbruch der Moderne. Der Rabbiner sollte nicht länger nur Talmud und Tora kennen, sondern akademisch gebildet sein, um die jüdische Gemeinschaft beim Eintritt in die moderne, verwissenschaftlichte Welt zu unterstützen. So entstanden in Breslau, Berlin, Budapest und anderswo besondere Rabbinerseminare. Die Geisteswissenschaften wurden Teil der rabbinischen Ausbildung und die „Wissenschaft des Judentums“ kam auf. Das Buch verknüpft die neuere Vergangenheit der jüdischen Gemeinde St. Gallen mit der Biografie ihres langjährigen Rabbiners. Auf diese Weise leistet es einen detailreichen Beitrag zur Gegenwartsgeschichte des Schweizer Judentums und zum schweizerischen Rabbinat. Es schildert, wie sich der Rabbinerberuf allmählich änderte, indem die Rabbinate der schweizerischen Einheitsgemeinden eine orthodoxe Richtung nahmen. Der europäische Seminarrabbiner verlor an Bedeutung und Schmelzer wurde zu einem der Letzten seiner Art.
Der postum erschienene Roman gilt als Hauptwerk des Luzerner Schriftstellers, Priesters und Gymnasiallehrers Josef Vital Kopp (1906–1966). Er handelt vom Bezirksförster Hadrian Ess, der in einem starren und unüberschaubaren Forstbetrieb zunehmend Orientierung und Lebensenergie verliert. Beim Erscheinen wurde das Werk als Auseinandersetzung mit der Situation der römisch-katholischen Kirche zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils begriffen, geht aber weit darüber hinaus. Kopp betrachtete den erst wenige Monate vor seinem Tod vollendeten Roman als sein Vermächtnis. Vordergründig geht es um einen nebulösen, weitverzweigten Forstbetrieb, der wie ein Orden organisiert ist und seinen Mitarbeitern kein Privatleben zugesteht. Auch für diese sind nur wenige Hierarchiestufen überschaubar und selbst Träger von höheren Chargen wissen offenbar nichts Genaues über den ominösen Forstmeister, der an der Spitze stehen soll. In der vorgeführten lebensfeindlichen Herrschaftsmaschinerie spiegeln sich verschiedene Lebensbereiche wie die römisch-katholische Kirche, das Militär und andere streng hierarchisch aufgebaute Organisationen. Aufgrund dieser komplexen und zugleich verstörenden Weltschau wurde «Der Forstmeister» seit seinem Erscheinen immer wieder mit Werken Franz Kafkas verglichen. Innerhalb der Schweizer Literatur der Sechzigerjahre wirkt dieses rätselhafte und zugleich faszinierende Werk wie ein erratischer Block.
Der vor 125 Jahren gegründete Schweizerische Tonkünstlerverein (STV) war für die Entwicklung zeitgenössischer Musik in der Schweiz zentral. Mittels jährlicher Tonkünstlerfeste, Zeitschriften, Tonträger und Preise prägte er Kanon und Diskurs bis zu seiner Auflösung und Fusionierung mit weiteren Musikerverbänden 2017. All diese Tätigkeiten haben sich in einem umfangreichen Archiv niedergeschlagen, das hier erstmals breit ausgewertet wird. Nach 1968 setzten verschiedene kulturelle und gesellschaftspolitische Prozesse ein, die sich auch in die Musikszene einschrieben und sich beim STV wie unter einem Brennglas konzentrierten: ein Boom zeitgenössischer Musik (Festivals, Ensembles, Konzertreihen), das Aufkommen nicht komponierter Musik, der mediale Wandel (Tonträger, Radio, TV), eine geschärfte journalistische Reflexion von Ästhetik und politischer Vergangenheitsaufarbeitung sowie Diskussionen über Mitbestimmung, Gleichstellung und den Umgang mit Ausländern. Aus verschiedenen Perspektiven werden Kontinuitäten und Brüche aufgezeigt, die sich in öffentlichen Tätigkeiten des STV ebenso zeigten wie im inneren Funktionieren. Heute, am 125. Jahrestag, acht Jahre nach der Auflösung, lässt sich die Vereinsgeschichte vom Ende her denken: Was hat den STV in den Untergang gerissen? Hat er sich durch seinen Erfolg überflüssig gemacht oder haben sich einfach die Zeiten geändert?
