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Chronos Kriegs- und Krisenpredigt A1073872041
Predigten bilden als religiöse Reden das Herzstück reformierter Gottesdienste. Sie sind oft als öffentliche Reden konzipiert und werden auch als solche wahrgenommen. Dies gilt vor allem für Predigten, die auf wichtigen Kanzeln in politischen Krisen und gesellschaftlichen Umbruchzeiten gehalten wurden. Dabei wird immer wieder darüber debattiert, ob und in welcher Weise virulente gesellschaftliche und politische Themen in der Predigt angesprochen und verhandelt werden sollen. In Kriegs- und Krisenzeiten stellen sich diese Fragen verschärft. Im Band werden Kanzelreden prominenter Prediger:innen der letzten zwei Jahrhunderte ediert, die sich nicht nur an die individuelle Frömmigkeit der Zuhörer:innen richten, sondern auch gesellschaftliche Krisen, Umbrüche und Debatten aufgreifen, in ein Gespräch mit biblischen Texten und dem Symbolsystem des christlichen Glaubens bringen und selbst Positionen beziehen. Die ausgewählten Kanzelreden prominenter Prediger:innen sind verständlich und prägnant, bieten hohe sprachliche Qualität und sprechen eine grössere Öffentlichkeit an. Es kommen zudem unterschiedliche theologische und politische Positionen zum Ausdruck.
Er liebte die Tiere mehr als alles andere. Als die Mutter starb, holte er sich die Wärme beim Hofhund. Sein Traum war es, Tierarzt zu werden. Hans M. wurde Metzger, einer bis ins Mark. Noch heute hört er den Kanonendonner, den der erste Weltkrieg vom Elsass bis ins Emmental trug. Und er erinnert sich an trommelnde Sozialisten, die kurz vor dem Landesstreik mit roten Fahnen am Miststock vorbeimarschierten. Der Bergbauernbub entging knapp dem Schicksal als Verdingkind. Und knapp entging er der Verzweiflung des Vaters. Das harte Leben im Krachen stählte seinen Willen. Er wollte vor allem eines: weg aus dem Tal. Weg vom Schinden, Hungern und Frieren. Eine Metzgerlehre war seine grosse Chance. So beginnt ein Leben, das ein steinalter Mann erzählt, mit unheimlicher Präzision und grosser Erzählkraft. 'Fleisch und Blut' bricht das 20. Jahrhundert wie ein Prisma und erzählt es wie ein Roman. Susanna Schwager stieg mit ihrem Grossvater in die Vergangenheit, fragte und stellte in Frage. Aus seinen glasklaren Erinnerungen fügte sie eine handfeste, manchmal drastische Geschichte voller poetischer Details.
In der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen wurden über Jahrzehnte hinweg Psychopharmaka getestet. Dreh- und Angelpunkt dieser Versuche war der Psychiater Roland Kuhn, der mit diversen Pharmafirmen zusammenarbeitete. «Testfall Münsterlingen» untersucht, wie Industrie und Klinik, Patienten, Ärzte, Pflegepersonal und Behörden in der klinischen Forschung zusammenspielten. Die Stoffprüfungen werden historisiert und in die sich ebenfalls wandelnden Rahmenbedingungen eingeordnet. Welche Personen und Institutionen waren beteiligt, wer wusste was? Wie wurden Stoffe geprüft, welche Patientinnen und Patienten waren betroffen? Nach welchen Mustern wurden die Prüfsubstanzen verabreicht? Wann galten welche Werte, Richtlinien und Normen? Welche Rolle spielten sie in der Praxis? Ausgehend von diesen Fragen rekonstruiert «Testfall Münsterlingen» die Geschichte klinischer Versuche von 1940 bis 1980 und verortet die Thurgauer ‹Versuchsstation› in der zeitgenössischen Prüfungslandschaft.