Gibt es ein digitales Graffiti? Was versteht man darunter? Wo und wie manifestieren sich Graffitis? Wohnt den digitalen Graffitis ebenso wie den realen der Aspekt der Rebellion inne? Wie manifestieren sich Schrift und Ästhetik als zentrale Grundlagen beider kreativer Kulturen? Und kann man in Graffitis, (Crack-)Intros und Demos von einer Befreiung der Worte sprechen? Der Begriff des digitalen Graffiti wird von unterschiedlichen Seiten beansprucht. Dieses Buch schlägt eine Definition mit historischem Bezug auf die Entwicklung digitaler Communitys vor. Dabei geht es nicht um den Transfer von Graffitikunst vom Analogen in die Augmented Reality, sondern um eine eigenständige Entwicklung, die mit der Digitalisierung Einzug gehalten hat und durch welche der Heimcomputer zum (digitalen) Experimentierfeld wurde. Die Einführung der Computermaus als Zeichentool sowie die grafischen Benutzeroberflächen (GUIs) im Jahr 1984 veränderten die Arbeitsweisen vollständig und gaben den digitalen Nerds dank neuer Bildbearbeitungssoftware neue ästhetische Möglichkeiten an die Hand. Sie nutzten diese mit kreativen Innovationen wie Logos in Motion als einer Art lebender Graffitis und endlosen Scroll-Schriften bis hin zu Echtzeit-3D-Schriften. Die Autoren schauen zurück auf die Werke der jugendlichen Cracker und der Demoszene aus den 1980er- und 1990er-Jahren, die als digitale Graffitis gelten können, weil sie viele Aspekte der analogen Graffitis in ihrem konzeptuellen und kreativen Prozess aufnahmen und gewisse Wirkungen mit ihnen teilten. Der direkte Vergleich zweier nicht besonders geschätzter Kulturen bringt retrospektiv ähnliche Motive, Motivationen, Strategien und künstlerische Gestaltungsweisen zum Vorschein.
Andreas Herczog (1947–2021) war einer der prägenden Köpfe der politischen 68er-Bewegung in der Schweiz und das Aushängeschild der linken Partei POCH. Er galt als Bürgerschreck, bis die POCH sich auflöste, und wurde zu einer Integrationsfigur, nachdem er der SP beigetreten war. Als Herczog 1956 nach dem Einmarsch der Sowjets in Ungarn mit seiner Mutter nach Liestal flüchtete, verstand er kein Wort Deutsch. Er lernte schnell, schaffte den Sprung ins neu gegründete Liestaler Gymnasium, trat dem Jugendparlament bei und studierte an der ETH Zürich Architektur. Dort identifizierte er sich mit den Ideen des 68er-Aufbruchs. Sowohl als Architekt als auch als Gründungsmitglied der anfänglich marxistisch geprägten Progressiven Organisationen der Schweiz (POCH) versuchte er, diese Ideen in Politik und Gesellschaft einzubringen – als Zürcher Gemeinderat, als Kantonsrat, schliesslich als Nationalrat und auch als Stadtplaner. Der Rückblick auf sein Leben wird zur Zeitreise durch die bewegten Jahre der Schweizer Linken im ausgehenden 20. Jahrhundert, weil Lebensgefährtinnen und -gefährten aus verschiedenen Blickwinkeln und Zeiten über ihn, aber auch von sich selbst erzählen. Eine Collage schillernder Facetten mit Zeugnissen von POCH-Aktivist Niklaus Scherr, von früheren Parlamentsmitgliedern wie Anita Fetz, Andrea Hämmerle, Barbara Haering, vom Zürcher Ex-Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber, von Altbundesrat Moritz Leuenberger und vielen anderen.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts adoptierten Schweizer Ehepaare über 2000 Kinder aus Indien. Die Autorinnen zeigen anhand der Kantone Zürich und Thurgau exemplarisch auf, wie indische Babys und Kleinkinder zwischen 1973 und 2002 in die Schweiz vermittelt, zur Pflege aufgenommen und adoptiert wurden. Sie folgen dabei dem Weg der Kinder, der bei den leiblichen und meist unverheirateten Müttern in Indien beginnt. Sie beleuchten die Umstände der Zeugung, der Geburt, der Weggabe und der Aufnahme der Kinder in der Schweiz vor dem Hintergrund der Rechtspraxis bei internationalen Adoptionen im Herkunfts- und Aufnahmeland. Die Autorinnen haben in Indien und in der Schweiz zahlreiche Gespräche mit adoptierten Personen, Adoptiveltern, am Verfahren beteiligten Fachpersonen sowie weiteren Expertinnen und Experten geführt. Sie rollen mit ihrem transnationalen Ansatz ein bisher weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte der Fremdplatzierung auf und geben Einblick in ein komplexes Geflecht, das von Armut, sozialen Stigmata, von unerfülltem Kinderwunsch, von kommerziellen Interessen, einer fragwürdigen Rechtspraxis und mangelhaftem Kinderschutz geprägt war. Die vorliegende Untersuchung wertet erstmals umfangreiches Material aus Schweizer Archiven und Adoptionsdossiers aus und zeigt: Bei der Adoption ihres Kindes in der Schweiz blieben die indischen Mütter meist unbekannt und ihre Zustimmungserklärung fehlte.
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D Die Schockwellen des Landesstreiks von 1918 waren bis in die 1960er-Jahre spürbar. Die klassenkämpferische Konfrontation prägte die politische Kultur der Schweiz während der Zwischenkriegszeit, dem Zweiten Weltkrieg und der frühen Nachkriegszeit entscheidend mit. Bereits mit dem Beginn des Streiks war in Presse und Politik ein heftig geführter Deutungskampf entbrannt. In der Folge etablierten die zerstrittenen politischen Lager konkurrierende Narrative zum Landesstreik, die sie jahrzehntelang kultivierten, tradierten oder politisch instrumentalisierten. War der Landesstreik dem Bürgertum ein «Schandfleck», galt er im Lager der Streikenden als «Ruhmesblatt». Daniel Artho wirft einen 360-Grad-Blick auf die öffentlich-mediale Deutung und die politischen Nachwirkungen des Landesstreiks. Er geht dabei der bisher kaum beachteten Frage nach, wann und in welchen Formen der Landesstreik nach 1918 thematisiert, zum Gegenstand politischer Debatten erhoben und politisch nutzbar gemacht wurde. Dabei identifiziert er die Deutungsmuster, Wendepunkte und Zäsuren, welche die Erinnerungskultur des Landesstreiks besonders geprägt haben. Die Studie präsentiert sich daher als ein umfassendes erinnerungskulturelles Panorama des Landesstreiks von 1918 bis 1968 und darüber hinaus.
An Kurorten und in Grandhotels der Alpen sorgten ab den 1860er-Jahren zahlreiche Salonorchester für musikalische Unterhaltung. Vierzehn unterhaltsame Essays erkunden unbekannte Aspekte dieses faszinierenden Phänomens. Dabei reicht ihre Bandbreite von Saxofonklängen bei Skisprungschanzen über die Abstimmung von Klangfarben in Orchesterarrangements bis hin zu Opern ohne Gesang. Auch die Musikgeschichte der abgelegenen Engadiner Hotels Val Sinestra und Maloja Palace kommt zur Sprache sowie Transport-, Verpflegungs- und Geldprobleme von Konzertmeistern, Tanzgewohnheiten in hochgelegenen Hotels, das Lied einer altägyptischen Mumie in St. Moritz und Wanderwege von Musikerinnen und böhmischen Geigern.
Predigten bilden als religiöse Reden das Herzstück reformierter Gottesdienste. Sie sind oft als öffentliche Reden konzipiert und werden auch als solche wahrgenommen. Dies gilt vor allem für Predigten, die auf wichtigen Kanzeln in politischen Krisen und gesellschaftlichen Umbruchzeiten gehalten wurden. Dabei wird immer wieder darüber debattiert, ob und in welcher Weise virulente gesellschaftliche und politische Themen in der Predigt angesprochen und verhandelt werden sollen. In Kriegs- und Krisenzeiten stellen sich diese Fragen verschärft. Im Band werden Kanzelreden prominenter Prediger:innen der letzten zwei Jahrhunderte ediert, die sich nicht nur an die individuelle Frömmigkeit der Zuhörer:innen richten, sondern auch gesellschaftliche Krisen, Umbrüche und Debatten aufgreifen, in ein Gespräch mit biblischen Texten und dem Symbolsystem des christlichen Glaubens bringen und selbst Positionen beziehen. Die ausgewählten Kanzelreden prominenter Prediger:innen sind verständlich und prägnant, bieten hohe sprachliche Qualität und sprechen eine grössere Öffentlichkeit an. Es kommen zudem unterschiedliche theologische und politische Positionen zum Ausdruck.
Melchior Dönni ist überzeugt: Die Erde ist eine Scheibe. Um 1900 lässt der Luzerner Käser sein Relief der flachen Erde in Bern patentieren. Er rechnet damit, dass es in den Schulen den Globus ablösen wird. Zudem breitet er sein Weltbild in mehreren Broschüren aus. Dönni ist im deutschen Sprachraum einer der ersten «Flacherdler». Wie ist der erfolgreiche Geschäftsmann zu seiner Theorie gekommen, warum hat er sie veröffentlicht, weshalb wurde er totgeschwiegen?