EINE PHYSIKALISCHE REISE ZU DEN URSPRÜNGEN DER ZEIT Chronos, die personifizierte Zeit, ist ein Rätsel, nicht nur für Physiker. Von Newton bis Hamlet, von Einstein bis Dalí ist sie der Protagonist so faszinierender wie schwindelerregender Spekulationen. Können wir das unaufhaltsame Voranschreiten der Zeit jemals zum Stillstand bringen? Lässt sich der Zeitpfeil umdrehen? Hat die Zeit tatsächlich eine eigene Existenz oder ist sie nur eine riesige Illusion? Der Physiker und Schriftsteller Guido Tonelli erzählt in einem spektakulären Buch die lange Geschichte der Zeit, ihre rasende Geburt und bizarre Entwicklung. Die Zeit ist ein hervorragendes Instrument, um in unserer Umwelt zu überleben, aber sie macht uns einen Strich durch die Rechnung, sobald wir versuchen zu verstehen, wie die Welt außerhalb unseres kleinen Planeten funktioniert. Dort weicht der regelmäßige Rhythmus unserer Zeit Turbulenzen, chaotischen Phänomenen und ungeheuren Katastrophen. Wir stoßen auf Sonnensysteme, die durch Supernova-Explosionen zerfallen sind, und auf Galaxien, die von aktiven galaktischen Kernen verwüstet wurden. Diese fernen Welten sind eine Herausforderung für unsere Vorstellungskraft, ebenso wie die Elementarteilchen mit ihren flüchtigen Existenzen und ewigen Leben. Wenn die Entfernungen so groß sind oder wir das unendlich Kleine betrachten, verliert das Konzept der Chronologie jede Konsistenz. Tonellis Reise zu den Anfängen und Grenzen der Zeit zwingt uns, alle Gewissheiten aufzugeben und nicht nur auf die Vernunft, sondern ebenso auf die Phantasie zu hören. Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen Eine Reise zu den Anfängen der Zeit Eine kulturgeschichtliche Erzählung kombiniert mit der kundigen Beschreibung des Phänomens Zeit Für die Leser:innen von Carlo Rovelli
Chronos Bildungsstatistik in historischer Perspektive
Statistische Daten und Zahlen waren in der Bildungsgeschichte seit der Schaffung moderner Schulsysteme immer von Bedeutung, sei es, um auf Missstände hinzuweisen, um Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit abzulegen oder um politische Reformpostulate zu untermauern. Erwartungen und Funktionszuweisungen an Bildungsstatistik, aber auch ihre Produktionszusammenhänge, ihre Parameter und ihre Darstellungsweise haben sich mit der Zeit verändert. Ohne Kontextualisierung sind Statistiken deshalb nicht mehr als eine Ansammlung sinnentleerter Ziffern. Zahlen und Zählen führen aber auch im Bildungsbereich nicht einfach zur ‹Abbildung› einer wie auch immer gearteten Welt der Bildung, sondern waren (und sind) an eine bestimmte Perspektive gebunden, abhängig vom zeitspezifischen und gesellschaftspolitischen Kontext. Bildungsstatistik konstruierte diese Perspektive immer auch mit, war an wechselnde Interessen gebunden und gab Einblick in einen ausgewählten Teil der Bildungswelt. Der vorliegende Band ist das Resultat des Langzeitprojekts «Bildung in Zahlen». Er gibt einen Einblick in ausgewählte Forschungsergebnisse und thematisiert methodische Fragen. Der Band gibt zudem einen Überblick über die Geschichte der Bildungsstatistik in der Schweiz, enthält aber auch Beiträge zu neueren Entwicklungen in der Bildungsstatistik.
Chronos Auf den Spuren der Arbeitstiere A1070479347
Die Arbeitstiere – in unseren Breitengraden Pferde, Esel, Maultiere, Hunde und Rinder – waren auf dem Land und in den grösser werdenden Städten allgegenwärtig. Sie waren in der untersuchten Zeit wichtige Teile des sozialen Lebens und hinterliessen Spuren in der Gesellschaft, in der von und mit ihnen geschaffenen Welt sowie in den Archiven. Aus ihren produktiven Potenzialen und aus den Bedingungen ihrer Reproduktion ergaben sich bestimmte Lebensformen, Wirtschaftsweisen und Raumordnungen. Das facettenreiche gemeinsame Leben der Menschen und ihrer Arbeitstiere sowie der von ihnen geteilte Raum sind bis anhin erst in Ansätzen als eine gemeinsame Geschichte wahrgenommen und geschrieben worden. Der Autor folgt den sozial-, agrar-, wirtschafts-, verkehrs- und kulturgeschichtlichen Fährten der Arbeitstiere durch die Gesellschaft. Auf diesen treffen wir nicht nur Tiere und Menschen an, sondern mit den mensch-tierlichen Gespannen jene Form der Kooperation, in der das Handeln und das Wirken beider zu einem vielfach evidenten Dritten wurde. Die damit verbundenen Fragen nach Vernunft, Intelligenz, Willen und nach Handlungsoder Wirkmacht der Tiere sind nicht neu. Sie haben die sich mit Tieren befassenden Akteur:innen seit je umgetrieben. Die Spuren führen weg vom gewöhnlich unterstellten Natur-Kultur- oder vom Subjekt-Objekt- Gegensatz und weg von den Prämissen der sogenannten anthropologischen Differenz in eine Welt, in der Menschen und Tiere nah miteinander verbunden waren und mehr voneinander wussten.