In Chronos Conquest kämpft ihr als einer der Söhne von Chronos, dem Gott der Zeit, um dessen Platz auf dem Thron. Dazu müssen Inseln erobert und die Gunst der Götter errungen werden. Könnt ihr die Prüfung der Zeit bestehen? Spielmaterial: 81 Inselkarten 30 Gott Karten 20 Windrichtungskarten 18 Katastrophenkarten 18 Sanduhren 10 Ungeheuerkarten 9 Stadtplättchen 6 Spielerkarten 2 Holzmarker 1 Spielanleitung 1 Spielbrett 1 Würfel
Jean Gebser (1905–1973) ist ein Denker von grosser Aktualität, der neue, ungewohnte Wege gegangen ist. Diese Einführung in Gebsers Werk verdeutlicht die besondere Relevanz seines Denkens, indem sein Ansatz auf verständliche Weise vermittelt, weitergedacht und in unsere Zeit übersetzt wird. Gebsers Hauptwerk «Ursprung und Gegenwart» (1949/53) beschreibt differenziert fünf verschiedene Bewusstseinswelten, die gleichzeitig und auch im historischen Prozess kultureller Entfaltung den Menschen konstituieren: Sie sind das archaische, magische, mythische, mental-rationale und aperspektivisch-integrale Bewusstsein. Seine Pionierleistung besteht darin, dass er die fünf Bewusstseinsmöglichkeiten des Menschen nicht hierarchisch ordnet und bewertet, sondern diese Vielfalt der Bewusstseinsstrukturen als ein Ganzes versteht. Auf diesen Aspekt konzentriert sich der erste Teil des Buches. In einem zweiten Teil werden wesentliche Aspekte des aperspektivischen Bewusstseins thematisiert: Diese Bewusstseinswelt gewinnt ein neues Verhältnis zur Erfahrung der Zeit, relativiert die Ichzentriertheit der rationalen Weltsicht und öffnet sich einem Grundvertrauen in die Sinnfülle des Lebens, ohne in eine mythische Glaubenswelt zurückzukehren. Dieser Band begründet die Reihe Aperspektive, in der Bücher zum pionierhaften Werk von Jean Gebser erscheinen werden.
Unter dem heutigen Oberwinterthur verbirgt sich eine der am besten erforschten römischen Siedlungen der Schweiz: Vitudurum. Seit den ersten Grabungen im 19. Jahrhundert haben Generationen von Forschenden Spuren einer lebendigen Kleinstadt freigelegt – von einfachen Holzhäusern mit Werkstätten über Badeanlagen bis hin zu Tempeln und einer Befestigungsanlage. Dieses Buch erzählt erstmals die Geschichte von Vitudurum in einer zusammenhängenden, reich illustrierten Gesamtdarstellung für ein breites Publikum. Anschaulich und fundiert führt der Band durch über 300 Jahre Siedlungsgeschichte. Er zeigt, wie kurz nach dem Alpenfeldzug der Römer eine planmässig angelegte Siedlung entstand, wie Menschen dort lebten, arbeiteten, handelten und glaubten – und wie sich römische und keltische Traditionen miteinander verbanden. Spektakuläre Funde aus den feuchten Böden Oberwinterthurs erlauben einzigartige Einblicke in die römische Holzbauweise und in den Alltag der Bevölkerung: Reste von Häusern, Bauteilen und Möbeln sowie Werkzeuge, Schuhe und Alltagsgegenstände machen das Leben vor 2000 Jahren greifbar. Zugleich ist das Buch eine Geschichte der Archäologie selbst. Es zeichnet nach, wie sich Fragestellungen, Methoden und Erkenntnisse seit den Anfängen der Forschung verändert haben. Zahlreiche Rekonstruktionen, Pläne und Fotos verknüpfen Forschung und Vorstellungskraft.
Das Fürstentum Liechtenstein, 1719 entstanden aus der Vereinigung der reichsunmittelbaren Herrschaft Schellenberg und der Grafschaft Vaduz, feierte zwischen 1999 und 2019 mehrere aus historisch-staatspolitischer Sicht bedeutende Jubiläen. Den Anfang der damit verbundenen Anlässe bildete eine vom Historischen Lexikon des Fürstentums Liechtenstein durchgeführte wissenschaftliche Tagung. Die Referate griffen zentrale Aspekte der seit dem Spätmittelalter in Schellenberg und Vaduz sowie in Liechtenstein regierenden Adelshäuser auf. Das heute wie damals hochaktuelle Rahmenthema bildete die Frage nach der gegenseitigen Bedingtheit von Herrschaft und Formen dynastischer und politischer Repräsentation. Es ging dabei um Kernprobleme des Landes und der Landesherrschaft, um Integration und Herrschaft als soziale Praxis, um mentale, symbolische oder politische Repräsentation, um dynastisch-familiäre Selbstbehauptung, um Herrschaftswechsel und Huldigungen als konstitutive Rechtsakte. Die anregenden, innovativen Beiträge veranschaulichen die Themen am Beispiel der seit dem 14. Jahrhundert in Folge regierenden Dynastien Werdenberg-Vaduz, Brandis, Sulz, Hohenems und Liechtenstein.