Ab 1980 kamen Computer vermehrt im Büro zum Einsatz. Es war das erste Mal, dass Benutzer:innen, die bisher von Digitaltechnik nichts zu wissen brauchten, in direkten Kontakt mit dieser Art Gerät traten. Am Beispiel der Schweizer Bundesverwaltung erzählt die Studie die Geschichte von Digitalisierungsprozessen, die mit der Einführung von PCs in Gang gesetzt wurden, und fragt, wie Computer an den Büroarbeitsplätzen des Bundespersonals zur Selbstverständlichkeit wurden. In den 1980er- und 1990er-Jahren machten es mikroelektronische Endgeräte und neue Vernetzungstechnologien möglich, administrative Tätigkeiten in den digitalen Raum zu verschieben. Damit die neuen Benutzer:innen eigenständig an Computern arbeiten konnten, waren subtile Disziplinierungen, organisatorische Vorkehrungen und eine rigorose Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten am Rechner notwendig. Das Funktionieren der Verwaltung wiederum hing davon ab, dass mit der Verschiebung neuer Arbeitsbereiche hin zum Computer der Bezugsrahmen der analogen Praktiken nicht verloren ging. Dafür mussten die Informatikverantwortlichen der Bundesverwaltung Zuständigkeiten und Zugriffsrechte verteilen, Verfahren zur Dokumentation und Speicherung aushandeln und sicherstellen, dass Rechtskräftigkeit und Sicherheit auch bei Handlungen im Digitalen garantiert waren. Die Studie handelt von dieser Arbeit an der Schnittstelle zwischen Verwaltungswirklichkeit und einer zunehmend allgegenwärtigen und unverzichtbar werdenden digitalen Infrastruktur.
In den 1960er-Jahren übernahm zum ersten Mal eine Maschine dauerhaft die Funktion eines lebenswichtigen Körperorgans. Die künstliche Niere erhielt Menschen am Leben, welche die Medizin bis dahin nur beim Sterben hatte begleiten können. Wie gelang diese Ausweitung des medizinisch Möglichen in der Schweiz? Das Buch folgt der Entstehung einer neuen Wissenschaft von den Nierenkrankheiten, es erklärt, wie die Krankenkassen die teuerste Medizintechnik der Zeit finanzierten, und es zeigt, wie Nierenkranke und Angehörige die Anwendungsbedingungen mitgestalteten. Zentraler Gesichtspunkt ist dabei immer, dass die künstliche Niere kein einfacher Triumph über den Tod war. Ob Gleichbehandlung der Kranken, ob Gewinnmargen im Gesundheitswesen, ob Selbstbestimmung am Lebensende: Das erste Ersatzorgan brachte Probleme auf, die seither im Umgang mit Medizin wichtig geblieben sind.
Die Brauerei Haldengut prägt Winterthur bis heute. Weniger bekannt ist ihr Direktor Fritz Schoellhorn (1863–1933); der im schweizerischen Brauwesen eine wichtige Rolle gespielt hat. Das Neujahrsblatt 2025 der Stadtbibliothek zeichnet die Geschichte des Biers in Winterthur nach und nähert sich Fritz Schoellhorn als Patron, Bürger; Familienvater und Verfasser verschiedenster Publikationen an. Wie konnte eine mitten in den Weinbergen gelegene Brauerei die Winterthurer Bevölkerung zum Bierkonsum bringen? Wie kam ein Winterthurer Bierbrauer zum ETH-Ehrendoktortitel? Und wie steuerte er seinen Betrieb durch die Verheissungen der Industrialisierung, durch Arbeitskämpfe, Aktionen der Antialkoholbewegung und die Umwälzungen des Ersten Weltkriegs?Der Patron Fritz Schoellhorn (1863–1933) hat nicht nur die Winterthurer Brauerei Haldengut zum Erfolg geführt; sondern im ganzen schweizerischen Brauwesen eine wichtige Rolle gespielt. Er erforschte das Brauen aus naturwissenschaftlicher Sicht und entwickelte es vom Handwerk zur Technologie. Dabei blieb er auch von Rückschlägen und Unglücken nicht verschont. Im Neujahrsblatt steht die Figur Schoellhorns im Zentrum, das Buch erzählt aber auch allgemein die Geschichte des Biers in Winterthur von den Anfängen bis in die Gegenwart. Fotografien aus Privatbesitz öffnen ein Fenster in die Zeit zwischen 1880 und 1930.
Intersektionale Ansätze sind in den Geschichtswissenschaften keine Seltenheit mehr, und nachdem sie lange auf die Kategorien race/class/ gender reduziert worden waren, wandelte sich der Umgang mit den vermeintlich fixen Kategorien in den letzten Jahren. Es wurde deutlich, dass gerade diese intersektionale Analyseperspektive es ermöglicht, Untersuchungen von Hierarchisierungsmechanismen in ihrer Komplexität zu erhalten und Binnendifferenzierungen offenzulegen. Davon ausgehend fragt das Heft: «Wer MACHT Geschichte?» Als forschende Historiker:innen und Akteur:innen in der Geschichtsbildung und -vermittlung müssen wir darauf bedacht sein, ungleiche Machtteilhabe mit unseren Kategorienbildungen nicht zu reproduzieren und so zu perpetuieren, sondern diese sichtbar zu machen und kritisch zu reflektieren, um so langfristig zu ihrem Abbau beizutragen. Wie aber kann dies – an universitären wie ausseruniversitären Einrichtungen – aussehen, und welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten ergeben sich? Die Beiträge des Heftschwerpunkts nähern sich diesen Fragen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven, bieten Analysen, machen Vorschläge und fordern heraus.
Wie hat wissenschaftliche Forschung das Gesicht erhalten, das sie heute in Hochglanzprospekten und an Network-Events präsentiert? Seit den 1990er-Jahren hat sich die Art und Weise, wie Forschung gedacht, organisiert und legitimiert wird, fundamental gewandelt. Mit dem Einzug der Praktiken des New Public Management und einer massiven Aufstockung der Fördermittel alleine ist dieser Wandel aber nicht zu erklären. Auch das Bild der Wissenschaft und die Forschungspraxis haben sich in dieser Zeitspanne verändert. Der Autor zeichnet am Fallbeispiel der Schweizer Initiative für Systembiologie, SystemsX.ch, den Wandel der Forschungspolitik und der Life-Sciences zwischen 1990 und 2016 in der Schweiz nach. Die Entstehung und das Funktionieren der hochdotierten Förderinitiative - der Bund investierte rund eine halbe Milliarde Schweizer Franken in SystemsX.ch - wird dabei in den gesellschaftlichen Kontext eingeordnet.
Das Buch "Theater und Öffentlichkeit" bietet eine umfassende Analyse der Rolle der Theatervermittlung in der zeitgenössischen Theaterlandschaft. Es beleuchtet, wie Theaterschaffende, Kulturförderer und die Öffentlichkeit miteinander interagieren und welche Ziele mit der Vermittlung verfolgt werden. Der Sammelband enthält Beiträge, die verschiedene Theaterformen und Vermittlungsansätze untersuchen, darunter Freilichttheater und die Integration von Menschen mit Behinderungen. Zudem wird die Bedeutung von Theaterattachés und die Öffnung von kulturellen Institutionen für ein breiteres Publikum thematisiert. Der erste Teil des Buches behandelt die Perspektiven und Herausforderungen, die sich aus diesem Spannungsfeld ergeben, während der zweite Teil die Theaterberichterstattung anhand von Beispielen aus der Berner Presse analysiert. Eine umfassende Befragung von Theatergänger*innen gibt Einblicke in die Wahrnehmung und Nutzung von Theaterberichterstattung. Dieses Buch ist eine wertvolle Ressource für alle, die sich für die Schnittstelle zwischen Theater, Öffentlichkeit und Vermittlung interessieren.
Der Band unterstreicht die konstitutive Bedeutung des Weissseins für die nationale Identitätsbildung in der Schweiz und zeigt, wie Schweizer Texte durch subversive Erzählstrategien konventionelle Auffassungen von Herkunft und Hautfarbe herausforderten und den Konstruktcharakter solcher Identitätsmerkmale sichtbar machten. Mit Beiträgen zu Benjamin Constant, J. J. Bachofen, C. F. Meyer, Gottfried Keller, Felix Moeschlin, Friedrich Glauser, Jonas Fränkel, Friedrich Dürrenmatt, James Baldwin, René Gardi, Thomas Duarte und Kim de l’Horizon setzt sich der Band kritisch mit dem Mythos auseinander, dass Kategorien wie ‹Rasse›; Hautfarbe und Ethnizität in der Schweizer Kultur und Literatur stets nur eine marginale Rolle gespielt hätten, während die Beteiligung der Schweizer Wirtschaft an kolonialen Unternehmungen und der Schweizer Wissenschaft an der Ausformung des westlichen Rassismus gut belegt ist. Die Beiträge verdeutlichen, dass Vorstellungen von Weisssein auch in der Literatur wesentlich zur Konstitution sowohl einer westlichen als auch einer national-schweizerischen Identität beigetragen haben. Zugleich veranschaulichen sie, wie auf dem Territorium der Literatur kulturelle Grenzziehungen verunsichert oder neu verhandelt werden können. Weit davon entfernt, Weisssein einfach zu affirmieren, verfolgen etliche der analysierten Texte Strategien, die einer Reproduktion von Stereotypen und kolonialen Erzählmustern entgegengenwirken.
2024 sind es genau 200 Jahre her, seit der junge Bernhard Rieter (1805–1883) aus Winterthur zum ersten Mal seine Heimat verliess und fremde Kulturen kennenlernte. Zunächst bereiste er Ägypten, wo er sich fünf Jahre lang aufhielt. Etwas später folgte ein Aufenthalt in Konstantinopel (Istanbul). 1843 trat Rieter die grösste Reise an, die ihn nach Indien, Indonesien, Burma (Myanmar), Singapur, auf die Philippinen und bis an die Südküste von China führte. Von allen diesen Reisen schickte er ausführliche Briefe an seine Familie in der Schweiz. Diese sehr lebendig geschriebenen Dokumente zeugen von einer aufgeschlossenen Persönlichkeit mit vielfältigen Interessen und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Rieter schilderte Natur, Kultur und Bevölkerung der bereisten Länder. Seine Briefe offenbaren eine kritische Haltung gegenüber den Kolonialmächten und sind wertvolle Zeugnisse aus der Zeit, als sich der Handel von Schweizer Firmen mit dem Osmanischen Reich und mit Asien zu etablieren begann.
Schon im 16. Jahrhundert wird die politische Ordnung der alten Eidgenossenschaft als Besonderheit wahrgenommen. Der Theoretiker des Absolutismus, Jean Bodin, spricht von «demokratischen Regimentern». Im frühen 19. Jahrhundert betont der konservative Publizist Alexis de Tocqueville die «einzigartige Originalität» der politischen Entwicklung der Schweiz. Ebenfalls in der Frühneuzeit sind in der Eidgenossenschaft erste Spuren eines republikanischen Selbstverständnisses zu finden, die einerseits den antioligarchischen Tugenddiskurs fördern, andererseits Kernelemente des Mythos Schweiz enthalten, der sich später zur Bauernstaatsideologie verdichtet. In diesem Spannungsfeld von Fremd- und Selbstwahrnehmung sind im Kontext der demokratischen Bewegung der 1860er-Jahre die ersten wissenschaftlichen Werke zur Entstehung der «direkten Demokratie» in der Schweiz entstanden. Die vorliegende Studie zeichnet die historiografische Entwicklung der Erforschung der halbdirekten Demokratie nach, rekonstruiert Forschungskontroversen, hinterfragt die gängigen Narrative und konfrontiert diese mit dem aktuellen Forschungsstand. Ausgehend von diesen Neuansätzen werden offene Fragen und Defizite der Erforschung der direkten Demokratie erörtert. Die Überlegungen sollen dazu beitragen, den öffentlichen Diskurs mit den Erkenntnissen der modernen Geschichtswissenschaft zu konfrontieren und gleichzeitig eine Orientierungshilfe für die anstehenden Diskussionen über das zukünftige Verhältnis zwischen der Schweiz und der Europäischen Union zu bieten.
Jugendliche in beruflicher Grundbildung sind das Herzstück des schweizerischen dualen Berufsbildungssystems. Trotz ihrer Schlüsselrolle waren Lehrlinge und Lehrtöchter (wie sie bis vor kurzem genannt wurden) und ihr Sozialisierungsprozess bislang nur am Rande Gegenstand der Forschung. Die Studie nimmt sich des Themas aus historischer Perspektive an. Der Blick wird auf die Jahre 1950–1970 gerichtet, die nicht nur für die Entwicklung der Berufsbildung in der Schweiz, sondern auch für den Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Lernenden eine bedeutsame Periode darstellen. Wer waren diese Jugendlichen? Wie haben sie ihre berufliche Ausbildung verbracht und wie ihre Freizeit gestaltet? Wie wurden sie beurteilt? Was wurde über sie geschrieben? Wann bekamen sie selbst eine Stimme in der medialen Öffentlichkeit? Mit diskursanalytischem Vorgehen konnten drei gesellschaftlich konstruierte Lehrlingsbilder eruiert werden, die aufzeigen, wie sich Jugendliche in beruflicher Ausbildung durch den Ausbau der Schulen und eine verstärkte Medienpräsenz in der öffentlichen Wahrnehmung von konform arbeitenden zu selbstbestimmt lernenden Personen entwickelten.
Musterhäuser wurden über Jahrzehnte auf Welt-, Landes-, Bau- und Wohnausstellungen gezeigt. Nicht nur Architektur und Möbel sollten mit und in ihnen präsentiert werden – sie veranschaulichten zugleich gesellschaftliche Leitbilder und wurden oft für Propaganda instrumentalisiert. In den Musterhäusern verdichteten sich damit zeitgenössische Gestaltungsfragen und gesellschaftliche Debatten. Den Kern der vorliegenden Untersuchung bilden 26 Häuser, die zwischen 1896 und 1964 an Schweizer Ausstellungen gezeigt wurden, mit einem besonderen Fokus auf die Schweizerischen Ausstellungen für Frauenarbeit (Saffa).
Der Band präsentiert eine Auswahl der philosophischen Schriften, die Gebser nach seinem Hauptwerk «Ursprung und Gegenwart» schrieb. Die bekanntesten sind «Asien lächelt anders» und «Der unsichtbare Ursprung», der letzte grössere Essay vor seinem Tod 1973. «Asien lächelt anders» schrieb Gebser nach einer Reise im Jahr 1961, die ihn von Indien über Nepal nach China und Japan führte. Es ist kein Reisebericht, auch keine kulturgeschichtliche Studie. Das Besondere und heute noch verblüffend Originelle ist die Beschreibung von Grundstrukturen des Bewusstseins, die in Asien anders in Erscheinung treten, aber letztlich uns allen gemeinsam sind. So kann im vordergründig Fremden das Eigene bewusst werden. Gebser zeigt, dass die Vielfalt der Bewusstseinsformen, die er in «Ursprung und Gegenwart» diachron als Entfaltung unterschiedlicher Bewusstseinsstrukturen beschrieben hat, synchron erfahrbar ist, wenn wir reisen und mit offenen Augen anderen Kulturen, Sprachen und Menschen begegnen. Wir erfahren die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Das wird in seinen letzten Schriften noch deutlicher: Wir können diachron und synchron voneinander lernen. Das Fremde ist das uns noch unbekannte Eigene in uns selbst, das wir in der Begegnung mit dem Fremden entdecken können. Gebser hat früh erkannt, dass wir in einer Welt leben und die verschiedenen Kulturformen Ausdruck gemeinsamer menschlicher Erfahrungen sind.